Wie funktionieren eigentlich die Edeldruckverfahren Gummidruck, Öldruck und Bromöldruck?

Wir haben vor kurzem das wunderbare LomoHome von Friedrich Hellwig entdeckt, welches er der Kunst seines Freundes Hellmut Baensch und dessen Frau Ingrid gewidmet hat.

In diesem Magazin Artikel wird uns aus dem Nachlass von Hellmut Baensch ein Einblick in traditionelle Edeldruckverfahren gegeben.

ÖLDRUCK "MAGDA IN DER WIESE" VON HELLMUT BAENSCH

Viele Edeldruckverfahren beruhen auf der Einwirkung von Licht auf natürliche Polymere wie Gummiarabicum, Gelatine, Casein in der Gegenwart von Chromatsalzen. Dabei werden die Naturstoffe geerbt was letztlich bedeutet, dass sich ihre Wasserlöslichkeit verringert. Sind die drei genannten Substanzen zunächst sehr gut in warmen bis heißem Wasser löslich, lösen sie sich nach Belichtung in Gegenwart von Chromaten selbst in heißem Wasser nur noch schwer. In kaltem Wasser quellen sie kaum noch, sondern bleiben fest. Diesen Effekt nutzt man auf ganz unterschiedliche Weise beim Gummidruck und beim Öldruck bzw. dem Bromöldruck aus, um photographische Bilder herzustellen.

GUMMIDRUCK VON HELLMUT BAENSCH

Beim Gummidruck streicht man auf ein Blatt Bütten- oder Aquarellpapier eine Gummiarabicum-Lösung mit Chromatsalzen und wasserlöslichen Farbpigmenten, so dass das Blatt gleichmäßig eingefärbt wird. Dies muss bei gedämpftem Licht passieren, weil die Schicht nach dem Trocknen lichtempfindlich wird. Auf die Schicht legt man nach dem Trocknen ein Negativ mit transparentem Träger (Film oder Folie) und drückt es mit einer Glasplatte an. Belichtet wird dann mit UV-Licht durch die Glasplatte und das Negativ auf die Gelatineschicht. Sonnenlicht funktioniert gut, besser zu kalkulieren ist das Licht aus Leuchtstoffröhren, sogenanntes Schwarzlicht. Dort, wo das Negativ das Licht leicht durchlässt, wird die Gummischicht belichtet und somit gegerbt. Die vom Negativ bei der Belichtung geschützten Bereiche bleiben unbeeinflusst. Wenn man nun das belichtete Blatt in warmem Wasser badet, löst sich das unbelichtete und ungegerbte Gummi auf, die Farbe wird vom Wasser weggewaschen. In den belichteten und gegerbten Bereichen dagegen ist das Gummi schwer löslich geworden, bleibt auf dem Papierträger haften und hält somit auch die Farbe dort fest. Es entsteht ein positives Bild mit der benutzten Farbe. Im Wasserbad kann man lokal mit Pinsel, Schwamm oder Brause Farbe abwaschen, so dass eine sehr individuelle, kreative Bearbeitung des Bildeindrucks möglich ist. Das macht und den eigentlichen Wert des Gummindrucks aus. Man kann hintereinander mehrere Gummischichten übereinander drucken, da die einzelnen Farbschichten dünn und durchscheinend sind. Man kann so mehrere Farben einsetzen und neben den Mitteltönen auch die Lichter und Schatten gut darstellen. Erfahrene Drucker schaffen so sogar Drucke in natürlichen Farben.

ÖLDRUCK "DIE TÄNZERIN" VON HELLMUT BAENSCH

Beim Öldruck wird eine Gelatinelösung auf das Büttenpapier aufgestrichen, die aber noch keine Pigmente enthält. Lichtempfindlich wird die Gelatine, indem man eine Chromatlösung aufträgt. Das Blatt wird also noch nicht eingefärbt. Belichtet wird wie beim Gummidruck wieder im Kontakt unter einem Negativ. Dort, wo das Negativ das Licht gut durchlässt, wird die Gelatineschicht gegerbt. Badet man ein solches belichtetes Papier in lauwarmem Wasser, löst sich die Gelatine weder in belichteten
noch in unbelichteten Bereichen, weil dazu die Wassertemperatur deutlich höher sein müsste. Allerdings quillt sie in den unbelichteten Bereichen, sie lagert also Wasser ein, speichert es sozusagen in der Gelatineschicht. Dies geschieht in den gegerbten Bereichen nicht. Es entsteht ein sogenanntes Gerbe-Relief. Trocknet man nur die Papieroberfläche leicht ab, kann man mit einem Pinsel ölhaltige Druckerfarbe auftupfen. Stattdessen kann man die Farbe auch mit einer Schaumstoffrolle aufrollen. Da die aufgequollene Gelatine Wasser enthält, stößt sie die fette Farbe ab, diese bleibt nicht auf der Papieroberfläche hängen. In den gegerbten Bereichen ist kein Wasser aufgenommen worden, die gegerbte Gelatine ist deshalb schnell trocken und bindet die Druckerfarbe gut. Letztlich werden alle gegerbten Bereiche eingefärbt, die unbelichteten Bereiche bleiben ungefärbt. Auch hier kann der Photograph den Bildeindruck individuell steuern, indem er lokal weitere Farbe aufträgt oder mit sauberem Pinsel oder Rolle wieder entfernt.

GUMMIDRUCK VON HELLMUT BAENSCH

Sowohl beim Gummidruck als auch beim Öldruck braucht man ein Negativ in der Größe des Bildes, das man anfertigen möchte, da im Kontakt belichtet wird. Mit kommerziellen Photopapieren mit besonders dicker Gelatineschicht, die auch nur ganz leicht gehärtet sein darf, kann man allerdings auch anders vorgehen. Mit Hilfe eines Vergrößerers wird von einem kleinen Negativ ein ganz normaler Silbergelatine Abzug hergestellt. Wenn man dieses Silberbild in einem chromathaltigen Bleichbad ausbleicht, wird das Silberbild entfernt und gleichzeitig die Gelatineschicht, in der sich das Silberbild befunden hat, gegerbt. Diese Gerbung erfolgt aber nur da, wo sich vorher Silber befunden hat. Es entsteht wieder ein Gerbe Relief, das wie beim Öldruck eingefärbt werden kann. Da bei dieser Technik Bromsilberpapier eingesetzt wird, nennt man diese Technik Bromöldruck.

RIESENNEGATIV UND ÖLDRUCK "SEHNSUCHT" VON HELLMUT BAENSCH

Das Bild beim Öl- und Bromöldruck besteht aus fetter Druckerfarbe, die nur langsam trocknet und abbindet. Man kann deshalb die noch feuchte Farbe auf ein neues Blatt Papier übertragen. Man legt dazu den Druck mit der Farbschicht auf ein neues Blatt Papier und presst beide Schichten in einer Druckpresse aufeinander. Danach haftet die Farbe auf dem neuen Papier, das entsprechende Bild ist allerdings seitenverkehrt. Um das zu vermeiden muss der Originaldruck schon selbst seitenverkehrt angefertigt werden. Man nennt diese Technik Umdruck, das Gelatine-Relief wird sozusagen als Druckstock benutzt und kann wiederholt so eingesetzt werden.


Aus Nachlass von Hellmut Baensch

SELBSTPORTRÄT VON HELLMUT BAENSCH

geschrieben von kathi-la am 2021-12-15 in

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