Zenit ET – Eine wahre Errungenschaft

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Da ich selbst anfangs mit einigen Unklarheiten und mangelnden Informationsmöglichkeiten über diese Kamera zu kämpfen hatte, sie jetzt jedoch nicht mehr missen will, kommt hier ein Review über die wundervolle sowjetische Schönheit. Die Zenit ET.

Die Zenit ET wurde zwischen 1981 und 1993 zunächst von KMZ, später dann von BelOMO mit einer Auflage von etwa 3.000.000 Exemplaren produziert. Sie verfügt über einen ungekuppelten Belichtungsmesser (Selenzelle) und mit ihrem Objektiv, dem Helios 44 – 2 über eine Vorwahlblendenmechanik, auf die ich später noch eingehen werde. Mit der Zenit ET erhältst du oft noch das Helios 44-2 Objektiv dazu, das, wie die Kamera selbst, eine wahre Errungenschaft darstellt. Aber nun der Reihe nach!

Film einlegen und später wieder herausbekommen:
Zum Einlegen des Films ziehst du zunächst am Hebel auf der Rückseite links, um den Kameradeckel zu öffnen. Das Einlegen selbst kann recht intuitiv erfolgen. Wichtig ist nur darauf zu achten, dass die Zähne der Filmtransportkurbel den Film aufnehmen. Die Filmzunge selbst wird anschließend in einen Schlitz der Kurbel selbst eingeführt. Drehe 1-2 Mal am Filmtransporthebel (vorher Auslöser drücken!), um sicher zu gehen, dass der Film auch richtig sitzt. Anschließend Deckel schließen und erneut 2 Mal den Hebel drehen, um Lichtfehler zu vermeiden. Danach musst du nur noch das Bildzähl-Rädchen auf 0 drehen und mit dem Fotografieren loslegen. Über das Herausnehmen des Films hatte ich von anderen Zenit Kameras vorher schon so einige Horrorgeschichten gelesen, deswegen erst informieren, dann Kurbel drehen!
Bei meiner ET (aus dem Jahr 1983) funktioniert das so: Unter dem Auslöser befindet sich ein Rädchen, dass sich drehen lässt. Zum Zurückspulen des Films drehst du dieses Rädchen gegen den Uhrzeigersinn, bis es stoppt. Dann den Auslöser gedrückt halten und erst dann die Rückspulkurbel ausklappen und in Pfeilrichtung drehen, wie du es von anderen analogen Kameras kennst. Lässt sich die Kurbel leichter drehen ist der Film aufgerollt und du kannst ihn entnehmen. Wenn man das erst einmal verstanden hat ist es im Grunde ein Kinderspiel, seinen Film wieder aus der alten Dame herauszubekommen.

ISO-Wert einstellen:
Damit der Belichtungsmesser der Kamera auch richtig funktioniert musst du natürlich den ISO-Wert des Films auf die Kamera übertragen. Drehe dafür am oberen Rad der linken “Radeinheit” (darauf stehen neben ASA und DIN auch die Blendenzahlen). Der linke Strich im Bereich ASA sollte auf den ISO-Wert deines Films gerichtet sein.

Belichtungsmesser:
Den Belichtungsmesser, bzw. das Ablesen der richtigen Werte fand ich zunächst etwas verwirrend, später dachte ich mir: „Die haben sich schon ganz schön was dabei gedacht, die Russen.“ Also, der Belichtungsmesser befindet sich selbst oberhalb des Objektivs (rechteckiges Feld, das an eine Solareinheit erinnert). Er nimmt das einfallende Licht wahr und veranlasst den Zeiger im sichelförmigen Feld links oben auf der Kamera sich entsprechend zu positionieren. Hat er das gemacht, drehst du das untere der linken „Radeinheit“ so lange, bis es genau über dem Zeiger liegt. Die Position, die beide Räder der „Radeinheit“ nun aufweisen, lässt dich ganz einfach ablesen, welche Belichtungszeit du für welche Blendeneinstellung benötigst, um optimale Lichtverhältnisse mit deinem Motiv auf den Film dringen zu lassen. Meiner Meinung nach funktioniert der Belichtungsmesser recht gut.

Belichtungszeiten:
Die Belichtungszeit stellst du, was relativ offensichtlich ist, am linken der zwei Räder oben rechts auf der Kamera ein. Hierbei hast du die Wahl zwischen den Werten 500 (1/500 Sekunde), 250, 125, 60, 30-X und B (für Langzeitbelichtungen). Was die Angabe 30-X bedeutet habe ich bisher noch nicht herausfinden können. Wenn jemand diesbezüglich schlauer ist, kann er es gerne im Kommentarbereich kundtun.

