Curated by Girls: Ein Interview mit Laetitia Duveau

Laetitia Duveau ist die Chefkuratorin bei Curated By GIRLS. Ihre Absicht ist es, neuen Talenten Öffentlichkeit zu verschaffen, mehr Vielfalt zu präsentieren und Frauen und unterrepräsentierten Künstlern mehr Raum im Kunstraum zu gewähren. Wir haben mit ihr über ihr Leben, ihre Ambitionen und die Hürden, gegen die sie ankämpft, gesprochen.

Foto von Beto Ruiz Alonso

Hallo Laetitia, es ist schön, dich hier zu haben! Danke, dass du Teil dieser Ausgabe bist. Kannst du dich bitte unseren Lesern vorstellen und etwas zu dir sagen?

Mein Name ist Leatitia, mein Spitzname aber ist Little Voice – offensichtlich wegen meiner hohen Stimme. Ich bin eine Französin, die zwischen Paris und Berlin lebt, bin Teil der Band Free Free Dom Dom, verreise gerne, blogge und leite die Plattform Curated By GIRLS. Primär bin ich eine Singer/Songwriterin und Kuratorin zu werden, war der schönste Zufall meines Lebens. Ich bin oft bei einem Kaffee in Neuköln, einem BBQ in Tempelhof und natürlich online auf Instagram zu finden, wo ich zu viel Zeit verbringe!

Wann und warum hast du Curated By GIRLS gegründet?

Curated By GIRLS ist vor ungefähr 3 Jahren, als in Berlin ankam, entstanden. Ich hatte zu dem Zeitpunkt genug von Paris und ich war enttäuscht von der Musikindustrie (so eine rücksichtslose Industrie) – ich war müde und depressiv. Der Erfolgsdruck nahm mir jeden Spaß an der Musik. Und Berlin war für mich ein Neustart, die Stadt, ihre Menschen, die Kunstszene und der Feminismus haben mich inspiriert. Ich war dem, was mir Berlin bot, gegenüber eingestellt und ich brauchte mich nicht mehr auf meinen damaligen Zustand zu fokussieren. Zu dem Zeitpunkt kannte ich keine andere Plattform in Berlin für Frauen und Künstlerinnen – nicht dass ich wüsste. Für mich musste das stattfinden! Durch die Kunst können solch wichtige Anliegen wie der Feminismus vorangetrieben werden.

Foto von Francoise Bolechowski

Du übst die Rolle der Kuratorin online sowie im echten Leben aus. Wir finden dieses Engagement bewundernswert. Was gefällt dir am meisten daran, Ausstellungen zu betreuen?

Es geht mir darum, junge Talente zu unterstützen, die Kunst allen zugänglich zu machen, nicht nur einer Elite. Ich will neuen Künstlern zeigen, dass sie stolz sein können auf ihre Arbeit und dass ihre Arbeit auch wertvoll ist – auch wenn sie nicht viel Erfahrung mitbringen. Einige von ihnen haben noch nie ausgestellt und ich freue mich, ihnen diese Möglichkeit zu geben. Echte Ausstellungen sind sehr wichtig! Es ermöglicht echte Treffen und sie geben ihnen das Gefühl, nicht allein zu sein. Was ich an meinen Ausstellungen mag, ist die Atmosphäre – egal ob in Berlin, Barcelona oder Amsterdam, es fühlt sich immer unbeschwert und friedlich an, als ob die Leute einen Moment zum Ausruhen bräuchten.

Es muss sicher toll sein, mit so vielen Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten. Was gefällt dir am meisten daran?

Ich liebe es, wenn mit einem anderen Künstler eine wahre Beziehung entsteht, es inspiriert mich! Es geht eigentlich nur um genau das. Als Künstlerin ist es sich für mich sehr befriedigend, wenn ich einem anderen Künstler helfe, gesehen und gehört zu werden. Ich bin stolz darauf, etwas zu machen, was auch andere gerne für mich tun würden.

