Professionelles Light Painting: Ein Interview mit den Pixelstick Amigos von Zolaq

“Lightpainting hat etwas Magisches an sich. Wir können einem realen Raum – den wir sehen, berühren und betreten können – etwas Surreales, fast Nicht-Reales hinzufügen.” Die beiden professionellen Light Painter Jenja Ospanov und Olaf Schieche von Zolaq nehmen uns mit in die faszinierende Welt der Lichtmalerei.

Das erste Foto des Light Painting Duos Zolaq, Rügen, 2011

Zolaq – ihr habt 2011 mit dem Light Painting begonnen und ein riesen Projekt daraus gemacht. Wie seid ihr dazu gekommen und warum seid ihr dabei geblieben?

Wir waren schon immer fotografie- bzw. kunstbegeistert und konnten es daher nicht vermeiden, irgendwann mit Lightpainting in Berührung zu kommen. Das erste Mal ausprobiert haben wir es im Oktober 2011 auf einem Bootssteg auf Rügen. Als Hilfsmittel hatten wir damals noch eine Bridgekamera, die maximal 60 Sekunden belichten konnte, und eine batteriebetriebene Fahrradlampe. Damit haben wir unsere ersten und einfachsten Lightpaintings erstellt. Wir haben Blumen, Hasen und Herzen in der Nacht erstrahlen lassen oder unsere eigenen Silhouetten mit der Lampe nachgemalt – also die elementarsten Dinge ausprobiert – und die Kombination aus Kreativität und technischer Raffinesse hat uns letztlich überzeugt, sodass wir bis heute noch davon fasziniert sind wie am ersten Tag.

Ihr habt euch das Light Painting selbst beigebracht. Habt ihr etwas Besonderes auf dem Weg gelernt?

Mit dem Lightpainting haben wir nicht nur diese Art der Kunst gelernt sondern gleichzeitig die Fotografie auf anderen Gebieten erforscht. Wir haben gelernt, welche Kameraeinstellungen bei (teilweise extremen) Langzeitbelichtungen notwendig sind, wie man mit Licht und Schatten arbeitet und wie man mit verschiedenen Lichtquellen in unterschiedlichen Settings umgehen muss. Auch haben wir ein gewisses Gespür für (Umgebungs-)Licht und Zeit entwickelt, sodass wir die Kamera nach Erfahrung einstellen können, sobald wir die Location betreten. Zudem haben wir gelernt, die Umsetzung einzelner Motive bis ins Detail zu planen. Das Meiste haben wir durch „trial and error“ herausgefunden, weshalb wir allen Anfängern nur ans Herz legen können, sich einfach auszuprobieren und nicht zu viel und zu lange zu grübeln. So kommen einem unserer Erfahrung nach sowieso die besten Ideen.

Was sind typische Anfängerfehler in der Lichtkunst?

Typische Anfängerfehler gibt es da eigentlich nicht. Hat man eine Lampe und bewegt sie vor der Kamera, während diese aufnimmt, ist es schon ein Lightpainting. Man kann höchstens bei den Kameraeinstellungen Fehler machen. Oft wird eine falsche Blendeneinstellung oder auch ein zu hoher ISO-Wert gewählt. Wir selbst fotografieren meist im Blendenbereich zwischen f/7.1 und f/11, da die meisten Kameras bei dieser Einstellung bekannterweise die beste Tiefenschärfe haben. Außerdem wählen wir einen niedrigen ISO-Wert von 100. Ein weiterer Fehler, der vor dem eigentlichen Lichtmalen auftreten kann, ist der Bildstabilisator. Diesen empfehlen wir beim Lightpainting oder generell bei Nachtaufnahmen stets auszuschalten, wobei allerdings nicht jede Kamera über einen solchen Stabilisator verfügt. Auch kann eine zu helle Umgebung zu Frustration beim Anfänger führen. Wenn bereits zu viel Licht vorhanden ist, kann das Bild schnell überbelichtet werden und man sieht letztlich nur wenig von der eigenen Kreation. Ansonsten sind es oft nur bestimmte Techniken, die zunächst falsch ausgeübt werden, aber mit etwas Übung und den richtigen Tipps kann ein Lightpainting-Anfänger alles meistern.

