Ein Ausflug in die Tiefen des menschlichen Daseins mit Victor Nordland

Victor Nordland ist ein junger Foto- und Videograf aus Deutschland. Seine Fotos erlauben mehr als nur einen oberflächlichen Blick auf sein Motiv. Vielleicht weil er in der Fotografie eine Sprache gefunden hat, mit der er seine Innenwelt nach außen transportieren kann, vermitteln seine Porträts eine ganz eigene, schwermütige und poetische Stimmung. Mit seiner Großformatkamera namens "Clarice" hat er den LomoChrome Metropolis 120 für uns getestet.

© Victor Nordland mit Gedeon

Hi Victor und willkommen im Lomography Magazin! Kannst du uns ein bisschen von dir und über dich erzählen?

Hi, ich bin Filmemacher und Fotograf aus Nordrhein-Westfalen. Ich versuche in meinen Fotos alles Schöne und Schmerzhafte im menschlichen Dasein zu erforschen. Danke, dass ich hier in eurem Magazin sein kann!

Wie bist du zur Fotografie gekommen? Bist du eher der typ Fotograf, der quasi schon mit der Kamera in der Hand auf die Welt gekommen ist oder hast du erst später im Leben gefallen daran gefunden?

Tatsächlich habe ich, seit ich ca. 12 Jahre alt war, stets mit Kameras gearbeitet, aber zu Beginn nur für Video-Projekte (Stop-Motion Lego Filme). Ich hatte in meinem Kopf oft Visionen für Fotos, aber es hat nie funktioniert, obwohl ich es immer wieder versucht habe. Dann habe ich die alte Olympus 35 mm Kamera von meinem Vater entdeckt. Es war mir sehr schnell klar, dass wenn ich irgendwie meine Ideen umsetzen könnte, dann analog. Irgendwann habe eine schwere Lebensepisode durchlebt, die einzige Möglichkeit die ich fand um mich auszudrücken war die Kamera. Und so habe ich vom einen auf den anderen Tag plötzlich eine neue Sprache für mich entdeckt: Fotografie.

Wie würdest du deinen Fotografie-Stil beschreiben? Wer oder was inspiriert dich dabei?

Im Fokus meiner Bilder steht immer der Mensch. Für mich ist Fotografie, wie Psychologie oder Anthropologie, ein Weg den Menschen zu ergründen. Ich habe ein gutes Bild auf den Menschen, aber ich sehe, dass in unserem Dasein gezwungenermaßen viel Schmerz herrscht. Und jeder muss sich seinen Weg dadurch bahnen. Ich versuche Menschen zu fotografieren wie sie damit umgehen. Manchmal habe ich auch das Gefühl, mehr mich selbst als andere abzubilden. Ich liebe Licht in all seinen Farben. Dann fokussiere ich mich nicht darauf wie das Licht fällt, sondern wie die Farben den Menschen vor mir umarmen, bis er nur noch Farbe ist.

© Victor Nordland mit Anna und Gedeon

Du fotografierst in den verschiedensten Formaten - was ist für dich der Reiz daran und in welchen Situationen entscheidest du dich für welches Format?

Mit jedem Format bin ich mit anderen Herausforderungen konfrontiert. Der Weg, den ich dann um sie herum finde, ermöglicht es mir loszulassen und neue Möglichkeiten zu ergründen. Zwischen meiner Großformat Kamera und meiner 35 mm liegen Welten. Sie könnten verschiedener nicht sein. Jede Kamera ist für mich wie ein neues Werkzeug. Ich baue eine Beziehung zu jeder Kamera auf, ich muss sie kennenlernen und verstehen. Dazu gebe ich ihnen auch Namen. Die Namen helfen aber auch, dass meine Freunde sich vor der Kamera lockerer fühlen. Gerade, wenn die Kameras kompliziert und einschüchternd aussehen, kann ein Name das ganze auflockern! Meine Großformat Linhof Technika, mit der ich den Metropolis benutzt habe heißt zum Beispiel "Clarice". Meine Olympus OM-1n heißt "Olga".

Was waren deine Erfahrungen mit dem Metropolis 120?

Tatsächlich habe ich den Film schwer unterschätzt. Ich habe damit gerechnet ihn sehr schnell an seine Grenzen bringen zu können durch Unterbelichten, hohen Kontrast und extreme Farben. Aber er hielt all dem Stand. Meine liebsten Bilder waren jene, in denen ich das Licht wie in einem Kinofilm gesetzt habe. Die Brauntöne und Schatten sind auch wunderschön in dem Film. Ich kann nur empfehlen ihn bei du Dunkelheit und extremen Lichtverhältnissen zu probieren! Das habe ich auch noch nicht genug ausgereizt und will mich damit definitiv noch einmal in der Zukunft befassen.

Was war dein Soundtrack zum Shooting mit dem Metropolis 120?

Ich habe während der Shootings sehr viel Odezenne gehört. Es ist eine Französische Alternative Band. Ihr Sound, ihre Texte inspirieren mich sehr. Ich glaube, wenn irgendetwas so klingt, wie meine Fotos aussehen, dann ist es ihre Musik. Ich kann jedem nur empfehlen sich ihr Album "Au Bacara" anzuhören. Wunderschön.

© Victor Nordland mit Anna

Was ist dein Lieblingsfoto vom Shooting?

Das Foto der Künstlerin im Atelier. Ich liebe es, wie der Film das Licht auffängt. Das Bild ist auch die beste Repräsentation von dem Potenzial von Metropolis, weil er sehr schöne Brauntöne aufnimmt. Dann steht sie in all den Farben so schön und grazil da, mit dem sehr kinematischen Edge Light. Es ist eines der wenigen Fotos, das wirklich komplett gestellt ist, aber da sie oft in dem Atelier arbeitet ist es doch sehr passend. Meistens gelingt es mir nicht „künstlich“ solche Fotos aufzunehmen.

Kannst du etwas aus dem Nähkästchen plaudern, auf was für spannende Projekte von dir man sich in der Zukunft freuen darf?

Letztes Jahr, bei meiner ersten Ausstellung, habe ich für mich eine komplett neue Welt entdeckt, meine Bilder in ihrer physischen Form in immer neue Kontexte zu bringen. Bilderrahmen, Druckmethoden usw… Was jetzt als nächstes kommt, wird sein, meine Bilder durch winzig kleine Drucke ganz neu zu formen. Dazu arbeite ich gerade daran mit winzigen Bilderrahmen Ohrringe und anderen Schmuck herzustellen. Tiny Framez. Ich kann es kaum erwarten das bald zu veröffentlichen, und zwar bei meiner nächsten Ausstellung: „A crater where you meet your creator“ Anfang Juni in Schwerte bei Dortmund.

Ich will auch anfangen, winzig kleine Drucke an öffentlichen Orten oder verlassenen Gebäuden zu verstecken. Das werdet ihr auch alles auf meinem YouTube Kanal Victor Nordland sehen können! Zudem arbeite ich gerade noch an einem "Top Secret" Projekt, mit dem ich die Kosten für professionelles Scannen und Entwickeln in Deutschland drastisch senken werde, aber dazu bald mehr auf meinem YouTube Kanal.

© Victor Nordland "Tiny Framez"
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Vielen Dank Victor für das schöne Interview! Wenn du mehr von ihm sehen möchtest, kannst du ihm auf Instagram folgen.
Models: Anna und Gedeon.

geschrieben von anna_attar am 2022-06-13 in

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