Zellophan: Ein Tipster für kunterbunte Bilder und die Smena Symbol

1

Du bist die trüben und lahmen Bilder leid, die dir misslungen sind? Machen es dir deine langweiligen, billigen Standardfilme und deine durchschnittliche Kamera nicht besonders leicht? Kauf ein paar Büromaterialien und tritt in eine völlig neue Welt ein!

Ich muss ehrlich sein. Ich bin nicht so zufrieden mit meiner neuen/alten Smena Symbol, hauptsächlich weil ich ein Kontrollfreak bin. Ich bin nicht gut im Einschätzen und das macht man nun mal mit der Smena. Man kann nicht so nahe rangehen, was ich eigentlich gerne mache, weil sie erst ab einem Meter fokussiert. Du musst die Einstellungen abschätzen (kein Belichtungsmesser); du musst die Entfernung einschätzen, um ein halbwegs richtig fokussiertes Bild zu bekommen; und du musst deine Komposition einschätzen, weil es eine Differenz zwischen der Linse und dem Bildsucher gibt. Ich bin gut darin, die Gegenstände, die ich eigentlich im Bild haben wollte, gar nicht richtig zu treffen. Und das ist eine bittere Enttäuschung, nachdem ich so viele Mühen auf mich genommen habe, um so ein Goldstück zu bekommen.

Hier zum Beispiel wollte ich den Kaktus ablichten…

Bei meinem ersten Versuch mit der Smena hab ich billigen abgelaufenen Film verwendet, um zu sehen, ob sie richtig funktioniert. Tatsächlich waren das aber bis jetzt die besten Ergebnisse, und sie waren aber auch nicht so überwältigend. Deshalb grübelte ich, wie ich einen gewissen Nutzen aus den misslungenen Bildern ziehen könnte.

Ich suchte auf der Lomo-Seite und auf Flickr und bekam ein paar gute Tipps, wie man das Beste aus einer Kamera wie der Smena herausholen kann, die ich so liebe, aber mit der ich mich so rumärgern muss. Und hier sind nun diese Ratschläge.

  1. Fokussieren
    Besorge dir irgendein Gerät oder irgendetwas, mit dem du die Distanz messen kannst und das du überall hin mitnehmen kannst. Du wirst dir immer blöd vorkommen, wenn du es mit dir herumträgst, aber es hilft dir wirklich, die Distanzen besser einzuschätzen (es ist nicht so, als dass ich schon gut darin wäre). Du kannst zum Beispiel ein Maßband (ich hab meines für etwa 3 Euro gekauft) benutzen oder einfach eine Schnur, auf der verschiedene Maße markiert sind.
  1. Analoger Belichtungsmesser
    Die Smena Symbol hat ihren Namen von den kleinen Wetterzeichen, die zu bestimmten Filmempfindlichkeiten passen. Die ISO-Einstellung bestimmt die Blendeneinstellung und somit musst du nur abdrücken und das Licht passend zum Wetter einstellen. Das geht alles gut, wenn du maximal Filme mit ISO 200 benutzt. Filme mit höherer ISO brauchen etwas Mathematik. Außen an der Kamera ist eine Tabelle, die dir Aufschluss über Einstellungen bei Tageslicht oder künstlichem Licht geben soll, aber ich komme nicht wirklich damit klar. Ich glaube, es soll dir sagen, wie du die ISO-Einstellung bzw. Blendeneinstellungen verändern musst, wenn du drinnen fotografierst.

Aber dennoch hat mich das nicht lange aufgehalten. Wenn du also keinen Belichtungsmesser an deiner Kamera hast, gehe auf diese Seite, lade dir die PDF-Datei herunter und drucke sie aus. Du kannst sogar zwischen zwei Größen wählen. Es ist fantastisch.

Beispiel: hier sieht man, dass man für einen ISO 400 Film bei Sonnenuntergängen oder bei Regen die Blendeneinstellung (roter Pfeil) auf die Verschlusszeit (gelb) anpassen muss.

Dein Leben ohne Belichtungsmesser wird sich völlig verändern. Das hilft wirklich sehr. Es ist von der Sunny 16 Regel inspiriert (hier sind auch wieder Bilder dabei). Es ist leicht zu merken oder man kann es natürlich ausgedruckt mitnehmen. Ich habe meinen analogen Belichtungsmesser immer bei meiner Smena; ich stecke den Zettel zwischen den Rücken der Kamera und die Ledertasche. Und es sind sogar kleine Bildchen drauf :)

  1. Die richtige Komposition
    Daran arbeite ich noch, aber wenn ihr Vorschläge habt, bin ich dafür natürlich offen.
  1. Farbe
    Als ich ganz am Anfang die Bilder der Lomo-Community durchsah, war ich ganz bezaubert von den Ergebnissen, die manche Leute erzielten. Knallbunte Farben und Nuancen. Ein Regenbogen voller Hoffnung leuchtete förmlich auf, wenn ich den Verschluss drückte. Aber so leicht ist das nun mal nicht. Es braucht Zeit, Geld und viel Erfahrung, um solche Ergebnisse zu bekommen.

