Kurt Prinz und die analoge Fotografie

Der in Wien lebende Kurt Prinz ist ein österreichischer Fotograf und Künstler, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit inspirierenden Projekten normierte Sehweisen in Frage zu stellen. Seine Fotografien sind regelmäßig in verschiedenen Zeitschriften wie Datum, Vice, Profil. Rokko's Adventures und diversen Werbekampagnen zu sehen und über seine Fotoserien sind bereits einige Bücher veröffentlicht worden. Wir haben ihn getroffen und mit ihm über Fotografie und seine Beziehung zu ihr sowie über Altes und Neues gesprochen.

© Kurt Prinz

Lieber Kurt, seit über zehn Jahren bist du in Österreich als Fotograf tätig. Hast du schon immer gewusst, dass du Fotograf werden willst?

Nein überhaupt nicht! Ich habe erst recht spät, so mit 20, angefangen, mich für Fotografie zu interessieren. Davor war sie nicht wirklich Thema für mich, aber dann umso mehr. Ich habe mich dann sehr intensiv mit ihr auseinandergesetzt, aber dass ich einmal beruflich als Fotograf arbeiten würde, hätte ich nie gedacht!

Du arbeitest sowohl digital als auch analog, dennoch haben wir den Eindruck, dass du eine besondere Faszination für analoge Fotografie hegst. Ist dieser Eindruck richtig?

Ja, ich mag es sehr, analog zu fotografieren. Grundsätzlich glaube ich aber, dass ein wirklich gutes Bild ein gutes bleibt, unabhängig davon, ob es digital oder analog erzeugt wurde. Allzu viel Stellenwert würde ich dem technischen Aspekt bei der Beurteilung einer Fotografie grundsätzlich nicht einräumen.

An mir selbst merke ich aber, wie das jeweilige Medium meine Art zu fotografieren beeinflusst. Beispielsweise lassen mich die Einschränkungen, denen analoger Film unterliegt (wie eine bestimmte Empfindlichkeit, ein kleinerer Dynamikumfang, eine limitierte Anzahl an Bildern pro Film, keine Überprüfbarkeit der Ergebnisse), konzentrierter arbeiten. Sie schaffen außerdem einen Rahmen, der es mir einfacher macht, mehr Kontinuität und Stringenz in meine Fotografie zu bekommen. Bei der digitalen Fotografie geht alles immer sehr schnell und es gibt fast keine Limits. Das macht die Sache schnell beliebig. Bei der analogen Fotografie hingegen, muss man sich viel mehr mit dem, was man aufnimmt, auseinandersetzen. Das führt zwar zu einer gewissen Behäbigkeit, doch genau diese Behäbigkeit fördert eine größere Präzision.

Was mir auffällt, ist, dass dies dann auch auf die Menschen abstrahlt, die man fotografiert. Portraitierte sind meist konzentrierter und intensiver bei der Sache, wenn sie wissen, dass auf Film fotografiert wird. Dadurch verändert sich die gesamte Ausnahmesituation und man schafft neue Verhältnisse, eben auch auf einer zwischenmenschlichen Ebene.

Außerdem sehen analoge Bilder meist etwas schöner aus, finde ich. Ich habe zwar schon öfters versucht, digitale Bilder auf analog zu bearbeiten, aber so sehr man sich bemüht, es wird nur selten so wie auf Film.

© Kurt Prinz

Vor nicht allzu langer Zeit hast du zwei Bücher über deine Abrissfotografien veröffentlicht, die in Österreich schnell zu einem Erfolg geworden sind. In deiner Serie, die du mit der Neptune-Convertible-Art-Lens aufgenommen hast, zeigst aber du Mode- und Portraitfotografien. Gibt es zwischen den Themen eine Verbindung?

Nein, da gibt es keine Verbindung. Das zweite Projekt war eine Auftragsarbeit für ein Modelabel, das andere ist ein freies Projekt, das ich mittlerweile seit über 10 Jahren verfolge. Es handelt sich also um zwei völlig unterschiedliche Arbeitskreise.

Deine Mode- und Portrait-Serie zeigt Schönheit. Du stellst zwei sehr verschiedene weibliche Charaktere vor Hintergründe mit satten Farben und spielst mit plakativen Posen. Wie ist dieses Konzept entstanden?

