Von Hochzeiten, Reisen und der Petzval 85 Art Lens: Im Gespräch mit Michael Fiukowski

2017-06-02

Michael Fiukowski ist ein auf Hochzeiten spezialisierter Fotograf, der ursprünglich aus der wunderschönen Altmark Sachsen-Anhalts kommt und seit 2016 in Berlin wohnt. Mit seinen 29 Jahren reist er so viel wie möglich umher, ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto. Er selber sieht sich als ein aufgeschlossener und wissbegieriger Mensch, der den Moment lebt und ihn auch auf fotografische Weise interpretiert. Seine Erfahrungen teilt er auf verschiedenen Kanälen, sei es auf seiner Website oder auf den bekanntesten Sozialen Netzwerken. Er versucht zu inspirieren, zu motivieren und Dinge zu wagen, die er selber nicht für möglich gehalten hätte, bis er sie getan und geschafft hat. Die schönsten Momente bleiben für ihn immer und ein Leben lang in Erinnerung.

Fotos von Michael Fiukowski mit der Petzval 85 Art Lens

Eine Frage zum Aufwärmen: Wie bist du zur Fotografie gekommen und wann war für dich klar, dass du sie zum Beruf machen würdest?

Für mich eigentlich unüblich, hatte ich mich damals von der Werbung eines Kameraherstellers extrem in den Bann ziehen lassen. Verschiedene Menschen flogen zu den schönsten Orten, nahmen die Kamera mit und drückten ab. Das könnte 2007 gewesen sein. Ich hatte damals einfach den Drang verspürt, etwas Neues zu machen. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Ich könnte niemals auf einer Stelle stehen bleiben.

Ich fing, wahrscheinlich wie die meisten, unerfahren an, probierte mich, wenn ich die Zeit hatte, an der Kamera aus und machte in der Anfangszeit mindestens 100 Bilder am Tag. Fotografie ist aus jetziger Sicht schon immer meine Berufung gewesen. Es gibt auch noch viele andere Sachen, die ich als Berufung sehe. Den Begriff Beruf sehe ich generell eher kritisch, da Beruf meistens bedeutet, dass man damit Geld verdienen „muss“, auch wenn man es gar nicht so unbedingt will, nur um sich über Wasser zu halten. Da ich bei einigen Fotografen immer mal wieder auf Hochzeiten assistieren durfte und es mir eine dermaßen große Freude bereitete, fokussierte ich mich zusehends immer mehr auf die Hochzeitsfotografie.

Fotos von Michael Fiukowski

Du fotografierst viele Hochzeiten. Welche Tipps würdest du angehenden FotografInnen geben, wenn es darum geht diese ganz besonderen Momente einzufangen?

Wie es auch bei mir war, würde ich angehenden Hochzeitsfotografen/innen empfehlen, fürs Erste zu assistieren. Man hat keinen sonderlichen Druck, dass man wichtige Fotos wie Gruppenbilder, Paarfotos usw. machen braucht, sondern kann sich gezielt leiten lassen. Man sieht spezielle Details besser, wenn man anfangs als zweite/r Fotograf/in agiert. Mir hat es wirklich sehr geholfen. Man bekommt dann mit der Anzahl der Hochzeiten auch immer mehr Ruhe in sich hinein. Klar, gibt es immer wieder die innere Aufregung, denn es ist auch für den Fotografen selbst ein ganz besonderer Tag. Ich habe jetzt absichtlich das Wort Routine vermieden, weil routinierte Arbeit zwar das professionelle Verhalten steigert, aber man rostet auch ein. Das habe ich in meinen Augen gut vermeiden können, da ich immer wieder an einer anderen Location bin, die einen zu neuen Bildern inspiriert. Man sollte jedoch jede Hochzeit wertschätzen, denn nicht jedes Paar kann sich eine Hochzeit auf den Seychellen leisten. Schließlich geht es an diesem Tag um „den“ Tag und man gibt sich Mühe, obgleich auf den Seychellen oder auf dem Dorf Schmölln in der Uckermark.

Du schreibst auf deiner Website, dass dir bei der Bildbearbeitung die Farbanpassung das wichtigste ist und du dich darin sogar Stunden lang verlieren kannst. Warum nehmen Farben bei dir so einen hohen Stellenwert ein?