Fotos von Francoise Bolechowski

Abgesehen davon, dass du die Chefkuratorin bei Curated By GIRLS bist, bist du auch Musikerin, Bloggerin und arbeitest mit Modelabels zusammen – ein sehr breit gestreutes Spektrum! Gibt es noch etwas anderes, was du in Zukunft gerne ausprobieren würdest?

Oh ja! Ich stehe dem Leben offen gegenüber und will so viel wie möglich von der Welt entdecken! Ich würde aber auf Extremsport verzichten, das ist nicht so meins. Haha!
Glücklicherweise kann ich vieles ausprobieren, so bleibt es immer spannend, auch wenn es manchmal überwältigend ist. Ich bin dauernd am Arbeiten und ich glaube, dass die Zukunft darin besteht, viele verschiedene Sachen zu machen. Wir werden in Zukunft uns immer mehr anpassen müssen und sowas, wie einen Job fürs ganze Leben, gibt es nicht mehr.
Aber ja, es gibt sehr viel, was ich machen will. Meine Priorität ist immer noch die Musik, aber Kino zum Beispiel interessiert mich auch. Ich habe für 2 Jahr in Paris bei Castings assistiert, ich habe für einen der besten Castingdirektoren gearbeitet, sie brachte mir so viel bei! Sie war sehr fordernd und penibel, es war die härtesten Jahre meines Lebens, aber ich lernte, schnell zu arbeiten und weiß nun, dass ich mein eigener Boss bin.
Diese Welt war sehr spannend und auch das Schauspiel, ich habe durch Zufall auch eine Rolle gehabt. Um ehrlich zu sein, war es die schlimmste Rolle überhaupt: ich musste ein Mädchen spielen, dass gerade seine tote Mutter auffand – nicht unbedingt die beste Wahl für eine erste Rolle! Bis mich ein Direktor für eine herausragende Rolle findet, werde ich weiterhin meinen eigenen Träumen nachjagen.

Woher beziehst du die Inspiration für deine eigene Kunst?

Überall! Kuratorin zu sein, neue Leute Kennenlernen, Reisen aber am meisten entspringt meine Inspiration aus meinem Inneren. Ich möchte meine Geschichte durch meine Musik hauptsächlich erzählen. Lieder zu schreiben ist meine Leidenschaft. Ich genieße auch Dokumentation über andere Menschen. Ich habe zuletzt "Jane Fonda in 5 Acts" gesehen und ich war so inspiriert von dieser Frau und ihrer Aufrichtigkeit, wenn sie von sich erzählt.

Fotos von Francoise Bolechowski

Kannst du von irgendwelchen Schwierigkeiten oder Herausforderungen, als du mit CBG begonnen hast, erzählen? Wie war es damals für dich und wie vergleicht es sich mit heute?

Als ich anfing, wusste ich nichts übers Kuratieren. Ich hatte Angst, zu scheitern. Eines aber, worauf ich stolz bin, ist, dass ich etwas, was ich anfange, auch durchziehe, ich bin dann sehr engagiert. Ich lernte, auf mein Bauchgefühl zu hören und mich nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Ich lernte, gelassener mit mir selbst umzugehen und mich auf das Positive in meinem Tun statt auf meine Unzulänglichkeiten zu konzentrieren. Es dauerte etwas, mich anzupassen und ich bin immer noch nicht immer zufrieden mit Allem, ich mache Fehler und bin dennoch weiterhin stolz darauf.

Wie gehst du mit diesen Herausforderungen um?

Ich arbeite hart und höre zu. In Amsterdam habe ich diese tolle Zusammenarbeit mit der Kuratorin Fleurie Kloostra. Sie stieß auf mich online, hat mich in Berlin auf einen Tee getroffen und mich und meine Ausstellung "new femininity" mit nach Amsterdam genommen – für mich war das eine tolle Chance. Ich habe auch tatsächlich sehr viel von ihr gelernt, sie ist eine wahre Kuratorin, sie besitzt das Wissen und die Erfahrung, die ich nicht hab, also habe ich ihre Tipps befolgt und ihrer Erfahrung getraut. Deshalb war die Zusammenarbeit auch so fruchtbar. Es ist immer wichtig, sich offen zu begegnen. Ich bin kein großer Freund von Leuten, die sehr zufrieden mit sich selbst sind. Man kann immer etwas Neues lernen.