Blendeneinstellung:
Wie am Anfang erwähnt besitzt das Objektiv der Zenit ET eine Vorwahlblendenmechanik, die mich zunächst an mir zweifeln lies: Und zwar drehte ich ganz normal am leicht drehbaren Rad vorne am Objektiv, sodass der sich auf dem Rad befindliche rote Punkt sagen wir mal Blende f/16 markierte. Bei einem Blick vorne ins Objektiv war aber sehr deutlich erkennbar, dass die Blende komplett geöffnet war und ich dachte schon, bei meiner Kamera sei die Blendenbeschriftung falschherum. Zum Glück hat mir in dieser Hinsicht dann doch irgendwann Dr. Google helfen können und mir folgende Erkenntnis gegeben: Das Rad, das ich nutzte, um vermeintlich die Blende einzustellen, war gar nicht das, wofür ich es gehalten habe. Um die Blende wirklich einzustellen, musst du dir das Rad ganz ganz vorne zur Hand nehmen, das wirkt zunächst fest, ist es aber nicht. Mit diesem Rad stellst du deinen gewünschten Blendenwert ein. Eingestellt ist immer die Blende, dessen Ziffer auf einer fiktiven Linie mit dem roten Dreieck weiter oben am Objektiv liegt. Wenn du dich jetzt fragst, warum dann dieses eine, in die Irre führende Rad überhaupt vorhanden ist, dann kommt hier die Antwort: Die Blende ist nur wirklich so zu (bei einem Wert von f/16), wenn du auch dieses andere, zuerst beschriebene, Rad richtig positionierst. Und zwar muss es, um die Blende auf den eingestellten Wert zu schließen, ganz rechts am Anschlag stehen, wenn du die Kamera am Auge hast. Das Justieren dieses Rades dient praktisch nur dazu die Blende beim Scharfstellen einfacher zu öffnen, um einen genaueren Blick zu gewährleisten.

Einfaches Scharfstellen:
Die Zenit ET verfügt über Entfernungseinstellungsmöglichkeiten von M 0,5 bis Unendlich. Das Einstellen erfolgt aber in der Regel eher intuitiv durch Drehen und durch den Sucher gucken, was zunächst eine große Umstellung sein kann, wenn du bis dahin Kameras ohne Spiegel, wie die Diana, die Belair o.Ä. gewohnt warst. Toll daran ist jedoch, dass du endlich auch einmal siehst, was wirklich auf dein Bild kommt und was nicht.

Weitere Funktionen:
Die Zenit ET verfügt außerdem über einen Hot-Shoe, der mit jedem Mittenkontakt-Blitz nutzbar ist. Wenn du einen Diana- oder Fritz the Blitz besitzt, kannst du auch diesen mittels des passenden Adapters mit der ET nutzen. Beachte dabei nur, dass du dich nicht auf den Belichtungsmesser verlassen kannst. Weiter lässt sich die ET mit einem Kabelauslöser auslösen, was sie für Nacht- und Langzeitbelichtungen qualifiziert. Den Anschluss findest du auf dem Auslöser. Ein lustiges Feature kann auch der Selbstauslöser sein, der sich, wenn du von vorne auf die Kamera blickst, links neben dem Objektiv befindet und mit Glück auch noch funktioniert. Für die Nutzung eines externen Blitzes verfügt die Kamera über einen PC-Anschluss, über den du sie mit entsprechenden Blitzgeräten verbinden kannst.

Fazit:
Für mich ist die Zenit ET eine echte Errungenschaft. Ein Multitalent, das die Aufnahme unglaublich guter Bilder erlaubt und mit dem Helios 44 – 2 Objektiv sein optimales Pendant gefunden hat. Das Helios ist mit einer Blende von f/2 bis f/16 und einer Brennweite von 58mm sehr lichtstark und in der Lage ein einzigartiges Bokeh zaubern. Einziges Manko: Doppelbelichtungen sind leider nicht möglich. Dieser Fakt wurde für mich aber in der Sekunde nebensächlich, als ich meine ersten Bilder der Zenit ET in den Händen hielt. Überzeugt euch selbst von dieser Kamera, die mit etwas Glück in einem guten Zustand noch auf Ebay oder mit noch mehr Glück vielleicht auf Flohmärkten zu finden ist.

Hier nun noch einige Bilder, aufgenommen mit meiner Zenit ET:

geschrieben von annelena1108 am 2015-06-04 in #gear #review #fundstueck #zenti-et

3 Kommentare

  1. 35mms
    35mms ·

    Huhu!

    30-X bedeutet, dass bei dieser Kamera die Synchronzeit für Blitze bei 1/30 Sek. liegt :P

  2. swjosdotschka
    swjosdotschka ·

    sehr schön beschrieben - Danke !

  3. alixunderplatz
    alixunderplatz ·

    habe im Februar eine Zenit ET aus Russland für 3.000 Rubel (damals ca. 40€) mitgenommen, sie war sogar noch in der Originalverpackung mit Beleg und Garantieschein von damals und ist wirklich wie neu :)))
    Das einzige, was mich etwas stört, ist das Hebelchen für das Öffnen des Deckels an der linken Seite... in der Bereitschaftstasche neigt diese Kamera gerne mal dazu aufzugehen, sodass ungewollt Licht auf den Film fällt ... ein Stück Panzertape hilft aber gut dagegen ;)

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