Das mit den Farben ist in der Tat Segen und Fluch zugleich. Einerseits will man seinen eigenen Stil in das Foto mit einbringen, will das das Foto lebendig und charakteristisch wirkt, womit ich, wie du schon sagst, Stunden verbringen könnte. Andererseits läuft man Gefahr, dass man sich zu lange damit beschäftigt, so dass das Bild zu verfälscht wird, einem im selben Augenblick noch gefällt und 2 Jahre später denkt man sich: „Oh mein Gott, was habe ich denn da fabriziert.“
Zumindest, wenn man nicht Schwarz-Weiß fotografiert, dann ist es für mich in der Prioritätenliste auf Platz 2, nach dem Licht auf Platz 1. Die Farben sind für mich das Wichtigste und ja, ich kenne genügend Fotografen, die die Farbe Grün hassen und es lieber ins Bläuliche ziehen oder ganz entsättigen. Einen genauen, subjektiven Grund kann ich so aber gar nicht nennen, warum Farben für mich wichtig sind. Es hat keinen spirituellen, sondern eher einen pragmatischen Hintergrund. Nun will ich aber zu meinen eigenen Unmut sagen, dass auch ich teilweise dazu verkommen bin, die sogenannten VSCO-Filter zu benutzen. Viele sehen halt einfach gut aus und sind schnell anwendbar. Oftmals nehme ich sie als primäre Grundlage und optimiere ja dennoch weiter. In den letzten Jahren lässt sich deswegen aber leider immer weniger sagen: „Das Bild kommt hundert pro von dem Fotografen XY“ – Da gibt es aus meinem begrenzten Wissen heraus nur noch wenige, die Stilbildend sind, ja schon fast einzigartig.

Fotos von Michael Fiukowski mit der Petzval 85 Art Lens

Kannst du uns etwas über deine Shootings mit der Petzval 85 Art Lens erzählen?

Petzval-Shootings sind immer etwas gleichermaßen Besonderes und Sonderbares. Auf einem Meetup hatte ich das Objektiv damals bei Jonas Hafner gesehen. Natürlich ist es an sich schon prägnant. Als ich den Effekt das erste Mal gesehen hatte, stand ich mit offenem Mund da. Denn auf Punkt Drei meiner Prioritätenliste in der Fotografie steht der Hintergrund bzw. das Bokeh. Das macht ja das Petzval zu einem außergewöhnlichen Objektiv. Viele meiner Bilder fotografiere ich mit dem Petzi, wie ich es nenne, in Schwarz-Weiß, nur um erstens mehr dramaturgische Bilder zu erzeugen und zweitens kommt der Effekt viel besser zur Geltung.

Für mich weist das Objektiv sogar viele Parallelen zum Fotografieverhalten der Infrarotfotografie auf. Denn wie in der Infrarotfotografie, kann man den besten Effekt in der Mittagssonne oder generell bei starkem, kontrasthaltigem Licht erzielen. Am besten noch, wenn man Millionen von Blättern in den Bäumen hat, die das Licht durchdringt und genauso viele Lichtpunkte zaubert, die dann um das Objektiv „herumziehen“ bzw. „swirlen“. Wenn ich mir die Fotos dann direkt auf dem Kameradisplay anschaue, habe ich wirklich immer ein breites Grinsen im Gesicht, weil ich weiß, dass ich damals die richtige Entscheidung getroffen habe, mir dieses Objektiv zu kaufen. Einige tun solch experimentelle Objektive als Spielzeug ab. Doch wenn man es bewusst und gezielt einsetzt, wird es in meinen Augen zum perfekten Werkzeug eines/einer Fotografen/Fotografin.

Fotos von Michael Fiukowski mit der Petzval 85 Art Lens

Deine Arbeit als Fotograf hat dich ja schon in unterschiedlichste Länder gebracht. Gab es da eine besonders einzigartige Erfahrung für dich? Welche Reiseziele sind als nächstes geplant?

Wenn man in andere Länder reist gibt es immer neue Erfahrungen, die einen für das Leben prägen können und dies meistens auch in der Tat tun. Alles fing in der Zeit des Studiums an, da wir ein Auslandssemester machen durften. Das ist die beste Gelegenheit, sich aus den eigenen „Wohlfühlzonen“ heraus zu manövrieren und eine komplett andere Welt kennen zu lernen. Es ging also nach Südafrika für 4 Monate. Wie man so schön sagt, habe ich „Blut geleckt“ und fing an mir mit der Zeit Outdoorausrüstung zu holen. Immer wieder kam bei mir ein inneres Verlangen mal Raus zu wollen. Dem Alltag entfliehen, auch mal für sich alleine sein, aber auch für mich an sportliche Grenzen zu gehen. Ob nun mit dem eigenen Auto drei Wochen durch Schottland, dem UK und zurück über Paris nach Hause zu fahren und zwischendurch wandern zu gehen auf wolkenunterwanderten Berggipfeln, wo man die Nacht im Zelt verbringt. Oder aber einfach nur mal am Wochenende mit dem Rad im Spreewald 260km zu fahren, nachts in der Hängematte zwischen zwei abgestorbenen Bäumen zu liegen und den klaren Sternenhimmel zu genießen. Alles was ich auf einer Reise aufnehmen kann, ob nun positive oder negative Ereignisse, ist für mich einzigartig und formt einen Menschen für sein weiteres Leben.

