Ulf Leides filmische Fotos – Ein Interview

Wir haben den Studenten und Fotografen Ulf Leide dazu befragt, wie es sich anfühlt, sich ganz seiner Leidenschaft zu widmen. Seine Werke sind höchst filmisch anzusehen und spiegeln persönliche Erfahrungen wieder. Zudem sind sie am Puls der Zeit und zeigen, wie hart er an seinem Traum arbeitet. Ulfs Markenzeichen sind klare, aufgeräumte und filmische Fotos, die wie aus einem Blockbuster wirken. Er nutzt die analoge Farbpalette voll aus um seine Arbeiten so atmosphärisch wie möglich zu gestalten.

Wir haben uns mit dem in Stockholm lebenden Fotografen über seine Geschichte, seine Arbeiten und seine Pläne unterhalten.

Hi Ulf, willkommen im Lomography Magazin! Erzähl uns doch ein wenig darüber, wie deine fotografische Reise angefangen hat

Danke! Ich freue mich, diese Gelegenheit zu bekommen! Ich habe mit 17 oder 18 angefangen zu fotografieren, als mein Zwillingsbruder sein Interesse für die Fotografie entdeckte. Anfangs wollte ich vor allem Videos drehen. Vielleicht, weil ich ihn nicht kopieren wollte. Ich habe natürlich trotzdem von Zeit zu Zeit Fotos gemacht, aber vor allem auf meinem iPhone, um festzuhalten, was ich so mache.

Mein Interesse für Fotografie wurde erst richtig geweckt als Instagram ins Leben gerufen wurde und ich dort anderen Fotografen folgte. Vor kurzem begann ich dann, die Fotografie etwas ernster zu nehmen. Je mehr Fotos ich gemacht habe, desto bewusster wurde mir, dass so gut wie alles, was ich beim Fotografieren lerne, auch auf Videos angewendet werden kann. Besonders bei der Filmfotografie, wo man 36 Fotos zur Verfügung hat, muss man sich bei jeder Aufnahme vorab Gedanken machen. Dabei lernt man eine Menge über Belichtung, das richtige Timing und wie man seine Bilder am besten zusammenstellt. Fotografie war immer ein Hobby für mich, aber natürlich würde ich gerne meinen Unterhalt damit verdienen können.

Im Moment wird ja Filmfotografie oft als altes fotografisches Medium angesehen. Wann, warum und wie hast du damit begonnen?

Ich glaube, das erste mal, dass ich Film probiert habe, war um 2011 herum. Mein Bruder lieh mir da seine Olympus XA. Ich hatte keine Ahnung von Filmen oder Kameraeinstellungen, deshalb wurden die Fotos nicht besonders gut. Das hat mich vielleicht etwas abgeschreckt, weil ich danach erst mal eine Zeit lang nichts mehr mit Filmfotografie gemacht habe. (Bis ungefähr 2015). Da verkaufte mir mein Bruder eine seiner Olympus Mju IIs. Ich glaube, ich habe eine Rolle damit verschossen, bevor ich sie wieder weggeräumt habe. Vermutlich, weil ich damals so pleite war, dass ich mir die Filmfotografie nicht leisten konnte.

Ich habe erst im Frühjahr des letzten Jahres wieder angefangen, als einer meiner besten Freunde mit der analogen Fotografie begann. Ich füllte eine Rolle Film und war begeistert von den Ergebnissen. Leider ist mir die Kamera kurze Zeit später in einen See gefallen, weshalb ich die Filmfotografie erst mal wieder aufs Eis legte. Dann, vor einem Jahr, kaufte ich mir eine Nikon FM2. Zu dem Zeitpunkt begann ich, regelmäßig auf Film zu fotografieren.

Du fotografierst Straßen und Porträts auf eine sehr filmische Weise. Magst du uns darüber ein bisschen mehr erzählen?

Ich glaube, die filmische Ästhetik stammt von meiner Leidenschaft für Filme. Wie ich vorhin schon sagte, hat mir das Video machen immer mehr Spaß gemacht als gewöhnliches Fotografieren. Mein Ziel ist es, eines Tages in der Filmindustrie Fuß zu fassen. Ich kann nicht behaupten, dass ich unglaublich viele Filme schaue, aber ich folge vielen Filmemachern und Kameraleuten und versuche, so viel wie möglich von ihnen zu lernen. Der filmische Aspekt ist nicht wirklich etwas, worüber ich beim Fotografieren groß nachdenke. Ich mache einfach Fotos von Dingen, die ich visuell ansprechend finde, und diese Dinge sehen filmisch aus, weil das eben der Stil ist, den ich gerne mag.

