OTAMP: Wie Paul Pibernig aus einer kleinen Not heraus ein Kunstprojekt schuf

2017-11-10

One Thousand And More Pictures - unter dem Motto haben sich in Wien FotografInnen zusammengeschlossen, um gemeinsam mit einem spannenden Projekt ihre Liebe zur Analogfotografie zu teilen – und ihre Bilder mit der Welt.

Credit: Paul Pibernig

What you see is what you get klingt nicht nur super albern, sondern ist auch schon lange nicht mehr spannend. Das Schöne an der Analogfotografie ist eben genau die Tatsache, dass man es erst einmal nicht so genau weiß, wie das Resultat am Ende aussehen wird. Ein Gruppe von FotografInnen hat sich vor einer Weile in Wien zusammengeschlossen und mit One Thousand And More Pictures, kurz OTAMP, ein Projekt ins Leben gerufen, dass genau diese Besonderheit der Analogfotografie zu feiern scheint. Ähnlich wie bei Crowd Funding Projekten, zählt die Idee als Kunst, in die zu investieren gilt. Von dem gesammelten Geld wurden die Filme der Fotografen schließlich entwickelt und jeder Unterstützer durfte sich am Ende aus dem Pool der Resultate sein Lieblings-Print aussuchen.

Wir haben mit den teilnehmenden Fotografen gesprochen und nachgefragt, wie sie das Projekt erlebt haben.

Credits: Paul Pibernig

Willkommen im Lomography Online Magazin, Paul! Erzähl uns bitte kurz von dir und deiner Arbeit.

Ich lebe in Wien, bin freischaffender Fotograf, widme mich dem Medium der Fotografie aber auch als Geisteswissenschaftler.

Wie ist die Idee zu OTAMP entstanden und was hat dich dazu bewegt, sie umzusetzen?

Die Idee entstand eigentlich aus einer kleinen Not heraus. Mein Mitbewohner und guter Freund Simon Riegler und ich hatten durch unser exzessives Fotografieren einfach zu viele Filme im Kühlschrank, um sie alle entwickeln und scannen lassen zu können. Und es wurden ständig mehr. Da ich mich auch wissenschaftlich mit der Distribution von fotografischen Medien beschäftige, kamen da zwei Dinge zusammen und ich hatte die Idee, daraus ein Projekt zu machen: interessierte Leute sollten die Möglichkeit haben, sich sehr günstig Prints von Fotos kaufen zu können, die eben auf diesen noch unentwickelten Filmen drauf sind, und damit würden sie die Entwicklung und die Scans der Filme und das Projekt mitfinanzieren. Durch die Menge an Bildern, und wegen des etwas mysteriösen Touches kam ich auf den Namen One Thousand and More Pictures.

Credits: Paul Pibernig

Hat das Projekt rückblickend so funktioniert, wie ihr es euch vorgestellt habt?

Das Konzept war Anfangs nicht für alle sofort verständlich, aber als dies bewältigt war, hat es gut funktioniert. Im Grunde ist noch viel mehr daraus geworden und das Projekt entwickelt sich nach wie vor weiter. Die Leute, die mitgemacht haben, waren wirklich zufrieden mit ihren Prints und hatten Spaß am spielerischen Aspekt. Bei der zweiten Ausgabe wollte ich weitere FotografInnen dabei haben, wodurch es aufgrund der verschiedenen Stile eine vielfältigere Auswahl an Bildern gab. Es geht auch sicher nicht mehr nur darum, die Filme, die im Kühlschrank drohen kaputt zu gehen, entwickelt zu bekommen. Vielmehr soll eine Gelegenheit geschaffen werden, bei der sich Menschen zusammenfinden und sich in diesem Rahmen Werke von KünstlerInnen leisten können.

Credit: Paul Pibernig

Besonders viele der Fotos, die für das Projekt entwickelt wurden, zeigen Alltagsszenen, einfache Dinge. Für die Fotografen sind das oft die größten Herausforderungen. Was macht den Wert eines Fotos für dich persönlich aus, wodurch wird es zur Kunst?

Das ist eine komplexe Frage, die wahrscheinlich und hoffentlich von vielen unterschiedlich beantwortet wird. Für mich haben tatsächlich jene Bilder künstlerische oder ästhetische Relevanz, die ein Gefühl hervorrufen, oder eine Idee vermitteln können, die über das Bild, über das Visuelle, hinausgeht. Und was das genau ist, und wodurch dies bewirkt wird, kann ich gar nicht konkret festmachen. Als Wissenschaftler, der sich mit Bildern auseinandersetzt, hat aber grundsätzlich jedes Bild Relevanz und bestimmte Werte.

