Björn Albert - Tipps und Tricks eines Großformatprofis

Björn Albert wurde 1965 in Niedersachsen geboren, ist eigentlich eher ländlich und naturverbunden aufgewachsen und hat schon früh mit dem Fotografieren begonnen. Nach dem Abitur in Oldenburg i. OL. studierte er Physik bis zum Vor-Diplom in Münster und zog dann 1990/1991 nach Berlin. 1993 absolvierte er den Abschluss für Fotografie am Lette Verein Berlin.
Seitdem ist er freischaffend tätig und erweiterte 2011 zu BA AP. Seitdem liefert er zusätzlichen fotografischen Service im Laborbereich sowie künstlerisch projektbezogene Begleitung für verschiedenste Auftraggeber. Björn beschäftigt sich thematisch gerne mit Landschaft und Natur, aber auch mit Street und Portraits. Architektur fotografiert er dabei besonders gerne im Großformat. Diese lernte er schon 1991 im Rahmen seines Studiums am Lette Verein Berlin kennen. Seitdem ist sie aus seinem Repertoire nicht mehr wegzudenken.

© Björn Albert

Wie hat Deine Reise mit der (analogen) Fotografie begonnen? Was bedeutet Analogfotografie für Dich?

Die Reise begann als ich im Alter von 11 Jahren von meinem Vater, ein guter Hobbyfotograf, eine defekte Spiegelreflexkamera geschenkt bekam. Der Zauber der Fotografie fand so seinen Beginn in einer spielerischeren Auseinandersetzung mit diesem Medium und begleitet mich bis heute. Daneben galt mein Interesse auch der Produktion von eigenen Kurz- und Spielfilmen die auf internationalen Filmfestspielen gezeigt und auch ausgezeichnet wurden. Doch die kontinuierliche Beschäftigung mit der Fotografie wurde aufgrund der Initialzündung meines Vaters letztendlich meine Profession.

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Was gefällt Dir am besten an der Aufnahmeerfahrung mit einer Grossformatkamera? Warum wählst Du die Grossformatkamera für bestimmte Motive, warum nicht? Wie unterscheidet es sich vom Fotografieren mit 35mm oder Mittelformat?

Jede Kamera / jedes Kamerasystem hat ihre eigenen Einsatzgebiete die sie perfekt bedienen können. Mit der Grossformatkamera können im Gegensatz zu 35mm Systemen z.B. kaum Sportaufnahmen adäquad wiedergeben werden (Ausnahmen bestätigen allerdings auch hier die Regel). Deutlich besserer Qualität als 35mm liefert allerdings schon auch das Mittelformat (siehe Bild Traber). Mein Ziel ist immer die bestmögliche Qualität des Endproduktes, also des finalen Papierabzuges zu erreichen. Je größer das Negativformat desto bessere Ergebnisse sind dabei natürlich zu erwarten. Schnell ändernde Aufnahmesituationen mit der Großformatkamera aufzunehmen schließt sich nahezu aus, dann käme als nächstes das Mittelformat zum Einsatz, aber auch hier sind Grenzen gesetzt und ein gut ausgerüstetes 35mm Kamerasystem kann ganz andere sonst nicht mögliche Aufnahmen liefern.

© Björn Albert

Andererseits kann aber auch die 35mm oder Mittelformatkamera für Architekturaufnahmen eingesetzt werden, wenn z.B. der Standort für die Großformatkamera kritisch ist, wenn es ein streng begrenztes Zeitlimit gibt, oder ich als Fotograf nicht so sehr auffallen darf. Generell ist die Domäne der Großformatkamera die Architektur-, Stil- und Landschaftsfotografie. Meistens kann hier vom Stativ aus gearbeitet werden (was die Großformatkamera ja meist erfordert) und die Verstellmöglichkeiten der Großformatkamera sind gerade bei der Architektur- und Stilfotografie geradezu zwingend notwendig. In der Portraitfotografie hat die Großformatkamera auch ihre eigenen Qualitäten da z.B. während der Aufnahme nicht durch die Kamera geschaut werden kann und so ein ganz anderer Dialog zum Modell möglich ist. Es kann so natürlich auch mit 35mm oder Mittelformat gearbeitet werden, aber das ist dann schon etwas anderes.

Was sind die Herausforderungen beim Fotografieren mit einer Grossformatkamera?

Um nicht nur allein das größere Negativformat zu nutzen bedarf es einiges an Wissen in der Funktionsweise dieser Art von Kameras. Diese Möglichkeiten sind im Allgemeinen in ihrem ganzen Umfang weniger bekannt. Die Zusammenhänge der vielfältigen Beweglichkeiten von Objektiv- und Filmebene zueinander (Verschiebung und Verschwenkung aus der optischen Achse heraus) und was dies für Auswirkungen, bzw. Nutzen haben ist ziemlich komplex. Diese bieten im Gegensatz zu den generell aus ihrer optischen Achse nicht beweglichen Einheiten einer MF oder KB Kamera erhebliche Einflussnahme auf das aufzunehmende Sujet. Mit der Fachkamera, also einer nicht starren Großformatkamera, können Perspektiven und Ansichten im großen Umfang beeinflusst werden. Dabei können Objekte einzel oder in ihrem Umfeld ganz anders dargestellt werden als sie eigentlich sind: Verkürzt, verlängert, übergroß, überklein, etc. Meist werden diese Möglichkeiten lediglich zur Korrektur eingesetzt, als klassisches Beispiel sei hier die Korrektur von stürzenden Linien erwähnt. Dazu bedeutet es viel schweres Gerät zu bewegen oder im Studio zu arbeiten. Mit recht viel Aufwand werden wenige Aufnahmen erzielt, es geht aber hier nicht um Quantität als vielmehr um die Qualität einzelner gut durchdachter Aufnahmen.

