Anthotypien – Ein Druck mit Pflanzen

Es ist möglich, Fotografien nur mit Pflanzenextrakt aus Schalen von Früchten und Pigmenten von Pflanzen zu drucken. In diesem tollen Tipster von Malin Fabbri von alternativephotography.com kannst du lernen, wie das geht!

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Was du benötigst

Wahrscheinlich musst du nicht einmal einkaufen gehen, bevor du eine Anthotypie machst. Alle Materialien, die du brauchst, findest du wahrscheinlich in deiner Küche.

  • bunte Blütenblätter, Beeren oder andere (farbige) Pflanzen
  • Mörser und Stößel oder ein Küchenmixer
  • Glasgefäß oder eine Keramikschale zum Mischen
  • Wasser (wenn möglich destilliert) oder Alkohol
  • Käseleinen, Kaffeefilter, Baumwolltuch oder ein sehr feines Sieb
  • Pinsel
  • Kunstdruckpapier
  • Glasrahmen ohne Rand oder Kontaktabzugrahmen
  • Ein großes Diafilmpositiv (kein Negativ!) oder Materialien, um Fotogramme zu machen
  • Sonnenlicht

Empfehlenswert…

  • Zeitung, um deine Arbeitsfläche abzudecken
  • Schere
  • Plastikhandschuhe
  • Schürze oder altes T-Shirt
  • Putztuch
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Anthotypie Schritt für Schritt

Der Prozess der Anthotypie besteht aus drei Schritten: das Herstellen der Emulsion, das Vorbereiten des Arbeitsmediums und der Druck. Bevor du beginnst, musst du deine Arbeitsflächen bedecken. Ziehe deine Plastikhandschuhe an, eine Schürze oder ein altes T-Shirt, bedecke deine Arbeitsfläche mit alten Zeitungen und es kann losgehen. Farbpigmente können deine Arbeitsfläche blau, rot oder grün und deine Hände bunt färben.

Schritt 1 – Herstellen der Emulsion – Zerreibe, püriere oder vermische die Pflanze

Eine Emulsion für eine Anthotypie kann aus vielen verschiedenen Pflanzen gewonnen werden. Es gibt viele Pflanzen, die man wählen kann. Das Buch „Anthotypes – Explore the darkroom in your garden and make photographs using plants“ zeigt eine breite Auswahl an Pflanzen und man sieht auch Beispiele in der Galerie der Anthotypien.

Anthotypie von Rosemary Horn von assist2010.ning.com

Stößel und Mörser oder Mixer?

Einen Mörser für Blütenblätter zu verwenden ist ergiebiger, weil ein Druck mit ein oder zwei Blumen erstellt werden kann. Beim Mixer dagegen braucht man ein dutzend Blumen, die zermalmt werden müssen. Wenn die Pflanzen, Blätter oder Beeren zu trocken sind, verdünne sie ein wenig.

Verdünner

Verschiedene Verdünner können benutzt werden – mit verschiedenen Ergebnissen versteht sich! Meine persönliche Wahl fällt immer auf ein paar Tropfen Alkohol.

  • Leitungswasser
  • aufbereitetes Wasser (deionisiertes Wasser)
  • Brennspiritus
  • billiger Wodka
  • Feuerzeugbenzin
  • Paraffinöl
  • Olivenöl
  • Rapsöl
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Verwenden von Stößel und Mörser

Vorteile

  • Man braucht nur ein paar Blütenblätter, um einen Druck zu machen
  • Therapeutisch
  • Stärkt die Armmuskulatur
  • Schnell und einfach zu säubern

Nachteile

  • Die Schale kommt nicht in die Mischung, sondern wird abgesiebt
  • Du könntest Schwielen oder Blasen bekommen

Verwenden eines Küchenmixers

Vorteile

  • Schnell, wenn man viele Drucke anfertigt
  • Schalen von Beeren und Früchten können verwendet werden

Nachteile

  • Laut
  • Viele Blütenblätter sind notwendig
  • Das Putzen dauert

Abseihen der Emulsion

Wenn die Mischung vermengt oder zerstoßen wurde, wird sie durch ein Käseleinen, ein Stück Stoff oder einen Kaffeefilter gegossen und damit gefiltert. Drücke dann mit einem Löffel den restlichen Saft aus den Überresten aus. Wenn du verschiedenen Emulsionen abseihen musst, denke daran das Käseleinen oder den Stoff zu waschen bzw. einen anderen Kaffeefilter zu verwenden, sonst könnten deine Emulsionen verschmutzt werden.

