Prozess mit offenem Ende — Ein Interview mit Carsten in der Elst

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Er ist einer, der die Unberechenbarkeit analoger Materialien nicht scheut, sondern mit offenen Armen empfängt: Carsten in der Elst, ein junger Designer aus Köln, der sowohl zweidimensional als auch dreidimensional arbeitet und dabei nicht vor launischen Materialien zurückschreckt. Für unser Magazin hat er sich nicht nur die Zeit genommen, einige Fragen zu beantworten, sondern sogar eine exklusive Lomo'Instant Kamera gestaltet, die wir an einen glücklichen Leser verlosen werden.

Hi Carsten! Willkommen beim Lomography Magazine – stell dich doch bitte kurz unserer Community vor!

Hallo liebe Lomo Community, mein Name ist Carsten in der Elst und ich wohne in Köln. An der Köln International School of Design studiere ich Integrated Design. Im Laufe dieses eher ganzheitlichen Designstudiums habe ich mich in Richtung Produkt- und Möbeldesign orientiert. Allerdings schon immer lieber analog und intuitiv als analytisch und digital. Als kreativen Ausgleich zu diesem sehr gerichteten dreidimensionalen Studium fülle ich seit einigen Jahren Skizzenbücher und Blöcke mit abstrakten Formen und experimentiere mit Aquarellfarben.

Wer oder was hat dich dazu inspiriert eine Kariere als Künstler und Designer anzustreben?

Da waren auf jeden Fall mehrere Faktoren im Spiel. Das Umfeld in dem ich aufgewachsen bin hatte womöglich den größten Einfluss. Mein Vater hatte früher ein eigenes Möbelgeschäft, in dem ich nach der Schule immer gespielt habe. Außerdem hat er schon immer selbst gemalt und mich oft in Museen mitgenommen. Möbel und Kunst waren so gesehen ein Teil meiner Kindheit. Nach meinem Schulabschluss habe ich dann vernünftigerweise erstmal etwas Anderes studiert als Kunst oder Design, habe aber schnell gemerkt, dass es mich nicht glücklich macht. Auf ein paar längeren Reisen habe ich dann entschieden, dass ich das machen sollte, was sich am Natürlichsten für mich anfühlt.

Hast du bestimmte Lieblings Materialien mit denen du besonders gerne arbeitest und experimentierst? Was macht genau diese Materialien so besonders für dich?

Momentan gefällt mir die Arbeit mit Metall am meisten. Ich mag den Kontrast und die Direktheit im Umgang mit dem Material. So kann es passieren, dass man mit demselben Stück Stahl sowohl sehr brutal als auch sehr feinfühlig umgehen muss. Außerdem gefällt mir die zu treffende Entscheidung sehr: Lass ich es jetzt raw und imperfekt oder stecke ich noch mehr Arbeit in die Oberfläche und mache das Stück superclean. Im zweidimensionalen Bereich arbeite ich am liebsten mit einer zufällig entstandenen Aquarell- Acryl- Farbmischung und Steinpapier. Ich liebe die Unberechenbarkeit und das verzögerte Erfolgs- oder Misserfolgserlebnis die diese Materialien mit sich bringen. So weiß man nie genau was am Ende dabei rauskommt.

Was magst du an Analoger Fotografie?

Die Geduld die man haben muss, bis man die Fotographie sieht, die man aufgenommen hat. Dieses Warten auf das Ergebnis ist auch das, was ich an dem Prozess mit den Aquarellfarben oder beispielsweise auch im Formenbau für Betonguss so schätze. Auch wenn das Endergebnis nicht unbedingt so geworden ist wie man es sich vorgestellt hat, ist es trotzdem immer eine bisschen so, als würde man ein Geschenk auspacken.

Was hat dich dazu inspiriert gerade dieses Design für die Lomo’Instant auszusuchen?

Ich kannte die Lomo’Instant und die Qualität ihrer Fotos bereits bevor Ihr sie mir zum Umgestalten zugeschickt habt. Jedoch hatte ich sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht selbst in der Hand gehalten. Als ich sie auspackte, habe ich mich etwas gewundert. In meiner Vorstellung war die Kamera aus irgendeinem Grund viel schwerer. Möglicherweise lag das an der Nostalgie der Polaroid Fotos und an dem Vintage-Design der Kamera selbst. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, man müsse sie irgendwie schwerer machen. So entschied ich mich für eine wärmebehandelte Kupferhülle.

Erzähl uns bitte ein bisschen vom Entstehungsprozess. Wie kam es Schritt für Schritt zu diesem wunderbaren Ergebnis?

