Lektionen einer Einwegkamera - Ein Interview mit Skyler Adams

Immer weniger Fotografen und Fotografinnen möchten Zeit in die Auseinandersetzung mit einer analogen Fotoausrüstung investieren und sich Fragen stellen wie was an einer solchen gehört, was an ihr einzigartig ist und welche technischen Möglichkeiten sie bietet. Generell macht man sich heute weniger Gedanken um den ganzen Prozess des Fotografierens. Skyler Adams, ein Ingenieur und ein selbstständiger Fotograf, der in Los Angeles und Boston lebt, sah diesen Umstand als eine Gelegenheit, seine fotografische Praxis zu verbessern — und ergriff sie. — Er packte verschiedene Einwegkameras mit verschiedenen Filmen wie Kodak Ektar, Ilford Delta und Fujifilm NPS ein und machte sich an die Arbeit. Entstanden ist daraus eine Art von Fotoprojekt, das man nicht oft genug sieht.

© Skyler Adams

Hi, Skyler. Was ist die Geschichte hinter deinem Einwegkamera-Experiment?

Ich bin aus Eitelkeit zur Fotografie gekommen, wirklich! Ich bin für einen Sommer für ein Praktikum nach San Francisco gezogen und war der einzige in meinem Umfeld, der nicht ausgehen und trinken konnte, da ich noch keine 21 war. Ich kaufte mir also eine Kamera, um mich selbst dazu zu motivieren, alleine hinauszugehen, interessante Fotos zu machen und mein Leben cool aussehen zu lassen. Im Laufe der Zeit kaufte ich mir mehr Ausrüstung und machte ein Fotoprojekt nach dem anderen bis ich einen Fotografiekurs auf der Universität belegte.

Dort entdeckte ich all die Möglichkeiten, die eine moderne digitale Spiegelreflexkamera, eine DSLR, für verschiedenen Arten der Fotografie bietet, aber ich wurde gleichzeitig von einer Sozialisierung abgelenkt. Wenn ich ein Fotoprojekt mache, verbringe ich viel Zeit damit zu überlegen, mit was, wo und wie ich fotografiere, sodass ich nicht genug Zeit habe, mit den Leuten um mich herum, in Kontakt zu treten.

Was hast du durch das Fotografieren mit einer Einwegkamera gelernt?

Ich bin vollkommen zufrieden damit, nur zwei Dinge gleichzeitig zumachen, anstatt von dutzenden. Mit einer Einwegkamera, kann ich entscheiden, wann und wo ich den Auslöser drücke und ob ich den Blitz verwende. Die ersten beiden Dinge geben mir dir Komposition und die Geschichte. Der Einsatz des Blitz' gibt mir Kontext. — Ich kann mich dazu entscheiden, das Objekt in der Mitte des Bildes zu highlighten oder den Blitz abzuschalten und alles gleichmäßig auszuleuchten.

© Skyler Adams

Was wolltest du, dass bei deinem Experiment herauskommt?

Da ich in Boston und LA lebe, sehe ich viele Leute, die ihre Kamera als modisches Accessoire oder als geschätztes Erbstück betrachten. Diese Kamera leben in teuren gepolsterten Kamerataschen und sehen das Tageslicht nur, um Familienfotos oder Wochenend-Fotoprojekte aufzunehmen. Das ist in Ordnung! Leute können mit dem, was sie kaufen, tun, was immer sie wollen. Aber beim Marketing von Kameras geht es nur um den Lifestyle, den man mit ihnen verbindet. Die Botschaft ist: Kaufe dies oder das und du wirst Bilder davon machen, wie du etwas großartiges machst. Also kam ich auf den Gedanken, dass ich diesen Lifestyle zwar leben könnte, aber alles, was ich mache, mit der schlimmsten Kamera aufzunehmen, die ich kaufen kann.

© Skyler Adams

Was hast du daran am liebsten?

Ich kann mir Fehler leisten. Der Film ist nicht so teuer und die Kameras sind so billig, dass ich sie sogar zerstören kann, um die Aufnahme zu bekommen, die ich möchte. In den Ozean waten? Sicher! Die Kamera auseinander nehmen und ein Blitz-Accessoire hinzufügen? Sicher, mach dich nicht an! Zu Hause vergessen? Keine Sorge, du kannst ganz einfach einen Ersatz besorgen. Wenn ich nicht sicher bin, dass auf dem Film in meiner Kamera eine gute Aufnahme ist, würde ich zwei Einwegkameras mitnehmen und die Aufnahmen simultan verschießen.

© Skyler Adams

H2. Film ist gemütlich und geerdet. Am Ende eines strukturierten Mode-Shootings, bei dem ich sicher bin, dass ich alle Bilder habe, die ich brauche, kann ich mich mit den letzten Aufnahmen auf dem Film, die noch übrig sind, entspannen.

In einer Zeit, in der eine digitale Fotoausrüstung mehr Komfort bietet und eine andere Herangehensweise an die Fotografie erlaubt, warum muss man noch analog arbeiten?

