Taubenporträts und Redscale Experimente - Ein Interview mit Lena Schaack

Durchforstet man Lena Schaack's Instagram Seite fällt einem vor allem eins ins Auge: Tauben. Und dann wieder Tauben... Und nochmals Tauben! Taucht man dann ein wenig tiefer ab, erfährt man von ihrem Buch A Systematic Redscale Review, das die aus Luxemburg stammende Neurobiologie-Studentin verfasst und im März 2022 herausgegeben hat. Was hinter diesen besonderen Interessen steckt erzählt sie uns im Interview. Eine Auswahl ihrer schönsten Taubenfotos, haben wir hier für dich zusammengetragen.

© Lena Schaak

Liebe Lena, willkommen in unserem Online Magazin! Bitte erzähl uns erstmal ein bisschen von dir!

Vielen Dank für die Einladung! Ich bin Lena, ich mache gerade meine Masterarbeit in der Neurobiologie und man findet mich unter analogpigeon auf Instagram und unter equinox auf Lomography. Ich bin aus Luxemburg und lebe für mein Studium in Deutschland an der Deutsch-Niederländischen Grenze.

Wann und wie bist du zur analogen Fotografie gekommen?

2011 hatte mir mein jetziger Partner eine Fisheye No. 2 von Lomography zu Weihnachten geschenkt, mit der habe ich dann gelegentlich ein paar Filme geschossen. Ich hatte nach und nach ein paar alte Kameras von Familienmitgliedern bekommen, aber noch nicht wirklich damit geschossen.

2017 ging meine Fotografie in den nächsten Schritt über, als ich entdecken musste, wie schnell manche professionelle Fotolabore mit experimentellen Filmen an ihre Grenzen kommen - da habe ich mir dann selbst einen Filmscanner zugelegt. Das hat mir ermöglicht, das Endresultat meiner Fotos besser beeinflussen zu können. Um die Zeit habe ich auch mit Studieren in Aachen angefangen und ich habe plötzlich viel mehr geschossen. Über die nächsten Jahre hat sich meine Kamerasammlung dann stetig erweitert: Über Familie, Flohmärkte, Ebay und Fachläden habe ich so einiges gesammelt. Die Individualitäten zwischen verschiedenen Kameras hat mich fasziniert und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, verschiedene Kameras auszuprobieren. Es ist erstaunlich, dass ich Point-and-Shoots aus Plastik habe, die älter sind als ich, und die noch funktionieren. Es kommt mir komisch vor, dass diese Kameras schon Dinge erlebt haben, bevor sie in meiner Obhut waren.

© Lena Schaak

Dein Instagram Account Name lautet “Analogpigeon” und dort finden sich auch zahlreiche Taubenfotos wieder. Was fasziniert dich so an diesen Tieren und warum landen sie andauernd vor deiner Linse?

Tauben sind im Stadtbild allgegenwärtig – man kann immer irgendwie Tauben begegnen. Ich finde es ganz schön, Tauben beobachten zu können. Seit ich auch mehr nach Tauben Ausschau halte, ist es eine Kleinigkeit, die mir schnell Freude bereitet. Manchmal sieht man eine Taube an einem ungewöhnlichen Ort sitzen, eine besonders schön gemusterte Taube, oder wie eine Gruppe an Tauben versucht, eine Pommes zu zerhacken.

Als ich meinen Instagram-Account von ‘verylehna’ auf ‘analogpigeon’ umbenannt habe, habe ich mich bewusst dazu entschieden, Tauben vermehrt vor meine Linse zu nehmen. Jetzt im Nachhinein ist mir aufgefallen, wie viele Taubenfotos ich davor schon gemacht hatte. Ich hatte schon immer ein großes Interesse an Tieren, und Taubenfotografie ist eine eher unproblematische Unterkategorie der Straßenfotografie – da stellt sich die Frage nämlich nicht, ob man die Tauben zuerst um Erlaubnis fragen muss. Durch das Fotografieren und Beobachten fällt mir die große Vielfalt an Tauben auf, was ich sehr spannend finde.

Welches ist dein Lieblingstaubenporträt?

Als ich kürzlich bei meinem Vater in Esch/Alzette in Luxemburg war, ist mir diese Taube durch ihr spezielles Gefieder und den orangen Schnabel sofort ins Auge gestochen. Ich glaube, diese Taube würde ich als meine erste Taubenmuse bezeichnen! Als ich zuletzt dann nochmal in Esch/Alzette war, habe ich die Taube am gleichen Ort wieder gesehen, was mich super gefreut hat!

