Open-Air-Konzert Blindsee – Eine Dokumentation von Pia Reschberger

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Pia studierte an der Graphischen Fotografie und Multimedia. Die Wienerin ist außerdem Teil des Offfen Kollektives. In diesem Artikel erzählt sie in Worten und vor allem einzigartigen Fotografien von einem Open-Air Konzert Am Blindsee in Tirol.

© Pia Reschberger

Es ist ein ziemlich wechselhafter Tag in Innsbruck, daher vergraben wir uns in der Ferienwohnung, um die ständigen Regenschauer zu überbrücken. Ich mache ein paar halbherzige Fotos durch das Fenster mit meiner Nikon FE, weiß aber schon während dem Auslösen, dass es die Art Verlegenheits-Fotos sind, die unbeachtet ins Archiv wandern
werden. Eine Benachrichtigung meines Telefons lässt mich die Kamera wieder weglegen. Ob wir nicht zu einem Open-Air-Konzert vom Kulturkreis Ehrenwald kommen wollen, experimentelle Musik an einem See, es wird bestimmt schön, das Wetter ist toll! Überredet! Ich packe meine Nikon und zwei Filme ein, für den Fall dort über ein paar schöne Motive zu stolpern, und wir fahren los. Das Wetter auf der Fahrt ist furchtbar, es schüttet, grau in grau, aber als wir dann in die Nähe des Blindsee kommen, hinter gefühlt hunderten Serpentinen und Bergen, hat sich das Wetter komplett verändert.

© Pia Reschberger

Ich habe in Österreich noch nie so klares türkisfarbenes Wasser gesehen. Der See ist ruhig und menschenleer, beides Faktoren, die ich für meine Serien immer suche. Am Ufer angekommen rückt die Konzertbühne in mein Blickfeld. Bevor der erste Act beginnt weiß ich, dass ich das Konzert in Kombination mit der umgebenden Landschaft dokumentieren
möchte.

Für die Konzertreportage entscheide ich mich für den Psychedelic Blues Film #3. Ich habe noch nie mit diesem Film fotografiert, weiß aber, dass er teilweise im Vorfeld belichtet und dass der Effekt sich pink bis rötlich zeigen wird. Ein schöner Kontrast zu den türkis- bläulichen Tönen rund um den See und gleichzeitig eine Verstärkung der surrealen Wirkung dieses Ortes. Ich bitte die Musikerin und Illustratorin Zew im Vorfeld des Konzertbeginns für ein Portrait mit einer Close-up Doppelbelichtung an das Seeufer.

© Pia Reschberger

Der erste Act, Knurrhahn, fängt an zu spielen und für die nächste Viertelstunde bin ich einfach nur Zuhörerin. Während diesem Konzert verschwindet die Sonne und ein dickes Nebelfeld zieht zwischen die Berge rund um den See. Für einen Moment ist nur mehr die Spitze eines Gipfels zu sehen und mit diesem Foto beginnt für mich die Reportage.

© Pia Reschberger

Ich falle in meinen Unsichtbarkeits-Modus, in den ich mich meistens beim Fotografieren hineinversetze. Mit der Kamera in der Hand bewege ich mich langsam zwischen den Bäumen am Ufer und der Bühne, immer darauf bedacht, vom Publikum unbemerkt zu bleiben. Während dem Auftritt von C. Hausch entsteht eine Noise- und Sound-Kulisse, die durch die umliegenden Berge verstärkt wird. Es fühlt sich an, als würden die Baumkronen wie Stimmgabeln vibrieren und mein Blick durch die Kamera wandert nach oben zu dem Dach aus Kiefern.

Für das letzte Konzert entferne ich mich von der Bühne, um meine 50 mm Fixbrennweite auszugleichen. Ich möchte der Musik und dem See dahinter Raum geben. Abseits des Konzerts werde ich auf hohe Pflanzen rund um den See aufmerksam und fotografiere eine Nahaufnahme. Untermalt mit dem Lo-Fi Folk Gesang von Zew fühlt es sich an wie in einem Traum. Es fängt jetzt doch an leicht zu regnen und ich kehre zurück unter das Baumdach, um die letzten Fotos aus der Nähe zu machen. Es wird definitiv nicht die letzte Open-Air-Konzert Reportage für mich gewesen sein.

© Pia Reschberger

Vielen Dank an Pia, für diese wundervollen Eindrücke! Schau in Ihrem LomoHome, Instagram und auf Ihrer Website vorbei und lass Dich inspirieren!

geschrieben von alinaxeniatroniarsky am 2020-09-21 in #Kultur

Ein Kommentar

  1. dominik_unbehagen
    dominik_unbehagen ·

    Wunderschöne Bilder und ich habe mich beim Lesen tatsächlich kurz auf das Konzert mitgenommen gefühlt. Glückwunsch zu dem tollen Artikel, Pia! <3

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