Unterwegs mit der Lomo'Instant Wide – Ein Interview mit Niko Havranek

Niko Havranek ist ein österreichischer Fotograf mit Lebensmittelpunkt in Wien. Er arbeitet für verschiedene Wiener Kunsteinrichtungen wie das mumok, das Kunsthaus Wien und die Improper Walls Galerie. Wenn er nicht gerade beruflich unterwegs ist, erkundet er die Straßen auf der Suche nach interessanten Farben und Kompositionen. Wir haben mit ihm über seine Arbeit als selbstständiger Fotograf, seinen Ibiza-Urlaub mit der Lomo'Instant Wide und Tipps für angehende Fotografen gesprochen.

Hallo Niko, wir freuen uns, dich im Lomography Magazin begrüßen zu dürfen. Erzähl unseren Lesern doch ein wenig über dich.

Hallo, ich freue mich auch! Ich hab nach dem Zivildienst und einer 6-monatigen Reise für ein Jahr Kunstgeschichte und Kultur- und Sozialanthropologie studiert und bin dann aufs Fotokolleg auf der Graphischen gegangen. Danach habe ich noch die Meisterklasse für Grafikdesign absolviert. 2011 habe habe ich mich dann selbstständig gemacht. Es war mir immer wichtig, dass ich freie Arbeiten nebenbei mache, vor allem Street-Fotos. Seit circa fünf Jahren habe ich dafür meinen Tumblr-Blog und seit zwei Jahren meinen Instagram-Account. Auf Instagram kommen meine iPhone-Fotos und auf Tumblr landen die Fotos, die ich mit meinen anderen Kameras aufnehme.

Du arbeitest in Wien unter anderem mit dem mumok und dem Kunsthaus Wien zusammen. Kannst du uns ein wenig über deine Arbeiten dort erzählen?

Im mumok habe ich damals auf der Graphischen als Praktikant angefangen zu arbeiten. Ich wurde dann gebeten, eine Ausstellungseröffnung zu dokumentieren, den Leuten gefiel der Zugang, den ich durch meine Straßenfotografien zu Auftragsfotografie bekommen habe. Dann wurde ich für ein paar Jahre immer wieder gebucht und seit drei Jahren bin ich bei jeder Veranstaltung vor Ort.
Beim Kunsthaus bin ich, abwechselnd mit Kay von Aspern, als Fotograf bei den Photo Walks dabei, die in Zusammenarbeit mit Lomography organisiert werden. Dabei gefällt mir, dass ich so viel Freiraum mit den Teilnehmern habe. Ich erzähle den Leuten von meiner Herangehensweise, was es für Tricks gibt, wie man sich helfen kann und was es so für Grundregeln zu beachten gibt.

Du fotografierst ja nicht nur für diverse Kunsteinrichtungen, sondern auch häufig Editorials. Was gefällt dir daran?

Man muss in kurzer Zeit die Location anschauen, die Menschen kennen lernen, die Porträts aufnehmen und dabei immer versuchen, das beste aus der Situation herausholen. Das ist auch bei der Arbeit für das The Message Magazin sehr spannend, denn nicht immer geben die Locations auf den ersten Blick viel her, aber es ist immer möglich gute Bilder zu machen!

Da du jetzt dieses Arbeiten unter Druck ansprichst – hast du auch mal Künstlerblockaden? Und wenn ja, was machst du dagegen?

Das Problem kenne ich eigentlich nicht. Bei mir ist es eher so, dass ich mehr Dinge machen will, als ich zeitlich schaffe.
Ich arbeite immer an kleineren Serien. Dieses Jahr bin ich, gemeinsam mit Anna Breit, Isabella Simon, Lukas Lerperger und Theresa Wey Teil von OTAMP, initiiert von Paul Pibernig. Außerdem bin ich grad dabei ein Zine zu erstellen. Es gibt also immer was zu tun!

Fotografierst du analog oder digital?