Ich denke nicht, dass man muss. Es gibt den richtigen Zeitpunkt und Ort für digitale Fotografie- beispielsweise um schnelle und passende Aufnahmen zu machen. Wenn du deine letzte Nacht auf Instragram posten willst oder die Olympischen Spiele für die Morgenausgabe fotografieren musst, ist das Digitale ideal. Film ist gemütlich und geerdet. Am Ende eines strukturierten Mode-Shootings, bei dem ich sicher bin, dass ich alle Bilder habe, die ich brauche, kann ich mich mit den letzten Aufnahmen auf dem Film, die noch übrig sind, entspannen. oder wenn ich mit Freunden ausgehe, kann ich Bilder machen, um mich an diesen Tag zu erinnern, aber dann vergesse ich es und habe Spaß. Ich werde aber an ihn erinnert werden - in einer Woche oder zwei - nach dem Entwickeln. Und jemand, der eine Aufnahme für Instragram machen will, würde sich so darauf konzentrieren, das perfekte Foto zu machen, dass er oder sie ganz auf das Hier und Jetzt vergessen würde.

© Skyler Adams

Wie würdest du die Aufnahmen beschreiben, die du mit der Einwegkamera gemacht hast?

Man würde denken, dass sie von geringer Qualität sein würden, aber tatsächlich war ich beeindruckt von der Genauigkeit der Kunststofflinse. Einige meiner 6MP-Scans sind ziemlich scharf. Ich finde, dass es mehr auf die Beleuchtung ankommt: Unbeschichteter Kunststoff bedeutet, dass man genauso gut auf die Sonne verzichten kann.

"Reportage" wäre ein anderes Schlagwort, um meine Aufnahmen zu beschreiben. Die Aufnahmefläche der Einwegkamera ist ungefähr 30 mm groß, was in etwa der Größe von Handykameras entspricht. Ich bin ziemlich begeistert davon - es ist intimer als die klassischen 35 mm, aber nicht zu verzerrend.

Leute sehen auf Einwegkameras großartig aus. Die größte Schwierigkeit in der Portraitfotografie ist, jemanden dazu zu bringen, natürlich zu wirken. Große Portraitfotografen und -fotografinnen haben Assistenten und Assistentinnen, die die Kamera bedienen, während sie daneben sitzen und direkt mit dem Motiv interagieren. Wenn man ein Telefon oder eine DSLR auf Leute richtet, gehen sie in ihre "Facebook-Pose". Wenn man aber eine Einwegkamera auf jemanden richtet, ist der- oder diejenige ganz entspannt.

© Skyler Adams
© Skyler Adams

Hast du während deinem Experiment irgendwelche Herausforderungen meistern müssen?

Handys sind Einwegkameras eigentlich ziemlich ähnlich, sie sind nur viel besser. Man hat ähnlich viel Kontrolle, aber sie können mit viel mehr Situation umgehen.Einwegkameras sind auch gut, aber die Beschränkungen durch den Preis- und Filmchemie bedeuten, dass sie helles Licht und einfache "Familienbild"-Szenen lieben.Jedes Mal, wenn ich eine weirde Film- oder Lichtsituation ausprobiere, musste ich mir vorher vorstellen, wie die Szene aussehen würde. Im Vergleich dazu, ist meine D750 ein "Was-du-siehst-das-du-bekommst-du"-Zauberstab, sogar in pechschwarzer Umgebung.

© Skyler Adams

Hast du noch andere Projekte geplant?

Ich bin gerade nach LA gezogen, um bei SpaceX-Ingenieur zu sein. Mein Traum ist es, einen Raketenstart aus der Nähe zu fotografieren. Ich habe kürzlich einige erstaunliche Raketenaufnahmen gesehen und möchte die Filmeigenschaft, etwas unwirklich erscheinen zu lassen, in Szene setzen. Ich liebe auch Fuji-Sofortbildkameras, aber ich bin enttäuscht, dass es keine guten Objektive gibt. Im Moment versuche ich, einen Instax-Rückteil für eine Mittelformat-Kamera wie eine Hasselblad zu benutzen. Ich habe bereits zwei Lomo'Instant-Rückteile auseinander genommen habe schon Adapter in 3D gedruckt.

© Skyler Adams
© Skyler Adams

Was ist das Wichtigste, das du von deinen Erfahrungen mit Einwegkameras mitnimmst?

Man sollte sich einfach eine kaufen. Schon für ca. $5 bekommt man eine auf eBay. Dann sollte man sie einfach in seine Tasche oder sein Auto werfen und sie benutzen, wenn man sich danach fühlt. Kein Stress!

© Skyler Adams

Irgendwelche letzten Worte für unsere Leser und Leserinnen?

Online gibt es großartige Fotografien, aber es ist schwer, sie zu finden. Macht euch darum auch mit Fotos aus Büchern und Magazinen Appetit!


Wenn du dich für Skylers Arbeit interessierst, folge ihm auf Instagram für mehr.

geschrieben von cheeo am 2018-04-24 in #gear #people

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