Das Konzept entstand in Zusammenarbeit mit der Designerin. Wir haben uns Modefotos der späten 60er und frühen 70er zum Vorbild genommen und wollten die intensiven Farben und auch den Style dieser Zeit einfangen. Wichtig war uns aber, dass die Frauen selbstbewusst und stark rüberkommen, sie also auf keinen Fall als schwache, fragile Wesen dargestellt werden, wie es zu dieser Zeit in der Mainstream-Modefotografie schon noch üblich war.

© Kurt Prinz

Immer wieder beschäftigst du dich in deinen Arbeiten mit „dreckigen“ Kulturbereichen und extremen, eher roh wirkenden Charakteren. Zieht dich das Raue an?

Das würde ich nicht unbedingt sagen. Von Außen betrachtet wirken machen Dinge vielleicht „rau“ oder „dreckig“, aber man sollte nicht vorschnell urteilen. Manches, das rau erscheint, ist vielleicht in Wahrheit etwas sehr Fragiles und Zartes. Anderes, – Fotografien, die auf den ersten Blick eher „clean“ wirken, – zeigen aber vielleicht in Wahrheit eine Welt, die emotional verroht und ungemein brutal ist. Begriffe wie „dreckig“ oder „roh“ sind für mich deshalb eher relative Begriffe, – sowohl aus einer fotografischen wie aus einer gesellschaftlichen Perspektive.

© Kurt Prinz

Du stellst deine Arbeiten regelmäßig aus. Früher mit deinem Künstlerkollektiv Stirn Prumzer, nun vorwiegend allein. So wie wir dich kennen, sind da sicher viele verrückte Dinge passiert! Da würden wir nur zu gern eine Anekdote hören!

Bei unserer zweiten Ausstellung kam es zu einem Großeinsatz der Polizei. Wir hatten eine Ausstellung in der Expedithalle in der Ankerbrotfabrik im 10. Bezirk geplant und aus Angst, dass diese ein Reinfall wird, weil es draußen superkalt, die Halle wirklich weit draußen, sie mit 2000 qm außerdem riesig war und darum viel zu wenige Leute kommen würden, haben wir gemeinsam mit einem Veranstalter ein ziemlich fettes Line-up aufgestellt. – Und haben wohl etwas über das Ziel hinausgeschossen! Es kamen tausende von Menschen und vor der Halle kam es sogar zu Tumulten. Einige haben versucht, über die umliegende Baustelle in die Halle zu kommen und drinnen gab es fast zu wenig Platz und viel zu wenige Toiletten. Wir waren komplett überfordert mit den Menschenmassen und kurzzeitig drohte die Stimmung wirklich zu kippen, - doch am Ende ist dann doch alles gutgegangen. Im Nachhinein waren wir sehr stolz auf unsere Ausstellung und das gesamte Event.

© Kurt Prinz

Die Fotografie wird ja oft als reines Abbildungs- und Dokumentationsmedium verrissen, aber du bist nicht einfach nur Fotograf, sondern auch Künstler. Bietet die Fotografie deiner Meinung nach besondere künstlerische Möglichkeiten?

Ja, ich finde, das die Fotografie ein extrem spannendes Medium ist, vor allem da sie so demokratisiert ist. Fast jeder Mensch macht Fotos! Zwar können diese auch nur der reinen Abbildung- und Dokumentation dienen, bieten aber für jede und jeden auch ungeahnte künstlerische Möglichkeiten. Gerade diese Kombination macht das Medium extrem interessant! Es ist gleichzeitig extrem simpel und pur, andererseits hochkomplex und mit unzähligen Metaebenen versehen.

Hast du in nächster Zukunft spannende Projekte geplant, auf die wir uns schon jetzt freuen dürfen?

Ja! Gemeinsam mit dem Autor Clemens Marschall arbeite ich schon seit ca. fünf Jahren an einem Buch, das gerade am Fertigwerden ist! Allzu viel möchte ich nicht verraten, außer dass es darin um Menschen geht, deren Hobby es ist, „Indianer“ zu sein.

© Kurt Prinz

Vielen Dank für das Interview, Kurt!

Wenn du noch mehr über die Arbeiten von Kurt Prinz erfahren möchtest, wirf einen Blick auf seine Website oder Instagram .

geschrieben von em-lisa am 2018-09-02 in #people #kurt-prinz

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