Phantastische Pflanzenwelt und wo sie zu finden ist pt. II - von Alfred Gerke

Hobbyfotograf und Communitymitglied Alfred Gerke, aka alfred_gerke, zaubert mysteriöse und einzigartige Schwaz-weiß Fotografien - so auch in seiner Aktuellen Serie 'Phantastische Pflanzenwelt und wo sie zu finden ist'. Hier erzählt er, wie er auf die Idee zu dieser Serie kam, welches Equipment er nutzt und wie er seine Motive wählt. Erste Eindrücke gabs schon im ersten Teil dieses Artikels.

Von: alfred_gerke

Welches Equipment nutzt Du für diese Serie und wie sieht Dein Setup aus?

Wenn ich Serien entwickle, verwende ich ausschließlich die Nikon F5. Ich gebe gerne zu, dass eine solche Kamera für einen Amateur wie mich etwas überdimensioniert ist, was ihre Möglichkeiten anbelangt, lässt so aber auch keine Wünsche offen. Und nur das Fotografieren mit der Nikon ist schon ein Riesen Spaß, wenn da mal ein Film nichts wird... ...was soll ́s. Aufgrund von längeren Belichtungszeiten muss immer ein Stativ mit dabei sein. Da ich allerdings die Nikon fast ausschließlich auf dem Stativ handhabe, könnte man das Stativ als Standard bezeichnen.

Ein weiterer Standard ist ein Fernauslösetimer für eine Nikon F5. Diese Dinger kosten heute nicht mehr viel und sind eine echte Bereicherung. Wenn ich Bilder aufnehme, wird der Spiegel zuvor hochgeklappt, der Viewfinder wird verhängt (der Viewfinder besitzt hierfür eigens einen Vorhang) und ich berühre zum Auslösen niemals die Kamera. Das ist zwar aufwendig, aber bis jetzt habe ich auch keinerlei verwackelten Bilder erhalten, also bleibe ich bei dieser Arbeitsweise.

Von: alfred_gerke

Aufgrund der Erkenntnisse des Testfilms habe ich mich für das AF Nikkor 28-80mm f3.5-5.6 D entschieden und dort fast ausschließlich die 80er Brennweite gewählt. Da ich damit nur eine Offenblende von 5.6 zur Verfügung habe, hätte ich so oder so ein Stativ wählen müssen, da die Verschlusszeiten entsprechen lang wird. Zudem komme ich mit der Brennweite nah an das Motiv heran und kann trotzdem bequem den Bildwinkel auswählen, was mit meinem Billigstativ hin und wieder etwas heikel ist - und dass ich nah ran
wollte, das war klar. Wer genau hinschaut wird auf der Rückseite einiger Blätter eine Vielzahl an Krabbelgetier finden.

Als Belichtung kommen zwei handelsübliche kleine Taschenlampen zum Einsatz die pro Stück keine 4 Euro gekostet haben. Ich habe mehr Geld für Batterien ausgegeben als für die Taschenlampen. Um die Taschenlampen gut positionieren zu können wählte ich einfach zwei leere Gläser aus dem Lebensmittelbereich. Die Taschenlampen wurden eingeschaltet, mit dem Lichtkegel nach oben in ein Glas gestellt und das Glas konnte ich dann relativ einfach auf dem Boden unterhalb der Blätter oder aber der Pilze positionieren. Vielleicht war das Positionieren doch nicht immer ganz so einfach und hat den einen oder andern Fluch in den Abend hinaus getragen.
Da mir nicht ganz klar war, ob das, was mir im Kopf herum schwebte, überhaupt richtig funktionieren würde, gehört zum Setup ganz sicher auch der Testfilm. Ich habe mit den
Taschenlampen herumgespielt und auch mit den Belichtungszeiten um eine Strategie zu entwickeln, mit der ich konsistente Ergebnisse erhalten würde.
Die Bilder selber wurden mit DF96 Monobath von CineStill entwickelt, mit einem Canon Scanner gescannt und mit Gimp 2.10 editiert.

Von: alfred_gerke

Wie suchst Du Deine Motive aus?

Dass ich Blätter wählen würde, war für mich von Anfang an klar. Und der Testfilm hat sich auch ausschließlich mit Blättern beschäftigt. Die 'Phantastische Pflanzenwelt' hat als visueller Beitrag zum Herbst begonnen und natürlich fallen einem sofort Blätter zum Herbst ein. Sicherlich nicht Blätter die in ein Knochenweiß getaucht werden, das war dann mein Twist zu dem Thema. Mag aber auch sein, dass ich einfach einen Faible für die etwas morbide Stimmung habe, die diese Bilder verbreiten.
Die einzelnen Blätter wurden dann tatsächlich ausgekundschaftet. Ich bin also mehr als einmal ohne Equipment in den Wald gegangen, nur um Plätze zu finden mit interessanten Motiven. Die Bilder zum 'Laternenbuliz' sind dagegen purer Zufall; eigentlich hatte ich bis dato nur Blätter im Sinn. Auf dem Weg zu einem ausgekundschafteten Motiv, bin ich
an einem Baumstumpf vorbeigekommen, der reich bewachsen war mit kleinen frischen Pilzen. Da ich immer mit mehreren Filmen unterwegs bin, habe ich es einfach darauf ankommen lassen und bin heute froh es getan zu haben.

Von: alfred_gerke

Hast Du ein Lieblingsfoto aus der Serie? Warum gefällt es Dir besonders gut?

Das erste Bild aus dem zweiten Teil der 'Funkelblätter' gefällt mir sehr. Schon bei der Aufnahme habe ich große Hoffnung in dieses Motiv gesetzt und es wird definitiv zu einem Print an meiner Wand werden. Manchmal sieht man etwas, es macht Klick im Gehirn und man weiß gar nicht genau warum. Vielleicht mag ich den Gleichklang in dem Bild, den ich dort zu sehen glaube. Müsste ich einen Name wählen, ich würde das Bild auf den nicht ganz originellen Namen „Die Schwestern“ taufen.

Von: alfred_gerke

Vielen Dank an Alfred, dass er seine Serie und seine Gedanken dazu mit uns teilt! Schau in seinem LomoHome vorbei und lass ein bisschen Liebe da <3

geschrieben von alinaxeniatroniarsky am 2020-11-30 in

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