Wer (oder was) inspiriert dich, weiterzumachen? Was verlieht die Stärke?

Zunächst die Künstler! Ich bin erstaunt über all diese Kreativität auf dieser Welt, ich möchte mehr Künstlern helfen, neue entdecken und Frauen mehr und mehr Raum und Selbstbewusstsein in der Kunstwelt verschaffen.

Ich bin motiviert für eine bessere Welt einzutreten, ein für alle Mal die Auffassung des Frau-Seins ändern.
Ich habe letztens eine Schauspielerin kennengelernt, die zwar mein Projekt interessant fand, aber von vielen Bildern in meinem Feed ‘geschockt’ war. Allerdings war ich mehr ‘geschockt’ darüber, dass man im Jahr 2019 dieses Wort benutzt für Bildern von Menstruationsblut, haarige Frauen, Kurven...ich finde dieses Wort sollte vorbehalten werden für Bilder vom Krieg, Gewalt, Tod, Waffen, Vergewaltigung...nicht für Frauen mit haarigen Achseln.

Fotos von Francoise Bolechowski

Kraft beziehe ich durch meine Arbeit, das Teilen mit den Menschen, die ich liebe, und der Tatsache, dass ich mich selber nicht zu ernst nehme. Ich will, dass mein Leben Spaß macht und Humor ist für mich das Wichtigste!

Curated By GIRLS soll eine Plattform für alle Künstler darstellen, egal woher sie kommen und welchem Geschlecht sie angehören, das finde ich toll! Schließlich sollte keiner dieser Faktoren ausschlaggebend sein für deren Platz in der Fotografie- und Kunstszene. Hast du irgendwelche Tipps für Mädchen und Frauen, die noch am Anfang ihrer eigenen Karriere in der Kunst stehen?

Ich würde ihnen raten, sich draußen Inspiration zu holen aber weiterhin ihr Innerstes und ihre eigene Vision ihrer Geschichte auszudrücken. In der Kunst geht es nicht darum, erfolgreich zu werden; es ist vielmehr eine Art der Selbsterfahrung und diese muss rein bleiben.

Fotos von Francoise Bolechowski

Was hältst du schließlich von diesjährigen Thema zum Weltfrauentag, "Balance for Better"?

Es ist verrückt, dass nach all den Kämpfen seit den 1970er Jahren das noch immer Thema ist. Wir sollten bereits die Balance zum Besseren hinbekommen haben. Männer und Frauen sollten bereits die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben – ich kann immer noch nicht fassen, dass wir 2019 noch darüber debattieren müssen. Die Realität aber ist, dass noch vieles getan werden muss, um in der Welt Gleichberechtigung zu erlangen. Wir leben in einer männlichen Welt und es ist weiterhin ein Kampf, das zu ändern, aber wir erreichen dieses Ziel, Schritt für Schritt. Und das hat nicht nur positive Auswirkungen für Frauen: die dänische Gesellschaft, zum Beispiel, basiert auf dieser Gleichberechtigung und sie gelten als glücklichstes Volk weltweit (was mich dieses Land so schnell wie möglich besuchen lassen will!). Balance ist Harmonie und wir alle brauchen das in unserem Leben, oder?

Dank dir Laetitia!


wenn du mehr von Laetitias Arbeit sehen willst, schau dir ihren Blog, ihren Instagram und SoundCloud an.Dann hatten wir Freizeit. Dann gab es Essen. Dann gingen wir schlafen.

geschrieben von mausmitkrawatte am 2019-03-08 in #people

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