Was fasziniert euch so sehr am Light Painting, dass ihr einen Beruf daraus gemacht habt?

Lightpainting hat etwas Magisches an sich. Wir können einem realen Raum — den wir sehen, berühren und betreten können — etwas Surreales, fast Nicht-Reales hinzufügen. Wir erschaffen Szenerien, die es so nicht gibt. Sie existieren nur für einen kurzen Moment, den das menschliche Auge nicht greifen kann, doch die Kamera ist in der Lage, ihn für uns festzuhalten und diese märchenhaften Welten mit uns zu teilen.

Welche Werkzeuge benutzt ihr außer dem Pixelstick für eure Bilder? Gibt es irgendwelche ganz besonders überraschenden Tools, mit denen man nicht rechnen würde?

Oft fragen uns Workshop-Teilnehmer, ob wir ihnen eine Liste unserer Tools zur Verfügung stellen könnten, und wo wir diese bezogen haben. Jedes Mal müssen wir verneinen, weil eine solche Liste zu kompliziert und lang werden würde. Beim Lightpainting blicken wir über den Tellerrand. Ständig zweckentfremden wir Dinge, um sie für unsere Bilder zu nutzen. Wir bedienen uns fast jeder Abteilung im Baumarkt und sind wöchentlich in Elektrofachmärkten unterwegs. Wir nutzen natürlich auch einfache Taschenlampen, die wir mit diversen Aufsätzen versehen, aber wir versetzen auch Pflanzenstangen oder Blumenringe mit LEDs oder verwenden Laser aus dem Heimdiscobereich. Ein Tool allerdings kommt bei unseren Workshop-Teilnehmern immer besonders gut an – die Glasfaserlampe. Jeder hatte wahrscheinlich früher eine davon zu Hause. Was damals wie heute als Dekoration dienen soll, basteln wir um zu einem Taschenlampenaufsatz. Die Effekte, die man damit erstellen kann, erstaunen jeden Zuschauer.

Wie entstehen eure Bilder? Habt ihr das genaue Ergebnis schon vorher im Kopf, oder geht ihr eher experimentell vor? Wie entstehen neue Ideen und Inspirationen?

Es ist eigentlich immer eine 50/50-Sache. Wir haben oft eine Idee im Kopf, die wir gerne umsetzen wollen, bevor wir überhaupt starten. Dabei passen wir besagte Idee allerdings meist an die Umgebung an, sodass die Location das fertige Motiv insofern beeinflusst, dass wir nie das 100-prozentige Bild vorab im Kopf haben können. Es ist also immer ein gewisser Überraschungseffekt dabei. In anderen Momenten lassen wir uns aber auch gerne von der Location inspirieren und entwerfen vor Ort einen Plan, diese besonders in Szene zu setzen. Da wir immer alles an Equipment dabei haben, können wir uns so ziemlich alles erlauben.

Was war die schönste Idee, die ein Workshopteilnehmer bei euch hatte?

Mit unserem Dometool, welches aus einem mit LEDs bestückten Fahrradreifen und einer Stange besteht und mit dem man Halbkugeln auf dem Boden erstellen kann, hat uns eine Teilnehmerin einmal auf die Idee gebracht, einen Wirbel mit den Lichtern zu kreieren. Dieser entsteht indem man die Stange greift, den Reifen dreht und frontal von der Kamera nach hinten läuft. Der Effekt, der dabei zustande kommt, hat uns so gut gefallen, dass wir diese Technik immer wieder gerne in unseren Kursen vorführen und oft von Kamera zu Kamera der Teilnehmer laufen, damit jeder einmal diesen bunten Wirbel aufnehmen kann. Es ist eine anstrengende Arbeit, aber die Begeisterung der Teilnehmer ist es immer wieder auf Neue wert.

