Let Me Introduce You: chromagnon

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Diesen Monat haben wir uns mit dem Lomographen chromagnon über seine Liebe zur analogen Fotografie, seinen Gedanken und Inspirationsquellen zu diesem Thema unterhalten.

Von: chromagnon

Hallo lieber chromagnon. Wir freuen uns, dich beim Magazin begrüßen zu können. Erzähl uns doch kurz was über dich.

Ich wohne am Bodensee zwischen Singen, Radolfzell und Konstanz. Wenn ich nicht in Deutschland bin, bin ich in Zaragoza, Spanien, und besuche meine Mutter und meine Schwester. Der Bodensee und die Wüste Los Monegros sind die beides extreme Landschaften, die ich in der Nähe habe und die ich zu fotografieren versuche, wann immer ich kann.

Was machst du momentan?

Im Moment arbeite ich viel, ich schlafe wenig und trage immer mindestens eine Kompaktkamera bei mir. Heute bin ich mit einer Fed 4 und seiner radioaktiven Industar am Fuße des Bettes aufgewacht. Ich bin selbstständig und die Art meiner Arbeit ist sehr unterschiedlich und reicht von Spanisch als Fremdsprache bis zur Unterstützung älterer Menschen. Ich bin ein Multimitarbeiter mit einer Kamera und entdecke jeden Tag mindestens zwei Jobs mit gegensätzlicher Natur. Als bindendes Glied zwischen alle dem dient das Auto und die Kamera(s), die ich bei mir trage.

Und was hat dich zur Fotografie gebracht?

Als ich Ende der 80er Jahre in Zaragoza Literatur studierte, machte ich dort einen Filmkurs. Es hat mir sehr gefallen, aber ich habe ihn nicht fertiggestellt: Ich dachte, ein Filmregisseur muss mehr Medien und mehr Menschen in seinem Film einsetzen als ein Autor in seinem Roman.
In den frühen 90er Jahren kaufte ich eine Lubitel, als ich in Deutschland Literatur studierte. Damit hatte ich Zugang zum Fotolabor des Studentenwohnheims, in dem ich war. Dies zeigte mir die mächtige und beispiellose Magie der Entwicklung: Der Entwicklungsprozess und der Akt des Schreibens basieren auf Stille und der Erinnerung an das Licht in der Dunkelheit. Schönes Hobby, dachte ich mir.

Von: chromagnon

Die Lubitel kehrte mit mir nach Saragossa zurück; in dem Haus jedoch, das ich verkaufen musste, bevor die Immobilienblase im Jahr 2000 platzte, wurde sie vergessen. Sie muss also an die neuen Eigentümer des Hauses weitergegeben worden sein.

Wie hast du Lomography entdeckt und warum bist du zu unserer analogen Community beigetreten?

Ich bin mit meiner Pentax K30 spazieren gegangen, um ein paar Fotos zu machen, ging durch meinen Lieblings-Fotoladen und kaufte ein altes Zoom SMC Pentax-A 35-105mm f3.5 für 20 Euro. Ein paar Stunden später suchte ich online nach Informationen und fand einige der hervorragenden Lomography-Artikel. Diese Artikel waren mein erster bewusster Kontakt mit Lomography. Was mich total überzeugt hat, dass ich Fotos auf dieser sozialen Plattform veröffentlichen muss, war das zufällige Lesen einer ganzen Serie großartiger Artikel über Stanley Kubrick.

Dieser Medienkontakt erinnerte mich daran, dass mir eine Freundin der Mutter meiner Frau, Frau Frey, eine Einkaufstasche mit zwei analogen Kameras und ähnlichen Sachen mitgab. Ich öffnete die Tasche, in der ich sie erstmal für ein Jahr ließ, und fand eine kaputte Minolta und eine funktionsfähige Pentax MEF.

Von: chromagnon

Wer sind deine Lieblingsfotografen hier bei Lomography?

(Präambel: Alle Lomographen sind großartige Fotografen, jeder hier hilft jedem, etwas Neues zu lernen.)

Meine Lieblingslomographen sind alle diejenigen, die nie müde werden das zu fotografieren, was ihre Augen jeden Tag wie beim ersten Mal sehen, die sind visuelle Archäologen. Das reicht von akula und antmark über Größen wie meister_pez und schwarzesauge bis zu yago56 und zorki. Ich bin allen sehr dankbar und sehe ich mir ihre Fotos mit Bewunderung und Neugier an.

Was ist für Sie das Beste daran, Lomograph zu sein?

