Wir stellen vor: paule97

Paul ist 23 Jahre alt, aus Berlin, arbeitet eigentlich eher mit Klangbildern als mit denen, die man anschauen kann und sein favorisierter soft drink ist Vita Cola. Die analoge Fotografie begleitet Paul eigentlich erst seit dem letzten Sommerurlaub mit seiner Freundin, davor war er immer "zu bequem dazu". Umso mehr lieben wir seine stimmungsvollen Fotografien, die mit Licht und Farben spielen und uns in ihre Welt entführen. Lehn Dich zurück, lerne Paul und seine Fotografien in diesem Artikel kennen und lass Dich inspirieren!

Von: paule97

Wie hat Deine Reise mit der (analogen) Fotografie begonnen? Was bedeutet (analoge) Fotografie für Dich?

Um etwas auszuholen: Im Audio-Bereich, in dem ich beruflich tätig bin, existiert ein ganz ähnlicher Diskurs bezüglich analoger Aufnahme- und Verarbeitungsverfahren. Hierbei werden dem analogen, ähnlich wie in der Fotografie, wenig greifbare Eigenschaften wie „wärmer“, „weniger steril“ oder „organischer“ zugeschrieben. Das Tonband in einem Tonstudio könnte man beispielsweise als audiovisuelles Äquivalent des Analogfilms sehen. Der gesetzte Tonmeister mit 40 Jahren Berufserfahrung schwört auf die Vorzüge der klanglichen Eigenschaften einer Bandaufnahme wobei diese in Bezug auf Workflow um einiges komplexer ist als ein digitales Aufnahmeprogramm und die Bänder natürlich deutlich teurer zu beschaffen sind als vergleichbare Festplattenkapazität.

Von: paule97

Trotzdem ist es natürlich sehr spannend die Welt des analogen mit all ihren Eigenheiten, Prozessen und Limitierungen zu erkunden. Eine Rolle Kleinbildfilm in eine eBay-Kamera zu werfen ist auf jeden Fall eine sehr zugängliche und vergleichsweise günstige Art und Weise sich dieser Thematik zu nähern. Gerade als Einsteiger in der Analogfotografie musste ich mich mit den Beschränkungen, die mir meine Kamera und der Film auferlegt, umso grundsätzlicher auseinandersetzen.

Von: paule97

Besonders spannend finde ich den mehrstufigen Prozess der analogen Fotografie. Angefangen damit, erst einmal 36 Motive zu sammeln, bis hin zum Entwickeln und Scannen der Negative. Während ich mit einer digitalen Kamera oder einem Smartphone Bilder hochladen und verschicken kann während ich mich emotional noch in der Situation befinde, in der ein Bild geschossen wurde, entsteht für mich in der analogen Fotografie eine zeitliche Distanz zur Aufnahmesituation, die mir hilft nochmal einen Schritt zurück zu treten, mich von vergessenen Details überraschen zu lassen und entschleunigter die Bilder zu bearbeiten.

Für mich hat das Ganze auch erst diesen Sommer begonnen als ich mit meiner Freundin in den Urlaub gefahren bin und wir kurzerhand eine alte Agfa und eine Point and Shoot mitnahmen. Ich hatte schon länger vor, mich mal mit analogen Kameras auseinanderzusetzen, war vorher aber immer zu bequem dazu.

Von: paule97

Welches Equipment benutzt Du (am liebsten)? Hast Du verschiedenes Equipment für verschiedene Aufnahmesituationen?

Im Alltag habe ich eine Point and Shoot immer griffbereit in der Seitentasche meines Rucksacks, wobei ich diese Kamera ehrlich gesagt mittlerweile nur noch raushole wenn es wirklich sehr schnell gehen muss. Für alles andere liegt auf dem Boden meiner Tasche unter tausend anderen Dingen eine Minolta-Spiegelreflex-Kamera. Für Automatik-Verfechter ist es bestimmt sehr amüsant zu sehen wie ich Ewigkeiten brauche bis ich den manuellen Fokus meines alten 50mm-Objektivs halbwegs meinen Vorstellungen entsprechend eingestellt habe.
Im Fall von 'low light'- Motiven und Langzeitbelichtungen habe ich klassischerweise mein Dreibeinstativ und einen Drahtauslöser dabei. Da ich im Moment keinen externen Belichtungsmesser verwende, basieren Verschlusszeiten dann oft auf Schätzungen oder Messungen mit Smartphone-Apps.

