Petzval Amigo: In und Um Paris mit Mathieu Claudon

2016-02-27

Heute lernen wir den Skateboarder und Fotograf Mathieu Claudon etwas näher kennen. Er weiß die besten Pariser Skate-Parks und schrieb sogar ein Buch darüber. Und rate einmal was in seinem Rucksack ist? Eine von Lomography’s Art Lenses, die Petzval 85.

Wie hast du mit dem Fotografieren begonnen?

Eigentlich, als man sich die digitale Spiegelreflexkameras leisten konnte – ein Bisschen weniger als vor 10 Jahren. Mein guter Freund Jeff kaufte eine Nikon D70 und er bat mich, ihn beim Skateboarden zu fotografieren. Das erste Foto ist gut gelungen. Ich war gefesselt. Nach ein paar Monaten kaufte ich meine erste digitale Spiegelreflexkamera. Ich begann meine Kamera zu jeder Session mitzubringen und meine Zeit zwischen skaten und fotografieren aufzuteilen. Mit der Zeit fotografierte ich mehr und skatete immer weniger.

Und was ist mit dem Skateboarden?

1988 sind meine Eltern umgezogen. Ich war in einer kleinen Ortschaft in der Normandie, wo ich niemanden kannte. In der örtlichen Bücherei fand ich mein erstes Skateboard-Magazin, Noway. Ich entdeckte eine brandneue Welt, eine eigene Kultur und Bilder. Es war wie Liebe auf den ersten Blick.

Wieso entschiedst Du dich, Fotografie und Skateboarding zu verbinden?

Das kam ganz von selbst. Beim Skateboarden ist viel körperliche Arbeit erforderlich. Immer älter werdend, mit professionellen und familiären Verantwortungen, durfte ich es mir nicht mehr erlauben, mich zu verletzten. Es kann schnell frustrierend werden. Aber trotzdem liebte ich skateboarden und ich konnte nicht aufhören. Auf eine gewisse Art war Fotografie ein Weg, meine Leidenschaft weiterzuentwickeln, ihr einen neuen Sinn zu geben und zurück zu den Wurzeln zu gehen.

Wieso arbeitest Du ausschließlich in Schwarz-Weiß?

Meine allerliebsten Skate-Bilder sind schwarz-weiß. Ich liebe schwarz-weiß. Einfache Bilder, mit einem starken Kontrast, die genau auf den Punkt kommen. Ich denke, es ist robuster. Und es war eine Möglichkeit meine Arbeiten zu vereinheitlichen.

Lass uns über dein Buch Paris, Skate in the City, das Du mit Etienne Bouet geschrieben hast, reden. Wie hat dieses Projekt begonnen?

Ich traf Etienne, als er sein erstes Buch „Skateurs Ordinaires“ fertigstellte. Sein Herausgeber verließ ihn wenige Wochen vor dem Druck also suchte er einen neuen um sein Manuskript bereitzustellen. Er hatte einen guten Vertrag mit Eyrolles. Das Buch passte nicht so recht in ihren Katalog, aber sie haben versucht ein Buch über skateboarden zu schreiben. Würde Etienne mit einem Projekt wiederkommen, wären sie bereit gewesen es zu besprechen.

Etienne kannte meine Fotos, deshalb rief er mich umgehend an. Wir mussten eine Idee finden, eine sehr gute, etwas, etwas das noch nie gemacht wurde und auch nicht wieder gemacht werden konnte. Ich wollte ein Buch für Skate-Fotos machen, aber nicht nur für Skateboarder, also kein Sportfotobuch. All das im Hinterkopf, war es relativ schnell vollbracht. Paris – es war die Hauptidee dort zu arbeiten. Unser täglicher Spielplatz und die touristischste Stadt der Welt. Es konnte nichts schiefgehen.

Ist der Titel eine Anspielung auf:
A : Sex in the City
B : In the City by Chromatics
C : In the City by Joe Walsh

Antwort: A. Schuldig, euer Ehren! Wir mussten im Titel „Paris“ und „Skateboarden“ unterbringen, etwas, das in Frankreich so gut wie international ankommen würde. Es begann als Scherz, aber da es funktionierte, behielten wir es.

“Ich liebe schwarz-weiß. Einfache Bilder, mit einem starken Kontrast, die genau auf den Punkt kommen. Ich denke, es ist stärker.”

Du machst eine Karte von Pariser Skate-Plätzen, während Du den Leser mit unbekannten, sowie auch Skate-Ikonen bekannt machst. Kannst Du uns ein bisschen mehr über diese sehr bestimmte Herangehensweise erzählen?