Zunächst müssen wir Lomography als soziale Plattform loben. Lomography ist, abgesehen davon, dass das soziale Netzwerk hauptsächlich auf Analogfotografie ausgerichtet ist, meiner Meinung nach die fotografische Website, auf der mehr Feedback zwischen der Plattform und allen Nutzern vorhanden ist.

Von: chromagnon

Lomography ist großartig, da alle Benutzer großartig sind. Es gibt viele Lomographen mit mehr als 20 Kameras und 30 Objektiven, die sie mit unterschiedlicher Periodizität verwenden, um sie mit den entsprechenden Hashtags zu kennzeichnen.
Die Lomographie ist eine Party und die Analogfotografie ist nicht tot, ich feiere sie einfach!

Warum bleibst du bei der Filmfotografie?

  1. Es ist eine Freude, zum Flohmarkt zu gehen und eine Olympus XA für 5 Euro zu bekommen. Viele der Apparate und Objektive der Vergangenheit warten mit einer neuen Logik auf dich, auf dem Sprung in die Zukunft und sind mit etwas Glück, ganz billig zu kriegen.
  2. Film ist Materie und Materie ist nicht so dumm und hilflos wie es scheint.
  3. Das kann man feststellen im Unterschied zwischen den Farben, die ein digitaler Sensor und ein einfacher Kodak 200 erzeugt
  4. Träumen intelligente Monolithen von supersensitiven Planeten? Oder umgekehrt, sind es die Supersensitiven Planeten, die die von superintelligente Monolithen träumen? Tolerieren Sie sich? Welche Brücken verbinden die Flüsse und trennen die Visionen von den Filmen 2001: Odyssee im Weltraum und Solaris?
  5. Die Lomographie nimmt ihren Platz zwischen den extremen Epistemologien ein, die diese beiden Filme produzieren.

Was ist dein Lieblingsmotiv?

Hydranten, Straßen und alles, was Wasser enthält.

Was ist für dich das Beste daran, Lomograph zu sein?

Der wahllose Gebrauch aller optischen Geräte, die mir zur Verfügung stehen, und der unterschiedslose Gebrauch des Films gepaart mit der Ehrfurcht desjenigen, der weiß, dass er ein emotionales Abbild und ein wahrer Doppelgänger wie im Film Solaris, von dem was er sieht, erzeugen wird. Ich meine, dass ein Baum und sein Negativ bzw. sein Print beide in der Außenwelt stehen, also du kannst beide mit deinen Fingern tasten. Sie befinden sich nicht in deinem Kopf, nicht in deiner Vorstellungskraft und nicht in dem Interpretationstalent eines digitalen Sensors. Das bedeutet, dass wenn ein Lomograph ein Abbild erzeugt, das nicht unsere standard Wahrnehmungsmodi entspricht, dieses Etwas, sei was es sei, steht auch in der Außenwelt genauso wie der Baum oder der Berg. Ferner, stellen wir uns vor Bruce Chatwin ein Lomo Smena 8M den australischen Aborigines gegeben hätte, und die ihre Kunstträume mit clicks objektivieren könnten ohne die malen zu müssen. Stellen wir uns nur die Implikationen vor, die das für die Spaltung zwischen Außen- und Innenwelt hätte. Meiner Meinung nach Lomography steht mittendrin in dieser Spaltung und deswegen mag ich Film.

Von: chromagnon

Was ist deine Lieblings-Kamera und warum?

Die Smena 8M, weil sie mich an Fliegen erinnert, weil sie so wenig wiegt und wenn man sie öffnet, merkt man, dass das kleine Gehirn, das die Maschine haben kann, draußen in der Linse ist, wie in den Fliegen, die auch ihr Gehirn draußen in den Augen haben, und vielleicht deswegen haben die alten Ägypter ihnen deshalb die Fähigkeit zugeschrieben, die unmittelbare Zukunft vorwegzunehmen und Bewegungen wie die Smenas zu antizipieren, die auch Dinge sehen können, die Lomographen nicht voraussehen können.

Was ist dein Lieblings-Lomography-Film und warum?

Der Lady Grey 400, weil es der einzige lomographische Film ist, den ich bis heute verwendet habe.

geschrieben von apots am 2019-04-11 in

3 Kommentare

  1. zorki
    zorki ·

    Schöner Artikel und vielen Dank für die Erwähnung @chromagnon :):)

  2. meister_pez
    meister_pez ·

    @chromagnon Tolles Interview! Auch von mir vielen Dank.

  3. stereograph
    stereograph ·

    Great story. thx @chromagnom

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