Meisterhafte Imitation eines Klassikers: Das Jupiter-3 50/1.5

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Das Jupiter-3 (Юпитер-3) ist ein 50mm Objektiv mit einer Lichstärke von f/1.5 für Messucherkameras mit M39-Gewinde (oder Kiev4/Contax-Bajonett), das ab 1948 von den sowjetrussischen KMZ-Werken - den Schöpfern der Zorki- und Zenit-Kameras - produziert wurde. Der optische Aufbau von 7 Linsen in 3 Gruppen ahmt das Sonnar 50/1.5 von Carl Zeiss nach, ist jedoch keine exakte Kopie des bereits 1931 patentierten Objektivs, sondern nutzt einen geringfügig veränderten Aufbau. Die besonders große Blende von f/1.5 erzeugt eine besonders Fläche Tiefenschärfe und ermöglicht so besonders eindrucksvoll die optische Freistellung des Motivs. Dazu kommt, dass durch die hohe Lichtstärke auch Aufnahmen bei relativ geringer Beleuchtung ohne Blitz möglich werden.

Beim Erstkontakt mit meinem Exemplar aus dem Jahr 1957 hatte ich aber zunächst mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen: Analoge Messsucherkameras haben - verglichen mit Spiegelreflexkameras - einen konstruktionsbedingten Nachteil. Man sieht eben nicht exakt, was das Objektiv sieht und damit auch nicht, ob das Motiv nun wirklich scharf ist, oder nicht. Man muss sich da einfach auf die Genauigkeit der Kameratechnik verlassen. Das gilt insbesondere bei Objektiven, die so lichtstark sind wie das Jupiter-3. Es hilft etwas abzublenden und die Kameras ab f/4 zu nutzen, um die Schärfentiefe zu erhöhen. Aber man braucht nun wirklich kein Objektiv mit f/1.5, um dann abzublenden. Vor allem nicht, wenn man eh schon etliche Objektive mit etwa 50mm im Regal liegen hat. Bei den typischen Zorkis und FED-Kamaras, ist aber häufig die Technik nicht akkurat bzw. zuverlässig genug, der Sucher zu dunkel, der Rangefinder-Patch zu ungenau oder einfach die Messbasis zu gering.Ich fotografierte fast ausschließlich mit f/1.5 und in Folge der technischen Limitierung waren fast alle Bilder unscharf, und ich schwer enttäuscht. Mein Eindruck hat sich jedoch drastisch geändert, als ich das Jupiter-3 mit der Voigtländer Bessa R nutzte, die ich von @darryl bekommen habe. Plötzlich war der Fokus da wo er sein sollte und das Objektiv konnte seine volle Magie entfalten. Wie bei vielen anderen sowjetischen Objektives jener Zeit, findet man auch beim Jupiter-3 typische Eigenschaften. Dazu gehört u.a. eine relativ scharfe Mitte mit deutlichem Schärfeabfall zu den Rändern, eine charakteristische Farbwiedergabe und bei Nutzung von Schwarz-/Weiß-Filmen ein beeindruckenden Grauton-Umfang, der die Bilder noch lebendiger wirken lässt. Ein Scan vom Negativ wird dem ganzen nicht gerecht, projizierte Dias und Handabzüge haben eine plastische Wirkung, die einfach beeindruckend ist.

Da das Jupiter-3 jedoch überhaupt nicht vergütet ist, sollte man bei den Aufnahme immer genau darauf achten, wie die Sonne gerade steht. Bei Innenaufnahmen muss man auf entsprechende Lichtquellen achten. Fällt aus einem hohen Winkel Licht auf die Frontlinse, entstehen fast garantiert Lens Flares. Eine Streulichtblende mit 40.5mm Gewinde leistest aber schnell Abhilfe.Bei Objektiven dieses Alters, muss man natürlich bedenken, dass natürlich der Zahn der Zeit an den Objektiven genagt hat, Kratzer, Dellen und ähnliches sind da keine Seltenheit. Zudem kommt die für Objektive aus der ehemaligen UdSSR üblichen Fehlertoleranzen. Mein Exemplar hat beispielsweise 2 Luftblasen im in einem Element und etliche Putzkratzer. Glücklicherweise scheint dies in meinem Fall die Bildqualität nicht zu beeinflussen, sollte aber beim Kauf beachtet werden. Mit der entsprechenden Kamera, also einer deren Messsucher richtig funktioniert, macht das Objektiv einen riesen Spaß. Die weitaus häufigere Version mit M39-Gewinde lässt sich sogar problemlos an eine Vielzahl an spiegellose Digitalkameras adaptieren, falls man wirklich so tief sinken will, jedoch geht dann der Randeffekt bei offener Blende verloren, wenn man keine „Vollformat“-Kamera nutzt, andererseits ist das Jupiter-3 wegen seiner stufenlos verstellbaren Blende sicher auch interessant, um damit digital zu filmen.

Übrigens gibt es mit dem Jupiter-3+ eine überarbeitete Neuauflage mit M39-Gewinde. Das war um ehrlich zu sein auch der Grund, warum ich das Original mal ausprobieren wollte. Hergestellt wird das Jupiter-3 von Zenit, die damals noch als KMZ schon das Original bauten, bietet es die gleiche Bildqualität, technisch optimiert und inklusive einem Adapter zur Nutzung des Objektivs an Kameras mit Leica M-Mount. Doch egal ob alt oder neu, das Jupiter-3 ist ein Objektiv, das jeder Besitzer einer entsprechenden Kamera mal ausprobieren sollte.


Bist du genauso begeistert von dem Jupiter-3? Dann besuche doch einmal die New Jupiter 3+ Microsite. Dort findest du Fotografie-Tipps, technische Details und vor allem durch jede Menge inspirierende Fotos. Das Objektiv erhältst du in unserem Online-Shop
oder in einem unserer Gallery-Stores.

geschrieben von dopa am 2018-05-08 in #gear #review #lens #jupiter-3

Ein Kommentar

  1. steamtug1959
    steamtug1959 ·

    Das gute alte Jupiter 3 ist trotz seines Alters noch heute aktuell !!! Elegantes Aussehen, schönes Bubble Bokeh und extrem leicht (...140 g ) aber schwierig, gut erhalten zu finden.
    Die Neuauflage, falls man noch ein Exemplar finden sollte, ist sicher ein guter Deal !!!
    Schöner Artikel, Vielen Dank @dopa !!!
    Ralph

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