Mach das beste aus Kodak Aerochrome

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Seit ich meine Aerochrome Alben veröffentlicht habe, wurde ich mit Fragen zu verschiedenen Aspekten dieses unglaublichen Films überschwemmt. Mehrere Lomografen haben mich gebeten einen Artikel darüber zu schreiben, wie man das Beste aus diesem Film machen kann. Und hier ist er.

Von: lazybuddha

Wäre nicht die erstaunliche Resonanz auf meine Alben gewesen, hätte ich nie diesen Artikel geschrieben, denn ich bin noch ein Lomografie-Anfänger. Es gibt viele andere, die besser sind als ich und mehr Erfahrung mit Aerochrome haben. Bevor ich mit Aerochrome experimentierte, suchte ich bei einigen dieser Lomografen Rat und sie waren alle bereit, ihr Wissen zu teilen. Also in diesem Sinne, hier ist das wenige was ich bisher gelernt habe.

Zunächst einige Hintergrundinformationen
Kodak Aerochrome wurde für den Einsatz bei Luftaufnahmen entwickelt, zum Beispiel in der Forstwirtschaft, Kartografie, und für industrielle und militärische Anwendungen. Daher ist er nur in den Größen für Luftbildkameras erhältlich, nämlich typischerweise Rollen in der Größe von ca. 23cm mal 122m. Diese neigen dazu, nicht so recht in eine standard 35mm- oder 120mm-Kamera zu passsen. Die Tatsache, dass man diesen Film jetzt im 120er Format (und sehr selten im 35mm-Format) finden kann, bedeutet, dass jemand ihn in kompletter Dunkelheit klein geschnitten hat und dann wieder eingerollt hat, und dass ist nicht einfach. Zusammen mit der Tatsache, dass er nicht mehr hergestellt wird, bedeutet das, dass er sehr teuer ist, und sehr selten auftaucht. Ein Grund mehr, um vielleicht ein oder zwei der 10 Goldenen Regeln zu ignorieren, und selbst ein bisschen drüber nachzudenken, um das Beste daraus zu machen.

Filter
Aerochrome reagiert auf das gesamte sichtbare Spektrum des Lichts in der gleichen Weise wie normaler Film. Der einzige Unterschied ist, dass seine Empfindlichkeit über 730nm (die Wellenlänge des Lichts wird in Nanometern gemessen) hinaus in den unsichtbaren Nahinfrarotbereich erweitert ist. In der Tat reagieren Aerochrome und andere Infrarot-Filme empfindlicher als normaler Film auf blaues Licht, und deshalb ist ein Filter so wichtig, wenn man echte IR-Effekte erzielen will. Wenn man Aerochrome ohne einen Filter beuntzt, wird man noch immer die intensiven Kontraste und Texturen erzielen, nur ohne die IR-Effekte. Die meisten Leute empfehlen entweder einen gelben oder orangenen Filter zu benutzen, aber ein roter oder sogar ein grüner sollte auch funktionieren. Allgemein gilt, je dunkler der Filter, desto dunkler sind die Rottöne und der Himmel, und desto größer die Kontraste. Je heller der Filter, umso rosafarbener werden die Rottöne, und umso grüner der Himmel. Hier sind einige Beispiele der unterschiedlichen Effekte von verschidenen Filtern.

Roter Filter

Von: lazybuddha

Orangener Filter

Von: lazybuddha

Gelber Filter

Von: lazybuddha

Grüner Filter

Von: shoujoai

Anmerkung: Viele andere Faktoren werden auch einen Effekt auf deine Bilder haben.

Belichtung
Aerochrome ist als 400 ISO bewertet, wenn man einen Geldilter benutzt, das heisst, du belichtest ihn wie einen 400 ISO Film, wenn du einen Gelbfilter benutzt. Jedoch wurde Aerochrome dafür konzipiert, in AR-5 Chemikalien verarbeitet zu werden, wobei E-6 die nächste leicht verfügbare Alternative darstellt. Wenn man ihn in C-41 Chemikalien crossentwickeln will, ändert sich die ISO Bewertung zu ungefähr 320. Alle meine Aufnahmen bisher wurden crossentwickelt und da ich nie einen Belichtungsmesser benutze, ist meine allgemeine Empfehlung für Sonnenschein:
Gelbfilter – f22 1/125 sec
Orangefilter – f16 1/125 sec
Rotfilter – f11 1/125 sec

Wenn man auch nur ein wenig überbelichtet, verliert man die Farbe im Himmel, aber gewinnt dann mehr Details in den Texturen. Wenn man sehr stark überbelichtet, werden die Bilder sehr ausgebleicht. Hier sind ein Paar Beispiele: Das erste ist ein wenig unterbelichtet und das zweite ein wenig überbelichtet.

