Klara Michel – präsentiert ihr Zine "Tiger Rose"

Klara Michel ist Künstlerin und Fotografin aus Berlin und eine von vielen, denen es im Herzen schmerzt, dass ihre Arbeiten kaum mehr vom Bildschirm in den Print wandern. Dabei entstehen ihre Fotografien auf Film. Damit sich er analoge Kreis endlich wieder schließt, hat Klara nun ihr eigenes Zine heraus gebracht, wofür wir sie mit Lomography Film unterstützt haben. Tiger Rose ist das Resultat einer langjährigen Reise zu ihrem ganz persönlichen Stil, dessen Dest und wiederkehrender Elemente.

Willkommen im Lomography-Magazin, Klara! Erzähl uns doch ein wenig über dich und dein kreatives Schaffen! Würdest du dich in diesem Zusammenhang als Fotografin bezeichnen oder eher als Alround-Talent?

Danke! Hat mich sehr gefreut wieder einmal mit euch zusammenarbeiten zu dürfen. Mein Name ist Klara Johanna Michel ich bin gelernte Grafikerin und Fotodesignerin, ich lebe und arbeite in Berlin. Im Fokus meiner Arbeit steht die Fotografie. Ebenfalls experimentiere ich gerne mit anderen Medien wie z.B. Video und Installationen. Die Kombination verschiedener Techniken hilft mir ein Gefühl zu transportieren. Das kann zum Beispiel ein Mix-Tape sein, das ich zu einer Bildserie erstelle, sowie das Bemalen der Oberfläche (Kolorieren und Collagieren). Ich finde das Zusammenspiel verschiedenster Medien hilft meiner Arbeit spezifischer zu werden.
Meine Konzepte sind weitestgehend frei.
 
Du hast vor Kurzem ein Zine fertiggestellt. Was war dein Beweggrund dafür bzw. was hat dich dazu inspiriert?

Der Beweggrund war hauptsächlich mich mit dem Thema Print auseinanderzusetzen. Meine Bilder werden zwar analog erstellt, aber viele schaffen es nicht in den Print. Daher wollte ich die Bilder vom Screen aufs Papier bringen. Ich habe in der Vergangenheit schon des Öfteren mit Lomography zusammengearbeitet und euch von meiner Idee erzählt, ein Zine zu erstellen. Durch eure Unterstützung ist nun Tiger Rose entstanden. Dazu habe ich noch einen Zusatzhefter erstellt, der ebenfalls mit Lomography Filmen entstanden ist.
Der Titel dieses 10x7cm Hefters ist Homestory. Er zeigt Portraits meiner Freundin Sophia am Vatertag in einer fremden Wohnung. Mir war es wichtig, diese recht spontan entstandene Serie miteinzubeziehen.

Sieht man sich den Aufbau deines Zines an, findet man auf jeder Seite ein kurzes Zitat. Woher stammen diese Kommentare?

Für den Text habe ich meine sehr talentierte Freundin Julia Rublack gebeten, meine Bilder frei zu interpretieren und eine schriftliche Arbeit zu erstellen.
Ich empfand es als sinnvoll, sie bei dieser Frage selbst zu Wort kommen zu lassen.

Julia: "Klaras Fotos sind sehr emotional und schaffen eine mystisch-geheimnisvolle Stimmung. Der Titel Tiger Rose hat mich außerdem dazu inspiriert über die Liebe und ihre „Gefahren" zu schreiben. Der Text handelt davon, dass große Gefühle sooft mit Angst einhergehen. Wir suchen nach Liebe wie Krieger, stets für das Schlimmste gewappnet. Wir verletzen aus Angst. Und wir verschließen uns, bilden Mauern - aus Angst. Aber auch, dass wir immer die Wahl haben, nicht an falschen Erwartungen und Idealen festzuhalten. Und die Liebe frei von solchen ist."

Hast du eine Lieblingsfoto oder eine Lieblingsseite in deinem Zine und gibt es eine Geschichte dazu?
 
Meine liebste Doppelseite ist die, auf der ein orange leuchtender Koi Karpfen unter einer Alge verschwindet. Das Bild wirkt leicht verwackelt. Ich mag die Flüchtigkeit, die es ausstrahlt, als auch die Farbkombination, das Orange des Karpfens und das Grün des Teiches. Es gibt in diesem Bild keine harten Kanten es wirkt weich und malerisch.