Für die Aufträge fotografiere ich immer digital, weil es für mich praktischer ist. Für mich fotografiere ich immer wieder analog und habe auch immer eine Kamera dabei. Ich nutze unter anderem die Voigtlander Bessa R2A, eine Olympus Mju, eine Canon Point-and-Shoot-Unterwasserkamera mit einem riesigem Sucher, eine Lomography Horizon, weiters fotografiere ich mit Hasselblad, Rolleiflex, Mamiya C330, Fuji GS 645. Ich sammle scheinbar Kameras, jede hat eine andere Haptik und liefert andere Ergebnisse.

Wie kamst du zu Lomography?

Mein erster Berührungspunkt war, dass mein Vater sich damals vor 15 Jahren die Lomo LC-A gekauft hat. Ab da habe die die Entwicklung von Lomography eigentlich immer beobachtet. Die LC-A gefällt mir von der Verarbeitung her am besten und auch mit meiner Lomo Horizon bin ich sehr zufrieden.

Du hast in der Vergangenheit ja schon die Lomo'Instant Square ausprobiert und nun für deine Reise nach Ibiza die Lomo'Instant Wide mitgenommen. Wie hat dir die Arbeit damit gefallen?

Ich kam gut mit ihr zurecht. Besonders hat mit der Weitwinkelaufsatz gefallen und auch, dass man Mehrfachbelichtungen damit aufnehmen kann. Bei Doppel- und Mehrfachbelichtungen muss man vorher genau überlegen, wie man etwas fotografiert. Das gefällt mir, weil es sich dann wirklich anfühlt, als würde man etwas schaffen, statt einfach nur kurz den Auslöser zu drücken.

Wenn du ein Bild zusammenstellst, worauf achtest du besonders?

Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, beeindrucken mich oft Farben und Farbwiederholungen. Das ist das eine, eben die situativen Momente, die sich im städtischen Raum plötzlich ergeben. Wenn ich Portraits mache, dann achte ich immer darauf, dass der Mensch in seine Umgebung eingebettet ist. Dabei ist das richtige Licht natürlich auch ausschlaggebend. Andererseits fotografiere ich auch gerne Stillleben, da mich Kompositionen und das Räumliche interessieren.

Ich habe letztes Jahr einen Entwurf für ein Zine zu meiner Serie „display“ gemacht. Dabei geht es um mir um die Bildfläche als begrenzte Gestaltungsmöglichkeit.
Im Bildmittelpunkt ist nichts zu sehen, außer eine leere Fläche, wie etwa kurz an die Wand gelehnte Türen, Anzeigetafeln, alles andere passiert rundherum, trägt aber nichts zum Bildinhalt bei, oder macht dann eben das Bild aus.

Gibt es auch eine Stadt, in der du unbedingt mal fotografieren willst?

Nächstes Jahr möchte ich mal nach New York und auch sonst gibt viele, viele Orte, auf dieser Welt, die ich gerne sehen möchte.

Hast du Tipps für angehende Fotografen?

Dranbleiben und sein Ding machen! Man benötigt auf jeden Fall Ausdauer und Geduld, weil es einfach ein bisschen Zeit braucht, bis man ein paar Leute hat, die einen supporten. Das hatte ich zum Glück. Und man muss sich darauf konzentrieren, was einen selbst interessiert und nicht was andere interessiert. Wenn man beruflich arbeiten will, sollte man nie vergessen, was die erste Begeisterung für die Fotografie war.

Was steht in Zukunft bei dir an?

Ich werde gemeinsam mit der spanischen Künstlerin Virginia de Diego ein Buch mit Street-Fotos aus Wien herausbringen. Sie hat zwei Jahre in Wien gelebt und mich über Instagram kontaktiert. Wir haben unsere Archive durchsucht und dabei entdeckt, dass wir viele ähnliche Bilder haben. Das Buch wird Anfang März bei Pool Publishing erscheinen. In der ersten April Woche wird es eine Ausstellung in der Improper Walls Galerie geben.

Im Frühjahr werde ich auch an meinem Projekt „In Formation“ weiterarbeiten, dabei begleite ich ein Formationstanz Team bei diversen Turnieren.
Das Buch soll in den nächsten Jahren auf Reflektor Books erscheinen.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!


Wenn ihr mehr von Nikos Arbeiten sehen wollt, besucht seine Website und sein Instagram.

geschrieben von mausmitkrawatte am 2018-12-27 in #people

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