Credits: Paul Pibernig

Euer Projekt lebt vom Überraschungseffekt. Was hat dich persönlich dieses Mal am meisten überrascht?

Was mich teils echt zum Staunen gebracht hat, war, mit wie viel Freude und Energie sich die Leute mit der Auswahl ihrer Prints und deren anschließender Rahmung und Hängung beschäftigt haben. Das Ende des Projekts markiert ja ein kleines Fest, bei dem alle ihre Prints bekommen und noch die Möglichkeit haben, persönlich miteinander zu reden und die neu erstandenen Prints auch von den anwesenden FotografInnen signieren zu lassen. Natürlich schafft es nicht jede/r, die Prints persönlich abzuholen, weshalb ich auch einen Versand oder einen anderen Termin zur Abholung anbiete. Im persönlichen Gespräch habe ich dann aber auch erfahren, dass sich die meisten intensiv Gedanken darüber gemacht haben, welche Bilder sie ausgewählt haben und wieso. Dabei geht es nicht einfach nur darum, was gefällt, sondern auch stark um die Frage, wo und wie die Bilder in der Wohnung, dem Büro oder wo auch immer hängen werden und in welcher Zusammenstellung. Dabei entsteht eine ganz persönliche Verbindung zu den Bildern, was ich sehr schön finde.

Credits: Paul Pibernig

Durch dein Projekt bekommen die Fotografen im direkten Vergleich zueinander Feedback auf ihre Arbeit, je nachdem wie viele Fotos am Ende ausgewählt werden. Wie wichtig ist es dir persönlich, ob und wie deine Arbeit bei anderen ankommt?

Ich kommuniziere diese Zahlen nicht automatisch in der Gruppe oder gar nach Außen, weil ich nicht will, dass eine Art Ranking entsteht, was ja auch absolut nichts über die Qualitäten der einzelnen Bilder oder Serien aussagen würde. Wenn die Gruppe oder auch einzelne FotografInnen dies wissen wollen, gebe ich natürlich Auskunft darüber. Mir persönlich ist das aber auch absolut nicht wichtig. Was ich aber schon interessant finde ist, welche Bilder aus meiner eigenen Serie häufiger, weniger, oder gar nicht ausgewählt wurden. Dabei kann es dann auch Überraschungen geben, wenn man zum Beispiel ein bestimmtes Bild besonders mochte, es aber nur einmal ausgewählt wurde. Und im Gespräch mit der einen Person, die es ausgewählt hat, kann man dann auch darüber sprechen und herausfinden, was vielleicht beide am Bild gut finden.

Welches ist dein Lieblingsfoto des Projektes und weshalb?

Ein absolutes Lieblingsfoto kann ich gar nicht festmachen. Durch die unterschiedlichen Stile und Themen haben alle ihre ganz eigenständigen Schönheiten. Susanna Hofers Stillleben, Peter Jaunigs intime Einblicke durch seine präzisen Ausschnitte, Anna Breits Athenstreifzug, Zara Pfeifers Beobachtungen am Rande einer Transitroute, Jakob Dellachers tagebuchartige Aufnahmen, Simon Rieglers dunkle, ins Korn ausreißende Bilder und David Bogners festgehaltene Momente aus dem Wiener Nachtleben. Da fällt es mir schwer, ein einziges Bild auszusuchen. Wenn ich mich im Moment für eines entscheiden müsste, wäre es Peter Jaunigs Aufnahme von dem Herrn im Meer, der sich und gleichzeitig seinen Hund wäscht.

Credit: Peter Jaunig

Willst du zum Abschluss noch was loswerden?

Aber sicher: Mitte November startet die dritte Ausgabe von OTAMP. Zuviel darf ich noch nicht verraten, aber ich freue mich zum Beispiel sehr darüber, dass dieses Mal Elodie Grethen, eine von mir sehr geschätzte Fotografin, mit dabei sein wird. Sie hat vor Kurzem ihr erstes Buch Tokio Stories veröffentlicht. Elodie und alle weiteren teilnehmenden KünstlerInnen werden dann wieder auf der OTAMP Facebookseite und auf Instagram mit einigen ihrer Arbeiten vorgestellt werden.

Die OTAMP#3 Edition Prints kann man dann wieder bis Mitte Dezember über den Tictail Store erwerben.


Verfolgt das spannende OTAMP Projekt auf Facebook und Instagram!

geschrieben von birgitbuchart am 2017-11-10 in #News #people

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