Driftwood Pinhole — Ein Interview mit dem Kamerahersteller Sergey Lebedev

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Während einige Treibhölzer für Abfall halten, sie Sergey Lebedev Potenzial darin. Schlag um Schlag arbeitet Sergey mit altem Holz, um die Kamera, die sich darin versteckt, herauszulocken. Sand, Wasser und Salz schleifen die Hölzer ab, bevor sie an Land gespült werden vor Sergeys zuhause. Am baltischen Meer gelegen, benutzt er das Treibholz als Ausgangsmaterialien für seine Kreationen.

Hallo Sergey. Willkommen im Lomography Magazin. Erzähl unseren Lesern doch etwas von dir.

Hallo, mein Name ist Sergey. Ich suche nach der Harmonie im Leben und in der Fotografie und mache für mein Leben gern Yoga und geh Laufen.

Womit hat deine Faszination für Pinhole-Kameras begonnen?

Es hat alles mit einer alten Zenit-E in den 90ern begonnen. Als ich meinen ersten Film einlegte, wusste ich nicht, wie ich sie bedienen sollte, aber ich kann mich immer noch an das Gefühl erinnern, etwas Neues, was den Lesern hier bekannt ist, zu entdecken.

Viele Jahre und viele Kameras später ist dieses Hobby in Form der Pinhole-Kameras wiedergekehrt.

Warum hast du dich für deine Arbeit für Treibholz entschieden?

Mir hat es schon immer Spaß gemacht, mit Holz zu arbeiten. Anfangs waren es Lampen und alle möglichen Arbeiten damit. Zugleich aber hab ich mich an Pinhole-Kameras versucht, es waren aber ganz einfache (wie eine aus einer Seifenverpackung).

Eines Tages beschloss ich eine Kamera aus Holz vom Strand zu machen – und das war die Geburtsstunde meiner Kameras. Ich war so froh über diese Kombination meiner beiden Leidenschaften.

Was inspiriert dich, Kameras und Fotos zu machen?

Es geht mir um die Schönheit der Materialien und dem Prozess. Alles beginnt und endet an unseren Küsten. In den Küsten vereinen sich meine Leidenschaften: umgefallene Bäume kommen mir irgendwann mal zu und ich fotografiere die Küsten mit meinen Kreationen.

Was sind die Herausforderungen bei der Herstellung von Treibholz-Kameras?

Jede Kamera ist einzigartig. Jedes Mal stellt eine neue Herausforderung dar. Das ist wohl, was mich am meisten inspiriert. Es ist unmöglich das bereits Geschaffene zu wiederholen, also ist es jedes Mal wie eine neue Skulptur.

Ähnlich verhält es sich bei der Filmfotografie, wo man auch nicht weiß, was letztlich herauskommt, bis man den Film entwickelt.

Was ist bisher dein Lieblingsprojekt gewesen?

Wenn wir über Pinhole-Kameras sprechen, dann ist es wohl die eine aus dem Holz und den Keramikstücken vom selben Strand. Aber auch eine andere aus Sperrholz, die ein befreundeter Künstler bemalt hat.

Wie beginnt für dich der Prozess der Erschaffung? Was ist deiner Erfahrung nach das beste Material für eine Kamera?

Es fängt alles am Strand an, wo ich nach passenden Holzstücken suche. Anschließend die Trocknung des Holzes, bei der ich aber nicht sonderlich verwickelt bin.

Die eigentliche Arbeit fängt mit dem Sägen des Holzes und der Herstellung der Boxen. Für mich geht es nicht unbedingt um das Material an sich. Das Wichtigste ist der Prozess und der Spaß am Schaffensprozess.

Wir lieben die Fotos, die du mit deinen Kreationen gemacht hast. Sie sind so friedlich. Was gefällt dir an der Pinhole-Fotografie?

Genau das gefällt mir daran. Langzeitbelichtungen können Wasser in Nebel verschwimmen lassen und nur was unbewegt ist, wird scharf dargestellt. Mehrfachbelichtungen sind damit sehr einfach… Aber am wichtigsten ist wohl die Beobachtung des Prozesses, für 5 bis 15 Sekunden, oder auch länger. Eine wahre Meditation!

Arbeitest du gerade an neuen Projekten?

Ja, klar. Ich habe noch viele Ideen, die auf Umsetzung warten. Ich möchte nicht nur Treibholz benutzen, ich habe noch viele Pläne, wie mit Metall und Keramik zu arbeiten, außerdem noch Kunststoff und andere Harze. Meine Serie mit von Künstlern bemalten Kameras möchte ich auch noch fortführen. Und an anderen Designs arbeite ich auch noch.

Welchen Ratschlag würdest Leuten geben, die selber eine Kamera herstellen wollen?

Ganz einfach: anfangen. Erstelle etwas aus der ersten Sache, die dir in die Quere kommt, auch wenn anfangs nichts daraus wird. Hab aber dabei immer Spaß an der Kreativität und der Arbeit an sich. Das wird dich vorantreiben und zu Mehr verleiten. Also, fang einfach an, Spaß zu haben!


Wir danken Sergey für dieses Interview für das Magazin. Wenn du dich für seine Pinhole-Kameras interessierst, besuch seine Webseite.

geschrieben von cheeo am 2019-03-18 in #gear #culture

2 Kommentare

  1. pearlgirl77
    pearlgirl77 ·

    boah sind die alle schön <3 Bilder und Kameras!!!

  2. roadrunner1
    roadrunner1 ·

    Deine Kameras sind wunderschön!!!

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