Urban Visions — Ein Interview mit Sergi García Gavaldà

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Genau so, wie der französische Fotograf Lucien Herve die Grenzen zwischen Humanismus und Architektur verwischte, verbinden Sergi García Gavaldàs monochrome Aufnahmen von Barcelona Straßenleben und Abstraktion. Die Schatten lauern und sind voller Mysterien, die Winkel sind spitz, geometrisch und gespickt mit gelegentlichen Hinweisen auf das Leben. Wir haben uns vor Kurzem mit Sergi getroffen, um mit ihm über seine erstaunlich einfachen Kompositionen zu sprechen.

Hallo Sergi! Willkommen im Lomography-Magazin! Zu allererst, wie läuft das Jahr 2018 für dich als Fotograf bisher so?

Ich mag es nicht, mich nur als Fotograf zu definieren, ich sage lieber, ich fotografiere. In der Welt der Fotografie gibt es eine Menge Leute, die sehr hart arbeiten und ich kann nur sagen, dass wir alle Glück haben, unser Leben so zu leben, wie wir wollen und tun zu können, was wir tun wollen.

Du fotografierst hauptsächlich draußen auf den Straßen. Kannst du uns sagen, was dein Interesse an dieser geometrischen Street-Fotografie geweckt hat?
 
Ich fing an, ohne irgendeinen Anspruch oder Absicht Street zu fotografieren. Mit der Zeit traf ich auf Fotografen mit einer Ästhetik, die sehr ähnlich zu dem ist, was ich heute mache. Ich war fasziniert und begann mit den Lichtern, Schatten und Formen zu experimentieren. Mit der Zeit lernt man die Welt auf eine abstrakte Weise zu sehen, die man zuvor nicht gesehen hat. Andererseits habe ich nie viel darüber nachgedacht, aber vielleicht ist es eine Reflexion meiner Persönlichkeit oder die einer Welt, wie ich sie mir wünsche: Einfach und klar.

Deine Bilder haben eine gewisse Ähnlichkeit mit denen des französischen Fotografen Lucien Herve, der häufig Straßenszenen mit der Anwesenheit einzelner Person in seinen Bildern kombinierte. Kannst du uns mehr über die menschlichen Silhouetten in deinen Fotos erzählen? Was symbolisieren sie?
 
Man sieht die Leute, die ich ablichte kaum. Es ist ein kleines Spiel, das mir dabei hilft, die Leute, die meine Fotos sehen mit einzubeziehen, jene die Fragen stellen, die sich in diesen Figuren widerspiegeln und so vom Zuschauer zum Protagonisten werden und schließlich werden sie selbst zu diesen Silhouetten. Wenn ich fotografiere, tue ich nicht so, als wolle ich etwas Bestimmtes erklären, sondern ich zeige, wie ich meine Realität sehe, und teile sie dann mit anderen.

Du hast erwähnt, dass die meisten deiner Bilder in deiner Heimatstadt Barcelona gemacht wurden. Kannst du uns ein paar Tipps und Tricks für die Street-Fotografie geben?

Ich habe mich selbst immer zwischen Street- und Architekturfotografie gesehen. Ich definiere mich nicht über das eine oder das andere. Die großen Städte sind mit Nachrichten und Informationen gesättigt, ich möchte eine einfache und direkte Idee geben, aber manchmal ist es kompliziert. Mein Rat: Wenn du spazieren gehst, stell dir alles, was du siehst bildlich vor. Gehst du auf den Markt, stell ihn dir bildlich vor, wenn du mit dem Hund raus gehst, stell es dir bildlich vor. 99% von dem, was du dir vorstellst, werden sich nicht lohnen, aber das eine Prozent, das übrig bleibt ... Bingo!

Wo sonst würdest du mit der gleichen Ästhetik Bilder machen, wenn du die Chance dazu hättest?
 
Ich muss unbedingt mal ins Niemeyer-Center in Asturien (Spanien). Ein Freund sagte einmal: "Das ist ein Ort, der von vielen Menschen fotografiert wurde, aber von jedem auf seine eigene Weise". Ich hoffe, bald mal dorthin zu kommen.

Bitte beschreibe einmal — Wie ist ein Tag im Leben von Sergio Gavaldà?
 
Mein Job, der mir Geld einbringt und es mir erlaubt Rechnungen zu bezahlen, ist es Kameras zu verkaufen. Ich arbeite in einem Fotogeschäft in Barcelona namens Foto K. Ich gehe in meiner Freizeit gerne raus und fotografiere, ohne mir Sorgen zu machen oder gestresst zu werden, ich konzentriere mich nur darauf, was ich fotografiere.
 
Was machst du sonst so in deiner Freizeit? Gibt es irgendwelche laufenden Projekte oder andere Pläne in der Zukunft?
 
Ich bin Teil eines Kollektivs namens Held Collective. Das ist eine Gruppe von Fotografen, die versucht, mit sozialen Gruppen zusammenzuarbeiten. Auch wenn das Ganze noch in den Kinderschuhen steckt, glaube ich, dass das funktionieren wird!


Besuche Sergi auf Instagram, um weitere Arbeiten von ihm zu sehen und schau auch einmal auf der Website des Held Collective vorbei.

geschrieben von Ciel Hernandez am 2018-05-29 in #people
übersetzt von dopa

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