Beginne bei dir selbst - Ein Interview mit Alana de Haan

Alana de Haan ist eine junge Fotografin voller Weisheit, die ihrem Alter weit voraus ist. Wir hatten das Glück, für unserem Magazin mit ihr zu sprechen und sie erklärte uns, dass Fotografie und Kunst aus dem Inneren kommen sollten. Alles muss irgendwo beginnen und wir können nicht anders, als ihr da zuzustimmen.

© Alana de Haan

Hallo, Alana! Willkommen zurück im Lomography-Magazine. Bitte erzähle uns etwas von dir.

Hallo, Lomography und Leserinnen! Mein Name ist Alana de Haan und ich bin eine begeisterte Film- und Digitalfotografin. Ich nenne Toronto, Kanada mein Zuhause. Seit meiner frühen Jugend war Fotografie immer mehr als nur ein persönliches Hobby. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass ich mich erst vor ein paar Jahren dazu entschlossen habe, mein Verständnis des Handwerks zu verfeinern und ein professionelles Wissen über die Kunst der Fotografie aufzubauen. Dadurch habe ich heute das Gefühl, dass ich echte Gelegenheiten nutzen und professionell für andere fotografieren kann. Nachdem ich heute eine bessere Sicht auf meine Erfahrungen habe, bin ich glücklich, sie als meinen Weg zu definieren, mein Selbstvertrauen hinter der Kamera aufzubauen und mich offen mit anderen auszutauschen und meine Arbeit zu präsentieren.

Wenn ich nicht gerade die Welt durch ein Objektiv erkunde, arbeite ich Vollzeit im Einzelhandelsdesign, wo ich Ladeneröffnungen und Entwicklungsprojekte in Einkaufszentren manage. Es ist ein aufregender Job, denn jeder Tag ist anders: An einem Tag bin ich auf einer Baustelle oder kontrolliere die Baupläne für ein neues Geschäft und am nächsten Tag treffe ich mich mit verschiedenen Designern und Führungskräften. Mein Job kann anspruchsvoll sein, daher ist die Fotografie für mich ein erfüllender kreativer Ausgleich.

© Alana de Haan

Wie würdest du Fotografie definieren?

Ich habe meine Kamera immer als ein Gerät gesehen, um ein visuelles Tagebuch zu führen. Sie ist eine Möglichkeit für mich, mich an Menschen, Orte und Ereignisse zu erinnern und diese einmaligen Momente festzuhalten, die einen tiefgreifenden Einfluss auf mein Leben haben. Das Beste an dieser Art von Tagebuch ist, dass man es mit der Welt teilen und eine visuelle Botschaft an andere weitergeben kann.

Was magst du am Fotografieren am liebsten?

Ich liebe alles daran, Fotos machen, sei es digital oder auf Film. Fotografieren gibt mir einen Grund Abenteuer zu erleben. Ich versuche immer, das Beste aus meinen Wochenenden zu machen, indem ich Foto-Ausflüge zu interessanten Orten innerhalb und außerhalb von Toronto plane. Ich recherchiere Orte und / oder Events, die großartige Motive liefern, und trommle Freunde zusammen, um schöne Tagesausflug daraus zu machen. Dies ist eine großartige Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken und etwas anderes zu fotografieren.

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Lass uns ein bisschen über deine Arbeit sprechen - wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?

Nach einem Jahrzehnt hinter der Kamera bin ich immer noch dabei meinen Stil zu definieren. Farbe ist ein wichtiges Thema bei meiner Arbeit. Es fasziniert mich immer wieder, besonders wenn ich mich zufällig in einer urbanen oder natürlichen Umgebung wiederfinde. Nachdem ich an der Uni Landschaftsarchitektur studiert habe, fotografiere ich sowohl gebaute Formen als auch natürliche Umgebungen aus einer speziellen Perspektive: Die Beobachtung und das Verständnis der Landschaft. Was meinen Stil bei der Nachbearbeitung betrifft, lasse ich meine Filmfotos unbearbeitet und bearbeite nur meine digitalen Bilder. Heute erfasse ich die Welt um mich herum so organisch wie möglich.

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Wer oder was würdest du sagen, war der größte Einfluss auf deine Arbeit?

Reisen, Bücher und soziale Medien haben meine Arbeit nachhaltig geprägt. Ich bin mit meiner Familie durch die Welt gereist und habe exotische Orte wie Südafrika, die Vereinten Arabischen Emirate und China besucht, wofür ich sehr dankbar bin. An der Universität machte ich bei einen studentischen Austauschprogramm mit und reiste nach Kopenhagen (Dänemark). Das war eine Erfahrung, die meinen persönlichen Stil prägte. Diese Auslandserfahrungen erlaubten mir, die Welt durch Fotografie zu verstehen.