Welche Rolle spielt die Fotografie in deinem Leben?
 
Die Fotografie ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Fast mein ganzer kreativer Output konzentriert sich auf das Foto. Es gibt immer wieder Phasen, in denen ich verschiedenste Techniken verwende, jedoch kehre ich immer wieder zur Fotografie zurück. Besonders das Erstellen von Portraits fordert mich persönlich heraus. Es bringt mich dazu, auf Leute zu reagieren und mich intimen Momenten zu stellen.

Wie entstehen deine Aufnahmen? In welcher Beziehung stehst du zu ihnen?
 
Generell inszeniere ich meine Bilder. Oft beginne ich gedanklich bei der Person, die ich portraitieren möchte. Dabei versuche ich in mich zu gehen und zu überlegen wie diese Person auf mich wirkt. Dabei entstehen in mir die verschiedensten Assoziationen wie zum Beispiel ein Muster oder eine Farbe. Diese Assoziationen arbeite ich schließlich in das Portrait mit ein. Bei dieser Arbeit habe ich eine für mich ungewöhnlichere Methode gewählt, die den Mensch kaum auftauchen lässt. Er ist zwar in Form von Händen zu sehen aber weitestgehend abwesend.

Wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?
 
Im letzten Jahr habe ich sehr viele unterschiedliche Wege ausprobiert. Zum Beispiel habe ich seit langem wieder mit Farbfilmen fotografiert. Mit Blitzen und verschiedenen Kleinbildkameras experimentiert. Ich habe in der Vergangenheit viel mit händischer Nachbearbeitung gearbeitet. Dafür habe ich MF Schwarz-Weiss Aufnahmen erstellt und diese in einem aufwendigen Prozess handkoloriert. Dies hat meinen Fotografien einen unverwechselbaren Stil gegeben, der mich am Ende in meiner Kreativität eingeschränkt hat.
Daher hat es mich gereizt wieder spontaner zu fotografieren. Momente einzufangen. Ich habe das Gefühl, dass sich mein Stil gerade in einer Wandlung befindet. In Zukunft möchte ich beide Welten, die Handarbeit und die Spontanität, miteinander kombinieren. Die Inhalte und Wahl meiner Motive empfinde ich allerdings als sehr stilprägend. Die visuellen Interessen haben sich im Laufe der Jahre wenig verändert. Daher kommt auch der Name des Zines Tiger Rose. Da der Tiger (das Tier) und auch die Rose (die Blüte) stets wiederkehrende Symbole sind, die in meiner Arbeit auftauchen.

Welche Ausrüstung verwendest du?
 
Am häufigsten verwende ich meine Mamiya 645 Mittelformat Kamera. Mit ihr arbeite ich schon seit vielen Jahren und ich halte sie vor allem für Studioaufnahmen sehr geeignet.
Bei diesem Projekt habe ich allerdings hauptsächlich meine Nikon L35AF Kleinbild Kamera verwendet. Da mir beim Erstellen der Bilder eine Spontanität und Leichtigkeit wichtig war. Für das Zine hab ich ausschließlich Lomography Filme verwendet, die mir freundlicherweise von euch zur Verfügung gestellt worden sind.

Hier auch gleich nochmal Julia Rublack's Text:

of love and fear.
i must have hurt you in the deepest corner of your safe place
where your most precious feelings for me lived a lonely life
waiting and hoping to come out again but the wall was built over a long time
and layer by layer
it got higher and thicker
they had to be protected
because there was danger
it hurts most of the time
it hurts and hurts and hurts so much
that to lock this precious little gift of life
is the only thing that will protect you from dying.
to hurt you in the deepest corner of your heart
was the thing i couldn‘t undo
but i want to unbuild this wall of
protection
and rebuild it to a home of trust
stone by stone by stone
layer by layer by layer
All your goodness all your patience all your love I mistrusted And I chose to believe in doubtful thoughts
chose to believe in fear not in love.

Um noch weitere von Klaras Arbeiten zu sehen, besuche ihre Website und folge ihr auf Instagram.

geschrieben von ellakoppensteiner am 2018-07-26 in #people #Videos #lomography-film

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