Hanalogital - ein Filmsuppenmärchen

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Hanna, aka hanalogital , ist Filmsuppen-Expertin. In diesem Artikel teilt sie ihre Erfahrungen mit uns und erzählt, wie der Film in die Suppe kam.

© hanalogital

Hallo Hanna und willkommen im LomoMagazin! Kannst Du uns ein bisschen von Dir erzählen? Wie hat Dein Weg mit der analogen Fotografie begonnen und wie kam der Film in die Suppe?

Ich bin Hanna, wohne im südlichen Rheinland-Pfalz und fotografiere seit 11 Jahren analog. Ich habe eine Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation absolviert und danach fünf Jahre in meinem Beruf gearbeitet. Ich muss zugeben, dass ich von Anfang an das Gefühl hatte, nicht das zu machen, was ich gerne wollte. Fünf Jahre versuchte ich das unbefriedigende Gefühl zu verdrängen. Mit der Zeit wurde der Wunsch nach einer selbst bestimmten und ortsunabhängigen Arbeitsweise jedoch immer größer. Im Februar 2018 wagte ich endlich den Schritt und begann meine Selbständigkeit als Virtuelle Assistentin. Nach den ersten zwei Jahren, habe ich festgestellt, dass mir diese Arbeit zwar Spaß macht und man damit auch Geld verdienen kann, jedoch wusste ich auch, dass es nicht mein Herzensprojekt ist.

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Mein Traum seit vielen Jahren war es, dass ich gerne mehr aus meiner Fotografie machen wollte. Doch lange Zeit wusste ich nicht wie ich diesen Traum umsetzen sollte. Ich wollte meine experimentelle Fotografie auch anderen interessierten Menschen zeigen, wollte Gleichgesinnte kennenlernen und am liebsten meine gesamte Zeit in die analoge experimentelle Fotografie investieren. Im Februar 2019 startete ich neben meinem Instagram Account für die Virtuelle Assistenz, meinen Account @hanalogital und habe begonnen meine Fotografien online zu zeigen. Es war toll zu sehen, dass es eine (sehr große!) Community für analoge Fotografie gibt und dass tatsächlich auch Interesse an meinen experimentellen Fotografien bestand. Jedoch war ich vom Geld verdienen damit noch weit entfernt.

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Im Frühjahr 2020 hatte ich dann eine Idee: An einem Wochenende habe ich einen meiner experimentellen Filme auf meinem Instagramprofil zum Verkauf angeboten. Das was dann passierte war wunderbar, denn innerhalb weniger Stunden hat man mir den Film abgekauft. Es war, als hätte sich plötzlich eine Tür geöffnet. Ab diesem Moment ging mir die Idee nicht mehr aus dem Kopf, dass ich einen Onlineshop mit manipulierten Filmen eröffnen könnte und dass ich mein Wissen über die Herstellung von Filmsuppen-Filmen in einem eBook aufschreiben und ebenfalls für Interessierte zur Verfügung stellen könnte. Am Ende ging dann alles schneller als gedacht: Ich habe mich in die Herstellung von drei meiner bewährten Filmsuppen-Filme gestürzt, lange an dem Design der Filmrollen und Filmdosen getüftelt und im April 2020 meinen Onlineshop bei Etsy für einen ersten Testdurchlauf eröffnet. Ich war total überwältigt, dass alle Filme nach ein paar Tagen komplett ausverkauft waren! Für mich war ziemlich schnell klar, dass ich das Projekt HANALOGITAL gerne intensiver betreiben möchte, hatte dafür aber aufgrund meiner Tätigkeit als Virtuelle Assistentin nicht die nötige Zeit. Am Ende habe ich auf meine innere Stimme gehört und keine neuen Aufträge und Kunden als Virtuelle Assistentin mehr angenommen und mich in der dadurch gewonnenen Zeit HANALOGITAL gewidmet. Mittlerweile arbeite ich nicht mehr als Virtuelle Assistentin, sondern bin ausschließlich mit HANALOGITAL selbstständig. Ich kann es ehrlich gesagt oftmals selbst noch nicht glauben, dass ich tatsächlich meinen langgehegten Wunsch verwirklicht und meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe!

