Passion for Film: Ein Interview mit Katie Krulock

Die Serie Ache of Nature der amerikanischen Filmfotografin Katie Krulock untersucht die schöpferische Kraft des Menschen und seine Beziehung zur Umwelt. Mit Fotografien, die größtenteils mit abgelaufenem Film arrangiert und aufgenommen wurden, schafft sie eine mysteriöse Ästhetik aus fragwürdigen Szenerien in Landschaften, die gänzlich unbekannt erscheinen.

Hi Katie, willkommen im Lomography-Magazine! Zu allererst, wann hast du mit der Fotografie — insbesondere mit der Filmfotografie — angefangen?

Ich bin in einer sehr ländlichen Stadt in Ohio aufgewachsen, es war wirklich kein Ort, an dem man mit dem Fahrrad zum Haus der Freunde fahren oder sonst viel ohne Auto unternehmen konnte. Bis ich alt genug war, um meinen Führerschein zu machen, war ich ziemlich gut darin, mich zu Hause zu beschäftigen. Neben der Musik und dem Fahren von Dirtbikes wurde die Fotografie zu einem kreativen Zeitvertreib. Was Film angeht, habe ich meine erste Rolle Schwarz-/Weiß-Film mit meiner Freundin Mary verschossen & entwickelt, als ich 18 Jahre alt war. Das war mit einer Pentax K1000, die mir meine Tante freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte. Diese Arbeitsweise war ein ganz besonderes Gefühl und ich habe damit einfach weiter gemacht. Ein paar Jahre später zeigte mir meine Freundin Molly, wie sie am College C-41-Farbfilme entwickelt und das gab mir ein Gefühl von Verständnis und die Fähigkeit, dieses Medium beherrschen zu können..

Das Mediums Film erlaubt dir deine einzigartige Ästhetik, die stark auf analoge Eigenarten wie Korn, Light-Leaks usw. beruht. Kannst du uns mehr darüber erzählen, auf welche Qualitäten es dir bei deinen Fotos ankommt?

Ich fotografiere sehr viel mit abgelaufenen Filmen, hauptsächlich weil die erschwinglicher sind, aber auch, weil sie mir ein Gefühl der Unberechenbarkeit bieten, das mir einfach Spaß macht. Am liebsten fotografiere ich mit einer Fuji 6x7. Ich schätze, ich neige bei Farbbildern zu wärmeren Tönen. Film bietet viele Möglichkeiten für Textur, Schwarz-/Weiß verleitet mich definitiv dazu, mehr Korn zu wollen. Ich glaube, ich suche immer nach einem Gefühl der Zweideutigkeit, das dem Betrachter erlaubt, meine Bilder so zu deuten, wie es ihm gefällt, ohne dass ich ihn in eine bestimmte Richtung dränge.

Eine Serie, die sich am stärksten von deinen anderen Arbeiten abhebt, ist die ruhige, aber düstere Sereie Ache of Nature. Was hast du hier versucht einzufangen, beziehungsweise was ist die Geschichte dahinter?

AON ist eine Sammlung, die ich seit ungefähr 7 Jahren zusammenstelle. Sie zeigt im Grunde meine Wahrnehmung der menschlichen Beziehung zwischen Pneuma und Erde. Für mich kam alle zusammen, als ich im letzten Winter an der Westküste Irlands in einer Künstlerresidenz unterkam. Ich war schon immer fasziniert von weiten Landschaften, kühler Luft, Orten, an denen menschliche Strukturen mit den natürlichen Landschaften im Einklang sind.

Diese Gebäude haben für mich dieses bestimmte Gefühl der Beständigkeit. Ich fühlte mich immer dazu gedrängt, allein zu sein und neige dazu, so oft wie möglich an diese Orte zu reisen. Orte, die mich daran erinnern, wie überwältigend groß die Welt ist, geben mir ein Gefühl der Erleichterung von alltäglichen Ängsten und Dinge, über die ich letztendlich keine Kontrolle habe. Ich habe einen beträchtlichen Teil meines Lebens damit verbracht, mit der Tatsache zu kämpfen, dass ich eines Tages sterben werde. Nicht aus Angst vor dem Sterben, sondern aus Angst, dass ich die Erde nicht vollständig als das erlebe, was sie ist. Ich bin mir nicht sicher, warum ich so fühle, warum es mir so wichtig ist. Es ist nicht etwa so, das ich meine, ich könne nach dem Tod irgendetwas mitnehmen oder mich erinnern, aber menschlich zu sein ist etwas, das ich vollständig erfahren möchte. Es fühlt sich wichtig an, genau so zu existieren, wie es vergeblich zu sein scheint.

