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What It Takes: United States Camera Corp. Reflex II

In der dritten Ausgabe von „What It Takes“ tauche ich in die Welt des Filmumspulens ein, um eine alte Bakelit 620 Kamera wiederzubeleben, von der man meinen möchte, es sei eine TLR. Ich verrate es gleich: Es ist keine!

Bevor wir beginnen, erkläre ich die Grundregeln von „What It Takes“:

  • Ich kaufe, finde oder komme auf andere ehrliche Weise an eine Kamera für insgesamt maximal $50.
  • Ich kratze den Dreck ab, poliere alles, damit es anständig aussieht und die Kamera sollte (vielleicht nur primitiv) grundlegend funktionieren, so dass man eine Rolle Farbfilm oder Schwarzweiß-Film belichten kann.
  • Ich zeige die Bilder, die ich damit gemacht habe, die Kamera und erzähle dir, wie man sie wieder hinkriegt.

Hast du schon mal eine alte Kamera entdeckt, die einfach fantastisch aussieht, tolle Funktionen hat, in gutem Zustand ist und du denkst, du kannst damit fotografieren… Bis, ja, bis dir auffällt, dass der Film für die Kamera nicht länger produziert wird oder nicht in der Form verkauft wird. Die Kamera wird nicht deine erste Wahl sein, weil sie zu umständlich ist und weil es zu schwer ist, Film zu finden. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich will wirklich nur Kameras, die ich benutzen kann!

Nun, ich bin hier um dir zu sagen, dass dich zumindest bei 620-Format-Kameras nichts davon abhält, so viel Spaß mit den Kameras zu haben, wie mit deinen anderen Mittelformatlieblingen. Lies weiter und erfahre, wie ich das Objekt dieser Woche, eine USC Reflex II Boxkamera, wieder zum Leben erweckt habe.

Die USC Reflex II ist eine Pseudo-TLR-Kamera. Das bedeutet, dass der Fotograf durch einen Bildsucher auf Hüfthöhe den Bildausschnitt sehen kann, wobei die Sucherlinse nicht den Fokus der richtigen Aufnahme zeigt, die die echte Linse macht. Das war ein Trick, um billige Schnappschusskameras aus Massenproduktionen raffiniert aussehen zu lassen (und weniger beschämend). So ähnelten sie TLRs aus Europa, die auf dem höchsten Stand der Technik waren. Wie viele Boxkameras, läuft die Reflex II mit 620 Film, der heutzutage von keiner Firma mehr hergestellt wird.

Als ich die Kamera auf einer Auktionsseite im Internet für etwa $23 erstand, hatte ich keinen Plan, wie ich das mit dem Filmproblem regeln wollte: außer es zu überdenken, wenn die Kamera kommt. Ich wusste, dass das Filmlabor in meiner Gegend 120er Film auf Spulen für 620er Kameras verkauft, also wenn nichts klappen sollte, könnte ich einfach diese kaufen und könnte fotografieren.

Ich dachte nach, als die Kamera aus Nebraska zu mir kam: Film zu kaufen, den ein anderer modifiziert hat, widersprach meiner Bastlernatur und deshalb wollte ich die Dinge selbst in die Hand nehmen und meinen 120er Film selbst umspulen. Ich war überrascht, wie einfach das ist. Ich konnte nicht wirklich Bilder davon machen, wie ich das gemacht habe, weil ich in einer Dunkelkammer war, aber so geht es:

In einem komplett abgedunkeltem Raum (ich weiß, das habe ich gerade gesagt, aber es lohnt sich, das zu wiederholen, wenn du das nämlich nicht in einem völlig dunklem Raum machst, ruinierst du deinen Film), wickelst den Film und die Rückseite aus Papier von einer unbelichteten Rolle 120er Film ab, so dass das mit „belichtet“ beschriftete Ende außen ist. Wickle den Film dann auf eine 620 Spule. Achte darauf, dass alles eng und gerade aufgewickelt ist.
Etwas kompliziert ist das nur, weil nur ein Ende des Films an der Rückseite aus Papier befestigt ist. Also wenn du nun den Film auf eine 620er Spule wickelst, musst du vielleicht dort inne halten, wo der Film am Papier angebracht ist, den Kleber lösen und den Film neu andrücken, damit der Film gerade und gespannt angebracht ist. Wenn du das nicht machst, hast du einen Buckel in deiner Filmrolle. Das könnte zu vernebelten Bildern oder Light Leaks führen.
Wenn deine Filmrolle voll ist, willst du den Film vielleicht wieder auf die 120er Spule wickeln, außer du bist dir wirklich sicher, dass dein Labor dir die 620er Spule wiedergibt.

Im Fall der USC Reflex musste der Film unbedingt umgespult werden, weil der Film in eine Spindel geladen wird, die durch das Innere der 620er Filmspule verläuft. 120er Spulen passen nicht in diese besondere Spindel, weshalb ich aber auch nicht den modifizierten 120er Film von meinem Labor hätte benutzen können.

