LomoAmigo Gustavo Osorio fotografiert mit der Lubitel 166+

Triff Gustavo Osorio, unseren neusten LomoAmigo. Seitdem er Kolumbien verlassen und sich in Barcelona niedergelassen hat, verwendet Gustavo seine Kamera viel mehr als nur für schnelle Schnappschüsse. Seine Fotos sind auf CD-Covers, in Stadtplänen und Fotografiebänden zu finden. Scroll etwas nach unten und schon wirst du mehr darüber herausfinden, was und vor allem wie er es anstellt!

Name Gustavo Osorio
Stadt Ursprünglich aus Bogotá, momentan Basislager Barcelona
Land Kolumbien/Spanien

Erzähl der Gemeinschaft doch einfach mal ein wenig über dich selbst? Was macht dir besonders Spaß und kannst du damit gleichzeitig deinen Lebensunterhalt verdienen?
Ich bin Gustavo Osorio, 29 Jahre alt und komm ursprünglich aus Kolumbien. Seit 2001 lebe ich in Barcelona und ich bevorzuge Bier oder Wein zu trinken. Mit meiner Fotografie finanziere ich mein Leben. Mit dem Motorrad fahre ich dagegen gerne aus Spaß an der Freude. Im Fall der Fälle, dass ich mal weniger Aufträge habe, spiele ich nachts in Bars Musik – zusammen mit einer Crew namens Oh My Gosh!

Seit wann bist du ein Lomograph (oder bist du vollkommen neu bei dieser ganzen Lomographie-Sache)?
Vor ungefähr zwei Jahren kaufte ich einem Freund in Belgrad eine bereits gebrauchte LC-A+ ab.
Da er in Barcelona Ferien machte, aber bereits so viel Geld dort ausgegeben hatte, dass er sich unmöglich ein Rückflugticket kaufen konnte, bot sich mir die Gelegenheit für ein wahres Schnäppchen.
Ich kaufte die LC-A+ für 100€!

Beschreibe die Lubitel166+ in drei Wörtern:
abgefahrene schwarze Plastikwundertüte

Was war das für ein Gefühl mit der Lubitel 166+ zu fotografieren und wie haben andere Leute auf die Kamera reagiert?
Es war eine nostalgische Erfahrung. Die Jahre zuvor habe ich warscheinlich 90% meiner Fotos digital geschossen und die kleinen Details, wie das Klicken der Filmspule, brachten mich wieder zurück zu den grundlegenden Dingen der Fotografie, was eine wirklich gute Sache war.
Ich geniesse den langsamen und ausgefeilten, ja pfiffigen Prozess des Fotografierens bei der Lubitel und die Tatsache, dass du nicht weißt wie die Fotos aussehen werden, bis du sie vom Entwickeln abgeholt hast, bringt noch etwas Magie in die ganze Angelegenheit hinein.
Und bezüglich der Reaktion von meinen Mitmenschen: Ich habe bemerkt, dass sich die Leute lieber von einer Lubitel 166+ als von einer DSLR fotografieren lassen. Warscheinlich hauptsächlich aufgrund der stark abgenehmenden Privatsphäre durch die Verbreitung von Fotos in sozialen Netzwerken, im Internet oder ganz schlichtweg, weil es die Leute nicht mehr gewohnt sind, vor einer analogen Filmkamera zu stehen, besonders keiner im Mittelformat.

Du hast mit einigen Herausgebern von Fotobänden zusammengearbeitet, was ist deine persönliche Inspiration das Thema des Bandes und deiner Fotos betreffend?
Uh, schwer zu beantworten. Ich weiß es im Grunde selber nicht woher Inspiration kommt.
Im Normalfall lese ich eine Menge Romane und versuche interessante Passagen in einer visuellen/fotografischen Art zu sehen bzw. zu interpretieren. Auch kommt mir oft einfach Inspiration beim spazieren gehen, währendessen ich der Musik von meinem iPod im Shuffle-Modus lausche.
Es erstaunt mich wirklich, wie stark Literatur und Musik mit der Kunst der Fotografie und des Filmens verbunden ist.