Gibt es andere Fotografen oder Künstler, die dich inspirieren?

Auf Instagram bekomme ich manchmal Kommentare oder Nachrichten von Leuten, die mir sagen, dass die meinen Stil mögen. Das verwirrt mich immer, weil ich nicht glaube, dass ich einen bestimmten Stil habe. Ich weiß nicht, ob man unbedingt einen eigenen Stil haben muss, aber so oder so denke ich, dass ich noch nicht lang genug Fotos mache, um einen eigenen Stil entwickelt zu haben. Ich bin immer noch dabei, zu experimentieren und herauszufinden, was mir gefällt. Ich glaube, das sieht man auch an meinem Instagram-Feed. Wenn ich mir die Feeds anderer erfahrener Fotografen anschaue, dann sind die für gewöhnlich einheitlicher, was die Farbpalette und die Motive angeht. Ich vermute, das kommt von alleine, wenn man ein bisschen Erfahrung gesammelt hat. Ich kann mir auch vorstellen dass es etwas einschränkend sein kann, wenn man einem bestimmten Stil folgt.

Wie auch immer ... Wenn es darum geht, was mich wie beim Fotografieren beeinflusst, dann würde ich sagen, dass es eine Kombi aus allem ist, was so um mich herum geschieht. Es ist schwierig, eine Person oder eine bestimmte Sache zu nennen, aber ich weiß, dass mich der ein oder andere Fotograf oder Filmemacher auf Instagram auf jeden Fall beeinflusst. Ich sehe ständig Bilder, die mich dazu bringen, meine eigenen Werke und meine Vorgehensweise in Frage zu stellen.

Wir lieben den modernen und dennoch filmischen Look deiner Arbeiten. Kannst du deine Technik oder ein paar Tricks mit uns teilen?

Oh man, ich wünschte, da gäbe es was zu teilen, haha. Ich fotografiere einfach. Ich stelle sicher, dass ich immer eine kleine Point-and-Shoot dabei habe. Man weiß nie, worauf man so stoßen wird.

Wenn du mit einem Fotografen oder Künstler, egal ob lebendig oder verstorben, zu Abendessen könntest, wer wäre es?

Ich bin sozial nicht sonderlich geschickt, deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Abendessen mit einem Fremden sonderlich angenehm wäre. Und mir fällt auch kein Idol ein. Aber es gibt einen Fotografen, dessen Arbeiten ich sehr mag, und zwar den schwedischen Fotografen Gunnar Smoliansky, also wenn ich mich für eine Person entscheiden müsste, dann für ihn. Wenn ihr ihn noch nicht kennt, schaut ihn euch an.

Wie sieht ein ganz normaler Tag für Ulf Leide aus?

Wow ... ich habe gerade festgestellt, dass meine Tage nicht sonderlich interessant sind, deshalb werde ich es kurz halten. Da ich noch zur Uni gehe (ich studiere Medientechnologie) bin ich oft in Vorlesungen oder ähnlichem. Oder ich lese und lerne für mich allein. Ansonsten verbringe ich Zeit mit meiner Freundin, meinen Freunden, mache mich über Fotografie und Cinematografie. Außerdem bin ich gerne draußen. Ich versuche immer, aus der Stadt rauszukommen, aber wenn das nicht klappt fahre ich einfach mit meinem Fahrrad herum.

Was steht in der Zukunft bei dir an?

Bisher habe ich fast ausschließlich Shootings gemacht, die keinen gemeinsamen Nenner hatten, aber ich denke in letzter Zeit darüber nach, mal eine zusammenhängende Serie zu fotografieren. Ich habe nicht direkt einen Plan, aber es gibt schon eine Idee, über die ich tatsächlich schon einige Jahre nachdenke. Ich habe diese seltsame Vorliebe für Vorgärten, Eingänge und Treppen von Appartement, was vermutlich daher rührt, dass ich mein ganzes Leben in einem Einfamilienhaus verbracht habe. Ich mag die Vorstellung, dass ein unscheinbares Gebäude einen versteckten, wunderbar blühenden Vorgarten hat. Ich kann das nicht genau erklären, aber ich finde die Vorstellung ungemein interessant.


Um mehr von Ulfs cinematischen Fotos zu sehen, schau dir sein Instagram an. Die Rechte aller hier gezeigten Fotos besitzt Ulf Leide.

geschrieben von cielsan am 2018-10-28 in #people

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