Die sozialen Medien hatten auch einen großen Einfluss auf mein Wachstum. Vom Teilen meiner Fotos auf Flickr und Tumblr bis hin zu 500px und Instagram ist die Interaktion auf diesen Plattformen unerlässlich geworden. Die soziale Medien haben mir die Möglichkeit eröffnet, einflussreiche Künstler zu entdecken, neue Themen zu erkunden, meine Arbeit zu teilen und mit anderen Fotografen und Fotografinnen in Kontakt zu treten.

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Wir lieben die Vielfalt deiner analogen Fotos. Aber eine Sache, die wir wirklich genießen, ist der klare und frische Look. Ist das ein Stil, den du anstrebst?

Gestochen scharfe und klare Bilder sind eine Ästhetik, die ich besonders bei der analogen Fotografie liebe. Die Qualität meiner Filmscans ist mir jedoch nicht so wichtig wie der Prozess bei der Aufnahme auf Film. Meine Perspektive auf meine analoge Fotografie unterscheidet sich erheblich von der digitalen Fotografie. Als Perfektionistin hat mir Film geholfen, loszulassen, egal wie das Ergebnis ist. Bei Film geht es mir weniger um das "perfekte Bild" als bei meiner DSLR. Der Prozess ist sehr therapeutisch und eine gute Metapher für das Leben im Allgemeinen.

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Was hat dich dazu inspiriert, eine analoge Kamera zu nehmen und Fotos zu machen?

Während der High School spielte Tumblr eine wichtige Rolle, um mein Interesse an der Filmfotografie zu wecken und ich fühlte mich hauptsächlich von den analogen Fotos in meinem Feed angezogen. Damals, als ich meine neu entdeckte Leidenschaft erforschte, versuchte ich, mit meinen Digitalbildern, die Körnung und Farbabstufung dieser Filmfotos nachzuahmen, aber sie kamen den echten nie wirklich nahe. Film ist zeitlos. Ich kaufte meine erste Filmkamera, die Canon AE-1, bei eBay für nicht mehr als $ 25. Seitdem habe ich viele verschiedene analoge Kameras erworben, wie die Nikon L35AF, Canon Snappy 20, Holga 35 und die Fuji FZ Discovery 3000 Zoom Date. Heute verwende ich aber ausschließlich die Canon A-1 meines Onkels.

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Was ist dein Lieblingsmotiv beim Fotografieren?

Bebaute und natürliche Landschaften.

Gibt es Pläne, dich auf ein bestimmtes Gebiet der Fotografie zu konzentrieren?

Mein Fokus verlagert sich in Richtung Portrait-Fotografie, in Bezug auf Studiobeleuchtung und der Präsentation meiner Motive. Ich bin nicht damit vertraut, Objekte vor der Kamera zu dirigieren, da ich es gewohnt bin, natürlich vorkommende Motive zu fotografieren. Außerdem möchte ich mich darauf konzentrieren, Fotoserien mit bestimmten Themen, die mich interessieren, zu machen.

Was lässt dich auf den Auslöser drücken?

Es ist schwierig zu sagen, was in diesem Moment passiert, der mich auf den Auslöser drücken lässt. Es ist ein instinktives Gefühl, von dem alle Fotografen sicher ausgehen, dass wir den perfekten Moment erahnen können.

Was ist dein Lieblingsfoto? Kannst du uns die Geschichte dazu erzählen?

Eines meiner Lieblingsfotos, das ich gemacht habe, ist von meinem Partner, der von hinten von der Sommersonne angestrahlt wird. Ich halte es für das perfekte Porträt von ihm, in dem seine Gesichtszüge vom Nachmittagslicht bis zu dem Punkt verblasst sind, an dem man sie nur noch erahnen kann. Dieses Porträt spiegelt seine stille, kamerascheue und introvertierte Persönlichkeit wider. Das Foto wurde mit Kodak Tri-X 400 gemacht, was ihm in Verbindung mit dem einzigartigen Licht der Szene eine ätherische Qualität gab.

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Wenn du irgendwo in der Welt irgendein Motiv fotografieren könntest, wo oder was/wer wäre das und warum?

Mit meiner Vorliebe, meine Umgebungen einzufangen, scheinen Japans Metropolen dynamisch und in Bewegung zu sein und verkörpern dadurch eine einzigartige Möglichkeiten für die Fotografie. Als jemand, der Abenteuer und Entdeckung als Teil des fotografischen Ansatzes schätzt, ist meine Vorstellung von einer Stadt wie Tokio, dass es hinter jeder Ecke eine neue Perspektive geben würde.

Japans urbane Strukturen wirken so kompliziert und weitläufig, dass man sich auf einen fotografischen Spaziergang begibt und ständig neue Wege beschreitet oder neue Perspektiven durch die Linse entdeckt. Ich vergleiche das mit Toronto, wo es immer mehr Fotografen und Fotografinnen und eine urbane Leinwand gibt, die sich nicht unbedingt "weiterentwickelt". Hier werden einzigartige Momente im Laufe der Zeit seltener, was zu einem "Who-shot-it-better" -Szenario führt.

Definiere deinen Stil in 5 Worten.

Die Erfahrung bunter Momente einzufangen.

