Über Entschleunigung und die verträumten Bilder von Julia Beyer

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Die Fotografien von Julia Beyer wirken wie der verschleierte Blick in eine andere, märchenhafte Welt. Wir haben mit ihr über analoge Fotografie gesprochen, über Inspirationen, wie man Atmosphäre erschafft und was das alles mit Musik zu tun hat.

© Julia Beyer

Wie hat Deine Reise mit der (analogen) Fotografie begonnen? Was bedeutet Analogfotografie für Dich?

Ich bin zwar in einer Zeit groß geworden, in der noch analog fotografiert wurde, aber so richtig intensiv habe mich ich erst vor ein paar Jahren wieder mit analoger Fotografie beschäftigt. Das lag vor allem auch daran, dass meine Freizeit bis vor kurzem mit meiner Tätigkeit als Sängerin in diversen Bands ausgefüllt war. Mit der Zeit haben sich meine Prioritäten aber komplett verschoben, so dass ich mich nun nur noch der Fotografie widme und das auch als sehr viel erfüllender empfinde.

Besonders spannend ist es daher für mich, wenn ich meine beiden Passionen Fotografie und Musik verbinden kann und meine Bilder in Artworks oder auf Covern von Alben zu sehen sind. Analoge Fotografie ist für mich ein dringend nötiges Medium um der Realität zu entfliehen. Es entschleunigt mich, da ich mir aufgrund der begrenzten Anzahl der Bildern auf einem Film genaue Gedanken über die Bildkomposition zu machen muss, bevor ich auslöse und das hat meinen Blick auf die Welt verändert.

© Julia Beyer

Woher kommen Deine Inspirationen?

Inspiration kann für mich überall her kommen. Oft sind es Filme, Musik oder auch die Arbeiten anderer Fotografen. Diese Einflüsse schwirren in meinem Unterbewusstsein herum, und manchmal stelle ich die Verbindung in meinen Fotos sogar erst dann her, wenn ich das fertige Bild sehe. Meine Fotografie ist im Prinzip die ungefilterte Essenz meiner inneren Welt und meines Unterbewusstseins.

© Julia Beyer

Wir lieben Deine einzigartigen Kompositionen. Kannst Du uns mehr von Deinem kreativen Prozess erzählen? Wie entscheidest Du Dich für ein Motiv und die Komposition?

Vielen Dank! Das hängt auch oft vom Motiv selbst ab. Meine beiden Hauptbereiche sind Landschaftsfotografie - besonders, wenn ich auf Reisen bin - und das Arbeiten mit Models. Wenn ich reise, versuche ich mir schon im Vorfeld die Landschaft vorzustellen und welcher Film oder welche Kamera und Filter dazu passen könnte und packe meine Fototasche entsprechend. Da ich nicht gerne viel Equipment mit mir herumschleppe, versuche ich, mich hier auf das Nötigste zu beschränken.

Wenn ich mit Models shoote, lasse ich mich meistens vom Model selbst beeinflussen und versuche eine Idee aus meinem Konzeptpool zu entwickeln, die zu ihr passt und die ich gerne umsetzen möchte. Tatsächlich benutze ich dafür auch häufig Pinterest und erstelle Moodboards für jedes Shooting. Bilder, die zu perfekt sind, sprechen mich persönlich
eher weniger an, deswegen arbeite ich auch viel mit Filtern oder Prismen und liebe abgelaufenen Film.

© Julia Beyer

Ich möchte die Szene vor mir nicht genau so ablichten, wie sie vor mir erscheint, sondern füge gerne eine verträumte und surreale Ebene hinzu. Darüber hinaus lasse ich mich dann von meiner Intuition leiten und improvisiere auch zusammen mit dem Model. Und nicht zuletzt spielt der Zufall bei analogem Film ja sowieso eine große Rolle, so dass man sich immer auf Überraschungen einstellen muss, und genau das mag  ich so daran.

© Julia Beyer

Hast Du ein Lieblingsfoto oder Motiv?

Es gibt auf jeden Fall einige Bilder, die mir besonders gut gefallen - eine Auswahl sieht man auch hier. Aber ich könnte mich niemals festlegen, da immer wieder neue Bilder dazu kommen die ich mag. Viele meiner Favourites habe ich aber mit abgelaufenem Time Zero-Film fotografiert, von dem ich leider keinen mehr habe und der kaum noch zu bekommen ist, bzw. nur zu horrenden Preisen.

© Julia Beyer

Hast Du schon neue Projekte in Planung?

Es stehen für dieses Jahr einige Veröffentlichungen an, an denen ich teilnehmen darf und auf die ich mich schon wahnsinnig freue. Darüber hinaus plane ich aktuell auch wieder erste Shootings mit tollen Models in Person, während ich in der Corona-Zeit einige Shootings über Skype hatte. Das war auch eine schöne Erfahrung, die es mir ermöglicht hat, beispielsweise mit Models aus den USA zu arbeiten, aber es ersetzt ein richtiges Shooting doch nicht. Auch möchte ich mich dieses Jahr neben Polaroid mehr mit Kleinbildfilm beschäftigen.

© Julia Beyer

Zu guter Letzt: Hast Du ein paar inspirierende Tipps für unsere Leser?

Auch, wenn man manchmal keine Inspiration findet oder alles nicht so klappt wie man es sich vorgestellt hat, sollte man trotzdem nie aufhören. Und man sollte sich nicht davor scheuen, in der Lomography- oder anderen Film-Communities zu fragen - meiner Erfahrung nach findet man gerade dort die nettesten, hilfsbereitesten und enthusiastischen Menschen, die ich online und teilweise auch persönlich kennen lernen durfte.


Vielen Dank an Julia, dass sie ihre Fotografien und Gedanken mit uns geteilt hat! Schaut auf ihrem Instagram und ihrer Website vorbei und lasst Euch inspirieren!

geschrieben von alinaxeniatroniarsky am 2020-07-28 in

4 Kommentare

  1. rik041
    rik041 ·

    interessanter Bericht!

  2. candeeland
    candeeland ·

    Toll Julia, du weißt ja, wie sehr ich deine schönen Polaroids mag. Liebe Grüße in die Nachbarstadt, Glück auf! <3

  3. netsch-io
    netsch-io ·

    Fundstücke der Woche:
    Julia Beyer singt, filmt, führt Regie...
    www.youtube.com/c/Chandeen
    www.youtube.com/channel/UC-Nd6M7J8PcyJJk4iPu5rGA
    🤯💖

  4. holgernitschke
    holgernitschke ·

    Schöner Bericht - tolle Bilder <3 !!

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