Ein Blick hinter die Kulissen des Times Square mit LomoAmigo Vincent Pflieger

2017-12-20

Vincent Pflieger ist ein Fotograf aus Paris, der New York vor zwei Jahren durch die Linse seiner Kamera entdeckt hat. Für die meisten New Yorker gibt es zwei Orte, die die Hölle auf Erden sind: Penn Station und den Times Square. Als Fotograf entdeckte Vincent Pflieger die Schönheit des Letzteren. An einem so surrealen Ort, an dem Tag und Nacht Millionen von Touristen die schillernden Anzeigetafeln bestaunen, blickt Vincent hinter die Kulissen des täglichen Treibens auf dem Times Square.

In dieser Reihe, die er mit der Diana F+ gemacht hat, gelang es ihm, die seltsame, einzigartige Schönheit des Times Square, einem Ort zwischen Faszination und Wahnsinn, einzufangen.

Credits: Vincent Pflieger

Hallo Vincent, willkommen im Lomography-Magazine. Bitte stell dich unseren Lesern vor.

Ich bin ein 27-jähriger Filmfotograf, geboren und aufgewachsen in Paris, wo ich 25 Jahre gelebt habe. Ich bin vor zweieinhalb Jahren nach New York gezogen und arbeite jetzt als Food-Fotograf. Seit ich in NYC arbeite, hatte ich die Gelegenheit, meine Arbeiten in Magazinen wie der Vice, Fubiz oder iGnant zu zeigen.

Was hat dich in die Staaten verschlagen?

Ich kam her, um mein Journalismus-Studium zu beenden und machte meinen Abschluss in Journalismus und Medienanalyse an der NYIT (New York Institute of Technology). Danach hatte ich die Wahl zwischen einem weiteren Arbeitsjahr oder der Rückkehr nach Paris. Ich entschied mich zu bleiben und als Fotograf in der Firma eines Freundes zu arbeiten, der eine Designagentur in Paris und NYC gründet hatte. Doch NYC ist wie ein schwarzes Loch und es ist schwer, wieder von hier weg zu kommen, wenn man einmal angekommen ist. Die Chancen, die diese Stadt zu bieten hat, sind endlos, wenn man offen für sie ist. Das klingt zwar ein wenig wie ein Klischee, aber es stimmt.

Du hast eine Foto-Serie am Times Square geschossen, einem Ort, den die Leute entweder lieben oder hassen! Was denkst du über dieses verrückte Fleckchen und warum hast du dich dafür entschieden, deine Fotos genau dort zu machen?

Ich verstehe diese gemischten Gefühle diesen Ort betreffend. Wenn man ein New Yorker ist, ist es definitiv nicht die Gegend, in der man sich mit Freunden treffen würde oder zu einem Date geht. Außerdem ist es ein absoluter Albtraum, durch dieses Durcheinander zu kommen, wenn man zwischen zwei Vierteln pendelt! Aber für einen Fotografen ist der Times Square sehr ergiebig, voller Momenten und Gesichter, die einen inspirieren. Es ist einer dieser seltenen Orte in New York, an denen man so viele verschiedene Menschen treffen kann. 99% der Leute dort sind Touristen aus der ganzen Welt und es ist immer lustig zu sehen, wie die Leute reagieren, wenn sie endlich diesen berühmten Ort erreichen. Es ist aber immer ein Kampf, nicht von der Menge erdrückt zu werden. Das Geheimnis besteht darin, geduldig zu bleiben. Man ist doch hier, um zu beobachten, also nimmt man sich Zeit!

Credits: Vincent Pflieger

Dies ist wahrscheinlich einer der am meist fotografierten Orte der Welt, aber ich ziehe es vor, Bilder von den Touristen zu machen, statt all diese schillernden Werbetafeln zu fotografieren. Außerdem ist hier immer Showtime. Die meisten Straßenkünstler zeigen genau das, was man an jedem anderen touristisch geprägten Ort der Welt auch findet. Aber es gibt auch Leute, die verschiedene Sachen ausprobieren, Breakdance zum Beispiel. Es gibt immer irgendeine interessante Performance oder verrückte KünstlerIn zu sehen, wenn man zur richtigen Zeit kommt. Ich wollte immer schon eine Serie über den Times Square machen, die das Leben und die Straßenkünstler, die dort jeden Tag auftreten, dokumentiert, aber auch all die Imitatoren, die Demonstranten und die Obdachlosen. Der nackte Cowboy ist wahrscheinlich die kultigste Figur des Times Square.

Welcher Gedanke kam dir in den Sinn, als du das erste Mal am Times Square warst?

Was zur Hölle mache ich hier? (haha)

Denn dieser Ort gilt in NYC wirklich als Hölle. Doch um ehrlich zu sein, muss ich zugeben, dass ich ziemlich erstaunt war. Ich war ungefähr 10 Jahre alt, als ich das erste Mal nach NYC kam und mit den Augen eines Kindes war der Time Square eine einzigartige Attraktion, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Heute sehe ich den gleichen Ausdruck in den Augen der Kinder um mich herum. All diese Lichter und unverhältnismäßig großen Werbetafeln hypnotisieren sie. Die Shops von Disney und M&M's tragen aber auch dazu bei, glaube ich. Du magst ihn hassen oder lieben, aber dieser Ort ist ziemlich beeindruckend!

Credits: Vincent Pflieger

Welche Kamera hast du benutzt?

