Mittelformat-Porträts von Marco Trinchillo mit dem Metropolis-Film

In diesem Interview spricht der italienische Fotograf Marco Trinchillo über seine fotografischen Projekte und enthüllt seine fantastischen Mittelformat-Porträts, die er mit dem LomoChrome Metropolis Film aufgenommen hat..

© Marco Trinchillo

Hallo Marco, könntest Du Dich bitte den Lesern unseres Online-Magazins vorstellen?

Zunächst einmal einen Gruß an alle Leser! Ich bin 40 Jahre alt und lebe in der Romagna, in einer kleinen Stadt am Meer, Cervia.

Erzähle uns etwas über Deinen fotografischen Hintergrund. Was ist Deine Geschichte? Wann hast Du angefangen zu fotografieren?

Ich habe direkt nach der Schule angefangen zu fotografieren, mit meiner Schwester als Versuchskaninchen, mit der ursprünglichen Idee, diese Porträts für Gemälde zu verwenden, aber ich habe diese Idee bald aufgegeben und mich der Fotografie gewidmet. Während des Sommers, im Alter von 18 bis 23 Jahren, habe ich für ein Fotostudio Porträts von Touristen am Strand gemacht. Ich glaube nicht, dass es diesen Job überhaupt noch gibt, aber ich denke, es war eine großartige Schule, sowohl für die Annäherung an unbekannte Menschen als auch für den Versuch, in maximal 3-4 Aufnahmen ein gutes Porträt nach Hause zu bringen.

Diese wunderbaren Porträts wurden mit dem Metropolis-Film aufgenommen: Welche Eigenschaften haben Dich am meisten beeindruckt?

Ich war angenehm überrascht von den Tönen, es war wie ein Schritt zurück vor 20 Jahren, als ich noch Crossentwicklung gemacht habe, um ähnliche Töne zu erhalten, mit dem Metropolis Film braucht man keine invertierten Entwicklungen, weil diese Töne bereits die Charakteristik des Films sind.

© Marco Trinchillo

Welche Kamera hast Du für diese Fotos verwendet?

Eine Mamiya RZ 67.

Warum die Wahl des Mittelformats?

Ich finde es ideal für Porträts, insbesondere die RZ 67 ist sehr sperrig, schwer, ich benutze sie immer auf einem Stativ und das erlaubt mir, die Zeit zu verlängern und vor jeder Aufnahme mehr nachzudenken.

Welche Ausrüstung nimmst Du immer mit auf Deine Reisen?

Meine unzertrennliche Nikon FM3A und immer eine kleine analoge Kamera (Olympus XA oder Yashica mini).

Du machst hauptsächlich Porträtfotografie, warum diese Wahl? Und wie wählst Du Deine Porträtmotive aus?

Ich liebe es, Menschen zu porträtieren, besonders Fremde. Ich habe nie vorgegeben, das Wesen einer Person zu erfassen, sondern durch sie über mich selbst zu sprechen. Ich glaube, dass in jedem Subjekt, das ich porträtiere, ein kleiner Teil von mir steckt. Ich wähle die Menschen, die ich porträtiere, wenn es irgendwie eine Art Verliebtheit gibt, eine Anziehungskraft, etwas, das auf meine Erinnerung und mein Unterbewusstsein einwirkt.

© Marco Trinchillo

Sowohl in dieser Serie als auch auf Deiner Instagram-Seite ist uns bei genauem Hinsehen aufgefallen, dass einige Deiner Porträts eigentlich Selbstporträts sind: Haben Deine Probanden einfach auf den flexiblen Auslöser gedrückt, oder haben sie auch über die Komposition der Bilder entschieden?

Manchmal spiele ich dieses kleine Spiel: Sobald ich den Rahmen gewählt und die Belichtung gemacht habe, lasse ich die Person entscheiden, wann sie sich selbst porträtieren möchte. Ich finde, dass es in vielen Fällen eine größere Entspannung gibt, ein reineres Sich-geben.

Wer sind die Künstler, denen Du folgst und von wem lässt Du Dich für Deine Fotos inspirieren?

Luigi Ghirri muss ich nennen, ich denke, dass es ihm zu verdanken ist, dass ich mit dem Fotografieren begonnen habe. Andere Autoren sind Alessandra Sanguinetti, Greg Miller, Nausica Giulia Bianchi, Lise Sarfati, Alec Soth... jeder hat mich auf seine Weise beeinflusst, angespornt, mehr wegen der Emotionen, die ihre Aufnahmen in mir wecken, als wegen eines Faktors der Form oder Ästhetik.

© Marco Trinchillo

Du hast gerade ein sehr interessantes und ausgesprochen zeitgemäßes Projekt mit dem Titel "The Kids Ain't Alright" abgeschlossen. Kannst Du unseren Lesern das Projekt beschreiben und erklären, woher die Idee dazu kam?

"The Kids Ain't Alright" ist ein Projekt, das während dieser Pandemie geboren wurde: Ich habe mich gefragt, wer aus psychologischer Sicht am meisten betroffen ist, und die Antwort war "Teenager". Also beschloss ich, Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 19 Jahren in ihren "Nicht-Orten" zu porträtieren, wie Schwimmbädern, Turnhallen, Schulen, Jugendzentren und Diskotheken, die seit über einem Jahr geschlossen sind.

© Marco Trinchillo

Ein weiteres Projekt, an dem Du arbeitest, ist "La Photo Trouvèe", worum geht es dabei?

Ich bin froh, dass Du mir diese Frage stellst. "La Photo Trouvèe" ist nichts anderes als ein Archiv alter Negative und Dias, die ich schon lange besitze und im Laufe der Jahre auf Märkten und in Kellern gefunden habe. Ich beschloss, diejenigen auszuwählen, die mich am meisten bewegten, und sie zu drucken. Roland Barthes nannte es punctum, etwas aus dem Inneren des Bildes kreuzt ein Interesse, das in unserem persönlichen Unbewussten verwurzelt ist, und es zieht uns an, ohne dass wir wissen, warum; dann, später, entdecken wir, wie intim diese Beziehung war und ist.

Hast Du irgendwelche interessanten Projekte oder Kollaborationen geplant?

Da gibt es etwas, aber ich will mich nicht selbst verhexen, also sage ich lieber nichts.

© Marco Trinchillo

Danke, Marco, für diese tollen Fotos! Folge ihm auf seinem Instagram Profil. Hier, der Link, um alle Fotos aus seinem Projekt "The Kids Ain't Alright" zu sehen.

geschrieben von melissaperitore am 2021-05-31 in #Ausrüstung #Menschen

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