Februar mit der Lomogon 2.5/32 Art Lens ⁠— von Nicolas Döring

Nicolas Döring ist freiberuflicher Fotograf und Filmproduzent aus Hamburg. Ursprünglich hat er Journalistik, Geschichte und Politik studiert und in der PR Branche gearbeitet, bis er sich als Fotograf selbstständig machte. Seine Liebe zur Analogfotografie entdeckte er schon vor 15 Jahren mit seiner ersten Holga.

Für uns hat er die Lomogon 2.5/32mm Art Lens getestet und den Februar in all seiner Melancholie und Vorfreude auf den Sommer eingefangen.

© Nicolas Döring - aufgenommen mit der Lomogon 2.5/32mm Art Lens

Kannst Du ein bisschen über den Entstehungsprozess der Fotografien erzählen?

Ich bekam die Lomogon 2.5/32mm im Februar für einen ausgiebigen Test. Wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, keine unproblematische Zeit für einen Objektivtest. Der Februar 2020 war bei uns im Norden der regenreichste Februar seit Beginn der modernen Wetteraufzeichnung. Tests im Freien und ausgiebige Photowalks waren kaum möglich. Eine homogene Bildserie entstand also nicht.

© Nicolas Döring - aufgenommen mit der Lomogon 2.5/32mm Art Lens

Es sind einige dunkle, triste Momentaufnahmen dabei, die die Gemütslage des regnerischen Februars ganz gut widergeben. Ich habe bei den Aufnahmen bewusst auf menschenleere Orte geachtet. Ich denke dadurch verdichtet sich nochmals das Gefühl von Einsamkeit, Melancholie und Tristesse.
Ein weiterer Photowalk führte mich bei etwas besserem Wetter nach Hamburg Wilhelmsburg. Wilhelmsburg liegt auf der größten Flußinsel Europas und ist ein facettenreicher Mix aus Hafenromantik, studentischem Hipsterleben und Multikulti Mix. Weitere Bilder entstanden im Haus meiner Großmutter. Ich dokumentiere von Zeit zu Zeit ihr Leben in dem Haus und auf dem Grundstück auf dem sie lebt. Hier habe ich einfach einen Blitz auf meine Canon 5DMKIV geschraubt und frontal auf Gegenstände und in Ecken ihres Hauses geblitzt. Eventuell wird daraus auch irgendwann einmal eine Serie entstehen.

© Nicolas Döring - aufgenommen mit der Lomogon 2.5/32mm Art Lens

Welche Erfahrungen hast Du mit der Lomogon 2.5/32 Art Lens gemacht? Was hat Dir am, besten gefallen?

Die Lomogon 2.5/32 Art Lens ist schon eine ungewöhnliche Linse, die die technische imperfektion zelebriert. Sie hat Charakter und Temperament. Die knorrige alte Frau unter den Objektiven, die aber die besten Geschichten erzählt. Die Linse ist klein und handlich, dabei aber sehr solide und wertig, was sie zum idealen Street- und Reportageobjektiv macht. Die 32mm Brennweite – die zwischen den etablierten 28mm und 35mm liegt – hat sich in der Praxis als guter Kompromiss erwiesen. Von Portrait- bis Landschaft ist alles möglich. Dabei bekommt man bei Blende 2.5 ein schön cremiges Bokeh inklusive der markanten Vignettierung und einem starken Schärfenabfall in den Ecken. An das manuelle Fokussieren muss man sich natürlich erst einmal wieder gewöhnen, aber auch in diesem Punkt zwingt einen das Objektiv dazu mal die ganze technische Perfektion zu vergessen. Auch ein leicht unscharfes Foto kann ein sehr gutes Foto sein.

Hast Du ein Lieblingsfoto aus der Serie? Wenn ja, was gefällt Dir daran besonders?

Auf jeden Fall das Schwarz-Weiss Profil Portrait. Hier liegt die Schärfe genau auf dem zugewandten Auge, welches sowieso durch den Lichtstreifen schon hervorgehoben wird und der Rest des Bildes verliert sich in Bokeh und Vignette.

© Nicolas Döring - aufgenommen mit der Lomogon 2.5/32mm Art Lens

Auch das Bild mit dem Pferd gefällt mir sehr gut. Es spiegelt sehr schöne die triste Stimmung dieses stürmischen und verregneten Tages wider. Auch zeigt es, wie man mit nur ganz leichten Lightroom Tweaks in Kombination mit dem Objektiv einen schönen Analog Look hinbekommt.

© Nicolas Döring - aufgenommen mit der Lomogon 2.5/32mm Art Lens

Tipps und Tricks für alle die die Lomogon 2.5/32 Art Lens auch benutzen wollen?

Draufschrauben und sich von dem Charakter der Linse leiten lassen! Nach kurzer Eingewöhnungszeit macht es tierisch Spaß damit zu fotografieren. In der heutigen Zeit, in der sich die Hersteller mit Versprechen nach technischer Perfektion regelmäßig überbieten, ist das ein schöner Schritt zurück. Ähnlich wie bei der analogen Fotografie, fotografiert man wieder bewusster.

© Nicolas Döring - aufgenommen mit der Lomogon 2.5/32mm Art Lens

Vielen Dank an Nicolas Döring für diese wundervollen Eindrücke. Mehr seiner inspirierenden Arbeiten gibt es auf seinem Instagram, Facebook und seiner Website.

geschrieben von alinaxeniatroniarsky am 2020-03-24 in #Ausrüstung #Menschen

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