Mii Yatogis Alttagsleben auf Film: Ein Interview

Die besten Künstler sind nicht immer die reichen und berühmten. Nicht immer und nicht einmal oft. Es sind die leidenschaftlichen Künstler, die auf ihre Art selbst Helden sind. Die japanische Fotografin Mii Yatogi atmet, liebt und lebt analog. Lies hier im Lomography-Magazine unser Interview mit ihr.

Hallo Mii! Willkommen im Lomography-Magazin! Erzähl uns bitte zunächst, wie du als Fotograf angefangen hast.

Hallo, ich bin einfach ein großer Fan der Fotografie. Als ich in London Englisch studierte, ging ich oft mit einer digitalen Kompaktkamera zu Auftritten von Indie-Bands und habe Schnappschüsse auf meinen japanischen Blog hochgeladen. Einige meiner Follower baten mich, Fotos und Videos von ihren Lieblingsbands zu machen, die noch nie in Japan gespielt hatten, so wurde es zu einer meiner Routinen, Fotos von Leuten zu machen.

Nachdem ich zurück in Tokio kam, war es nicht erlaubt, auf Konzerten Fotos zu machen, also hab ich angefangen Fotos von Tieren, Essen, Freunden und so weiter zu machen. Ich konnte einfach nicht damit aufhören, Schnappschüsse zu machen. Ich kaufte mir sowohl eine digitale als auch eine analoge Spiegelreflexkamera und fing an, für mich selbst mehr über Fotografie zu lernen.

Du fotografierst mit Film. Dürfen wir fragen warum?

Film braucht keine Filter. Film liefert wundervollen Kontrast und tolles Korn und muss nicht nachbearbeitet werden.

Du machst auch viele Portraits, bei denen du dich oft auf bestimmte Körperteile konzentrierst. Was ist dein Lieblingsteil des menschlichen Körpers und warum?

Die Hände. Ich liebe die Bewegungen von Händen und Fingern. Vielleicht mag ich sie, weil sie so flexibel und weich sind und so universell aussehen.

Du fotografierst auch gerne Katzen. Katzen haben so einige Eigenarten, sie können launisch sein, klug, oder einen völlig überraschen. Erzähl uns etwas, das dir an ihnen aufgefallen ist.

Sie sind mysteriöse Kreaturen. Sie sind wirklich süß, sehen aber manchmal auch böse und faszinierend aus. Weich und flauschig, bewegen sich aber wie Flüssigkeiten. Ich habe es nie satt, sie zu beobachten und sie zwingen mich, Fotos von ihnen zu machen.

Film ist heute ein altes Medium, aber es gab eine Renaissance. Glaubst du, dass die analoge Fotografie eine bestimmte Ästhetik hat, die die digitale Fotografie nicht imitieren kann?

Die Leute sind all die Bilder auf Instagram und die ganzen extrem bearbeiteten Fotos einfach leid. Manche wollen vielleicht lieber die einfacheren Dinge oder normale Momente fotografieren. Und andere machen Fotos mit einer Einwegkamera, um sie in den Sozialen Medien zu teilen, weil sie diese weiche Vintage-Atmosphäre haben, die digitale Fotos niemals haben. Film-Fotografie kostet und braucht Zeit, um zu sehen, was wir fotografiert haben, aber sie ist persönlicher, als einfach so digitale Fotos zu machen und es macht auch Spaß, die Ergebnisse erst nach der Entwicklung zu sehen.

Was ist dein Lieblings-Aspekt an Foto-Walks und Shootings, abgesehen vom Fotografieren und "im Moment" zu sein?

Da ich selten Zoomobjektive benutze, muss ich mich bewegen, um die Komposition zu bekommen, die mit meiner Vorstellung übereinstimmt. Ich liebe diesen Moment, denn ich bin dann wirklich konzentriert und vergesse alles außer dem, was ich durch das Kameraobjektiv sehe.

Woher nimmst du Inspiration? Wer sind deine Musen?

Ich gehe oft in Museen und Shops, um mir Kunst oder schöne Designs an zu sehen. Es sind Fotografien, Zeichnungen, Mode, Interieur und viele andere Dinge, die mich inspirieren. Ich habe meine Musen noch nicht getroffen und mache oft einfach Selbstportraits.

Wenn du dich mit irgendeinem Fotografen oder Künstler treffen und mit ihm zusammenarbeiten könntest, wer wäre es und was würdest ihr tun?

Ich glaube, ich würde mit Künstlern, die keine Fotografen sind, zusammenarbeiten wollen und ein völlig neues Projekt anfangen oder aber ein Fotobuch mit einem Fotografen aus einem anderen Land machen.

Beschreibst du uns bitte, wie ein Tag im Leben von Mii Yatogi aussieht?

Ich bin kein Vollzeit-Fotograf. Ich arbeite im Büro, um Geld für meine Filme zu verdienen. In der Pause gehe ich in einen Buchladen, um mich inspirieren zu lassen und mir eine Tasse Kaffee zu holen oder Fotos zu machen.

Was machst du normalerweise in deiner Freizeit? Hast du irgendwelche laufenden Projekte oder andere Pläne für die Zukunft?

Wenn ich etwas Interessantes oder Neues in einer Zeitschrift oder dem Internet finde, gehe ich mit meinen Freunden oder meiner Kamera hin. Oder ich lerne Englisch, um es nicht zu verlernen, damit ich in der Zukunft einen anderen Job finde, der damit oder mit Kunst in Verbindung steht. Ich werde in Kürze Portrait-Fotos von einem Modell machen, ein Freund von mir macht da das Make-Up und die Haare. Für das nächste Jahr muss ich aber erst noch Pläne machen.


Ließ mehr in unserem ersten Artikel über Mii und besuch ihr Portfolio und Flickr-Seite, sowie ihr Facebook- und Instagram-Profil.

geschrieben von Ciel Hernandez am 2018-02-24 in #people
übersetzt von dopa

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