Habt ihr irgendwelche unerfüllten Visionen für zukünftige Bilder?

Natürlich… Aber wir können euch doch nicht alles im Voraus verraten, oder? ;)

Was sind eure Pläne? Stehen in nächster Zeit größere Projekte an?

Letztes Jahr haben wir das 50cameraproject ins Leben gerufen, bei dem wir den vor allem aus der Matrix Trilogie bekannten Bullet Time Effekt erzeugt haben – mit Lightpainting. Dafür hatten wir 50 baugleiche Kameras an einer halbkreisförmigen Konstruktion angebracht und diese nahmen gleichzeitig auf. Später konnte sich der Betrachter also um das gemalte Bild herum bewegen. Diese Idee ist nicht neu, denn schon 2012 hatte der kanadische Lichtmaler Eric Paré ein 360° Projekt mit Lightpainting gemacht. Er war eine Inspiration. Jedoch haben wir unsere Spezialität in die Motive eingebaut – die Location. Auch deswegen hatten wir uns gegen 360° entschieden. Dieses Jahr würden wir das Ganze gerne wiederholen und/oder erweitern wollen. Zudem planen wir eine Lightpainting-Tour durch einige europäische Länder. Es gibt überall so großartige Locations, die wir zu gerne in Szene setzen würden.

Beim Light Painting denkt man zunächst immer, man müsse in einem völlig dunklen Raum arbeiten. Eure Bilder werden jedoch durch die besonderen Hintergründe, wie z.B. die verlassenen Gebäude, besonders schön. Was für ein Setting empfehlt ihr für den Start?

Für den Anfang reicht eigentlich wirklich einfach nur ein dunkler Raum oder eine abgedunkelte Kammer, weil man sich zunächst an das Arbeiten im Dunkeln gewöhnen muss. Allerdings muss betont werden, dass auch wir, obwohl die Bilder im Nahhinein sehr hell erleuchtet aussehen, stets in (fast) kompletter Dunkelheit arbeiten. Das Licht kommt nach und nach in das Bild hinein. Dafür kann man perfekt mit indirekten Lichtquellen arbeiten wie zum Beispiel Lichterketten, die in der Location nicht sichtbar verteilt werden. Während der Belichtungszeit verteilt sich das Licht im Raum und lässt das Endergebnis sehr viel heller wirken.

Habt ihr nur mit den Pixelstick Templates gearbeitet, oder auch eigene Designs benutzt?

Wir haben zu Beginn die vorgegebenen Templates ausprobiert, um überhaupt ein Gefühl für den Pixelstick zu bekommen, haben aber auch eigene erstellt und aufgenommen. Es war jedes Mal spannend, das Ergebnis zu sehen, da mit unterschiedlicher Drehgeschwindigkeit verschiedene Effekte zustande kamen. Die Handhabung des Pixelsticks ist recht einfach, wenn man einmal den Dreh raus hat, also kommt es nicht zuletzt auf die kreativen Einfälle an, um ein Bild interessant zu machen.

Seid ihr bei euren Workshops irgendwelchen Irrglauben über die Lichtkunst begegnet, die ihr gerne ausräumen möchtet?

Der größte Irrglaube kommt natürlich von den Leuten, die zuvor nie mit Lightpainting in Berührung gekommen sind. Viele glauben, dass unsere Bilder mithilfe von Photoshop entstehen. Sicherlich kann man damit auch sehr schöne Effekte in eine Fotografie hineinzaubern, aber unsere Arbeiten beruhen auf reiner Handarbeit vor der Kamera. Auch gibt es immer wieder Nachfragen, ob wir mit Ebenen arbeiten, also mehrere Aufnahmen machen und diese später (wieder mit Photoshop) übereinander legen. Aber auch das müssen wir verneinen, auch wenn diese Art des Lightpaintings auch möglich ist. Wir haben es uns allerdings zur Herausforderung gemacht, alles in einer einzelnen Langzeitbelichtung zu machen. Das erfordert gewiss sehr viel Aufwand, aber das ist es immer wieder wert.