Wir wollten etwas, das direkt mit der Stadt verknüpft ist. Die bestimmten Bezirke zu nutzen, war ein klarer Weg für uns, genau wie einheimische Skateboarder zu unterstützen. Also suchten wir genau danach, um der Arbeit eine internationale Dimension zu verschaffen. Ich schon, Portraits von amerikanischen Profis, die ich persönlich sehr schätze. Mein Freund, der Journalist namens Fabrice Le Mao, der in Los Angeles lebt, ermöglichte mir diese Interviews erst. Und so haben wir entschieden, ein Portrait und einen Text über diese Skate-Legenden und deren Verbindungen zu Paris zwischen jedem Kapitel zu ergänzen.

Raphaël Zarka, ein Künstler, der vom Skateboarden inspiriert wird, schrieb die Einleitung für das Buch. Wer hat wen angesprochen?

Raphaël ist ein alter Freund. Wir trafen uns vor einem Jahrzehnt bei einem Skate-Park. Als die Frage mit dem Vorwort im Raum stand, dachte ich sofort an ihn. Wir haben dieselbe Sicht aufs Skateboarden und ich wusste, er würde die richtigen Worte finden, um meine Botschaft passend zu überbringen.

Und was wäre diese Botschaft?

Die Tatsache, dass skateboarden kein Sport ist, auch wenn seit dem letzten Jahrzehnt Sport-Giganten versucht haben, unsere Industrie zu kaufen, sie zu verändern und sie zu kontrollieren.

Skateboarden ist viel mehr als das! Ein Spiel, eine Kunst, ein Lifestyle. Es ist beinahe unmöglich das zu beschreiben. Es ist die allergrößte Einzel- und Gruppenaktivität zugleich. Und es brachte mich noch dazu zur Fotografie, aber für andere wäre das Video, Musik, zeichnen, Architektur, schnitzen, reisen, Geschäft. Kein anderer „Sport“ weckt so viel Kreativität, zumindest nicht auf dieser Ebene.

Du hast die Petzval Linse 85 während deiner Fahrt getestet. Was waren deine ersten Eindrücke?

Zunächst einmal ist das Objektiv selbst großartig. Man sieht nicht jeden Tag eine antike Gold-Linse auf einer modernen Kamera. Es ist unmöglich sie nicht zu bemerken, und ein toller Weg neue Freundschaften zu schließen. Manche Leute kommen zu Dir um herauszufinden was das ist, und wie es funktioniert. Dann aber, im Umgang ist es doch ein bisschen komplexer.

Kannst Du uns sagen, wie es ist, das Objektiv zu verwenden?

Der Umgang ist ein bisschen destabilisierend. Ich versuchte es zuerst es mit meinem Auto Fokus! Bei Portraits musste ich mir keine Sorgen machen, denn das Petzval ist genau dafür gemacht und du erfasst die wichtigen Sachen sofort. Alles was du brauchst, ist ein Hintergrund mit viel Kontrast, wie z.B.: Bäume. Das wirbelnde Bokeh des Objektivs macht dann den Rest.

Für actionreichere Fotos ist es ein wenig komplizierter. In der ersten Woche versuchte ich, mit meinen gewohnten Einstellungen zu fotografieren. Ich mag die große Tiefenschärfe und überhaupt, beleuchte ich immer zwischen 1.4 und 2.8. Also begann ich kleinere Steckblenden mit 1:2.2 und 1:2.8 hexagonal zu verwenden.

Die Spannweite an Klarheit bei dieser Belichtung ist sehr sehr kurz und deshalb ist es nicht leicht, Motive einzufangen. Sogar mit der D3s – welche sehr angenehm ist, habe ich viele Bilder versäumt. Dann probierte ich die anderen Steckblenden, die zur Verfügung standen aus und fand mich mit der 1:4 gut zurecht. Von da an, begann ich viele Bilder mit Körnung und Schwarztönen zu bekommen, die mir sehr gefielen.

Die Darstellung ist fast „silbern“ und das gefällt mir besonders gut.

Was ist dein Lieblingsfoto aus der Reihe? Hat eines eine eigene Geschichte? Gibt es eine Playlist, die vielleicht das Thema deiner Serie gut überbringen kann?

Eigentlich gibt es hier keine richtige „Reihe“. Das ist bloß, was ich mache sobald ich mit meinen Kumpels skaten gehe. Eine Sitzung wird organisiert, wir starten am Treffpunkt und suchen dann gemeinsam nach Orten. Sie skaten und ich versuche das Geschehene mit meinen Bildern zu dokumentieren. Deshalb habe ich nicht wirklich eine „Playlist“. Der erste Titel, der mir aber einfällt, wäre “Summer in the City“ von Joe Cocker. Weil alle Aufnahmen im August verwirklicht wurden. Außerdem liebe ich Paris speziell zu dieser Jahreszeit. Es ist warm, die Stadt scheint sich in Zeitlupe zu verändern, es fahren weniger Leute U-Bahn und die Frauen sind schön.

Nachdem Du jetzt unser Petzval 85 Objektiv getestet hast, was würdest Du damit in der Zukunft am liebsten fotografieren?