Das Filmproblem war gelöst und meine Kamera lag in der Post. Es war an der Zeit, die Kamera zu säubern. Ich nahm sie aus der Packung und inspizierte sie. Eine Kameratasche war dabei, die von außen gut aussah, aber innen schabte sich das Material ab und fiel auf die Kamera. Ich sah sofort, dass die meiste Arbeit darin bestehen würde, alle Teile der Kameratasche zu entfernen, die sich an und in der Kamera abgesetzt haben.

Ich habe alles außen an der Kamera mit einem Linsenreiniger, einem Blasebalg und viel Geduld gereinigt. Leider war immer noch Schmutz in der Kamera und es gab keine Möglichkeit, die Linse von innen zu reinigen. Ich habe so viel von innen her gereinigt, wie möglich, aber egal was ich tat, diese kleinen Fussel waren immer noch da. Ich dachte ein wenig darüber nach, wie ich sie entfernen könnte und beschloss, es einfach so zu lassen. Ich erwartete keine kristallklare Präzision von einer Boxkamera, weshalb ein paar Fussel nicht so viel ausmachen würden. Ich legte meinen umgespulten Fuji Reala 100 in die Filmspindel unten an der Kamera und machte Testbilder auf Farbfilm.

Ich sah mir ein paar alte Werbungen für diese Kamera im Internet an und ein Spruch besagte “The picture you SEE is the picture you GET” (dt.= Du BEKOMMST, was du SIEHST!). Das wollte ich auf die Probe stellen.

Ich nahm die Reflex II einen Tag mit und mir fiel auf, dass die Tür der Kamera nicht so verschloss, wie sie sollte. Als Holga-Besitzer muss man immer auf Light Leaks vorbereitet sein und deshalb hatte ich ein paar Streifen Isolierband bei mir, um das Problem zu lösen… bis das Klebeband riss und ich doch ein paar Light Leaks bekam.

Der Bildsucher der Kamera ist ziemlich toll. Du bekommst ein helles Bild, dass mit der Größe der Belichtung übereinstimmt. Es ist ein wenig verzerrt vom Spiegel, aber alles war scharf und fokussiert… und da kam schon der Niedergang ihres Mottos. Natürlich war nicht alles, dass ich im Bildsucher sah, später im Bild richtig fokussiert. Objekte nah an der Linse waren völlig unfokussiert, aber Dinge, die weiter weg waren, waren scharf und zeigten eine gute Farbgebung.

Die Einstellungen an der Kamera sind, hm… nun, es gibt keine. Kein Fokus, keine Blende, nicht mal ein ein I/T Schalter. Aber das hielt die United States Camera Company davon ab, eine Funktion einzubauen, die Doppelbelichtungen vermeidet. Es ist die einzige automatische „Funktion“ der Kamera. Aber das kann man umgehen, wenn man den Metallknopf unter dem Verschlusshebel drückt. Die fehlenden Einstellungen machen die Aufnahme interessanter. Ich hatte keine Idee, welche Blende die Kamera hatte. Ich konnte ja nicht einmal einen externen Belichtungsmesser benutzen, um die Belichtung einzuschätzen. Auch die Sunny 16 Regel hilft dir nicht. Bei der Kamera muss man „drücken und beten“. Eine Kamera, die für die Regel #6 (Don’t Think) produziert wurde.

Hier kannst du alle Einstellungen der Kamera sehen: den Verschlusshebel und den Metallknopf für die Doppelbelichtungen.

Ich musste ein paar Tage warten, bis es hell genug war, um einen Schwarzweiß-Film zu knipsen. Dieses Mal mit einem umgespulten Kodak TMAX 400.

Light Leaks waren hier eher ein Problem, aber ich war wirklich beeindruckt von der Schärfe der Bilder, wenn etwas vor der Linse im richtigen Fokus war.

Obwohl (oder gerade weil?) diese Kamera so begrenzt funktioniert und einen Tick hat, machte es Spaß damit zu fotografieren. Das Gehäuse aus Bakelit ist leicht und doch stabil. Es sieht ziemlich cool aus und der Bildsucher auf Hüfthöhe, wie bei TLRs, bringt dich dazu, aus einer anderen Perspektive zu fotografieren. Das macht die Bildkomposition herausfordernd und inspirierend. Es ist eine großartige Kamera, um an die Grenzen des „Don’t Think“ Konzeptes zu gehen oder einfach eine Auszeit davon zu nehmen, alles an einer Kamera einzustellen. Es erinnert mich daran, dass manchmal die Hoffnung, dass die Dinge gut werden, genug Vorbereitung ist.

Hier die Testrolle in Farbe und die Testrolle in Schwarzweiß.

Bilder und Worte von Dan Arnold. Dan lebt, schreibt und sammelt Kameras in Vancouver, Washington, und arbeitet in Portland, Oregon. Lies mehr in seiner Serie What It Takes

geschrieben von dinospork, übersetzt von wolkers

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Der Originalartikel wurde in folgender Sprache verfasst: English.