Ein Interview mit Portrait- und Promifotograf Marco Justus Schöler

Marco Justus Schöler nennt sich selbst einen “Analogfotografen mit digitalem Equipment”. Mit 16 ist er erstmals mit der Fotografie in Kontakt gekommen, als ihm eine Lomography-Kamera über den Weg lief. Heute zählt er wohlbekannten Marken zu seinen Kunden und macht regelmäßig Portraits von Prominenten, wie Bud Spencer, Alexander Fehling und Matthias Schweighöfer.

Vor Kurzem hat der deutsche Fotograf sein bisher größtes Projekt gestartet. “Faces Behind the voices”. In dieser Portrait-Reihe erforscht Schöler die Anonymität der bekanntesten deutschen Synchronsprechern, die ihre Stimmen Hollywoodschauspielern wie Leonardo DiCaprio und Daniel Craig geliehen haben. Von seiner fotografischen Reise inspiriert, haben wir ihm einige Fragen über sein neustes Projekt gestellt.

Sam, Music Artists, 2015, von Marco Justus Schöler

In unserem Email-Verkehr im Vorfeld zu diesem Interview hast du erwähnt, dass deine allererste Analogkamera eine Fisheye One war. Kannst du uns etwas mehr über deine Anfänge in der Fotografie und deine Erfahrungen mit deiner ersten Kamera erzählen?

Ja, meine allererste Kamera war tatsächlich eine Fisheye One. Nach meinen ersten Monaten, die ich damit verbrachte, die analoge Fotografie zu erforschen, überließ mir mein Großvater einen Haufen seiner alten Kameras.

Dürfen wir ein paar Fotos sehen, die du mit deiner Lomography-Kamera gemacht hast?

Na klar!

Fotos von Marco Justus Schöler

Du bist also zu digitaler Kameraausrüstung weiter gezogen und hast einen vollkommen andere Art der Fotografie kreiert. Was hat sich für dich in der Art die Fotografie zu betrachten verändert?

Ja, nachdem ich für zwei bis drei Jahre gelernt hatte, analoge Portraits zu machen, kaufte ich mir eine Canon DSLR. Tatsächlich betrachte ich mich als typischen Analogfotografen mit digitalem Equipment. Jede Aufnahme ist wohlüberlegt.

Town Park, 2015, von Marco Justus Schöler

Wie ist heute deine Beziehung zur analogen Fotografie? Fotografierst du heute noch manchmal mit deiner Fisheye One, oder anderen analogen Kameras?

Vor drei Wochen war ich auf Gran Canaria und habe vier Rollen Film verschossen. Es war ein sehr gutes Gefühl ‘zurück zu den Wurzeln’ zu gehen. Ich finde, die analoge Fotografie ist für mich wie eine Leidenschaft und die digitale Fotografie ist mein Beruf.

Du hast dich dazu entschlossen, dich auf Portraits zu spezialisieren. Warum hast du dich dafür entschieden und was ist es bei der Portraitfotografie, das deine Faszination daran all die Jahre lebendig hielt?

Jeden Tag bekomme ich die Chance, mit unterschiedlichsten Leuten zu arbeiten: ein Obdachloser, ein berühmter Schauspieler, der Firmenchef eines Start-Ups, ein professionelles Model… Jedes Shooting hat eine neue Story und eine neue Bestimmung.

Bud Spencer, Actor, 2016, von Marco Justus Schöler

Viele Leute, die du fotografierst, sind Prominente. Wie unterscheidet sich dies vom Fotografieren weniger bekannter Leute?

Ich genieße es mit Prominenten zu arbeiten. Sie sind konzentriert, professionell und direkt. Das Geheimnis der Promi-Fotografie ist — zumindest meiener Meinung nach — die Tatsache, dass Prominente genauso Leute sind, wie du und ich.

Du hast grade erst “Faces Behind the Voices” veröffentlicht, dein bisher größtes Projekt, das als Multimedia-Ausstellung in zahlreichen deutschen Bahnhöfen präsentiert werden wird. Was bedeutet dir dieses Projekt?

Ich habe etwa zwei Jahre an diesem Projekt gearbeitet. Es gab eine Menge Höhen und Tiefen. Es war eine Herzensangelegenheit. Aus dem Grund bin ich sehr froh und stolz, dass das Projekt sehr populär ist und die Ausstellungen schon von Tausenden besucht wurden.

“Faces Behind The Voices”, (1) Gerrit Schmidt-Foss, (2) Dietmar Wunder, (3) Katrin Fröhlich, (4) Sandra Schwittau, von Marco Justus Schöler

Die Synchronsprecher, die du für dieses Projekt fotografiert hast, stehen üblicherweise nicht im Rampenlicht. Wie sah die Zusammenarbeit aus? War es schwer, sie von deiner Idee zu überzeugen?

Ja, das war der schwerste Teil des Projektes, die schüchternen Synchronsprecher zu überzeugen. Doch zu guter Letzt war die Zusammenarbeit sehr professionell und entspannt.

Alexander Fehling, Actor, Playboy, 2015, von Marco Justus Schöler

Stehen noch andere große Projekte an?

Ja, tatsächlich plane ich ein Langzeit-Projekt, aber ich will noch nicht zuviel verraten. Ein kleiner Tipp: Los Angeles. Ich erzähl euch davon in unserem nächsten Interview, 2018, haha.

Knoched Out, 2015, von Marco Justus Schöler

Und zu guter Letzt, was ist dein bester Tipp, den du anderen Fotografen geben kannst, um das perfekte Portrait zu machen?

Denkt nicht zuviel darüber nach, macht’s einfach! Und: Macht schlechte Fotos und lernt daraus!


Wenn du noch mehr von Marco Justus Schölers Werken sehen willst, dann besuch doch mal seine Website und folge ihm auf Instagram.

geschrieben von Teresa Sutter am 2016-06-01 in #people
übersetzt von dopa

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