Mit der Lomo LC-A+ und Natsumi Hayashi ins Japan der 2000er

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Es dauert eine Weile, bis man begreift, dass die frühen 2000er Jahre schon zwei Jahrzehnte her sind. Natsumi Hayashi war in ihren 20ern, als sie sich selbst entdeckte und herausfand, was sie mit ihrem Leben anfangen wollte. Schon in jungen Jahren zeigte sie sich begeistert von Kameras und den vielen Knöpfen, was sie schließlich zur Fotografie brachte, die sie seitdem nicht mehr losgelassen hat. Wir sprechen heute mit ihr, um herauszufinden, wie anders es damals war in Japan zu fotografieren und wie sie die Lomo LC-A+ benutzt hat, um diese Erinnerungen für eine zukünftige Generation zu bewahren.

© Natsumi Hayashi

Kannst du dich der Lomography Community vorstellen und uns erzählen, wie du zur Filmfotografie gekommen bist?

Mein Name ist Natsumi Hayashi und ich bin eine japanische Fotografin, geboren 1982. Ich bin die eine Hälfte des Fotografen-Duos Hisaji Hara & Natsumi Hayashi. Seit meiner Kindheit drücke ich sehr gerne auf Knöpfe, was mein Interesse für Kameras geweckt hat. Als ich ein Kind war, fotografierte mein Vater mit einer Nikon F-501 Spiegelreflexkamera. Zuerst war es mir nur ohne eingelegten Film erlaubt auf den Auslöser zu drücken. Aber das änderte sich nach der Grundschulzeit. Von nun an durfte ich auch auslösen, wenn ein Film eingelegt war und so habe ich mit der Filmfotografie begonnen.

Welche Kamera- und Filmmaterialien verwendest du? Und welche Kamera und welchen Film verwendest du am liebsten?

Normalerweise benutze ich eine Ricoh Auto Half E, die "Utsurun-desu" - besser bekannt als Fujifilm Simple Ace und natürlich die Lomo LC-A+. Oft kommt aber auch mein Fotohandy zum Einsatz, wie ihr auf Instagram sehen könnt. Als Film verwende ich normalerweise die verschiedenen Lomography Color Negative Filme, aber auch Kodak Color Plus, Portra 160 oder Fujifilm Superia Venus 400.

© Natsumi Hayashi

Wie war deine Erfahrung mit der Lomo LC-A+? Was ist deine Geschichte damit und hast du irgendwelche Tipps für das Fotografieren mit ihr?

Beim Fotografieren mit Kameras mochte ich vor allem das Gefühl des Auslösers und den Geruch des Kameragehäuses (der Geruch der LC-A gefiel mir sogar noch besser).

Ich weiß nicht mehr, wo ich meine erste LC-A gekauft habe, aber es war etwa 2004. Andererseits erinnere ich mich, dass ich die LC-A+ am 2. September 2007 in einem Geschäft namens Smith's im 6. Stock des PARCO, einem Kaufhaus in Ikebukuro, Tokio, gekauft habe. Ich habe also schon seit etwa 18 Jahren eine Reihe von LC-As im Einsatz.

Ich fand sie sehr praktisch zum Mitnehmen, weil sie klein und sehr leicht ist. Und dennoch kann sie Bilder mit einer Bildqualität liefern, die der einer großen Spiegelreflexkamera in nichts nachsteht, was meiner Meinung nach den Charme der LC-A+ ausmacht. Bei Aufnahmen aus der Hand mit wenig Licht ist die Gefahr aber groß, dass Bilder unscharf oder verwackelt werden. Ich versuche daher die Kamera festzuhalten, indem ich meine Arme an meinen Körper anlege und sie wie eine Spiegelreflexkamera halte (natürlich gehört auch die unerwartete, leichte Unschärfe zu den Vorzügen der mit der LC-A+ aufgenommenen Fotos). Wichtig ist auch, den Schärfehebel je nach Aufnahmeabstand richtig einzustellen. Ich finde, wenn der Fokus perfekt sitzt, sind die LC-A-Fotos fantastisch schön und realistisch überzeugend zugleich.

Wie würdest du deinen Fotostil beschreiben?

Ich habe immer mehrere Kameras dabei und fotografiere, wann immer ich Lust habe. Ob ich mit Film oder digital fotografiere, entscheide ich je nach aktueller Stimmung.
Ich denke, ich werde als Fotografin glücklich sein, solange ich eine Kamera habe, die ich leicht tragen kann, Neugierde, um nach Motiven zu suchen und es mir möglich ist, meine Fotos in den sozialen Medien zu teilen.

Kannst du beschreiben, wie es in den 2000er Jahren war, auf Film zu fotografieren?

