6 Gestaltungselemente für aussagekräftige Fotos

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Was macht ein Foto zu einem Hingucker? Oft werden mehr oder weniger alltägliche Dinge auf gewöhnliche Art und Weise angeordnet. Das kommt daher, dass die meisten immer nur ein Thema oder eine einzelne Idee haben und Unordnung auf ein Minimum begrenzen. Einfach und ehrlich, aber eben nicht bahnbrechend. Deshalb beschäftigen wir uns heute mit den Elementen (Linie, Form, Gestalt, Struktur, Farbe usw.), die aus einem einfachen Motiv ein bemerkenswertes Foto machen.

Geschrieben von: Diana Eftaiha

Erfolgreiche Bilder beruhen auf ihrer Komposition. Die Hauptelemente, die Ordnung in eine Komposition bringen und sie betonen sind: Linie, Form, Gestalt, Struktur, Muster und Farbe. Jedes Foto enthält, absichtlich oder nicht, bereits eines oder mehrere dieser Elemente, die als Gestaltungselemente bekannt sind.

Diese Elemente haben einen riesigen Einfluss auf ein Fotos, besonders die Linie, Struktur und die Farbe. Normalerweise erkennen und benutzen wir diese Elemente unbewusst. Das hängt aber von der jeweiligen Sensibilität für die visuelle Umgebung ab und wird von den Erinnerungen und der Lebenserfahrung der entsprechenden Person beeinflusst.

Linie

Von den sechs Gestaltungselementen ist die Linie das stärkste, wichtigste und einflussreichste. Ohne Linien gibt es keine Gestalt. Ohne Gestalt keine Form. Und ohne Form kann es keine Struktur oder Muster geben. Linien sind starke Hilfsmittel, um den Blick des Betrachters elegant zum wichtigsten Punkt eines Bildes hinzuleiten und die ganze Atmosphäre eines Bildes aufzubauen.

Linien können vertikal, horizontal, diagonal oder geschwungen sein. Sie können kurz oder lang, dünn oder dick sein. Sie leiten dich in jedem Fall und geben die Blickrichtung an. Der emotionale Effekt einer Linie in einem Bild ist nicht zu übersehen. Manchmal vermitteln sie das Gefühl von Ruhe, Beruhigung, Unnachgiebigkeit, Aktivität, Führung oder Gefahr.

Dünne Linien werden von manchen als instabil, von anderen als verletzlich interpretiert. Dicke Linien nimmt man als unbeugsame oder verlässlich wahr, sie können aber auch dominant oder ernst empfunden werden. Geschwungene Linien werden oft als weich, beruhigend, ausgeglichen oder entspannend bewertet. Gezackte Linien dagegen können einen kräftigen, chaotischen, scharfen oder drohenden Eindruck vermitteln.

Vertikale Linien in einem Foto neigen dazu, verschiedene Stimmungen, von Kraft und Stärke bis hin zu Wachstum zu suggerieren. Vertikale Linien sind auch auch Haarstränen, Stangen, Bäume, Gebäude und viele andere verschiedene Objekte, die sich ins Vertikale erstrecken.

Foto von PhotoTuts+

Horizontale Linien in einem Foto neigen dazu, Gefühle wie Gemütlichkeit, Beständigkeit und Stabilität zu wecken. Möchte man das gemütliche, beständige Gefühl einer horizontale Linie in einem Bild zusätzlich betonen, hilft es, horizontale Rahmen statt vertikale zu verwenden.

Mehrere Ebenen horizontaler Linien in einem Bild können Drama und Rhythmus erzeugen und zum zentralen Element eines ganzen Bildes werden. Zu den horizontalen Linien zählen Horizonte, Meere, liegende Menschen, Straßenzüge – eigentlich fast alles, was sich horizontal erstreckt.

Diagonale Linien werden dazu benutzt, die Aufmerksamkeit des Betrachters zum Hauptmotiv der Fotografie zu lenken. Sie zeigen Bewegung, die Bilder interessant und dynamisch wirken lässt. Zu den diagonalen Linien gehören die Gestalt eines Pfades, eine Baumreihe, ein Zaun, Fluss oder jede andere Komponente eines Bildes.

