Szenen eines Traumes: Ein Interview mit Ignacio Kirby

2017-11-22

Der Analogfotograf Ignacio Kirby beschreibt seine Arbeit als "Abbildungen des Unterbewussten". Mit seinem meisterhaften Gebrauch von Doppelbelichtungen verwandelt er die Realität in wage, verträumte Szenen. Blumen und weibliche Körper verbinden sich und das Vertraute erscheint transzendent. In seinem surrealen Stil gibt es keine Fehler, nur glückliche Zufälle.

Hallo Ignacio! Willkommen im Lomography Magazin. Bitte erzähl uns etwas von dir und deiner Arbeit.
Ich bin 27 und Vater eines kleinen, siebenjährigen Mädchens. Ich bin Fotograf und fotografiere den alchemistischen Alltag.

Ich lebe in San Juan (in den Bergen), weit entfernt vom Lomography Embassy Store in Buenos Aires. Ich habe eine Holga, eine Fisheye und einen Spinner 360°. Außerdem liebe ich den Lomography Color Negative F²/400 (für den Tag) und den Lomography Color Negative 800 (für die Nacht). Für meine Arbeit sind diese einfach am besten geeignet. Es ist für mich sehr schwierig, an Film zu kommen, da ich sie in Buenos Aires kaufen muss und sie inzwischen viel teuer geworden sind. Die wirtschaftliche Situation in Argentinien ist im Moment leider sehr schwierig.

Trotzdem habe ich nicht aufgehört 100% meiner Zeit zu investieren. Mit ein paar Freunden bin ich Inhaber eines kleinen Fotoladens. Es gibt uns schon seit drei Jahren und seit einem Jahr gehört uns auch das Ladenlokal. Unsere Produkte sind handgemacht und umfassen fantastische Fotoalben, Bildbände und Abzüge in allen klassischen Bildformaten. Wir wachsen konstant, was wir unserer harten Arbeit zu verdanken haben.

Außerdem bieten wir auch Hochzeitsfotos, die ausschließlich auf Film geschossen werden, sowie Videographie und Instant-Fotografie für Veranstaltungen an.

Und ich habe gerade die Arbeit an drei Büchern beendet, die ich in Kürze veröffentlichen werde. Eines handelt von meiner Vorstellung von Lilith, das andere von Musikfotografie und das letzte ist voller Abbildungen meines Unterbewusstseins.

Wann hast du angefangen, dich selbst als Fotograf zu sehen?
Meine ersten Bilder habe ich für Freunde und meine Tochter gemacht. Das war etwas, das sich nicht wie Arbeit anfühlte. Auch wenn ich heute als Fotograf arbeite, finde ich es schwer, mich als solchen zu fühlen. Irgendwann habe ich erkannt, dass ich mich weniger als Fotograf sehe und mehr als Kommunikator, als Vermittler und neugierigen Beobachter. Meine Arbeit ist die eines Alchemisten, der das Flüchtige in Materie verwandelt, das Immaterielle konkret werden lässt.

Wenn du dir eine Rubrik ausdenken dürftest, die nur deine Bilder umfassen würde, wie würdest du sie nennen?
Abbilder des Unbewussten. Klingt ein bisschen nach Surrealismus, oder?

Woher beziehst du deine Inspiration?
Das Experimentieren inspiriert mich am meisten. Aber auch Musiker, Maler, Fotografen, Poeten und Leute, die nicht in eine Kategorie passen, oder in ein Genre. Leute, die es gewohnt sind, sich immer wieder selbst neu zu erfinden und sich dabei eines Mixes dieser Kunstformen zu bedienen. Mit anderen Worten die Verrückten: Omar Rodriguez Lopez, Chris Marker, Alejandro Jodorowsky, John Frusciante, um nur ein paar Namen zu nennen.

Du konzentrierst dich vor allem auf Portraits. Macht dir das Fotografieren von Personen mehr Spaß als das Fotografieren anderer Motive?
Mich fasziniert es, Menschen bei allen möglichen Aktivitäten zu beobachten, egal ob alltäglich oder außergewöhnlich.

Deine Werke bedienen sich experimentellen Techniken, vor allem der Doppelbelichtung. Welche Rolle spielt dies bei der Umsetzung deiner Visionen in Fotografien?
Die Doppelbelichtung ist eine Technik, die ich liebe. Sie hilft mir dabei Ideen oder Gefühle umzusetzen. Ich denke an Texturen, Farben, Gefühle und versuche sie dann in das Bild zu integrieren.

Wie planst du deine Shootings? Ziehst du es vor vorher eine Vorstellung vom fertigen Bild zu haben, oder bist du eher der spontane Typ, der sich vor Ort inspirieren lässt?
Zuerst ensteht das Bild im Kopf und dann auf Film. Aber manchmal mag ich es auch, mit einem Konzept den ganzen Film zu verschießen, zurück zu spulen und mit einer anderen Idee im Sinn noch einmal etwas anderes zu fotografieren. Diese absolute Zufälligkeit ergibt manchmal die besten Szenen.

Hast du ein Lieblingsbild, das du gemacht hast? Was macht es so besonders?
Das beste Bild ist immer das nächste, das man macht -- das wusste schon Cartier-Bresson! Aber im Ernst, dieses Bild, das ich von meiner Tochter gemacht habe, ist mein Lieblingsbild. Die Ausgewogenheit und die Klarheit ihreres Staunens hypnotisiert mich. Sie ist ein wahrer Lehrmeister.

Gibt es irgendwelche Künstler, zu denen du aufsiehst?
Ich habe schon ein paar renommierte Künstler genannt, aber ich würde gerne noch ein paar andere nennen, die ich bewundere und deren Arbeit ich verfolge:

Edie Sunday, Ellen Rogers, Samantha Muljat, Ryan Muirhead, Fer Juaristi, Neil Krug, Adi Putra, Polina Washington und Gus Cortes.

Irgendwelche Worte zum Abschluss?
Schränkt euch nicht selbst mit irgendwelchen Formeln, Kategorien, Lehrmeinungen, Theorien oder Trends ein. Versucht mit dem, was ihr zur Verfügung habt, auszudrücken, was ihr fühlt. Ihr seid bereits alles, was ihr sein wollt.


Alle Bilder für diesen Artikel wurden Lomography von Ignacio Kirby zur Verfügung gestellt und werden mit seiner Zustimmung genutzt. Besuche Ignacio auf Instagram, um noch mehr von seinen Bildern zu sehen.

geschrieben von Eunice Abique am 2017-11-22 in #people

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