Urbane Eskapaden — Sarah Tahon nimmt uns mit nach London

Sarah Tahon ist gebürtige Belgierin, wohnt und arbeitet aber derzeit in London. Sie ist Modefotografin und Filmemacherin und hat bereits für Topman X Vision, Flanelle und das F***ing Young Magazin gearbeitet. Die analoge Fotografie hat einen festen Platz in ihrem Herzen und wir freuen uns, dass wir dieses junge Talent für unser Magazin interviewen dürfen.

Hi Sarah, erzähl uns doch ein bisschen was über deinen fotografischen Werdegang und dein Leben!

Danke, dass ihr mich hier vorstellt! Ich bin 25 Jahre alt, bin in Brüssel geboren und vor sechs Jahren nach London gezogen um Film- und Fernsehproduktion zu studieren. Dann habe ich angefangen, freiberuflich beim Film zu arbeiten und dort dann eine Leidenschaft für die Fotografie entwickelt. Ich mag, dass Fotografie im Vergleich zu Filmen so spontan ist.

Mit meiner ersten analogen Kamera – einer Nikon FE2 – habe ich meine Freunde fotografiert. Die haben mir dann irgendwann gesagt, dass ich mich mal bei Modelagenturen melden und dort Testaufnahmen ihrer neuen Models machen soll. Das habe ich getan und seitdem liegt mein Fokus ganz auf Fotografie.

Viele deiner Fotos sind in urbanen Gegenden aufgenommen. Wie findest du diese Orte?

Irgendwie werde ich immer nostalgisch, wenn ich an einem alten Friseurstudio vorbeikomme, oder einem alten Café oder einem Eckladen (die leider in London immer seltener werden). Deshalb kommen diese Orte dann auch so oft in meinen Fotos vor. Ich halte außerdem immer Ausschau nach Gebäuden oder Bezirken, die viel Charakter haben.

Immer, wenn ich etwas Luft habe, nehme ich mir die Zeit, eine neue Nachbarschaft zu erkunden um neue interessante Plätze zu finden. Wenn ich einen solchen Platz finde, dann mache ich ein Foto und schreibe mir die Adresse auf, damit ich ihn für eines meiner zukünftigen Projekte verwenden kann.

Du hast tolle Porträts von den Hoeper-Zwillingen gemacht. Wie wählst du aus, wen du fotografieren willst und wo findest du die Leute?

Es ist interessant, dass du genau nach den Hoeper-Zwillingen fragst, weil sie konventionell betrachtet eher als "schön" gelten als die Menschen, die ich sonst so fotografiere. Das erste, was mich an den Zwillingen interessiert hat, war die Verbindung zwischen ihnen, die sogar auf Fotos deutlich wird. Aber ich wollte sie auch anders darstellen als sie sonst dargestellt werden.
Wie ich die Leute finde ist ganz unterschiedlich. Mir ist eine interessante Persönlichkeit wichtig. Manchmal finde ich die Menschen einfach auf Instagram, was super ist fürs Casting, oder aber ich werde direkt auf Agenturwebsites fündig.

Du hast mit einigen großartigen Magazinen wie dem Flanelle und dem F***ing Young gearbeitet, aber auch mit großen Marken wie Topman. Wie sieht der Kollaborationsprozess aus?

Ich habe mich bisher mehr auf redaktionelle Fotografie konzentriert als auf kommerzielle Fotografie. Wenn Fotografen für einen redaktionellen Auftrag gebucht werden, dann haben sie in der Regel mehr Freiheiten und können den Fotos ihren eigenen Stil mitgeben. Als ich zum Beispiel mit Wonderland für Topman x Vision fotografiert habe war das ein redaktioneller Auftrag und ich hatte jede Menge kreativen Spielraum. Das ganze Team ist durch die Nachbarschaft gestreift und immer, wenn wir einen interessanten Ort fanden, der zu den Outfits der Models passte, haben wir direkt dort vor Ort fotografiert. Langsam bekomme ich allerdings mehr kommerzielle Aufträge. Ich schätze, daran muss ich mich gewöhnen.

Warum bleibst du in unserem digitalen Zeitalter dem Film treu?

Ich finde es aufregend, mit Filmkameras zu arbeiten. Man muss sich viel mehr auf die Arbeit konzentrieren: man muss einen Film auswählen oder neue Filme entdecken und probieren, und auch beim Fotografieren selbst muss man viel mehr bei der Sache sein – man kann nicht einfach so oft man will auf den Auslöser drücken. Und dass es extrem aufregend ist, auf die fertig entwickelten Fotos zu warten, muss ich wohl nicht dazu sagen. Ich liebe es, dass Film einem Foto Körnung und eine Seele verleiht."

Wenn du dich für den Rest deines Lebens auf eine Kamera und einen Film festlegen müsstest, wofür würdest du dich entscheiden?

Ich kann nicht ohne meine Nikon FE2! Was den Film angeht, so würde ich den Portra 400 nehmen. Ich mache hauptsächlich Porträts und er hat sich dabei unter vielen Bedingungen bewiesen: In Studios und draußen, in dunklen und hellen Umgebungen, bei den unterschiedlichsten Hauttönen – die Ergebnisse sahen immer großartig aus!

Hast du Ratschläge für angehende Mode- oder Porträtfotografen?

Hmmm, ich werde das sagen, was ich damals gerne gehört hätte, als ich mit der Fotografie begann: Plane deine Shootings nicht von vorne bis hinten durch, sondern lasse etwas Platz für Spontanität und Kreativität. Und vor allem: HAB SPAß DABEI! Wenn du dir unsicher bist, frag das Team mit dem du arbeitest (die Make-Up-Artists, die Models, die Haarstylisten, das Licht-Team) — sie könnten tolle Ideen haben, die dir vielleicht noch nicht in den Sinn gekommen sind, und sowas ist sehr wichtig. Ich gebe meinen Models normalerweise nicht viele Anweisungen, weil das sonst schnell gekünstelt aussehen kann. Ich lasse sie einfach mal anfangen.

Letztendlich ist der beste Tipp, glaube, ich, dass man geduldig sein und an seine Arbeit glauben muss. Manchmal wirkt freiberufliches Arbeiten total unschaffbar: man muss für sein Einkommen sorgen und gleichzeitig Vollzeit daran arbeiten, sich ein Portfolio aufzubauen und hunderte von Emails senden um Aufträge zu bekommen. Aber wenn man hartnäckig bleibt, dann wird es sich lohnen (auch finanziell)!

Letzte Frage: Was steht noch bei dir an? Gibt es neue interessante Projekte?

Ein Magazin mit dem ich schon immer arbeiten wollte, hat sich vor kurzem bezüglich einer Kooperation bei mir gemeldet. Darauf freue ich mich. Außerdem reise ich bald für einige eigene Projekte nach Stockholm, wo ich öfter mal bin. Aber worauf ich mich besonders freue sind zwei Kurzfilme für zwei Modelabels, bei denen ich die Regie, das Filmen und die Postproduktion übernehmen werde. Ich kann es nicht abwarten, wieder Filme zu machen!


Um mehr von Sarahs tollen Arbeiten zu sehen, besuch ihre Website und folge ihr auf Instagram: Instagram.

geschrieben von genevievedoyle931 am 2018-09-25 in #people

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