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Gestalt

Das nächste grundlegende Gestaltungselement ist die Gestalt, denn die Gestalt ist das primäre Identifikationselement. Das Wichtigste beim Verwenden der Gestalt als wesentliches Element einer Komposition ist, darauf zu achten, dass das Objekt detailliert definiert ist. Dazu wird es am besten von vorne oder von hinten beleuchtet. Damit eine Gestalt erkannt werden kann, ist ein starker Konstrast zur Umgebung nötig, damit sie sich vom umgebenden Bildbereich abhebt.

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Gestalten in Bildern können ebenso Silhouetten sein – diese erzielt man am leichtesten, wenn man sie wenige Minuten vor Sonnenuntergang oder kurz danach aufnimmt. Silhouetten sind die klarsten und stärksten Formen der Gestalt.

Form

Die Form ist grundsätzlich ein dreidimensionales Gestaltelement. Es kommt durch seitliche Beleuchtung, weiche, elegante Schatten und ein Spiel von Schatten und Licht, zur Geltung. Die Tiefe des Objekts wird so herausgearbeitet und der Betrachter kann es erkennen, so dass die Botschaft der Aufnahme vermittelt wird.

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Struktur

Kein Gestaltungselement ist besser dafür geeignet, tiefe Emotionen zu übermitteln als die Struktur. Die große Herausforderung beim Erkennen und Erfassen einer Struktur stellt hauptsächlich das Licht dar. Die Struktur kann am besten mit dem seitlichen Licht im Morgengrauen, der einbrechenden Abenddämmerung oder der prallen Sonne um die Mittagszeit erfasst werden.

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Wenn die Sonne hoch oben am Himmel steht, wird die Rauheit von Mauern, die Struktur von Baumstämmen und eigentlich jede vertikale Oberfläche durch die kleinen entstehenden Schatten hervorgehoben. Obwohl es nur ein kleiner Effekt ist, so ergänzt es Schnappschüsse jedoch um Tiefe, Reiz und Realitätsnähe.

Außerdem ist es noch wichtig zu erwähnen, dass Struktur als Hintergrund spannende und emotionale Kompositionen erzeugen kann. Mit der richtigen Verwendung von Struktur werden Bilder lebendiger und fast schon dreidimensional.

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Muster

Das Leben ist voller Muster. Muster sind Teil unser kosmischen Existenz – ohne sie wäre unser Leben ein heilloses Chaos. Die meisten Muster nehmen wir aufgrund unserer geschäftigen, routinierten Leben nicht mehr wahr oder übersehen sie schlichtweg.

Es gibt zwei Techniken, um sich mit Mustern zu beschäftigen. Man kann sie entweder betonen oder sie dekonstruieren.

Die Betonung eines Musters verstärkt die Größe und die Ausdehnung dieses. Die Idee dahinter ist das Vergrößern des Musters, damit es dann den ganzen Rahmen füllt. Betonte Muster sind zum Beispiel die Gesichter einer Menschenmenge, eine Reihe gleichartiger Pflanzen, die Steine einer Mauer etc.

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Dekonstruktion eines Musters bedeutet, ein Objekt einzufügen, dass den kontinuierlichen Fluss eines Musters unterbricht. Das kann ein Objekt mit starkem Kontrast zu den anderen Objekten sein; sei es die Gestalt, Farbe, oder sogar die Struktur. Besonders aufpassen muss man bei Kompositionen, bei denen ein kaputtes Muster wiedergeben werden soll. Hier kommt die Drittel-Regel zum Einsatz.

Man kann zum Beispiel sein langweiliges Objekt auf einem der Drittel oder auf einem der Schnittpunkte platzieren. Zudem kannst du mit der Tiefenschärfe experimentieren. Man fokussiert das abgehobene Objekt und blendet die umliegenden Objekte langsam in die Unschärfe. Dekonstruierte Muster findet man von ganze alleine, jedoch kann man aber auch Situationen manipulieren, um bereits existente Muster zu durchbrechen.

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Farbe

Farbe zeichnet sich durch Eigenschaften wie Farbwert, Farbton und Sättigung aus. Farben und ihre Anordnung können ein Bild ausmachen oder kaputt machen. Verschiedene Farben übermitteln verschiedene Botschaften und haben einen wirklich wichtigen Einfluss auf die Qualität eines Fotos.