Und sind wir ehrlich: Diafilm (mit dem werden die Farben am knalligsten) und dessen Entwicklung, egal ob regulär oder gecrosst, sind nunmal teuer. Ein Color-Flash ist auch nicht gerade billig. Und Redscale wird nach einer Weile auch langweilig (an dem Punkt bin ich zwar noch nicht angelangt, aber dennoch… Redscale ist der Hammer!) und dann machte ich einen Versuch, wie ich etwas besonders aus meinem Standardfilm machen könnte.

Vielleicht wäre es leichter, wenn durchgehend die Sonne scheinen würde, aber in meinem Heimatort ist es meistens bewölkt und der normale Film wird in solchen Bedingungen irgendwann lahm und fade.

Nachdem ich ein paar Tipster gelesen habe, fiel mir auf, dass viele Leute Objektivfilter (teuer) oder Farbfilter für den Blitz mit ihren Kameras verwenden, um diese wunderbaren Farbeffekte zu erzielen. Ein paar Leute werden sogar richtig kreativ und empfehlen Süßigkeitenpapier (auch wenn ich mir da ein wenig Sorgen darum mache, dass das zu klebrig ist!).

Da begann meine Suche nach farbigen, durchsichtigen Materialien, die ich verwenden könnte. Ich habe Läden mit Büromaterial durchgesehen, aber die meisten davon führten Klarsichtfolien mit komischer Textur und wenn sie durchsichtig waren, dann nicht durchsichtig genug. Sie waren aber stabil genug, man kann sie nämlich biegen, aber ich machte mir Sorgen um die Schärfe meiner Bilder. Deshalb suchte ich weiter. Ich fand ein Bastelbuch für Kinder mit lauter verschiedenen Materialien. Das interessanteste darunter: Zellophan! Ein wenig Kleber und ein paar Scherenschnitte später hatte sich meine Smena für immer verändert…

Nach ein paar Rollen wurde mir klar, dass bestimmte Farben mehrere Lagen brauchen, damit der Effekt sichtbarer wird. Ein leichter Verweis auf die Farbe ist zwar sichtbar, aber wenn es heller ist, sieht man die Farben beinahe nicht.

Gelb lässt alles sonnig aussehen…
Grüner Filter
Pinker Filter
Blau, Gelb und Pink gemischt :)

Bei meinem nächsten Versuch benutzte ich also zwei Lagen Zellophan statt einer. Die Ergebnisse wurden viel intensiver. Ein Fehler meinerseits verwandelte diesen Film unerwartet in eine Studie über Doppelbelichtungen, daher sind einige Farben, die ich ausprobierte, nicht so auffällig, aber andere sind wiederum sehr lebhaft.

Doppelt Blau, Punk, Gelb, Pink, Orange und Blau

Ich muss sagen, dass die bunten Farben meinen Bilder das gewisse Etwas verleihen, selbst wenn ich das Licht oder den Fokus falsch eingeschätzt habe oder das Bild etwas unterbelichtet ist. Sogar wenn ich das eigentliche Bildobjekt verfehlt habe, ist das Bild etwas besonderes und meine misslungenen Bilder sind besser geworden.

Auch wenn das nichts neues ist, hoffe ich, dass euch diese Tipps helfen, wenn ihr ähnliche Probleme wie ich habt und vielleicht ersparst du dir eine Enttäuschung, wenn du anfangs ganz wild darauf bist und dir dann alles misslingt. (Ja Smena, ich spreche leider von dir, ich mag dich immer noch, ich schwöre es… aber ich hab es einfach nicht mit dem Einschätzen….).

Wenn ihr noch ein paar Vorschläge habt, wie ich meine Erfahrung mit meiner russischen Lomo verbessern kann, meldet euch und es freut mich natürlich auch zu hören, wenn ich euch irgendwie helfen konnte. :)

geschrieben von blablabla-anab am 2011-12-30 in #gear #tutorials #diy #filter #smena-symbol #tipster #tipps #kamera #farbe #farbfilter #fokussieren #belichtungsmesser #zellophan
übersetzt von wolkers

Ein Kommentar

  1. lelebo
    lelebo ·

    Ich finde den Tipp klasse! Demnach habe ich mich ebenfalls auf die Suche nach einigen druchsichtigen Kunststoffen gemacht... bisher aber noch kein Zellophan oder ansprechendes Material in meiner Nähe gefunden :(

Mehr interessante Artikel