Verarbeitung
Da Aerochrome dafür konzipiert ist, in AR-5 verarbeitet zu werden, verhält er sich anders als normale Diafilme. Normalerweise bewirkt Crossentwicklung eine extreme Sättigung und starken Kontrast, aber mit Aerochrome kriegt man die größte Sättigung, wenn er in E-6 verarbeitet wird. Crossentwicklung liefert hier eigentlich mehr Details. Da Aerochrome-Bilder dazu neigen, sowieso stark gesättigt zu sein, finde ich dass die erhöten Details durch die Crossentwicklung zu einem Vorteil werden. Für eine detaillierte Analyse und Vergleich siehe diese Review.

Lichtquelle
Die Farbe, die wir (oder die Kamera) sehen, hängt von zwei Dingen ab: und zwar von der Farbe, die das Objekt absorbiert/reflektiert und der Lichtquelle. Um die reale Farbe von einem Objekt wahrzunehmen, muss die Farbe in der Lichtquelle enthalten sein, um reflektiert zu werden. Genauso muss die Lichtquelle IR-Licht enthalten, um die IR-Eigenschaften eines Objekts zu erfassen. Sonnenlicht ist die beste IR-Licht-Ressource, aber Halogenlampen emittieren auch IR. Die meisten anderen künstlichen Lichtquellen emittieren nur sichtbares Licht und erzeugen damit keinen IR-Effekt. Viele moderne künstliche Lichtquellen sind so ausgelegt, dass sie aus Energiespargründen nur eine möglichst kleine Bandbreite abstrahlen. Aus diesem Grund sollte Aerochrome nicht drinnen oder unter künstlichem Licht außer Halogen und Tungsten benutzt werden.

Laub
Alle Arten von Pflanzen, darunter verschiedene Arten von Bäumen und Gras, reflektieren IR-Licht zu einem etwas anderen Grad. Deshalb werden sie im endgültigen Bild alle leicht verschiedene Rottöne aufweisen. Je heller die Filter, desto offensichtlicher werden diese Unterschiede sein. Ein hellgelber Filter zum Beispiel lässt viel mehr Abstufungen von Pink und Rot zu als ein Rotfilter, denn natürlich blockiert der rote Filter die helleren Pinktöne.

Scharfeinstellung
Wenn Licht durch Glas scheint, biegt es sich (bricht) und weil verschiedene Farben verschiedene Wellenlängen haben, werden sie unterschiedlich stark gebrochen. Normale Kamera-Objektive sind geschliffen und beschichtet, um alle sichtbaren Wellenlängen (aber nicht Infrarot) auf den selben Punkt zu fokussieren, nämlich den Film. Weil es eine größere Wellenlänge hat, konzentriert sich IR-Licht hinter dem Film. Dies einzustellen kann knifflig sein, da wir mit etwas hantieren, was wir nicht sehen können. Einige alte Objektive haben einen roten Punkt aufgedruckt, der entworfen wurde, um die Einstellung für IR anzuzeigen. Wenn du nicht das Glück hast, so ein Objektiv zu haben, ist es am besten 1/3 bis 1/4 näher zu fokussieren, als der sichtbare Punkt, aber man muss es meistens einfach Ausprobieren. Wenn du eine kleinere Blende benutzt, sind deine Chancen auf Erfolg natürlich besser, denn so wird die Schärfentiefe vergrößert. Mit einer großen Blende exakt zu fokussieren ist sehr schwierig.

Andere Faktoren, die einen Einfluss auf dein endgültiges Bild haben könnten, sind solche ungewöhnlichen Sachen wie atmosphärische Bedingungen oder sogar die Höhe über dem Meeresspiegel. IR-Film ist wirklich ein Fall, bei dem man experimentieren muss, um zu sehen, was funktioniert. Doch wenn man sich ein bisschen vorbereitet, kann man die Enttäuschungen auf einem Minimum halten. Viel Glück!

geschrieben von lazybuddha am 2011-12-18 in #gear #tutorials #film #tutorial #filter #tipster #aerochrome #cir #ir #infrarot #eir-color-color-kodak #kodak-aerochrome
übersetzt von nadinadu

6 Kommentare

  1. co
    co ·

    Wirklich ganz tolle Bilder! Super review! Danke fürs teilen.

  2. rubia81
    rubia81 ·

    Super Review :)
    da krieg ich glatt Lust, das auch mal zu probieren...

  3. lienchen
    lienchen ·

    wow,... super schöne Bilder. Es kribbelt der Knipse-Finger!!
    Danke für die Hilfestellungen!

  4. georgebaker
    georgebaker ·

    Tolle Bilder, das erste sieht aus wie gemalt! :) Leider ist der Film fast nicht aufzutreiben.

  5. trash-gordon-from-outer-space
    trash-gordon-from-outer-space ·

    Toller Artikel. Sehr hilfreich und ausführlich. Vielen Dank dafür!

  6. peterpan61
    peterpan61 ·

    Toll. Gute Anregung und Hilfestellung

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