Einige Portraits ganz sicher, weil ich noch nicht genug gemacht habe und ich würde mich gerne in diese Richtung weiterentwickeln. Dafür ist dieses Objektiv das perfekte Werkzeug. Aber natürlich auch einige Skateboard-Aufnahmen, weil ich auch noch nicht alle Möglichkeiten des Objektivs erkundet habe.

Hast Du irgendwelche Tipps für Neulinge, die sich in Skateboard-Fotografie versuchen wollen?

Keine leichte Frage. Ich glaube, um gute Skateboarding-Fotos zu machen, muss man selber ein Skater sein. Das ist der beste Weg, um das Geschehen zu verstehen und den perfekten Moment zu finden, der verewigt werden soll. Gleichzeitig ist es sehr wichtig, dass man auch genug Erfahrungen sammelt, damit das auch jemand, der nicht skatet, versteht. Instinktiv müssen wir verstehen, was überhaupt passiert, wo das Motiv herkommt und wohin es wieder verschwindet. Abgesehen davon geht es um die Optik und Empfindlichkeit.

Du arbeitest an vielen Projekten. Und abgesehen davon, führst Du noch einen Skateshop. Ergänzen sich diese ganzen Aktivitäten in einer Weise? Wenn ja, warum?

Wie ich vorher schon erwähnte, wollte ich schon immer vom skateboarden leben. Sobald ich arbeiten konnte, näherte ich mich dieser kleinen Industrie und besetzte mehr oder weniger alle möglichen Positionen. Die Website des Independent Skateshop ist eine Erweiterung zu all dem.

Mein Partner Silvère und ich wollten etwas zur schaffen, von dem es in Frankreich zu wenig gibt. Einen authentischen Skateshop, der unserer Sicht von einem richtigen Skateshop entspricht. Das ist ganz und gar nicht einfach! Der gute Teil ist aber, dass ich auch Zeit zum Fotografieren habe. Alles ergänzt sich und ist gut kombinierbar – der Shop, die Fotos, die Marketingkampagnen, die ich für verschiedene Marken mache. All das, ist Teil des Skateboardens und auch meines Lebens.

An welchen anderen Projekten arbeitest Du noch?

In letzter Zeit geht es bei mir rund und die Projekte vervielfachen sich! Ich arbeite mit Etienne an einem neuen Buchprojekt für nächstes Jahr, falls wir mit der Suche nach Mitteln, um das zu finanzieren erfolgreich sind. Einige Marken haben mich über die Jahre unterstützt, vor allem Stance und Brixton. Außerdem habe ich vor kurzem einen Botschaftervertrag mit Electric California unterschrieben.

Die französische Band Wasted hat mich vor kurzem kontaktiert, damit wir eine Kleidungskollektion für die nächste Sommer-/Frühlingssaison machen. Das wird ein sehr spannendes Projekt, bei dem ich wahrscheinlich viele Freiheiten habe. Man bekommt auch nicht jeden Tag die Chance, seine Fotos auf Klamotten gedruckt zu sehen und ich fühle mich geschmeichelt, dass sie an mich gedacht haben! Ich nahm übrigens noch an einer 52-minütigen Fernsehdokumentation über Skateboarding in Paris teil. Diese sollte auf dem Voyage-Channel Mitte Oktober ausgestrahlt werden.

Ich bin offen für alle Möglichkeiten! Wir sind die Summe unserer Erfahrungen und ich habe noch viel zu lernen!

Kennst Du Fotografen, Künstler, Musiker und Bücher, die wir deiner Meinung nach entdecken sollten?

Musikalisch bin ich ein riesen Punk-Rock Fan und noch genauer von Bad Religion. Ich verfolge sie seit 1992; ich bin mit ihrer Musik aufgewachsen, habe mit den Liedtexten, geschrieben von Greg Graffin und Brett Gurewitz, Englisch gelernt. Ihre Musik ist der Soundtrack meines Lebens.

Richtung Skateboard-Fotografie respektiere ich die Arbeit von Daniel Harold Sturt und J. Grant Brittain, wobei natürlich auch von Glen E. Friedman. Deren Fotos haben mich fürs Leben geprägt und inspirieren mich täglich aufs Neue.

Andererseits bin ich eher an Sachen interessiert, die ich selber nicht mache, wie z.B.: die Arbeit von Eric Lefort über Natur und Architektur, oder Stéphanie Di Domenico, die Akt-Fotos und Portraits macht. Ich liebe ihre Bilder; die Optik ist ganz anders als meine oder überhaupt von Skateboarding-Fotografen. Ich versuche in deren Arbeit Inspiration zu finden und in meine etwas Neues einzubringen und etwas mehr als weitere Skateboard-Fotos aufzunehmen.


Mathieu Claudon
Facebook | Instagram

Kameras: Nikon D3s, Fujifilm X10
Buch: Paris, Skate in the City (Teaser of the book here)
Boutique: Independent Skateshop

geschrieben von mpflawer am 2016-02-27 in #people #lomoamigo

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