Lebhafte Farben, wie beispielsweise Rot- und Gelbtöne, wirken energetisch, interessant und aktiv, Blau- und Grüntöne hingegen wirken beruhigend und sanft. Um kreative Fotos zu machen, ist es von großem Vorteil, die Wirkung von Farben miteinander und deren Einfluss auf ein Bild zu kennen.

Farben begegnen uns überall, vor allem bei Makro-Aufnahmen von Insekten gibt es viele beeindruckende Farbnuancen.
Natur, Städte, Menschen und ihre Kleidung, Häuser, Straßen, Himmel und Strände – alles um uns herum ist von Farben ausgefüllt. Man muss sich nur umschauen und seine Augen darauf trainieren. Wenn du dich fotografisch weiterbilden möchtest, ist es wichtig, den Farben Aufmerksamkeit zu schenken und sich ihrer emotionalen Komponente und Wirkung bewusst zu werden.

Zusätzlich ist es wichtig zu erwähnen, dass es zwei Arten von Farben gibt: Subtraktive und Additive. Jeder dieser Typen besteht selbst aus zwei eigenen Arten, den primären und den sekundären Farben. Malerei, Fotografie und gedruckte Medien verwenden subtraktive Farben, und um diese dreht es sich in diesem Artikel.

Bild von PhotoTuts+

Rot, Blau und Gelb sind die primären subtraktiven Farben, die dazugehörigen sekundären subtraktiven Farben sind Violett, Orange und Grün.
Beim Mischen von Rot und Blau entsteht Violett. Blau und Gelb ergibt Grün und Gelb mit Rot wird zu Orange. Beim Mischen von gleichen Teilen der Farben Blau, Rot und Gelb erhält man schwarz.

Die Farben, die sich im Farbkreis oben gegenüberstehen, werden als Komplementärfarben bezeichnet. Kombiniert man diese Farben, dann ergänzen und verstärken sie sich. Wenn man sich mit einem Farbkreis auseinander setzt, bekommt man ein besseres Verständnis für Farben, wie sie aufeinander wirken und sich ergänzen, und kann das Wissen dann richtig in seinen Bildern ausnutzen.

Beachte, dass Gelb, Rot und Orange als warme Farben gelten, da diese mit Sonne und Feuer assoziiert werden. Blau, Violett und Grün hingegen gelten als kalte Farben, da diese mit Schnee, Wasser und Schatten in Verbindung gebracht werden.

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Fazit

Abschließend ist zu sagen, dass Gestaltungselemente die grundlegendsten optischen Komponenten jeglicher Komposition sind. Das Verstehen der Gestaltungselemente, mit ihren Effekten, ihr Zusammenspiel und die mit ihnen übermittelnden Botschaften, bilden eine Möglichkeit, Fotografien aufzuwerten und atemberaubende Arbeiten einzufangen, die Menschen berühren.

Es handelt sich um Grundbausteine, um eigene Kunstwerke anzufertigen. Die Kombination dieser Elemente und das Wissen, wann und wie sie einzusetzen sind, machen Bilder viel effektiver und zweckmäßiger. Diese Elemente umgeben uns tagtäglich, wir müssen nur unsere Augen darauf trainieren, sie wahrzunehmen und festzuhalten. Wir müssen unseren Verstand und unsere Wahrnehmung schärfen, eigene Gefühle und Ideen zu vermitteln. Dann, aber nur dann, werden Werke zum dramatischen Blickfang.

Phototuts+ ist eine gute Quelle, um die Grundlagen der Fotografie zu erlernen. Solltest du Fotografie lieben, so findest du auf Phototuts+ eine wahre Fundgrube an nützlichen Ratschlägen. Behalte Phototuts+ im Hinterkopf, da dort auch regelmäßig ein Lomography-Tipster pro Monat vorgestellt wird – deiner könnte der nächste sein!

geschrieben von plasticpopsicle am 2012-12-02 in #gear #tutorials #tipster #lomography #tipp #uebersicht #theorie #analoge-fotografie #phototuts #bildkomposition #gestaltung
übersetzt von wolkers

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