Light Painting Anfänger haben in Workshops zunächst oft riesige Erwartungen und dazu eine große Schüchternheit im Umgang mit den Werkzeugen und in der Umsetzung ihrer Ideen. Habt ihr das auch so erfahren? Wie brecht ihr das Eis in euren Kursen?

Es stimmt, dass Anfänger eher zurückhaltend sind, auch in unseren Workshops. Das liegt aber oft daran, dass es einfach sehr viel neuer Input ist, den sie während des Kurses verarbeiten müssen, und zudem fällt es nicht jedem einfach, sich vor Fremden an etwas komplett Neues heranzuwagen. Viele probieren es im Nachhinein erst zu Hause aus und nutzen das, was sie bei uns lernen, um eigene Lightpaintings zu erstellen. In den Workshops selbst versuchen wir den Teilnehmern allerdings die Angst davor zu nehmen, etwas falsch zu machen und sich vor den anderen zu „blamieren“, indem wir von unseren eigenen Anfängen erzählen und zeigen, wie viel bei uns zu Beginn schief gelaufen ist und dass wir erst daraus gelernt haben. Lustige Geschichten von unseren eigenen „Fails“ lockern meist die Stimmung auf. Zusätzlich animieren wir sie, aktiv selbst die Tools in die Hand zu nehmen und zum Beispiel ihren Partner ins Bild einzubauen oder vielleicht selbst als Model zu fungieren. Jeder hat doch gerne ein schönes Lightpainting von sich selbst. ;)
Allerdings ist das nicht immer der Fall. Bei einem Workshop letztes Jahr hatten wir ein frisch vermähltes Paar dabei, das einen Gutschein für unseren Kurs geschenkt bekommen hatte. Sie hatten zuvor nicht einmal mit Fotografie etwas am Hut gehabt und mussten sich Kamera und Stativ aus dem Freundeskreis leihen. Aber, ohne es zu wissen, waren sie Meister der Zweckentfremdung. Sie hatten einfach das leuchtende Spielzeug ihrer Tochter mitgebracht und damit gemalt. Man erlebt nicht immer so viel Enthusiasmus und Aktivität seitens der Teilnehmer.

Könntet ihr uns verraten, wie ihr dieses Bild aufgenommen habt?

Dieses Bild ist in vier Schritten entstanden und war eigentlich relativ schnell im Kasten, da wir den Pixelstick dank einer zusätzlichen Konstruktion exakt drehen konnten. Dafür haben wir diesen an einem Stativ angebracht, an dem ein Motor befestigt war, der eine zeitlich genaue Drehung ermöglichte. Zunächst haben wir das rot-weiße Template benutzt, um die Kreise zu erstellen. Danach folgte eines unserer eigenen Templates, welches aus fünf nebeneinander stehenden rot-weißen Sternen bestand und bei der Rotation dieses Gebilde in der Mitte hinterließ. Zuletzt folgten einige Drehungen an derselben Konstruktion mit einem Feuerwerkskörper, den wir (weit genug vom Pixelstick entfernt, um ihn nicht zu beschädigen) angebracht haben. Danach wurde die Drehkonstruktion samt Pixelstick aus dem Bild gebracht und die Location für einige Sekunden indirekt mit einer großen Taschenlampe ausgeleuchtet.


Vielen Dank! Für weitere Lichtmalereien, Workshops und Tipps folge Zolaq auf Facebook und Instagram!

geschrieben von jennifer_pos am 2016-05-18 in #people #lifestyle #lomoamigo #pixelstick

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