Von: paule97

Licht spielt eine große Rolle in Deinen Aufnahmen – Wie suchst Du Deine Motive aus und kannst Du uns ein bisschen zu Deinem Aufnahmeprozess erzählen?

Lichtverhältnisse sind natürlich ein sehr großer Faktor wenn es darum geht alltägliche Dinge und Situationen in eine ästhetisch ansprechende Fotografie zu übersetzen. So einfach es vielleicht klingen mag, umso schwieriger ist jedoch für mich als Einsteiger diese Potenziale zu erkennen ohne generische „blaue Stunde mit Oldtimer“-Bilder zu produzieren.
Im Allgemeinen bin ich nie explizit auf der Suche nach Motiven. Manchmal mache ich auch wochenlang gar keine Fotos, wenn sich halt nichts entsprechendes ergibt. Wenn ich fotografiere, lasse ich mich oftmals von neuen mir unbekannten Umgebungen und Situationen inspirieren. Da es ja noch nicht lange her ist, dass ich das erste Mal eine Kamera in der Hand hatte, versuche ich nicht mir einen eigenen Stil aufzuzwingen sondern verschiedenste Erfahrungen mitzunehmen, um langfristig herauszufinden zu können was mir eventuell mehr oder auch weniger liegt.

Hast Du ein Lieblingsfoto? Warum gefällt es Dir besonders gut?

Von: paule97

Zur Zeit gefällt mir dieses Bild. Ich mag die entschleunigte Stimmung, den Orangeton und meine Mutter hat sich einen Print davon zu Weihnachten gewünscht.

Von: paule97

Zuguter letzt: Hast Du ein paar inspirierende Worte/Tipps für unsere Leser?

Letztendlich kann ich mich hier auch nur an diejenigen richten, die so wie ich gerade angefangen haben zu fotografieren oder es noch vorhaben. Am Anfang bin ich Gefahr gelaufen alles zu fotografieren, was ich halbwegs interessant fand, anstatt gezielt ausgewählte Motive abzulichten von denen ich wirklich überzeugt war. Deshalb versuche ich nun diesbezüglich die richtige Balance zu finden, um auf der anderen Seite auch nicht zu wählerisch zu werden. Das gleiche gilt auch für die Qualität bzw. die eigene Wahrnehmung meiner Bilder. Auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich in fünf Jahren mit vielen meiner heutigen Bilder wahrscheinlich weniger zufrieden sein werde als jetzt, ist es doch wichtig sich nicht zu verstecken, Fotos auch in gewisser Regelmäßigkeit zu posten, Feedback von anderen einzuholen und von Leuten mit mehr Erfahrung zu lernen.

Von: paule97

Interessant ist hierbei auch, dass Bilder von mir, die mir selbst eher weniger gefallen anderen Leuten dafür umso mehr zusagen und auch umgekehrt. Am wichtigsten ist es natürlich mehr Zeit in das eigene Werk und seine Fähigkeiten zu investieren als diese auf eBay zu verbringen, um sich immer mehr redundantes Equipment zuzulegen.
Egal ob digital oder analog...am Ende kommt es darauf an wie ein Bild wirkt auch ohne dass ich dem Betrachter erzählen muss auf wie vielen Millimetern oder Megapixeln und mit welcher seltenen Kamera es entstanden ist. Ich hoffe jeder findet die Tools, Techniken und Routinen, die ihn weiterbringen und den Spaß am Fotografieren aufrechterhalten.


Vielen Dank und Kongratulation zu diesen wundervollen Aufnahmen an Paul! Schau in seinem LomoHome und einem seiner Instagram Accounts moses.lofi oder paulberlin97 vorbei um keine seiner Arbeiten zu verpassen!

geschrieben von alinaxeniatroniarsky am 2021-01-20 in #Menschen

Mehr interessante Artikel