Ein kleines Weitwinkel-Wunder: Die New Russar+ 20/5.6 Art-Lens

Bestimmt hast du schon von der New Russar+ Art Lens von Lomography gehört: 20 mm f/5.6 für M39- und M-Mount-Kameras. Soweit so gut. Doch die New Russar+ Art Lens (und ihr historisches Vorbild, das Руссар МР2) gehört zu der Art Objektive, die nicht sonderlich spektakulär aussehen, wenn man nur nach ihren technischen Daten geht, aber zu begeistern wissen, wenn man mal genauer hinsieht.

Damit reiht es sich perfekt in Lomographys Art-Lens-Serie ein und vermag mutige Lomographen zu verzaubern. Mit einer Brennweite von 20 mm gehört das New Russar+ zu den Weitwinkelobjektiven. Es ist nicht ganz so weitwinklig wie das 17 mm f/4 Minigon 1 der LOMO LC-Wide und mit einer Lichtstärke von f/5.6 ist es zudem eine Blendenstufe lichtschwächer. Besitzer und Besitzerinnen der LOMO LC-A+ können die Wide-Angle-Lens nutzen und die New Russar+ mit 20 mm und f/2.8 zumindest auf dem Papier alt aussehen lassen.

Voigtländer Bessa R & Lomo LC-A+ mit Wide-Angel Lens

Der Zauber des New Russar+ liegt tatsächlich woanders und lässt sich nicht in in Brennweite und Lichtstärke ausdrücken. Vielmehr ist es das kleine Wörtchen „rektelinear“. Rektelineare Objektive wie das New Russat+ haben ausgesprochen wenig Verzeichnung und zeigen darum Linien im Bild richtig an. Weitwinkel- und erst recht Superweitwinkel-Objektive neigen üblicherweise zur sogenannten Tonnen-Verzeichnung (englisch „Barrel distortion“). Dabei werden Elemente an den Bildrändern stark verkleinert und Linien werden stark gekrümmt. Ein extremes Beispiel dafür ist die kreisrunde Verzeichnung eines Fisheye-Objektivs. Beim New Russar+ wird diese Verzeichnung zu Ungunsten der Lichtstärke vermieden. Technisch möglich ist dies durch die stark konvex-gebogenen Front- und Rück-Elemente der Konstruktion aus 6 Linsen in 4 Gruppen und dem geringen Abstand der hintersten Linse zum Film.

Objektiv-Design des Руссар МР2 / Vorlage für das New Russar+

Diese Bauart hat aber noch zwei weitere Vorteile: Sie ist sehr kompakt und gibt der Kamera, mit der man es nutzt, ein sehr schmales Profil. So passt die Kamera dann auch mit Objektiv in die Hosentasche. Außerdem liefert die Konstruktion aufgrund ihrer relativ geringen Zahl an Glaselementen ein Bild mit hohem Kontrast und sehr großer Schärfentiefe. Doch wo Licht ist, ist natürlich auch Schatte und wenn man über Vignettierung spricht, erst recht. Doch zum Glück weiß keiner solche “Mängel” so kreativ zu nutzen, wie wir Lomographen und Lomographinnen.

Nutzt man das Objektiv in f/5.6 kann diese Randabschattung sehr deutlich werden und auch die Schärfe ist nicht von Rand zu Rand gegeben, sondern fällt abseits der Bildmitte ebenfalls deutlich ab. Außerdem ist die Bildmitte nicht sonderlich scharf. Auf f/8 abzublenden reduziert beide Probleme, aber aufgrund der geringen Brennweite bleibt dennoch ein natürlicher, mittenbetonender Randlichtabfall, der besonders dann auffällt, wenn man gleichmäßige Flächen fotografiert. Digitalfotografen und -fotografinnen, die das New Russar+ adaptiert nutzen, müssen zudem mit einer Farbverschiebung ins Violette an den Rändern leben, da das Licht in einem Winkel in die Kamera fällt, der für viele Kamerasensoren zu stumpf ist. Film hingegen hat dieses Problem nicht.

Ein Objektiv, das so weitwinklig ist wie das New Russar+, profitiert deutlich von der Vergütung, die dem Remake gegönnt wurde, denn bei dem großen Aufnahmewinkel hat man sehr schnell die Sonne mit im Bild. Zwar kann man den Lens Flares dann kaum entgehen, doch wer es wagt, ein bisschen zu experimentieren, kann auch diese kreativ nutzen. Das, was bei der Nutzung von so weitwinkligen Objektive eine wahre Herausforderung darstellt, ist, den Bildausschnitt zu füllen. Da hilft nur eins: Geh nah ran! Leider gehört zum New Russar+ keinen passenden Aufsteck-Sucher, wer möchte, kann aber den der Wide-Angle-Lens der LC-A+ nutzen. Ein Objektiv wie das New Russar+ läd aber ohnehin zum Schuss aus der Hüfte ein, findest du nicht? Unterm Strich ist die New Russar+ Art-Lens, ein Objektiv, dessen Qualitäten erst deutlich werden, wenn man es selbst ausprobiert hat!

geschrieben von dopa am 2018-05-25 in #gear #m39 #art-lens #russar

Erwähntes Produkt

New Russar+ Art Lens

New Russar+ Art Lens

Die Russar+ ist eine Neuauflage des innovativen Weitwinkelobjektivs Russar aus 1958. Dank einer modifizierten Konstruktion des Objektivtubus ist die neue Russar+ kompatibel mit analogen L39 und M-Bajonett Kameras, spigellosen Digitalkameras, und vielen weiteren Modellen bei Verwendung von Adaptern.

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