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Schritt 2 – Vorbereiten des Mediums

Jegliches Papier, das die Emulsion aufnimmt, kann benutzt werden. Es ist von Vorteil ein dickeres Papier zu verwenden, weil es für einige Tage oder Wochen in der Sonne liegen wird. Teste einige Medien oder dickere Papiere für Aquarell- oder Wasserfarben, bevor du loslegst, damit du weißt, wie die Medien auf die Emulsion reagieren. Wenn du dich damit sicherer fühlst, kannst du versuchen andere Materialien mit der Emulsion zu bestreichen oder zu bedrucken. Denke daran, dein Material wird einige Zeit in der Sonne liegen, also sollte es nicht zu instabil sein.

Arbeite immer in einer schwach beleuchteten Arbeitsumgebung, weil helles Sonnenlicht die Farbe der Emulsion zerstören wird. Bereite zuerst einen Bereich vor, an dem das Papier bzw. Medium trocknen kann, bevor du es mit der Emulsion bedeckst.

Bestreichen oder Tunken?

Es gibt zwei Möglichkeiten die Emulsion auf das Papier zu bringen – entweder du bestreichst das Medium mit einem Pinsel oder du tauchst das Papier in der Emulsion ein. Jede Technik wird dem Endprodukt einen anderen Look verpassen. Wenn du einen Pinsel verwendest, kannst du Pinselstriche auf dem Papier hinterlassen, was mehr nach handarbeit aussieht. Tunken verleiht dem Endprodukt eine einheitliche Struktur.

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Schritt 3 – Drucken der Anthotypie

Objekte oder Positive (keine Negative, weil sich die meisten Emulsionen unter Lichteinfluss aufhellen) werden auf das Material gelegt, um es zu drucken. Eine Anthotypie wird in der Sonne „gedruckt“ und das tage- oder wochenlang.

Die Anthotypie entwickelt sich, wenn die Sonnenstrahlen die Farben der Pigmente zerstören und den Druck so ausbleichen.
Jede Emulsion braucht eine eigene Belichtungszeit. Einige brauchen ein paar Stunden, manche brauchen Wochen. Klatschmohn (Papaver rhoeas) lässt eine der empfindlichsten Emulsionen entstehen. Sir John Herschel fand heraus, dass der Saft der Ringelblume und der Japanischen Kerrie (Corchorus Japonica) am schnellsten seine Farbe verändert. In hellem Sonnenlicht verändern sie schon nach 10 Minuten ihre Farbe. Mrs Somerville fand heraus, dass der Saft der dunkelroten Dahlie ebenfalls schnell seine Farbgebung verändert.

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Die tausenden verschiedenen Pflanzenemulsionen benötigen verschiedene Belichtungszeiten und die Stärke der Sonneneinstrahlung, die sich ja nach Jahreszeit, Wetter und Ort verändert, spielt dabei auch eine Rolle. Eines ist sicher, es ist eher eine Frage von Tagen oder Wochen, nicht Minuten oder Stunden. Geduld ist von Nöten.

Kein ausspülen, fixieren oder weiteres ist nötig. Die Anthotypie kann jetzt an einer Wand aufgehangen und bewundert werden. Aber die Wand sollte nicht direkt der Sonne ausgesetzt sein, sonst werden auch die dunklen Bereich des Papiers verblassen.

Das ist eine kurze Abhandlung, wie man Anthotypien macht. Wenn du mehr darüber erfahren willst, empfehlen wir dir wärmstens das Buch Anthotypes – Explore the darkroom in your garden and make photographs using plants, das detaillierte Informationen und eine Galerie mit über 100 Pflanzen, die getestet und bewertet wurden, enthält. Viel Glück!

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geschrieben von Malin Fabbri am 2012-02-16 in #gear #tutorials #labrats #lab-rat #tipster #pflanze #labrat #druck #alternativ #anthotypie #experimentell
übersetzt von wolkers

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