Verlassen und malerisch am Grabowsee von Yvonne Jahnisch

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In den Fotografien, in denen die Lomografin Yvonne Jahnisch alias fotofreundin den urbanen Verfall am Grabowsee festhielt, kommt irgendwie eine gruselige Stimmung auf. Hell und Dunkel, Monochrom und Farbe lässt sie kontrastreich und doch harmonisch wirken.

Von: fotofreundin

Die verlassenen Gebäude und Innenräume, die Yvonne fotografierte, sind Teil eines ehemaligen Tuberkulose-Sanatoriums in Grabowsee, das 1896 vom Deutschen Roten Kreuz gegründet wurde. Das Gebiet liegt am See, umgeben von Waldgebieten. Es war zufällig das erste Lungentuberkulose-Sanatorium in Norddeutschland überhaupt, bevor es nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1995 in ein sowjetisches Lazarett umgewandelt wurde.

Das Gebäude wurde vor vielen Jahren geschlossen und befindet sich heute im Besitz einer Gesellschaft, die sich für seinen Wiederaufbau einsetzt, mit dem Ziel der freien Jugendbildung. Seit kurzem erlaubt der Eigentümer Fotografen, das Gelände zu betreten und den malerischen Verfall festzuhalten. Man kann sogar eine Fototour buchen. Yvonne beschreibt: "Die Szenen sind so schön, wie kleine Kunstwerke. Es war mir eine Freude, die verlassenen Räume nicht nur zu erkunden, sondern auch die kreative Gestaltung zu genießen und einzufangen."

Von: fotofreundin

Yvonne hat ein sensibles und scharfes Auge für Licht, Farben und Details. Vor allem für Licht, wie unterschiedliche Intensitäten eine Vielzahl von Stimmungen erzeugen können. Weiches, melancholisches Licht und scharfe Schatten implizieren zwei verschiedene Stimmungen mit demselben Motiv. Yvonne achtet darauf, diese Stimmung bei einem normalerweise düsteren Thema wie dem Verfall wiederzugeben.

Für Innenaufnahmen mit einer solchen Feinheit wie in Grabowsee verwendet Yvonne ihr 50 mm / 1,8-Objektiv, mit dem sie sowohl Detailaufnahmen macht, als auch Bokeh-Effekte erzeugt. Sie fotografiert auch mit einem Weitwinkelobjektiv. Yvonne liebt es, hochempfindliche Filme zu verwenden, deren ISO-Wert 800 nicht unterschreitet, und schiebt Filme, die darunter liegen. Normalerweise schiebt sie Schwarzweißfilme. "Außerdem unterstützen Schwarzweißfilme die mystische Atmosphäre, die bereits in den alten Mauern herrscht." fügt sie hinzu.

Von: fotofreundin

In letzter Zeit bemüht sich Yvonne, die globale Pandemie durchzustehen und sich an den Lockdown zu gewöhnen, der ihr berufliches und privates Leben ein wenig erstickt. Sie erwähnte, dass das Bedrückendste sei, Distanz zu den Menschen zu halten, die sie liebt: "Ich brauche Nähe und emotionale Sicherheit, um mich wohl zu fühlen. Inzwischen ist es für mich deprimierend, dass meine Mobilität eingeschränkt ist. Ich glaube, es gibt viele Menschen, die sich so fühlen. Deshalb wünsche ich uns allen das Beste."

Zur Ablenkung beschäftigt sich Yvonne mit ihrem Handwerk, der analogen Fotografie.


Weitere Fotos der Serie finden sich in ihrem Album. Besuche auch Yvonnes Instagram für Updates!

geschrieben von cielsan am 2020-11-06 in #Kultur

Ein Kommentar

  1. fotofreundin
    fotofreundin ·

    Liebe Ciel, einen ganz herzlichen Dank für den wunderbaren Artikel. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, meine Arbeit und meine Gedanken mit Dir zu teilen. 😊🌻

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