Die nächsten Reisen gehen in die Südalpen/Dolomiten, dann mit dem Fahrrad von Berlin nach Kopenhagen. Im September wollen meine Freundin und ich ein Teilstück des Kungsleden in Schweden wandern. Knappe 130km, viele Rentiere, weite Landschaften, schlafen unter dem Sternenzelt und eventuell auch Polarlichter liegen zu unseren Füßen.

Fotos von Michael Fiukowski mit der Petzval 85 Art Lens

In deinem Instagramfeed verwendest du u.a. das Hashtag „availablelight“. Bevorzugst du es mit vorhandenem Licht zu arbeiten? Wie entscheidest du, wann du zum Blitz greifst?

Kurz und knapp: Ich bin nicht mit Kunst- bzw. Blitzlicht in der Fotografie aufgewachsen. Deswegen meide ich sie. Grundsätzlich stehe ich der artifiziellen Fotografie auch nicht negativ gegenüber, aber für mich ist der Augenblick authentisch. Natürlich kommt es auf die Situation an, in der man einen Blitz benutzen könnte/sollte. Das natürliche Licht bietet in meinen Augen so viel mehr Facettenreichtum, als das Aufsteckblitzlicht. Fotografen/innen, die mit dem künstlichen Licht aufgewachsen sind, werden mir da eventuell widersprechen.

Hast du fotografische Vorbilder, die dich in deiner Entwicklung geprägt haben?

Vorbilder in der Fotografie gab es für mich nicht wirklich. Klar bestaune ich manche Arbeiten von Fotografen hin und wieder, aber ich selbst will mir auf einer gewissen Art und Weise treu bleiben. Wenn ich einem Vorbild „hinterher fotografiere“, bin ich entweder frustriert, weil ich es einfach nicht hinbekomme auch so fotografieren zu können, was in Demotivation und schlechte Laune ausartet oder gelte als Kopierer in der Fotografie, nur um einen bestimmten „Fame“ zu bekommen. Man kann natürlich Vorbilder haben, ohne Frage. Ich habe nur nie gezielt danach gesucht, sondern habe mich an den Millionen von Bildern auf sozialen Netzwerken schon fast satt gesehen und merke, dass es kaum noch Individualisten gibt. Braucht es aber auch nicht, denn jeder sollte so fotografieren, dass er darin in Freude und Leidenschaft aufgeht.

Was hast du als nächstes vor? Gibt es ein Projekt, das du schon immer umsetzen wolltest?

Wenn es um fotografische Projekte geht, dann gibt es derzeit keine Projekte. Ich bin aber auch nicht ein Fotograf, der an Projekten feilt. Projekte, die mich zurzeit wirklich interessieren, gehören dem Reisen an. Die Welt wird niemals zu klein werden, auch wenn man sie rund um die Uhr neu entdeckt.

Foto von Michael Fiukowski mit der Petzval 85 Art Lens

Bleibe auf Michael Fiukowskis Website, Instagram und Facebook immer über ihn auf dem Laufenden.

geschrieben von hannagerstacker am 2017-06-02 in

Es ist so weit! Wir freuen uns, euch unser neuestes Kickstarter-Projekt präsentieren zu dürfen: die Lomo’Instant Square. Sie ist die weltweit erste vollanaloge Sofortbildkamera für das Instax Square Format. Die Lomo'Instant Square ist mit einer 95mm Linse für superscharfe Fotos ausgestattet und verfügt über einen fortgeschrittenen Automatikmodus, der sich für dich um die Belichtung kümmert. Außerdem enthält sie alle für Lomography typischen Funktionen — und das in einem kompakten, faltbaren Design. Jetzt ist dieLomo’Instant Square auf Kickstarter erhältlich. Werde ein Teil dieser ganz besonderen Reise und schließe dich uns auf Kickstarter an, um bis zu 35% auf den geplanten Einzelhandelspreis zu sparen. Schnappe dir dort außerdem zahlreiche Extras! Stelle sicher, dass du diese tollen Angebote nutzt, bevor sie zu Ende gehen. Be there and be square!

Mehr interessante Artikel