Der Doktor Frankenstein des Analogfilms - Dominik Hollaus im Interview

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Grafik Designer und Fotograf Dominik Hollaus haucht mit seinen "Negative Cuts" alten Filmnegativen neues Leben ein. Wir haben ihm LomoChrome Metropolis 120 geschickt, um herauszufinden, welche Kreaturen er mit unserem Farbwandler zum Leben erwecken kann. Im Gespräch erzählt er von seinem Werdegang und seinem Arbeitsprozess.

© Dominik Hollaus + LomoChrome Metropolis 120

Lieber Dominik! Schön dich in unserem Online Magazin begrüßen zu dürfen. Erzähl uns bitte erstmal ein bisschen von dir.

Hallo! Danke für die Einladung! Ich bin Fotograf und Grafik Designer aus Innsbruck. Wie es sich für einen Tiroler gehört, beginnt meine Geschichte in den Bergen, wo ich begonnen habe zu fotografieren. Zuerst Sport- und Naturfotografie und während meiner Design-Ausbildung dann immer mehr in Richtung Kunstfotografie und digitale Nachbearbeitung. Als ich danach als Grafiker, Fotoassistent und Retuscheur arbeitete, konnte so mein Hobby im Beruf weiter ausüben. Seit einem Jahr bin ich jetzt selbständig und darf meine Ideen für Unternehmen aus verschiedensten Branchen realisieren.

Wann und wie bist du zur analogen Fotografie gekommen?

Meine erste analoge Kamera war eine Lomography Holga 120 CFN. Das war 2009, glaube ich. Ein Freund hatte mich dazu überredet sie zu kaufen. Ich war sehr skeptisch, ob dieses Ding aus Plastik überhaupt etwas taugen würde. Aber als ich den ersten Film aus dem Labor bekommen habe war ich sofort überzeugt. Besonders der spielerische und experimentelle Ansatz hatte es mir angetan. Ich habe mir dann über die Jahre viele verschiedene Lomo Kameras gekauft und mit ihnen herumprobiert. Das hat meinen Blick auf die Fotografie verändert und mir gezeigt dass es neben Photoshop auch unzählige analoge Methoden gibt, wie man ein Foto manipulieren kann.

© Dominik Hollaus + LomoChrome Metropolis 120

Erzähl uns bitte ein bisschen von deinem Arbeitsprozess und was dich am Collagieren so fasziniert.

Über die Jahre haben sich bei mir einige Filmnegative gesammelt, die ich natürlich immer sauber archiviert und gepflegt habe. Bis ich mich irgendwann fragte: “Was soll eigentlich mit all den Filmstreifen passieren? Eine Mappe, wie ein Friedhof der Fotos.“ Also musste ich einen Weg finden meinen Filmnegativen neues Leben einzuhauchen. Ein ganz komisches Gefühl war das, als ich die ersten Negative dann zerschnitten habe. Aber auch spannend! Ein Gefühl wie damals mit Holga. Das war Anfang 2020 und der Beginn meiner Serie “Negative Cuts“.

Wieso analog und nicht gleich digital?

Natürlich könnte man die Fotos auch digital zerschneiden. Das wäre sogar in so ziemlich allen Arbeitsschritten einfacher und effizienter. Trotzdem bin ich vom analogen Prozess überzeugt! Der Zufall spielt hier eine ganz entscheidende Rolle. Wenn man einen Film zerschneidet gibt es keine zweite Chance. Jedes verwendete Werkzeug hinterlässt Spuren auf dem Film, die durch den Scanvorgang auch noch verstärkt werden. Manchmal nehme ich eine Schere oder einen Locher, manchmal Klebeband oder Büroklammern. Dadurch entstehen flammenrote Schnittkanten, welche sich wie Narben durch die Negative ziehen.

Wir haben dir für deine Arbeit einen LomoChrome Metropolis zukommen lassen. Wie findest du den Film? Passt er zu deiner Arbeit?

Die gedämpften Töne und das weiche Korn geben einen mysteriösen Look, der zu den radikalen Collagen passt. Besonders mag ich den harten Kontrast der roten Schnittkanten und dem kühlen Ton des Films.

© Dominik Hollaus + LomoChrome Metropolis 120

Mit welchem Equipment sind die Fotos entstanden?

Mit einer Mamiya RB 67, einem Skalpell, etwas Klebeband und einer CD-Hülle.

Sind spannende Projekte oder Ausstellungen von dir geplant, von denen du uns erzählen möchtest?

Parallel zu den Negative Cuts arbeite ich immer an neuen Ideen. Es ist zwar zur Zeit keine Ausstellung in Planung, jedoch wird es bestimmt nicht allzulange dauern.


Vielen Dank Dominik für das schöne Interview! Wenn du mehr von seinen Arbeiten sehen möchtest, kannst du auf seiner Homepage oder seinem Instagram vorbeischauen.

geschrieben von permanent_vacation am 2022-10-04 in #Kultur #Menschen

Ein Kommentar

  1. stereograph
    stereograph ·

    sau geil! ich glaub die Idee muss ich klauen! :-)

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