Ein Schillern in der Dunkelheit — ein Interview mit Gundula Blumi

Die deutsche Künstlerin Gundula Blumi ist sehr talentiert, wenn es darum geht, einfachen und gewöhnlichen Dingen durch ihre Fertigkeiten einen Hauch von Magie zu verleihen. Sie liebt die analoge Fotografie und hat ein Händchen dafür, Elemente wie Wasser, Licht, Prismen und Farbe zu verwenden, um dunklen Horizonten und düsteren Nächten faszinierende Farben zu verleihen.

Hi Gundula! Willkommen im Lomography Magazin. Kannst du uns erzählen, wie du zur Filmfotografie gekommen bist? Erinnerst du dich an das erste Foto, das du mit einer Filmkamera gemacht hast?

Vielen Dank für die Einladung! Ich habe als Kind mit der Fotografie begonnen. Meine erste Kamera war eine Canon Prima. Ich habe sie geliebt und überall mit hin genommen. Mit ihr habe ich meine Kindheit und später meine Teenagerjahre festgehalten. Aber die allerersten Bilder habe ich mit der Kamera meiner Mutter gemacht. Ich war sehr jung, als sie mir die Kamera lieh. Ich durfte zehn Fotos machen. Bis heute erinnere ich mich an die Aufregung, die ich spürte, als ich meine eigenen Motive auswählen durfte. Diese Form der Kontrolle hat mir sehr gefallen, glaube ich. Meine ersten Fotos zeigten mein Kinderzimmer.

Du fotografierst oft Skyscapes. Was gefällt dir so an dieser Art der Landschaftsfotografie?

Vielleicht sind meine Fotos eine Art Flucht in die Ferne. Wenn ich mit meiner Kamera draußen unterwegs bin, suche ich immer nach weiten Horizonten. Ich fühle mich oft eingeschränkt und gehemmt von der 'Normalität' unseres Alltags. Die fühlt sich manchmal an wie ein Korsett, das nicht passt. Wenn ich in die Ferne sehe, kann ich wieder atmen. Dann entspannen sich meine Augen und mein ganzer Organismus. Wenn ich gestresst und überreizt bin, dann hilft mir die Fotografie beim Verarbeiten und gleichzeitig beim Entspannen. Ich brauche die Einsamkeit und die Ferne um neue Energie zu tanken. Ich bin in Deutschland nahe der Nordsee aufgewachsen. Dort sind die Landschaften flach und die Horizonte weit, also vielleicht bin ich deshalb auf der Suche nach solchen Orten.

Diese beeindruckenden Fotos sind unter widrigen Lichtbedingungen aufgenommen worden und voller lebendiger Farben. Eine wunderschöne Ästhetik. Wie kamst du zu diesem Stil?

Ich mag die verträumten Effekte von flackernden Lichtern. Ich weiß nie genau wie sich Regenbogenlichter auf dem Film zeigen wird und welche Bedeutung es annehmen wird. Die Lichteffekte gewinnen an Bedeutung, wenn sie sich mit dem Motiv verbinden. Das macht diese Ästhetik für mich aus: die Kombination aus zwei Bildern, die sich unabhängig voneinander ergeben haben, aber sich dann in einem Bild vereinen. Ich liebe das!

Kannst du uns verraten, wie du diesen Stil hinbekommst, falls sich unsere Leser gerne von dir inspirieren lassen möchten?

Ich verwende normale Kodak- oder Agfa-Vista-Filme, welche ich vorab mit besonderen Lichtern bearbeite. Ich verwende die alte Leica von meinem Großvater. Ich beschäftige mich nicht gerne mit Kameratechniken, ich mache einfach. Das besondere an diesem Stil ist, glaube ich, der Wunsch nach Experimenten und die Freude am Überrascht werden. Ich entdecke immer wieder neue Dinge, die ich für Special Effects verwende.

Was ist für dich als Filmfotografin das wichtigste daran, wenn du ein Foto zusammenstellst?

Es geht nach Gefühl. Es ist die Sicherheit, wenn sich in einem Moment alles richtig und eindeutig anfühlt, wenn alles passt. Wenn ich mit Film fotografiere bin ich viel aufmerksamer beim Fotografien als mit einer Digitalkamera. Ich suche mir Motive aus, die ausdrücken, was ich vermitteln will. Meine innere Realität und mein Motiv müssen quasi übereinstimmen. Ich wähle auch oft Motive aus, die freie Fläche für unvorhergesehene Umstände, wie beispielsweise die Lichtflecke, bieten. Diese können dem Foto dann noch mal eine eigene Bedeutung verleihen.

Wenn du Zeit mit einem Fotografen oder Künstler, egal, ob tot, lebendig oder fiktiv, verbringen könntest, wer wäre es?

Hef Prentice wirkt auf mich wie eine interessante Person. Ihre Shootings sehen so ästhetisch aus, alles ist wunderschön hergerichtet, sehr stilsicher und hat eine wunderbare Atmosphäre. Ich würde sie gerne mal während einem solchen Shooting treffen.

Wie sieht ein Tag im Leben von Gundula Blumi aus?

Im Moment sind meine Tage eher ruhig, weil ich mich von einer anstrengenden Zeit erhole. Ich versuche, so viel wie möglich zu schlafen und mich zu entspannen. Ich unternehme viele Spaziergänge in der Natur. Außerdem meditiere ich, um Kraft und Energie für neue Projekte zu sammeln.

Hast du irgendwelche laufenden Projekte oder Pläne, die du bald in Angriff nehmen möchtest?

Ich möchte gerne mehr mit Menschen fotografieren. Das ist nicht nur ein Plan, sondern auch eine Herausforderung für mich. Vielleicht sogar eine Lebensaufgabe, weil ich mich einerseits über neue Menschen und Begegnungen freue, mich aber gleichzeitig auch in die Abgeschiedenheit flüchten will.

Lass dich von Gundula Blumis himmlischen Arbeiten verzaubern und sieh dir ihre Website, ihren Instagram-Account, Facebook und ihren Online Shop an. Alle Rechte sind Gundula Blumi vorbehalten.

geschrieben von cielsan am 2018-11-08 in #people

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