© Lena Schaak

Du experimentierst viel mit Film und hast auch eine Redscale Review in Form eines Buches geschrieben und herausgebracht. Bitte erzähl uns ein bisschen davon.

Mit der analogen Foto Community interagiere ich vor allem online, und ich glaube, das hat meine fotografische Entwicklung stark beeinflusst. In meinen Posts finde ich es wichtig, darzulegen, wie ein Foto zustande kam – man hat nicht mehr immer alle Infos im Kopf, aber ich finde Kamera, ggf. Objektiv und Film schon hilfreich. Damit können andere Menschen besser nachvollziehen, was man gemacht hat, und sich inspirieren lassen. Ich hatte schon mal vereinzelt Filme wie den Lomochrome Purple geredscalet und wusste, dass die Fotos damit knall pink werden. Vereinzelt habe ich Beispiele geredscalete Filme online in Lomography Artikeln oder auf Instagram gesehen. Da mir so etwas noch nicht so systematisch bekannt war, wollte ich selbst einen allgemeinen Redscale-Guide schaffen.

Ich hatte schon länger darüber nachgedacht, in irgendeiner Art ein Fotobuch zu machen, und ich fand es passend für den Aufwand einer systematischen Redscale Review ein Buch herauszubringen. Es war mir dabei auch wichtig, alles selbst zu machen; Konzept, Fotos, Buchdesign, und auch Versand.

Ich hatte mich entschieden, einen Mix aus einer technischen und einer künstlerischen Darstellung zu wählen, um dabei die Redscale-Technik genauer zu untersuchen. In der "Systematic Redscale Review", die ich in meinem Onlineshop auf Deutsch und Englisch verkaufe, habe ich 50 verschiedene Filme geredscalet, und in verschiedenen Belichtungsstufen die gleiche Aufnahme gemacht, um so zu zeigen, was für Looks man mit einem Film erreichen kann. Für jeden Film habe ich dann auch noch ein Referenzbild geschossen, wie der Film in "normal" aussieht.

Die verschiedenen Filme sind in Kategorien eingeteilt wie z.B. Farbnegativfilme mit ISO 200, Farbnegativfilme mit ISO 400, Diafilme, usw. Für jede Kategorie habe ich mir dann ein Thema wie Wald, Wohngebiet, oder Friedhof herausgesucht und dafür an verschiedenen Orten in Luxemburg, Deutschland, den Niederlanden und Belgien geschossen. So hat man mit dem Buch eine kleine Reise durch die verschiedenen Länder – und das Buch gedenkt somit meiner Studienzeit, die bald zu Ende kommen wird. Im Buch befindet sich dann auch noch eine Anleitung und einige Informationen zur Redscale-Technik. Da erkläre ich dann auch anhand der verschiedenen Schichten im Farbfilm, wie der Look zustande kommt. Vor der Review war ich mir jedenfalls nicht bewusst, wie divers Redscale-Filme aussehen können. Positiv entwickelte Diafilme werden z.B. knallrot in Redscale, und wenn man Farbnegativfilme in Redscale 5 Stops überbelichtet, werden sie grün-gelblich.

© Lena Schaak

Gibt es in Zukunft spannende Projekte von dir von denen uns erzählen möchtest?

Anfang März 2022 habe ich die Redscale Review herausgebracht. Nach über 2 Jahren Arbeit war es mir wichtig, das Projekt abzuschließen – mir war aber auch bewusst, dass 2022 noch einige Filme neu erscheinen. Filme wie den Lomochrome Turquoise oder den Adox Color hätte ich gerne mit aufgenommen. Weil das aber nicht geklappt hat, denke ich darüber nach, eine ‘Systematic Redscale Review 2023’ mit einem frischen Konzept herauszubringen. Ich habe auch über einen Kamera Guide nachgedacht, indem ich meine Erfahrungen mit den Kameras, die ich besitze, schildern könnte. Die nächste Arbeit, die ich zu Ende bringen werde, wird allerdings meine Masterarbeit sein!


Vielen Dank an Lena für dieses schöne Interview. Weitere Taubenfotos und Redscale Experimente findest du in ihrem LomoHome.

geschrieben von anna_attar am 2022-07-15 in #experimental #redscale #tauben #streetfotografie

LomoChrome Metropolis 35 mm ISO 100–400

Dieser Film ist ausgestattet mit einer einzigartigen chemischen Mischung die speziell in unserer Lomography Manufaktur hergestellt wird um Farben zu entsättigen, Töne zu dämpfen und Kontraste zu stärken.

Mehr interessante Artikel