Was hat dich zu Ach of Nature inspiriert?

Eine Menge von dem, was mich im vergangenen Jahr angetrieben hat und für einen großen Teil der AON-Serie verantwortlich ist, geht auf mein gebrochenes Herz zurück. Ich glaube wirklich nicht, dass es mich inspiriert hat, aber es hat mich dazu gedrängt, mich mit den Dingen, die ich liebe, intensiver zu beschäftigen als je zuvor. Ich fühle mich unglaublich inspiriert von den Menschen, die mir am nächsten stehen, von denen man zwei sogar meine Musen nennen könnte. Sadie Shoaf leitet Three Pigs Vintage, für die ich oft fotografiere. Mary Terrett ist oft mein Model. Sie war ganz zufällig auch diejenige, die ich mit meiner ersten Rolle Film fotografiert habe.

Wir haben letztes Jahr angefangen zusammen zu arbeiten und es hat sich zu einer echten Partnerschaft entwickelt. Dank Sadies Kreation habe ich mit unglaublichen Leuten zusammengearbeitet - Models, Musikern, Künstlern, Fotografen, usw. und ich bin jedesmal sehr glücklich, in irgendeiner Weise involviert zu sein.

Wenn du mit einem Fotografen, Künstler oder einer Person, egal ob tot, lebendig oder fiktiv, zusammenarbeiten könntest, wer wäre das?

Ganz unrealistisch: David Bowie. Etwas realistischer habe ich immer schon versucht, mit Musikern und anderen Künstlern arbeiten.

Ich liebe alles, was Moses Sumney geschrieben hat und es wäre ein Traum, mit ihm zusammenzuarbeiten. Samantha Pleet ist eine unglaubliche Modedesignerin, die gerade eine sehr schönen Serie an Schuhen herausgebracht hat und Angel Olsen rockt auf ihre ganz eigene Weise. Es wäre ein Traum, mit denen zusammen etwas zu machen.

Was sieht ein Tag im Leben von Katie Krulock aus?

In letzter Zeit hatte ich das Gefühl, als hätte ich mich gerade so durchgeschlagen. Ich zog vor drei Monaten zurück in meine Heimatstadt in Ohio, nachdem ich 8 Jahre in Pittsburgh gelebt und gearbeitet hatte. Der vergangene Winter war wirklich schwierig, nicht nur für mich, sondern für viele Menschen, die ich sehr liebe. Sich neu zu orientieren fühlte sich unumgäglich an. Mein Vater und mein Onkel waren so nett, ihren Laden mit mir zu teilen. So konnte ich meine Dunkelkammer dorthin verlegen. Ich wache auf, koche Kaffee, umarme meine Mutter, streichle meine Katze und radle ein paar Meilen die Straße hinauf zum Laden. Ich bin freiberuflich tätig, so dass ich mich ein oder zwei Wochen im Monats in Pittsburgh befinde.

Freunde und Freunde von Freunden schicken mir ihren Film zur Bearbeitung und das ist im Grunde, wodurch ich mir Benzin für mein Auto und Filme für meine Kameras leisten kann. Also bin ich unendlich dankbar dafür, dass die Leute mir zutrauen, ihren Film zu entwickeln. Ich fühle mich jeden Tag immer mehr geerdet und ich denke, mein nächster Schritt ist es, herauszufinden, wo ich in Zukunft leben möchte. Bis dahin habe ich mich gerade auf Künstlerresidenzen beworben und lasse mich einfach treiben.

Was machst du normalerweise während deiner Freizeit? Gibt es laufende Projekte oder andere Pläne, an denen du arbeitest?

Ich lese viel, betrachte Layouts für Kunst-und Fotobücher, spiele Gitarre, schlafe in meinem Zelt und fahre einfach herum. Ich habe an zwei Buchlayouts gearbeitet - an Ache of Nature und einer neueren Serie namens Fool-Ish.


Besuche Katies Website, um mehr von ihren Arbeiten zu sehen und folge ihr auf Instagram.

2018-07-07 #people
übersetzt von dopa

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