Blackforest blues - von Dominik Unbehagen

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Verträumte Landschaften, düstere Wälder, vielleicht sogar Schnee. Feiertage am Ende des Jahres. Zurückzukehren in die Schwarzwaldregion widerstrebte mir allerdings. Es ging mir nicht gut aber die Perspektive alleine in Bremen zu bleiben war noch beklemmender. So saß ich im Zug, meinen Koffer wie immer vollgepackt mit viel zu vielen Kameras. Plötzlich schien mir der Schwarzwald perfekt zu sein, um dort zu fotografieren. Schon zuvor hatte ich daran Gefallen gefunden, alte Lieblingsorte aus der Kindheit wieder aufzuspüren um dort zu fotografieren und mit der Kamera in der Hand kann ich sowieso machen was ich will. Über das Jahr habe ich viel herumexperimentiert und dazu gelernt, da können auch altbekannte Motive wieder reizvoll werden.

© dominik_unbehagen

Ein abgelaufener Fuji Superia 400 war der erste Testfilm für meine neue Minolta XE (endlich Doppelbelichtungen!). Die Testrolle ist immer besonders: man hat weniger Erwartungsdruck und kann daher unbefangener fotografieren. Von diesem Fuji hatte ich unerwartet etliche Rollen mit einer anderen Kamera mitgeschickt bekommen, daher musste ich auch am Film nicht sparen. Das Ergebnis darf ungewiss sein. Das mag ich.

Der Realitätsabgleich vor Ort war, was Realitätsabgleiche meistens an sich haben, eher deprimierend. Es war durchgehend regnerisch und grau. Natürlich habe ich auch immer eine Kamera mit Schwarz-Weiß-Film dabei, aber letztlich sind es die Farben, die mich antreiben.

© dominik_unbehagen

Landschaftsfotografie ist oft nicht so einfach wie man denkt. Die Landschaft läuft zwar nicht davon, aber den gewollten Bildausschnitt zu finden, ist meist schwierig. Hinter jedem gemachten Foto stecken viele Fotos, die nur Impulse geblieben sind und ebenso viele Fotos, die nichts geworden sind. Und manchmal mache ich einfach ein Foto und weiß genau: Das war es jetzt.

Glücklicherweise fuhr ich aber trotz des schlechten Wetters mit meiner geduldigen Mutter hoch, in den Schwarzwald. Mit dem Auto kann man schnell viele verschiedene Orte erreichen, wozu ich nicht oft die Möglichkeit habe. Wie oft fahre ich mit dem Zug durch schöne Landschaften und kann nicht einfach kurz anhalten und ein bisschen fotografieren. Für einen solch grauen Tag aber war ein kleiner Ausflug mit dem Auto perfekt und es lief ohnehin eher darauf hinaus, einfach ein bisschen rumzuknipsen. Insbesondere da ich mir das mit den Fotos vom Schwarzwald so gut vorgestellt hatte, war ich jedoch etwas zwanghaft, was der Fotografie eigentlich im Weg steht.

© dominik_unbehagen

Das klassische Schwarzwaldhügelfoto war nach ein paar abgebrochenen Versuchen dann doch möglich, wenn auch im Regen. Später fuhren wir noch zu einem See ganz in der Nähe des Feldbergs. Die Doppelbelichtung am See lag nahe und die Einfachbelichtung wurde dadurch interessant, dass der Spiegel glücklicherweise nicht ganz hochgeklappt ist. Als ich am See stand und es wieder anfing zu regnen, entstand das Bild von den Wasserkreisen wie von selbst. Trotz all der Widrigkeiten dann doch eines der Fotos, mit denen man gleich zufrieden ist. Einmal auslösen reichte. Als wir wieder im Auto waren, wurde aus dem Regen dann doch noch Schnee. Da fotografierte ich einfach durch die Frontscheibe, um die Stimmung einzufangen.

© dominik_unbehagen

Für die Selbstportraits ging ich am 24.12. noch pünktlich zur blauen Stunde alleine zu einem Baggersee am Fuße des Schwarzwaldes. Auf den Selbstportraits kommt meine Traurigkeit ungewollt deutlich zum Vorschein. In der Situation war mir das gar nicht bewusst, ich hab es erst nachträglich verstanden, als ich die Bilder gesehen habe. Ausgewählt habe ich dann das halb entkleidete Portrait, da ich darin Schutzlosigkeit und Fragilität ausgedrückt sehe. Über die Pose dachte ich nicht nach; es ist die Pose, die ich auf Kindheitsfotos immer eingenommen habe, und dann bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Ohne das ganz zu verstehen, gefällt es mir irgendwie.

© dominik_unbehagen

Vielen Dank an Dominik, für die wundervollen Fotografien! Schaut in seinem LomoHome oder auf seinem Instagram vorbei und lasst ein bisschen Liebe da ;)

geschrieben von alinaxeniatroniarsky am 2020-06-08 in

2 Kommentare

  1. rik041
    rik041 ·

    wunderschöne Bilder

  2. dominik_unbehagen
    dominik_unbehagen ·

    @rik041 Dankeschön :)

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