Wir stellen vor: Sebastian Franke

Filmemacher, Regisseur und Fotograf Sebastian Franke aus Leipzig ist kein Unbekannter bei uns im Magazin. Er stellte vor einiger Zeit bereits seine Serie Queens of Eastern Europe vor. Diesmal erzählt er, wie er zur analogen Fotografie kam, wie er seine Portraits knipst und welches Equipment er dafür nutzt.

© Sebastian Franke

Hallo Sebastion und willkommen zurück im LomoMagazin! Wie hat Deine Reise mit der (analogen)Fotografie begonnen? Was bedeutet (analoge) Fotografie für Dich?

Von der Fotografie war ich schon als Kind und Jugendlicher sehr begeistert. Wirklich ernsthaft zu fotografieren begann ich mit den ersten Filmen, die ich gedreht habe. Gerade die analoge Fotografie ist sehr hilfreich dabei, auch für filmische Projekte das Auge zu schulen, um eine Szene, einen Moment auf eine bestimmte Art und Weise ästhetisch anspruchsvoll zu inszenieren.

© Sebastian Franke

Die Kommunikation und das Finden einer gemeinsame Filmsprache mit dem Kameramann an einem Filmset oder für einen Dokumentarfilm läuft unkomplizierter ab, wenn man selbst ein einigermaßen gutes Verständnis für Bildkomposition, Einstellungsgrößen, Perspektiven, Brennweiten etc. mitbringt. Ich bereite gerade mit einem Kameramann ein Dokumentarfilmprojekt vor. Für die gemeinsame Entwicklung des visuellen Konzepts sind mir dabei in den zahlreichen Gesprächen, die wir führen, meine Kenntnisse aus der Fotografie sehr hilfreich.

© Sebastian Franke

Welches Equipment benutzt Du (am liebsten)? Hast Du verschiedenes Equipment für verschiedene Aufnahmesituationen?

Zum Fotografieren habe ich kein High-End-Profi-Equipment. Ich finde, es kommt auf den Inhalt und die Motive an. Daher sind für mich fotografische Spielereien keine Option. Ich habe ausschließlich recht simple analoge Kameras. Für den Alltag und schnelle Schnappschüsse unterwegs nutze ich zwei verschieden Point and Shoot -Kameras: Die Olympus Mju II and die Olympus AF-1Super.

© Sebastian Franke

Für meine dokumentarischen Aufnahmen und die meisten Porträt-Aufnahmen kommen zwei verschiedene Minoltas zum Einsatz: Die Minolta XD7 sowie die Minolta X 500. Jeweils mit einem 50mm bzw. 85mm Objektiv. Selten benutze ich meine Zenza Bronica ETRSi, eine Mittelformatkamera. Für unterwegs ist mir die Kamera einfach zu unhandlich.

© Sebastian Franke

Was ist Dein Lieblingsmotiv/was fotografierst Du häufig? Warum?

Ich fotografiere fast ausschließlich Menschen. Für meine Fotodokumentationen bin ich dafür stets auf der Suche nach Geschichten starker Persönlichkeiten, deren innerer Charakter mich berührt und mir die Komplexität der menschlichen Natur offenbart. Ich treffe dabei oft auf Menschen, die mir auf eine bestimmte Art einen tieferen Blick in menschliches Miteinander zeigen, so wie ich es vorher noch nicht gesehen habe. Für mein Langzeit-Fotoprojekt über die Drag Szene in Osteuropa sind es natürlich die Drag Queens und die Menschen hinter den Drag Charakteren. Dann recht oft Leute aus der queeren Szene. Ich versuche den Menschen dabei mit Respekt zu begegnen und würde die Leute vor der Kamera niemals bloßstellen.

© Sebastian Franke

Was inspiriert Deine Aufnahmen? Hast Du einen bestimmten Look im Kopf, den die Fotos haben sollen, oder ergibt sich das beim Fotografieren?

Ich nutze nie zusätzliche Lichtquellen, Reflektoren oder sonstiges. Für meine Aufnahmen lasse ich mich stets von der gewohnten Umgebung meiner Protagonisten leiten. Sowohl für die Farb- als auch auch die Schwarz-Weiß-Fotografie sind meine Bilder sehr von Licht, Schatten und Kontrasten geprägt und ich nutze die gegebenen Lichtverhältnisse und sehe, wie ich vorhandenen Umstände und Lichtverhältnisse fotografisch für meine Aufnahmen nutzen kann. So zu arbeiten hat natürlich seinen besonderen Reiz, da man sich für jeden Fototermin auf eine völlig neue Licht- und Farbsituation einstellen muss, die man nur indirekt beeinflussen kann. Man lernt jedes mal etwas Neues dazu.

© Sebastian Franke

Hast Du ein Lieblingsfoto? Warum gefällt es Dir besonders gut?

Mein Lieblingsfoto ist ein Schwarz-Weiß-Bild eines Pornodarstellers aus Paris, den ich im letzten Jahr in Berlin fotografiert habe. Es zeigt ihn nackt von hinten in der rechten unteren Ecke des Bildes am Boden eines Holzdielenfußbodens auf allen Vieren. Sein Blick ist über seine linke Schulter direkt in die Kamera gewandt. In der oberen rechten Ecke des Bildes sieht man eine doppelflügelige Balkontür offen stehen. Bei Instagram bekam das Bild sehr viele Likes. Aber nur deswegen, weil die Leute solch ein Bild zwar sehen, es aber nicht betrachten. Die meisten sehen einen gutaussehenden, nackten jungen Mann und sein Hinterteil. Was ich sehe, ist der wunderschöne Aufbau des Bildes: Wie das Model scheinbar von rechts unten in das Bild „hineinkriecht“. Dann die Stellung der beiden Handgriffe an der doppelten Balkontür, die mit der Stellung seiner beiden Hände korrespondiert. Das Licht, welches stimmig aus Richtung Balkon ins Bild fällt und die Position des Kopfes befindet sich an genau der passenden Stelle im Bild mit einem Blick, der nicht obszön ist, sondern sehr würdevoll und schon fast etwas geheimnisvolles hat. Ein wunderschönes Bild.

© Sebastian Franke

Zu guter Letzt: Hast Du ein paar inspirierende Worte/Tipps für unsere Leser?

Jeder, der ernsthaft fotografieren möchte, sollte sich so viel wie möglich Bilder bekannter und einflussreicher Fotografen bzw. Fotografinnen ansehen und davon lernen, ohne zu kopieren. Wie oft sehe ich gerade bei Instagram tausende von Bildern, die einen bestimmten Stil imitieren bzw. kopieren wollen, denen jedoch völlig die Seele fehlt. Seinen eigenen, unverwechselbaren, authentischen Stil zu finden, das ist ein langer Weg, den jeder, der sich mit Fotografie beschäftigt, gehen muss. Sich selbst als Fotograf zu finden, dass kann mitunter lange Zeit dauern.

© Sebastian Franke

Vielen Dank an Sebastian, dass er seine Aufnahmen und Gedanken mit uns geteilt hat! Schau auf seinem Instagramkanal und seiner Website vorbei und lass Dich inspirieren!

geschrieben von alinaxeniatroniarsky am 2021-03-05 in #Menschen

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