Ich hatte meine Lomo LC-A immer dabei und fotografierte wie besessen. Mit der explosionsartigen Zunahme an Menschen, die mit Handys fotografieren, wurde das versteckte oder heimliche Fotografieren jedoch zu einem gesellschaftlichen Problem. Anders als in den 1990er Jahren oder heute hatten die Menschen Angst, ihre Kameras auf der Straße auf Menschen zu richten. Es wurde zu einem großen Problem, sodass an den Treppen von Bahnsteigen Warnschilder mit der Aufschrift: "Jemand versucht, ein Foto von der Innenseite Ihres Rocks zu machen, bitte seien Sie vorsichtig!"angebracht wurden. Die gleichen Warnschilder gibt es auch heute noch, aber mit dem Aufkommen von Smartphones und sozialen Medien wird die Streetphotography nicht mehr unbedingt als kriminelle Aktivität angesehen, da immer mehr Menschen Fotos machen und sie veröffentlichen.

In den 2000er Jahren wurde die Straßenfotografie jedoch als heimliches Sammeln von Bildern interpretiert, was wahrscheinlich auch zur Folge hatte, dass es sich zu einem gesellschaftlichen Problem entwickelte. Ich bin von Natur aus ein gegensätzlicher Mensch. Es motiviert mich, wenn etwas verboten ist und es entmutigt mich, wenn etwas gefördert wird. Dieser Umstand scheint einer der wichtigsten Bausteine meiner Persönlichkeit zu sein. Wenn viele Menschen in dieselbe Richtung rennen, werde ich wahrscheinlich in die entgegengesetzte Richtung laufen. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich in den 2000er Jahren zur Straßenfotografie hingezogen fühlte. Und jetzt genieße ich es, Bilder mit einer neutraleren Einstellung zu machen.

© Natsumi Hayashi

Wie würdest du Japan während dieser Zeit beschreiben und wie würdest du diese Zeit in deinem Leben beschreiben?

Weder das große Erdbeben im Osten Japans noch die COVID-19-Pandemie hatten sich bis dahin ereignet. Es war eine Zeit, in der es so aussah, als würde der Alltag ewig so weitergehen, mit einem vagen Gefühl der Angst. Es war eine Zeit, in der ich mich zwischen Studium und Promotion befand. Zu dieser Zeit hatte ich keine Ahnung, wer ich war oder was ich werden sollte, und ich wusste nicht, wie ich leben sollte. Erst als ich fotografierte, vergaß ich alles und kehrte zu meinem Kindheits-Ich zurück, das es einfach liebte, Knöpfe zu drücken.

Kannst du uns deine Lieblingsfotos aus dieser Zeit mit uns teilen?

Meine Lieblingsfotos aus dieser Zeit sind die von meiner Familie und meinen Freunden. Mein erstes Modell für Porträts war meine Schwester.

Ich fotografiere auch gerne Landschaften, aber ich bevorzuge immer noch Fotos von Menschen, die mir nahestehen. Oft bin ich auch digital unterwegs, aber ich finde, dass Filmfotos, die ich mit der LC-A+ aufgenommen habe, die Nähe zwischen mir und den Modellen und die Atmosphäre des Ortes realistischer einfangen. Die Mädchen, die in den Arbeiten von Hisaji Hara und mir Modell stehen, fotografiere ich immer noch, und zwar nicht nur digital, sondern auch mit der LC-A+.

© Natsumi Hayashi

Was steht für dich als Fotografin als Nächstes an?

Mein ewiges Thema ist es, mittels der Fotografie den "kindlichen Geist" wiederzuerlangen, den wir mit zunehmendem Alter zu vergessen scheinen. Seit ich mit meinem Partner Hisaji Hara die aktuelle Serie "Gazing Into the World" fotografiert habe, habe ich viele junge Freunde als Modelle gewonnen, die mehr als 20 Jahre jünger sind als ich, und ich habe großen Respekt ihnen gegenüber entwickelt. Ich habe viel von ihnen gelernt und wichtige Erkenntnisse gewonnen. Ich hoffe, dass sich viele Erwachsene beim Betrachten meiner Fotografien an ihre reine Neugierde als Kinder erinnern werden.

Zurzeit stellen wir ein riesiges fotografisches Werk in Shibuya, Tokio aus und wenn ihr die Gelegenheit habt, solltet ihr euch es ansehen. So konnten wir die Installation des 14 Meter breiten "Today's Levitation" auf dem Shibuya Hikarie Deck fertigstellen. Bis Ende März 2023 wird sie zu sehen sein.

Gibt es einen Ratschlag oder eine Lektion, die du der Lomography-Community mit auf den Weg geben möchtest?

Menschen verändern sich mit der Zeit. Das bedeutet, dass unser gegenwärtiges Selbst und unser zukünftiges Selbst unterschiedlich sind. Daher gibt es keinen Grund, sich über die Zukunft Sorgen zu machen. Wenn du weiterhin das tust, was du liebst, ohne dich darum zu kümmern, was andere von dir denken, wird das sicherlich zu interessanten Entwicklungen und neuen Entdeckungen führen. Ich hoffe, du drückst auf den Auslöser und genießt "diesen Moment", den es nur einmal im Leben gibt, aus tiefstem Herzen.


Wir danken Natsumi für dieses Interview und mehr von ihr kannst du hier sehen.

geschrieben von rocket_fries0036 am 2023-02-02 in #Ausrüstung #Kultur #Menschen

Erwähntes Produkt

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