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Ich bin mit der analogen Fotografie aufgewachsen, jedoch hat während meiner Jugend die digitale Fotografie die Filmfotografie etwas in den Hintergrund gedrängt. Vor einigen Jahren wurde mir die digitale Fotografie zu langweilig und „zu perfekt“, sodass ich mich auf die Suche nach neuen kreativen Möglichkeiten im Bereich der Fotografie umgesehen habe. Im Internet bin ich dann über die Seite von Lomography gestolpert. Ich war begeistert von der riesigen analogen Community und dass es weiterhin Kameras und Filme zu kaufen gibt. Nach all den Jahren, in denen ich ausschließlich digital fotografiert habe, beschloss ich, eine Holga 120 CFN zu kaufen. Es folgten eine Fisheye No. 2, ein Actionsampler, eine Diana Mini, eine Sprocket Rocket, ein Spinner 360°, eine Horizon Kompakt, eine Lomo LC-Wide und ein Konstruktor.
Ich habe immer wieder viele Tipster und Artikel auf der Seite von Lomography gelesen und mir die Fotos von anderen Leuten angeschaut. Durch einen dieser Artikel habe ich dann das erste Mal von sogenannten Filmsuppen erfahren und war fasziniert davon, dass man Filme auf so eine Art und Weise manipulieren kann.
Vor 11 Jahren war es noch deutlich einfacher (abgelaufene) Kleinbildfilme zu einem akzeptablen Preis auf Ebay zu finden und so habe ich mit etwas Glück ein Schnäppchen gemacht und einen großen Karton mit abgelaufenen Kleinbildfilmen ergattert. Meine erste Filmsuppe bestand aus relativ wenigen Zutaten und wenn man es ganz genau nimmt, dann eigentlich nur aus einer: Wasser. Das mag vielleicht etwas unspektakulär klingen, aber meine erste Filmsuppe bestand tatsächlich einfach nur aus kochendem Wasser, welches ich in einem kleinen Topf auf dem Herd erhitzt habe. Einen der abgelaufenen Filme habe ich dann für wenige Minuten in dem kochenden Wasser köcheln lassen. Zu dieser Zeit wohnte ich in einer Wohnung ohne Heizung, dafür aber u.a. mit einem Ofen im Wohnzimmer, auf dessen Oberfläche ich die Filme immer habe trocknen lassen. Das war absolut ungefährlich, da die Platte auf dem Ofen nicht heiß wurde, sondern nur eine konstante Wärme abgegeben hat. Auf diese Weise sind die Filme meistens innerhalb von 2 Wochen getrocknet.

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Ich weiß noch, dass ich von den Effekten meiner ersten Filmsuppe ziemlich begeistert war. Ich war überrascht, dass einfach nur kochendes Wasser einen so deutlichen Effekt auf dem kompletten Negativstreifen hinterlassen hatte: Es gab kleine Punkte, wellenartige Formen und auch die Farben waren anders, als ich sie von meinen bisherigen Fotos kannte.
Seit der ersten Filmsuppe handhabe ich es so, dass ich die Filme zuerst in die Filmsuppe einlege und danach belichte. Ich bin einfach fasziniert davon, gleich einen ersten Eindruck des Effekts der Filmsuppe auf dem Filmanfang zu sehen, der aus der Filmpatrone lugt.

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Es gibt Filmsuppen, die ich gerne und immer wieder herstelle. Einige dieser Filmsuppen haben sich in den letzten Jahren für mich bewährt, sodass ich sie mittlerweile als fertige Filmsuppen-Filme in meinem Onlineshop anbiete. Die Zutaten dieser Filmsuppen kann ich hier leider nicht verraten, jedoch gibt es viele andere Zutaten, die sich für Filmsuppen hervorragend eignen. Toll funktionieren oft heißes oder warmes Wasser, Zitronensaft, Natron, Salz, Kaffee, Spirituosen, Tee oder Putz- und Spülmittel. Die Flüssigkeiten und Pulver kann man entweder separat für eine Filmsuppe verwenden oder man mischt einige von ihnen untereinander. Man sollte allerdings nicht einfach alles zusammenschütten, sondern sich zuvor Gedanken machen, ob man ungewollte chemische Reaktionen auslösen und die im ungünstigsten Fall gesundheitsschädlich sein könnten. Ich empfehle deshalb immer, dass man zur Herstellung von Filmsuppen am besten Handschuhe, Mund- und Augenschutz trägt und das Experimentieren bei geöffnetem Fenster oder draußen auf dem Balkon oder der Terrasse durchführt.
Ich achte meistens darauf, dass ich nur Substanzen für die Filmsuppen verwenden, die keine klebrigen Rückstände hinterlassen. Softdrinks, Energydrinks, Zucker o.ä. würde ich für eine Filmsuppe eher nicht empfehlen. Bei solchen Zutaten kann es vorkommen, dass der Film während dem Trocknen sehr hartnäckig in der Filmpatrone aneinanderklebt und man den Film am Ende nicht verwenden kann, da er sich nicht mehr in die Kamera einspulen lässt.