Die Arbeiten welcher Künstler und Künstlerinnen verfolgst du regelmäßig?

Einige meiner Lieblingsfotografen und Lieblingsfotografinnen auf Instagram sind Jesse Pafundi ( @grainandgrit ), Robert Christopher King ( @gregoireterrier ), Eric Sorensen ( @esorensenphotography ), Eric J. Leffler ( @ej.leff ) und Lauren Schaubach ( @lau_bach ).

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Welchen Rat würdest du angehenden Fotografinnen und Kreativen geben?

Mein Rat wäre, sich daran zu erinnern, was einen dazu bewegt hat, überhaupt eine Kamera in die Hand zu nehmen: Man macht es für sich selbst. Genießt euer Handwerk, ohne eure Arbeit mit anderen zu vergleichen und denkt daran, dass Erfolg ein Ergebnis aber nicht das Produkt der Fotografie sein kann. Fangt an, euch auf das Wachstum als Fotografin zu konzentrieren. Überlegt nicht: "Was kann ich tun, um beliebt zu sein?", und der Erfolg wird folgen.

© Alana de Haan

Ist die Kameraausrüstung wichtig, wenn es um kreative Inhalte geht?

Nicht unbedingt. Ich glaube, man kann mit der einfachsten Ausrüstung wunderschöne Bilder machen, aber das heißt nicht, dass eine bessere Ausrüstung nicht dabei helfen würde. Einige meiner Lieblingsbilder stammen von meiner Nikon L35AF, die ich für nur 5 Dollar in einem Vintage-Laden gekauft habe. Einer der besten Aspekte der Filmfotografie besteht darin, dass mehr oder weniger alle auf dem gleichen Niveau sind, weil die Bilder im Großen und Ganzen nur von Kreativität und Talent abhängig sind. Bei der digitalen Fotografie wird es immer eine bessere Ausrüstung geben, die sich in der Regel auf die Bildqualität auswirkt, aber auch nur, wenn man weiß, wie man das volle Potenzial ausschöpfen kann. Heute, wo die Technologie auf dem Niveau von 4K- und Retina-Displays (und darüber hinaus) ist, sind die Menschen empfindlicher geworden, was die Auflösung angeht. Erst als ich zu einer Vollformat-DSLR aufrüstet hatte, fiel mir dieser Unterschied in der Bildqualität wirklich auf.

Was war der denkwürdigste Rat, den du in deiner Karriere als Künstlerin je erhalten hast?

Vor kurzem habe ich an einem Diskussionsrunde teilgenommen, die von weiblichen Fotografen aus Toronto veranstaltet wurde, und der Ratschlag, der bei mir hängen geblieben ist, war: "Arbeite nicht umsonst." Den Fehler hab ich als Freelancerin oft genug gemacht und meine Zeit nicht ausreichend zu schätzen gewusst. Am Ende ist man nur verärgert, überlastet und hat nichts vorzuweisen. Das Verständnis für den eigenen Wert braucht Zeit und Selbstvertrauen, ist aber eine äußerst wichtige Fähigkeit, um sich eine Karriere in der Kunst aufzubauen.

© Alana de Haan

Was ist deiner Meinung nach wichtiger - Talent oder erlernte Fähigkeiten?

Talent ist wichtig, um wahrgenommen zu werden und an Zugkraft zu gewinnen, aber Fähigkeiten sind entscheidend, um Ergebnisse zu liefern und deine Arbeit zu verbessern. Fähigkeiten können auch von Vorteil sein, wenn man die Komplexität der gesamten Technologie betrachten, die für Fotografen in den Bildherstellungsprozess einfließt.

Wie sieht ein perfekter Tag für Alana de Haan aus?

Es gibt viele Details, die meinen perfekten Tag ausmachen würden, aber die drei wichtigsten Kriterien wären: die Möglichkeit, irgendwo ein Abenteuer zu erleben, den ganzen Tag perfektes Licht zu haben und meine Kamera, die bereit ist, alles festzuhalten.

© Alana de Haan

Was steht als nächstes für dich an?

In diesem Jahr hoffe ich, neue Projekte zu beginnen und Gelegenheiten zu bekommen, die zu meinem Wachstum in der Fotografie beitragen können. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Personen und Unternehmen ist mir wichtig, da das immer die Möglichkeit bietet, von anderen zu lernen. Außerdem möchte ich mir eine Pentax 6x7 holen und anfangen, Mittelformat zu verschießen!

Irgendwelche letzten Worte für unsere Leser und Leserinnen?

Ich wiederhole, was ich vorher gesagt habe: Denkt immer daran, warum ihr die Fotografie liebt. Es geht um euch. Sie ist eure persönliche Ausdrucksebene und äußere Einflüsse sollten das nicht ändern. Konzentriert euch darauf, die Momente des Lebens einzufangen, anstatt sie erschaffen zu wollen.


Wenn ihr an weiteren von Alanas Arbeiten interessiert seid, besucht ihre Website und folgt ihr auf Instagram.

2018-05-22 #people
übersetzt von dopa

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