Erst kürzlich hast du mit Movember zusammengearbeitet, dem Wohltätigkeitsverein, welcher dich dazu inspirierte mit ihnen gemeinsam zu wirken. Was hast du für eine Erfahrung dabei gemacht?
Die Arbeit mit Movember war eine gute Möglichkeit für mich an Themen zu arbeiten, die mich zeitgleich persönlich beschäftigten und mit denen ich mich auseinandersetzte.
Ich bin der Meinung, dass das Unterbewusstsein automatisch dafür sorgt, dass wir, wenn wir vor einer Kamera stehen, versuchen so vorteilshaft wie möglich auszusehen. Man posiert. Um diesem künstlichem Posen zu entgehen und Portraits außerhalb dessen zu machen, fragte ich einige Freunde, ob sie sich ihre Bärte über eine Monat lang wachsen würden lassen. Jede Woche machte ich ein Foto von ihnen in einem sehr grellem Licht, dass sie für einen kurzen Augenblick erblinden ließ. Hier könnt ihr einige Bilder sehen hier
Mein Editor kontaktierte anschließend das Team von Movember, welchen die Idee gefiel.
Also gingen wir gemeinsam einen Schritt weiter und machten eine Austellung dazu. Die Fotos wurden Movember gespendet und alle Einnahmen kamen einem Programm zu Gute, dass Prostatakrebs und männliche Depression behandelt. Für mich war es eine sehr lohnende Erfahrung
Project Showcased hier

Das komischste, befremdlichste, lustigste oder gewinnenste fotografische/ lomografischste Zusammentreffen, dass du je hattest:
Vor einigen Sommern wurde ich für einen Arbeitseinsatz nach Bunyol (Alicante, Spanien) geschickt, wo die “tomatina” stattfindet. Ein jährlich wiederkehrendes Fest, dass aus einer gigantischen Tomatenschlacht besteht und wie man sich vorstellen kann, geht es dort drunter und drüber. Nun, da stand ich mit meiner modernen Kamera inmitten immer betrunkener werdender Leute und als die ganze Aktion so richtig losging prasselte eine immens große Menge an Tomaten auf mich und meine glänzende Nikon FM-2 nieder. Mein Fluchtversuch scheiterte an der schieren Menschenmenge, die mich umgab.
Wohl wissend, dass ich nicht digital fotografiere, gab ich auf und fing einfach an Fotos zu machen.
Das Resultat der ganzen Angelegenheit war, dass ich eine Woche lang nach Ragù roch, eine beschädigte Kamera und ein paar wirklich coole Fotos! Ein Hoch auf den Film!

Wenn du ein Foto egal welcher lebenden oder bereits verstorbenen Person mit deiner Lubitel 166+ machen könntest, wer würde es sein und warum??
Ich würde sagen Piper Pimienta. Such ihn mal auf YouTube. Er war ein Salsatänzer und Sänger in den 70er Jahren. Er trug verrückte Outfits und legte die besten Bewegungen aufs Parkett, die ich je gesehen habe.
Entweder er oder Klaus Kinski. Hast du die Eröffnungsszene von Herzogs “Mein liebster Feind” gesehen?

*Wenn du deine Lubitel 166+ schnappen und Fotos in jedem Schrank der Welt machen könntest, welcher würde es sein und warum?
Vielleicht der Schrank von Lux Interior oder Poison Ivy von The Cramps, höchstwahrscheinlich von beiden gemeinsam benutzt. Sie müssen eine wahnsinnige Kollektion an Lederwaren und anderem recht schrägem Zeugs haben.

Welches ist dein Lieblingsfoto aufgenommen mit der Lubitel 166+ und weshalb?

Ich mag dieses Foto von dem blondem Kind, das ein Weinglas in den Händen hält, wirklich sehr.
Ich erinnere mich, dass ich in dem Moment der Aufnahme betrunken war und mich exakt genauso gefühlt habe, wie es das Kind auf dem Foto vermittelt.

Wenn die hier gezeigten Bilder ein Soudtrack, bestehend aus drei Liedern, haben könnten, welche würden das sein (Titel und Artist)
*Tiger. Maximum Balloon
*Stranded On Earth. The Herbaliser
*Howlin’ for you. The Black Keys

Was hat dich vor allem zur Fotografie gebracht und von ihr überzeugt?
Ich studierte Bildende Künste auf dem College für einige Jahre und besonders die Skulpturherstellung hatte es mir angetan. Jedes Mal wenn etwas von mir produziertes zu groß zum Herumtragen war, machte ich davon Fotos um diese dann meinen Lehrern vorzeigen zu können. Das erste Mal als ich selber einen Schwarz-Weiß Film entwickelte und einige Zeit in der Dunkelkammer damit verbrachte, die Bilder zu vergrößern, bemerkte ich, dass ich keine Skulpturen mehr herstellte, sondern stattdessen mit dem Licht und der Silbergelatine herumspielte.

Dein Ratschlag an zukünftige Lubitel 166+ Fotografen
Haste nicht. Nimm dir Zeit dein Foto zu machen. Ach,ja – und versuche nicht den Deckel für die Linse zu verlieren!

Mehr von Gustavo findet ihr hier

Mehr über die Lubitel erfahr ihr auf der Lubitel 166+ Microsite

geschrieben von gabysalas am 2011-04-14 in #people #lomoamigo
übersetzt von lomiga

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