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Was sind die ersten Schritte um eine Filmsuppe zu kreieren?

Als erstes benötigt man natürlich geeignete Zutaten. Für die Herstellung von Filmsuppen schaue ich meistens immer erst zu Hause in Küche und Bad nach, ob ich eventuell bereits interessante Zutaten für Filmsuppen besitze. Man benötigt meist nicht viel, sodass man aus Duschgel, Shampoo, Spülmittel, Gewürzen und Wasser schon eine hervorragende Basis für eine erfolgreiche Filmsuppenmischung zu Hause griffbereit hat. Sollte man in den eigenen vier Wänden nicht fündig werden, dann sind Drogeriemärkte, Lebensmittelgeschäfte und Baumärkte ein wahres Paradies, wenn es um Zutaten für Filmsuppen geht. Am Liebsten nehme ich mir aus dem Drogeriemarkt Zutaten aus der Abteilung mit den Reisegrößen mit.

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Ich empfehle, einen Film für die Filmsuppe zu wählen, bei dem man es verschmerzen kann, wenn die Ergebnisse am Ende nicht so geworden sind, wie man es sich vielleicht erhofft hat. Am Besten macht man sich vor der Herstellung der Filmsuppe Gedanken darüber, wo man die Filmsuppe später entsorgen kann. Ich empfehle dir, keine gefährlichen Zutaten zu verwenden, sodass du die Filmsuppe am Ende ohne schlechtes Gewissen im Spülbecken entsorgen kannst. Überlege dir vorab, wie lange du deinen Film in der Filmsuppe einwirken lassen möchtest.
Ansonsten benötigt man ein Gefäß, in dem man die Filmsuppe herstellen kann. Ich benutze dafür immer alte Gläser mit Deckeln, sodass ich den Film problemlos in der Filmsuppe schütteln kann und sich die Filmsuppe dadurch möglichst in der ganzen Filmpatrone verteilt. Je nachdem, welche Zutaten man für die Filmsuppe verwendet, kann auch mal ein etwas unangenehmer oder penetranter Geruch entstehen. Ich war deshalb schon oft froh, die Filmsuppe in einem geschlossenen Gefäß hergestellt zu haben und den Geruch dadurch eliminieren zu können ;-)
Man kann natürlich auch einfach einen kleinen Topf verwenden, wenn man z.B. eine Filmsuppe aus kochendem Wasser und vielleicht Salz herstellen möchte.
Ich notiere mir in einer Excel-Tabelle die Zutaten und Einwirkzeit der Filmsuppen, indem ich fortlaufende Nummern verwende. Die jeweilige Nummer schreibe ich mir auch auf den entsprechenden Filmkanister. So behalte ich den Überblick über die verschiedenen Filmsuppen und kann nach der Filmentwicklung die Negative zu den jeweiligen Filmsuppen zuordnen.

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Vielen Dank an Hanna, dass sie ihre Erfahrung und ihr Rezept mit uns geteilt hat! Schau in ihrem LomoHome auf ihrem Instagram und in ihrem Etsy Shop vorbei und lass Doch von den bunten Filmsuppen inspirieren! Teile Deine eigenen Filmusppen-Experimente in Deinem LomoHome mit uns und Deine Ideen und Erfahrungen in den Kommentaren! Wir sind schon gespannt welche geheimen Rezepte Du im Ärmel hast!

geschrieben von alinaxeniatroniarsky am 2021-04-29 in #Menschen #Anleitungen

Ein Kommentar

  1. rik041
    rik041 ·

    spannende Geschichte, tolle ideen!

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