Künstlerin Bob Jones, eine selbstgebaute 4x5 Großformatkamera und der LomoGraflok

Künstlerin Bob Jones lebt und arbeitet zwischen Berlin und Leipzig und schafft für ihr Projekt Wanderkamera eindringliche und zeitlose Großformat Porträts. Wir haben diese spannende, junge Künstlerin gebeten den LomoGraflok 4x5 Instant Back für uns zu testen. Dabei rausgekommen sind wunderschöne, düster-verspielte Porträts. Im Interview erzählt sie uns von ihrem Zugang zu Fotografie und Kunst und berichtet über ihre Erfahrung mit dem LomoGraflok.

© Bob Jones

Liebe Bob Jones, willkommen in unserem Online Magazin! Bitte erzähl erstmal ein bisschen von dir.

Ich lebe und arbeite als freie Künstlerin in Berlin und Leipzig. In Leipzig arbeite ich derzeit an meinem Fotografie-Diplom in der Klasse von Tina Bara an der Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Wie und wann bist du zur Fotografie gekommen?

Als ich klein war, hat mir mein Opa eine gelbe Plastikkamera vom Weltspartag mitgebracht. Es ließ sich zwar kein Film organisieren, aber ich habe die Kamera mit mir herumgetragen und mir die Bilder vorgestellt. Mit 12 oder 13 habe ich mir eine Kompaktkamera gekauft und angefangen, mich und meine Freundinnen zu porträtieren. Die künstlerische Fotografie habe ich erst viel später entdeckt, in meinem Fotografiestudium an der Berliner Technischen Kunsthochschule.

Hast du künstlerische Vorbilder?

Ich habe die Kamera zunächst als direktes Verbindungswerkzeug zwischen der Außenwelt und mir verstanden und erst einmal gar nicht über Ausdrucksformen nachgedacht. In meiner Ausbildung habe ich dann Positionen kennen gelernt, die mit mir resonieren. Eine künstlerische Persona, zu der ich immer wieder zurück gelange, ist Claude Cahun. Ich liebe auch die Arbeiten von Zanele Muholi, Francesca Woodman und Ana Mendieta. Ich schaue aber auch auf andere Medien wie Malerei, da finde ich zum Beispiel Lee Krasner inspirierend. Die konkreten Bildinhalte oder Techniken sind dabei nicht ausschlaggebend. Diese Arbeiten vereint eine unglaubliche Stärke, sie sind konzentriert, intelligent und vielschichtig, und ihnen wohnt eine Haltung inne.

© Bob Jones

Viele deine Arbeiten entstehen im Großformat, was macht dieses Format für dich so besonders?

Die Großformatfotografie ist für mich eine Form von Performance. Ich stelle meine Kamera im öffentlichen Raum auf, wo ich eine unbekannte Person in nur einem Foto versuche zu porträtieren. Das Besondere an der Begegnung ist, dass sie ohne Kamera nie stattfinden würde. Der Prozess hat etwas beruhigendes, da er einen Moment des Stillstands hervorruft, und etwas Geheimnisvolles, da ich das Foto direkt vor Ort entwickle und dann weggebe. Als Fotografin muss ich dabei so viele Dinge gleichzeitig beachten, technische und menschliche – wenn das gelingt, ist es toll. Nicht immer, aber oft gehen die fotografierten Personen und ich total bereichert aus dem Moment heraus. Ich finde es faszinierend, dass an lauten und reizüberflutenden Orten so eine fokussierte Begegnung stattfinden kann.

Du hast mit dem LomoGraflok eine Strecke für uns geschossen. Gab’s ein Konzept hinter den Fotos?

Jein. Die Vorstellung, ohne Themenvorgabe und Konzept draufloszuknipsen, fand ich super. Gleichzeitig stelle ich fest, dass sich über die Jahre formale Grundsätze im Kopf eingeschlichen haben. Ich weiß zum Beispiel mittlerweile ganz genau, was mit meiner Großformatkamera überhaupt nicht funktioniert, und was doch. Inhaltlich orientieren sich meine Bilder mit Sicherheit auch an meinen früheren Arbeiten und an dem, was ich tagtäglich an Bildern sehe. Was sich seit meiner Kindheit durchzieht ist ein großes Interesse an performativen Strategien und das Infragestellen von Identitätskategorien mithilfe von Inszenierungen. Diese sind nie geplant, sondern entstehen im Gespräch mit den fotografierten Personen und mithilfe von Requisiten, die meistens am jeweiligen Ort zu finden sind.

Mit welcher Ausrüstung sind die Fotos entstanden?

Die Fotos sind mit meiner selbstgebauten Holzkamera enstanden. Ich war überrascht, dass sich der LomoGraflok problemlos einsetzen lassen hat. Einzig der im Vergleich zum Ursprungsformat 4x5” etwas kleinere Bildausschnitt war gewöhnungsbedürftig, da mein Auszug mechanisch nicht so flexibel ist wie der einer industriell gefertigten Kamera – insofern musste ich teilweise Schärfe gegen Ausschnitt abwägen.

Wie gefallen dir die Resultate? Und wie war das Arbeiten mit dem LomoGraflok für dich?

Ich fand es sehr spannend, mit der Großformatkamera plötzlich Direktpositive in Farbe aufnehmen zu können. Mein Interesse an der Großformatfotografie gilt eigentlich der spezifischen Zeitlosigkeit der Schwarz-Weiß-Fotografien in Verbindung mit einer langen Aufnahmesituation. Bei den hier entstandenen Farbaufnahmen sieht man auf den ersten Blick nicht unbedingt, wie sie hergestellt wurden. Es gibt keine direkten Spuren der Aufnahmetechnik auf dem Bild, wie zum Beispiel einen Kassettenrand. Gleichzeitig geht immer eine gewisse Starrheit mit dieser Form der Fotografie einher. Die Kombination aus Farbfotografie, von der ich Dynamik, Leichtigkeit und Spontaneität erwarte, und statischer Großformattechnik werde ich sicher noch weiter erkunden.

© Bob Jones

Gibt es Projekte von denen du uns erzählen möchtest?

Was diesen Bereich meiner Arbeit angeht: Ich möchte dieses Jahr wieder einige Ensembles und Kollektive porträtieren. Außerdem ist eine kleine Videodokumentation meines Wanderkamera-Projekts geplant. Da ich fast alle Porträts weggebe, stellen sich die Bilder von selbst aus. Ich finde sie manchmal nach Jahren in Wohnungen von FreundInnen wieder, oder als digitale, veränderte Kopien in den sozialen Netzwerken.


Vielen Dank Bob für das schöne Interview! Wenn du mehr von ihr sehen möchtest, kannst du ihr auf Instagram folgen.

geschrieben von anna_attar am 2022-07-27 in #kunst #sofortbild #portraets #grossformatfotografie #lomograflok

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