Ich habe eine Diana F+ und einige Rollen Lomo-Film benutzt. Und ich muss sagen, dass es beim ersten Mal nicht einfach war, eine solche Kamera zu benutzen. Ich muss sogar gestehen, dass ich die erste Rolle völlig vermasselt und unterbelichtet habe. Aber sie ist immer trotzdem eine interessante Kamera. Obwohl sie wie ein Spielzeug aussieht, war ich sehr von der Qualität der Bilder überrascht. Ich habe vorher nie im quadratischen Format fotografiert, also war es ganz nett das mal ausprobieren zu können. Es verändert die Art, wie man sein Bild komponiert.

Hast du irgendwelche verrückten Times Square Erlebnisse/Stories?

Ich habe viele, hier passiert immer etwas. Ich sah wie Spiderman verhaftet wurde und wie Mickey Maus auf dem Bürgersteig Kette rauchte ... Aber die wichtigsten Momente sind die, in denen man sich mit den Stammgästen verbindet. Manche Leute sind einfach immer hier, wie zum Beispiel John mit seinem Hund Lucy. Ich gehe immer sicher, dass ich ihnen jedes Mal, wenn ich zum Times Square komme, Cheeseburger von MacDonald's mitbringe. Ich habe ein Foto von Lucy in dieser Foto-Serie, sie ist wirklich süß und schick mit ihrer Brille. Aber vorsichtig, sie wird wütend, wenn du ihr Herrchen berührst! Deshalb schüttle ich nie Johns Hand, wenn ich hallo sage.

Credit: Vincent Pflieger

Welches ist dein Lieblingsbild dieser Serie und warum?

Ich mag das vom Krümmelmonster , das eine Pause macht und zu Mittag isst. Wenn die Darsteller ihre großen Köpfe abnehmen, sieht man, das letztendlich auch nur Menschen dahinter stecken. Der Kontrast fällt besonders dann auf, wenn man die reale Person hinter der Maske und die Rolle, die sie spielen, sieht. Es ist ein harter Job, auf dem Times Square Kinder zu unterhalten. Die wenigsten Leute geben Geld, auch wenn Schilder sie dazu ermutigen sollen.

Aus der Sicht eines Fotografen: Was sind die größten Unterschiede zwischen Paris und NYC?

Es ist schwer, das genau zu sagen ... es ist ein Gefühl, eine Stimmung. NYC ist absolut einzigartig. Es gibt keinen anderen Ort wie diesen. Es ist ein Reagenzglas, in dem alle zusammen existieren. Es ist schwierig, es mit Paris zu vergleichen, das insbesondere wegen seiner Monumente und Architektur schön ist. New York ist aufgeschlossener und die Leute haben keine Angst, ihren Stil zu zeigen. Sie sind stolz darauf, wer sie sind. Ich mag diese Einstellung und es ist auch sehr interessant, eine solche Vielfalt zu fotografieren, die man in Paris nicht finden kann.

Was gefällt dir besonders an der Street-Fotografie?

Ich wollte mit meinen Filmen etwas Besonderes machen und meinen Alltag dokumentieren. Ich fing an, in der U-Bahn zu fotografieren. Das ist ein unglaublicher Ort, auch wenn das eigentlich keine Straßenfotografie ist. Ich habe es immer geliebt, zu beobachten, was die Leute machen, wenn sie sich in öffentlichen Verkehrsmitteln langweilen oder wie sie sich auf der Straße verhalten. Ich suche nach interessanten Charakteren und Gesichtern. Ich glaube, ich wollte diese Momente einfach so einfangen, wie ich sie erlebt habe. Ein Foto lässt sie die Ewigkeit überdauern.

Credits: Vincent Pflieger

Wie hast du deine Leidenschaft für Fotografie entdeckt?

Ich habe sie zufällig entdeckt. Meine Leidenschaft für die Fotografie begann, als mein Vater mir seine alte Kamera, eine Yashica FX-D, gab, die er als Kind benutzte. Es war tatsächlich dieselbe Kamera, die meine ersten Schritte als Kind aufgenommen hatte. Dann gab mir eine Freundin ein paar Filme, die ihre Eltern nicht mehr brauchten, und ich fing an zu fotografieren. Ich habe es sofort geliebt. Früher habe ich auch ein wenig digital fotografiert, aber nichts Ernstes. Ich habe meine Leidenschaft für die Fotografie tatsächlich erst entdeckt, als ich eine Filmkamera ausprobierte. Dann wurde mir bewusst, dass ich meine Filme nicht versauen durfte, weil es andere Kosten verursacht als die digitale Fotografie. Mit 35mm hat man 24 oder 36 Bilder, also habe ich mir Zeit gelassen und mich gezwungen, nur Bilder zu machen, wenn ich mir sicher bin. Es hat mich gelehrt, sehr genau zu sein, was ich fotografiere und es ist auch ein guter Weg, Fotografie zu lernen, da die meisten Apparate völlig manuell sind. So erlernte ich die Fotografie und kam damit auf die Straße. Alles dank der Filmfotografie.

Hast du noch irgendwelche letzten Worte an die Community oder Ratschläge für junge Fotografen?

Das Wichtigste ist, dass man nie aufhört zu fotografieren. Hab immer eine Kamera bei dir, verwende also möglichst eine Kompakt-Kamera, wenn du dich nicht von der Größe stören möchtest. Jedesmal, wenn ich ohne meine Kamera unterwegs bin, bereue ich es zutiefst und verpasse viele Gelegenheiten. Und natürlich, wenn ihr auf Film fotografierst, würde ich sagen, nehmt euch Zeit!


Wirf auf Vincents Website einen Blick auf seine Arbeiten, oder folge ihm auf Instagram und Facebook.

geschrieben von birgitbuchart am 2017-12-20 in #people #places
übersetzt von dopa

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