Als der Plan stand, eine Hülle für die Lomo’Instant herzustellen, wurde der Prozess relativ linear. Vorab fertigte ich einige Patina- und Biegetests an, um genau die Erscheinung zu bekommen, die ich haben wollte. Nämlich präzise Handarbeit mit kleinen Fehlern und einer nicht wiederholbaren und unberechenbaren Patina. Ich begann mit dem aufwendigsten Teil der Kamera, dem Frontteil. Es hatte viele Aussparungen, Radien und Biegungen. Ich bohrte Löcher, feilte sie aus und bog die Eckteile, bis alles gepasst hat. Das dauerte auch etwas. Alle anderen Teile gingen schneller. Als ich mit dem Zuschneiden, Biegen und Kantenschleifen fertig war, erhitzte ich die Kupferteile mit dem Schweißbrenner. Nachdem sie circa 10 Sekunden glühten, schreckte ich sie unter kaltem Wasser ab. So entstand diese Patina. Um sie haltbar zu machen, lackierte ich die Teile mit Klarlack bevor ich sie mit einem Epoxidharzkleber auf die Kamera brachte

Wieso gerade dieses Material? Bist du auf irgendwelchen Schwierigkeiten bei der Verarbeitung gestoßen mit denen du so gar nicht gerechnet hättest?

Um ganz ehrlich zu sein hat es ganze drei Anläufe gebraucht, bis ich zu dem Ergebnis gekommen bin, das ihr jetzt vor euch seht. Anfangs wusste ich einfach nicht, wie ich Wasserfarben aufbringen sollte, sodass sie halten und nicht in die Kamera laufen würden. Als ich dann einen Weg gefunden habe, gefiel mir das Ergebnis überhaupt nicht mehr. Das hatte ich zweimal. Also warf ich irgendwann das Konzept mit den Wasserfarben komplett über Bord. Ich musste zurück zum Anfang. Also verpackte ich die Kamera nochmal und öffnete sie nach einer Woche erneut. Da viel mir plötzlich das geringe Gewicht wieder auf. So kam ich zu der ziemlich simplen Idee der Kamera einfach eine Hülle zu verpassen. Ich wählte Kupfer als Material für die Hülle, da es eine sehr interessante Patina entwickelt, wenn man es erhitzt und abschreckt. Außerdem lässt es sich leicht in Form biegen. Abgesehen von dem Frontteil, an dem ich wirklich fast drei Tage gesessen habe bis es passte, ging dann alles soweit nach Plan.

Hast du selbst eine Lomography Kamera? Falls ja, welche und was verewigst du für gewöhnlich damit? Falls nicht, welche Kamera wäre dein Favorit und was würdest du damit fotografieren wollen?

Vor ungefähr 10 Jahren habe ich eine Olympus Mju I auf dem Flohmarkt gekauft und sie hält immer noch. Ich liebe es aus dem Urlaub zu kommen, den vollen Film herauszunehmen und ihn zum Entwickeln zu bringen. Die Spannung ist dann manchmal unerträglich. Meine Lieblingsmotive sind meist Dinge, die andere Leute als irrelevant betrachten. Baustellen, Straßenpfeiler oder Sperrmüll beispielsweise. Bei mir steht dann eher das analoge Festhalten des inspirierenden Objekts oder Ortes im Vordergrund als die Fotographie selbst. Aber natürlich fotografiere ich auch gerne meine Freunde die gerade etwas Lustiges oder Schönes machen.

Deine persönliche Offenbarung für andere Kunstschaffende?
Das klingt jetzt zwar ein bisschen kitschig, aber ich glaube, ganz egal was man macht, ob nun Kunstschaffend oder nicht, sobald man Herzblut und Zeit in etwas steckt, wird es einzigartig und herausragend.

Was steht bei dir 2018 sonst noch auf dem Programm?

Ich werden meine Bachelorarbeit anfangen und voraussichtlich Anfang Mitte 2019 fertig sein mit meinem Studium. Dann muss ich erstmal wieder ganz dringend reisen gehen. Außerdem produziere ich gerade in Kollaboration mit dem Musiklabel „Weltgast“ bis Ende August eine Reihe Skulpturen, die auf Ihrer Internetseite zu erwerben sind. Ansonsten werde ich die kommenden Semesterferien dazu nutzten weitere Möbel und Objekte zu entwerfen und umzusetzen. Ach, vielleicht müsste ich mir auch mal eine Website machen

Möchtest du noch etwas loswerden?

Ja, ich würde gerne Heiwa Wong für die Vermittlung und die tolle fotografische Dokumentation dieses Projektes hier danken. Das hat echt Spaß gemacht :)

Vielen Dank!

Um mehr von Carstens Arbeiten zu sehen, besuche ihn doch mal auf Instagram oder Weltgast. Heiwas Arbeiten findest du auf ihrer Website und auf Instagram


GIVEAWAY

Wir haben nun die Ehre, die von Carsten liebevoll gestaltete Lomo'Instant zu verlosen. Um teilzunehmen schaut auf unserer Instagram-Seite vorbei. Dort findet ihr alle weiteren Infos.

geschrieben von mausmitkrawatte am 2018-08-08 in #gear #people #giveaway #carsten-in-der-elst

Erwähntes Produkt

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5 Kommentare

  1. dermanu
    dermanu ·

    Sehr schöne Kamera, ein echtes Unikat. ;-)

  2. candeeland
    candeeland ·

    Da mach ich doch mit! Ein wunderschönes Design! <3

  3. candeeland
    candeeland ·

    @mausmitkrawatte Die Links zur Webseite von Heiwa Wong funktionieren leider nicht.

  4. mausmitkrawatte
    mausmitkrawatte ·

    @candeeland Vielen Dank! Jetzt sollte es passen :)

  5. pearlgirl77
    pearlgirl77 ·

    wow.. tolles Design!

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