Elegant und Stark: Joanna Reniewicz's Großformatportraits

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Fotografen entwickeln meist ihren eigenen Stil, aber die Fotografien von Joanna Reniewicz sind besonders einzigartig. Als Fotografin und Biologin sind ihre Bilder Produkte einer Künstlerin und (verrückten) Wissenschaftlerin. Sie lässt sich von Musik, Filmen und Büchern wie den Romanen von Daphne du Maurier inspirieren und fotografiert sowohl Porträts als auch Stillleben und Natur. Ihre großformatigen Bilder sind am besten als besonders zart und akribisch zu beschreiben. Wir haben Joanna gefragt, was es bedeutet, großformatige Bilder zu fotografieren, und was die Herausforderungen sind, vor denen sie steht.

© Joanna Reniewicz

Hallo Joanna! Kannst Du uns ein wenig über Dich selbst erzählen und wie Du zur Fotografie, insbesondere zur analogen Fotografie, gekommen bist?

Hallo Lomographen! Mein Name ist Joanna und ich bin Biologin aus Polen. Ich habe die analoge Fotografie vor drei Jahren dank einer alten sowjetischen Kamera namens Zorkij 4K
die ich geschenkt bekam, entdeckt.

Wie hast Du mit der Großformatfotografie begonnen?

Ich habe vor etwa einem Jahr angefangen, mit einer Großformatkamera zu fotografieren. Mein Freund fand im Haus seiner Eltern ein Lederetui mit einer flachen Kamera und brachte es mir, um zu prüfen, ob es funktioniert.  Es stellte sich heraus, dass es sich um eine F.Deckel Munchen 9x12 Faltkamera handelte, die ich bis heute benutze.

© Joanna Reniewicz

Mit welcher Kamera fotografierst Du?

Ich verwende zwei Großformatkameras - die erste ist die 9x12 Solid Bruckner Rubenau mit Extra Rapid APLANAT No.2 Objektiv, die zweite ist F.Deckel Munchen mit Compur Xenar f/3,5 45mm Objektiv, ebenfalls 9x12. Die Filmblätter, die ich in der zweiten Kamera benutze, sind sehr rostig, aber immer noch brauchbar - sie geben den Fotos nur ein bisschen ein verwittertes und gealtertes Aussehen.

Wie unterscheidet sich das Fotografieren mit Großformat vom Mittelformat?

Großartige Frage. Natürlich gibt es viele Unterschiede, die mit den Besonderheiten des Mediums selbst zusammenhängen, aber ich denke, der größte Unterschied ist die Fokussiermethode auf einer Mattscheibe - das Bild steht auf dem Kopf, was die Arbeit manchmal erschwert. Die Kameras sind schwerer (sogar im Vergleich zu meiner geliebten Mittelformatkamera Mamiya C200f).

Wenn es um das Bild selbst geht, sieht auf dem Großformat absolut alles besser aus - die Plastizität des Bildes ist unvergleichlich besser und ehrlich, das Bild auf der Mattscheibe ist eines der schönsten Dinge, die man in der Fotografie sehen kann. Außerdem ist es mit dem Großformat praktisch unmöglich, draußen in Ruhe zu fotografieren, denn es wird immer jemand da sein, der nach der Kamera fragt.

© Joanna Reniewicz

Deine Models scheinen sich bei Dir sehr wohl zu fühlen. Wie schaffst Du es, dass sie sich wohl fühlen?

Normalerweise arbeite ich mit Menschen zusammen, die ich kenne oder mit Leuten, mit denen ich schon einmal gearbeitet habe. Ich denke, es lohnt sich immer, sich etwas Zeit zu nehmen, um mit dem Modell zu sprechen, zu versuchen, einander ein bisschen kennen zu lernen. Das Wichtigste bei der Arbeit mit Menschen ist die Kommunikation. Dieses Foto ist eine Zusammenarbeit, die ich mit meinem Mann im Rahmen des Projekts (Fotocytoza) gemacht habe - es ist ein Kontaktabzug, den ich dadurch erhielt, dass ich zwei großformatige Negative übereinander gelegt habe, ich würde es eine Art experimentelle Großformatfotografie nennen.

Was fotografierst Du normalerweise gerne im Großformat?

Auf jeden Fall Menschen.

© Joanna Reniewicz

Welchen Herausforderungen siehst Du Dich beim Fotografieren im Großformat gegenüber? Und was sind die Vorteile?

Für mich ist das größte Problem die Verfügbarkeit des 9x12-Blatt-Films hier in Polen. Meistens arbeite ich mit einem abgelaufenen Film, der von einer polnischen Firma namens FOTON produziert wurde. Jede Aufnahme ist eine Überraschung, und oft enthalten 90% der Blätter verschiedene interessante Artefakte. Der größte Vorteil ist der Prozess selbst - das Finden des Rahmens, das Fotografieren, das Entwickeln des Films. Es ist alles magisch.

© Joanna Reniewicz

Welchen Rat würdest Du jemandem geben, der das Großformat zum ersten Mal ausprobiert?

Um meinen Ehemann zu zitieren, ohne den ich wahrscheinlich nie eine analoge Kamera benutzt hätte, erfinde keine Ausreden, versuch es einfach. Auch wenn die Hälfte Deiner Fotos unscharf ist, gib nicht auf. Wie jemand einmal sagte, manchmal muss man scheitern, um Erfolg zu haben.


Folge Ihrem Instagram um mehr von Joannas Arbeiten zu sehen oder ihrem Instagram-Projekt, fotocytoza
welches sie mit ihrem Ehemann betreibt.

geschrieben von tamarasaade am 2020-08-25 in #Ausrüstung #News #Menschen

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