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Könntest Du uns ein wenig darüber erzählen, was Dir am Fotografieren mit einer Grossformatkamera gefällt?

Es ist vor allem diese enorm hohe Qualität die die Ergebnisse einer Großformatkamera liefern. Ich arbeite bis zu einem Negativformat von 13x18cm. Wenn ich davon einen 200x140cm großen Baryt-Abzug herstelle und dieser selbst bei Betrachtung aus näherer Distanz gestochen scharf und brilliant, mit feinsten Tonwertnuancen erscheint, dann ist das immer wieder sehr beeindruckend. Zudem ist die Möglichkeit der Einflussnahme auf die perspektivische Darstellung ein sehr wichtiger Aspekt. Nur ein Beispiel: Ich möchte eine Architektur von genau einer ausgesuchten Seite und festgelegtem Standort fotografieren aber es ist dann etwas unbewegliches im Weg wie eine Laterne, Baum, etc. Mit der Großformatkamera kann ich den Standort verändern so dass das störende Objekt nicht mit ins Bild kommt. Mit den Verstellmöglichkeiten der Großformatkamera kann ich dann die Perspektive aus dem ursprünglich Standort zu fast 100% wieder herstellen. Auch einfach das Arbeiten mit der Großformatkamera als solches ist ein Genuss: Die Gewissheit der hohen Qualität, der Umgang mit einer funktional durchdachten präzisen Kamera bei der gleichzeitigen Schaffung langlebiger Ergebnisse.

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Fotografierst Du (lieber) Farbe oder Schwarzweiß?

Schwarzweiß, ganz klar. Es ist vielleicht ein bisschen wie mit dem Klavier: Es gibt die schwarzen und die weißen Tasten, dazwischen gibt es keine Töne. Welcher Komponist könnte gute Musik machen wenn er alle Töne dazwischen auch noch zur Verfügung hätte? Also die Reduktion von der Farbe auf schwarzweiß macht es aus. Ganz besonders wichtig ist für mich dabei die komplette Verarbeitung im eigenen Labor. Von der Aufnahme zur Negativentwicklung bis hin zum fertigen Abzug. So kann ich schon bestimmte Vorgehensweisen in Betracht ziehen bevor die Aufnahme überhaupt gemacht wird, was ein ungeahnt großer Vorteil ist. Bei der klassischen Farbfotografie ist das Bild praktisch nach der Aufnahme und Entwicklung schon fertig, das heißt, um analog zu bleiben, es gibt den Standart Prozess C-41 und E-6 für die Entwicklung, ggf. kann noch eine Cross-Entwicklung gemacht werden.

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Welchen Rat würdest Du Fotografen geben, die das Grossformat zum ersten Mal ausprobieren möchten?

Am besten direkt mit professionellem Equipment das wirklich funktioniert beginnen (ich empfehle Sinar). Es macht keinen Spaß der vielen Mühen wenn das Equipment nicht mitspielt. Und es macht hier keinen Sinn am falschen Ende zu sparen. Muss man auch nicht, wenn man bedenkt was derartiges Equipment früher gekostet hat! Es wurde für den täglichen harten Einsatz gebaut, bei fachgerechtem, umsichtigen Umgang ist es nahe zu unverwüstlich. Sinnvoll ist bestimmt wenn man zumindest die Negative selber entwickelt. Dazu braucht es nicht viel, es ist noch nicht einmal eine Dunkelkammer notwendig. Das abgedunkelte Badezimmer mit ein paar Fotoschalen genügt zu Beginn absolut. Wer sich für Literatur zum Thema Großformatfotografie interessiert ist am besten mit Publikationen aus den 1980er – 1990ern Jahren bedient. Spätere Publikationen sind oft oberflächlich, zum Teil auch fehlerhaft, frühere sind vom technischen her gesehen noch nicht auf dem besten Stand.

© Björn Albert

Zuguter letzt: Hast Du ein paar inspirierende Worte/Tipps für unsere Leser?

Es sollte der eine oder andere Fehlschlag nicht gleich zum Aufgeben bewegen. Fehlschläge wird es geben, wenn es gelingt die Ursache zu finden ist schon ein weiterer Schritt getan, wenn nicht dann halt beim nächsten Mal. Beim Kauf von Equipment sollte man sich nicht auf dem Flohmarkt bedienen (natürlich gibt es hier Ausnahmen), am besten informiert man sich vorab ein wenig. Ein guter Einstieg in das Großformat wäre eine 4x5‘‘ Kamera wie beispielsweise eine Sinar F oder P aus den 1970 – 1990ern Jahren.

© Björn Albert

Vielen Dank an Björn für seine Tipps und Tricks rund im die (Großformat)Fotografie. Schau auf seiner Website, seinem Instagram oder Behance vorbei und lass Dich inspirieren - Kleiner Tipp: eine Indienreportage ist schon in Planung!
Schau auch bei BA AP vorbei für Entwicklungen, Abzüge und Workshops!

geschrieben von alinaxeniatroniarsky am 2020-09-15 in #Menschen #tutorials

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