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What It Takes: Universal Mercury II

In der ersten Ausgabe dieser regulären Serie "What It Takes" verwandle ich eine dreckige, aber ungewöhnliche alte Halbformatkamera von einem Fiasko in eine fotografische Wunderwaffe, mit nichts als ein wenig Ellenbogenchmalz und einem Tropfen Kleber. Lies weiter und erfahre wie.

Bevor ich über die Geschichte der Kamera berichte, dachte ich, es wäre von Vorteil, zunächst die Grundlagen für diese Serie durchzugehen, falls du den ersten Artikel verpasst hast. Die Idee ist, dass ich eine Kamera so günstig wie möglich erstehe und sie wieder soweit repariere, dass sie in den Grundzügen funktioniert. Mit den Kameras haben sich folgende Regeln angesammelt:

  • Die Kosten für die Kamera müssen unter $50 liegen. Darin beinhaltet sind Versandkosten, Steuern, Ersatzteile und alles, was nötig ist, um die Kamera wieder herzurichten.
  • Wenn ich eine Wahl zwischen einer schmutzigen, alten und einer neuwertigen, sauberen Kamera für das gleiche Geld habe, nehme ich die schmutzige.
  • In den Grundzügen funktionieren bedeutet, dass sich der Verschluss öffnet (schließen ist optional) und dass der Filmspulmechanismus funktioniert, so dass ein Bild dabei rauskommt. Ich versuche zwar, die Kamera wieder so zu restaurieren, dass sie wie ursprünglich vorgesehen funktioniert, aber das sind die Grundfunktionen, die ich hinkriegen muss, bevor ich fotografieren kann. Selbst wenn ich Fotopapier verwenden muss und eine Objektivkappe als Verschluss nutzen muss, werde ich Bilder von jeder Kamera bekommen. Wenn eine Kamera von Anfang an in gutem Zustand ist, dann werde ich sie verbessern.

Jetzt, wo das klar gestellt ist, geht es weiter!

Die erste Kamera, die ich zeige, ist die Universal Mercury II, die nach dem 2. Weltkrieg hergestellt wurde und mit einem Rotationsverschluss ausgestattet ist. Mercury Kameras waren die ersten mit einem Hot Shoe, eine Funktion, mit dem heutzutage fast alle Kameras ausgestattet sind und das auch heute noch verwendet wird. Die Kamera habe ich von einer Online Auktionsseite für $22.99 mit kostenlosem Versand aus Gibsonville in North Carolina.

Sie sah aus, als wäre sie die letzten 30 Jahre in einer Tierhöhle versteckt worden, bedeckt von schmierigem Dreck und Tierhaaren. Meine erste Aufgabe war die Säuberung aller Optiken. Dazu habe ich Wattestäbchen und Linsenreiniger benutzt (damit werden auch Brillengläser gereinigt).

Zuvor:

Danach:

Von da an war die größte Herausforderung, herauszufinden, wie alles funktioniert! Das Design der Kamera war nicht nur neuartig, als sie herauskam, sondern sie war auch für mich ganz neuartig, weil sie ganz anders war als die Kameras, die ich bis jetzt verwendet hatte.

Die Blendeneinstellung war ziemlich leicht zu verstehen, weil ein Zeichen dafür unter dem Dreck und dem Katzenhaar zu finden war. Der Fokus war etwas schwieriger, weil er so präzise war (14 feste Fokuseinstellungen von 0,45 Meter bis “Unendlich”), aber das konnte ich nicht visuell feststellen, weil der Bildsucher nicht mit dem Bild übereinstimmt. Rangefinder waren damals ein Accessoire für die Kamera und ich habe keinen davon. Zum Glück gibt es eine praktische Tabelle zur Tiefenschärfe direkt an der Kamera und die Spannen waren ziemlich weit! Bei f/8 fokussierte ich auf etwa 3 Meter, und es sollte alles zwischen 1,5 Meter bis “Unendlich” im Fokus sein!

Nach dem Testen und Erkunden des Objektivs und der Blendeneinstellung, machte ich mich auf zum Verschluss. Nach viel Herumbasteln habe ich herausgefunden, dass der Verschluss mit dem linken Knopf gespannt wird und die Verschlusszeit wird dann mit dem rechten Knopf gewählt. Die Verschlusszeit kann man erst ändern, nachdem der Verschluss gespannt wurde. Zudem kann man mit der Kamera keine Doppelbelichtungen machen. Die Verschlusszeit ist das Ergebnis der Lücke zwischen den zwei Platten im runden Gehäuse. Die Geräusche des Verschlusses hören sich immer gleich an, egal wie schnell der Verschluss eingestellt ist. Ich konnte also nicht einschätzen, wie genau die Verschlusszeit ist, aber ich konnte sehen, dass es funktioniert und der Filmspulmechanismus funktionierte, wenn der Verschluss betätigt wurde. Nach der dritten Regel war das Ding sowas von bereit zum Fotografieren, deshalb legte ich einen Kleinbildfilm ein und machte die Kamera zu.

Was mir an der Mercury II noch gut gefällt, ist die Belichtungsanleitung auf der Rückseite der Kamera. Indem man die drei Einstellräder je nach den Umständen verwendet, kann man eine sinnvolle Kombination aus Verschlusszeit und Blende herausfinden, falls du dich nicht mehr an die Sunny 16 Regel erinnerst.

Eine Sache, die mich noch störte, war der Kunstlederbezug, der sich abschälte. Ich habe E6000 (Kleber) herausgeholt und habe einfach alles festgeklebt, damit ich meine Ruhe hatte. E6000 ist dafür großartig. Man verwendet den Kleber auch, um Schmuck zu reparieren und er wird beim Trocknen durchsichtig. Mit ihm kann man aber auch lose Stellen einer Kamera wieder zusammenkleben.

Weil das eine Halbformatkamera ist, wusste ich, dass ich eine Marathon-Testrolle haben würde, weil ich 45 Aufnahmen auf eine Filmrolle mit 24 normalen Belichtungen bekam, weshalb ich sofort in der Nacht mit dem Fotografieren begann. Hier ist eine Auswahl der Aufnahmen von der Schwarzweißen-Testfilmrolle:

Wie man sehen kann, hatte ich so meine Schwierigkeiten mit der Kamera. Wenn alles richtig eingestellt war, sind die Aufnahmen toll geworden, aber ich habe den Dreh noch nicht heraus mit dem Fokus. Das Fotografieren hat viel Spaß gemacht und ich bin einige Male auf der Straße von Leuten angehalten worden, die mich fragten, was ich denn da in der Hand hielt. Als ich mit dem ersten Film fertig war, habe ich einen Farbfilm getestet:

Sieh dir alle Schwarzweiß-Testaufnahmen in diesem Album an.
Die Farbaufnahmen befinden sich in diesem Album.

Ich denke wirklich, dass diese Kamera die besten Ergebnisse mit Schwarzweiß-Film erbringt und es gefällt mir, wie manche der Straßenaufnahmen wie Bilder aus den 1940ern aussehen. Die Farbaufnahmen waren nicht besonders lebendig, was aber auch am abgelaufenen Film liegen könnte. Es war auf jeden Fall toll mit ihr zu fotografieren und die Kamera wird auf jeden Fall eine Kamera sein, die ich für Nacht- und Schwarzweiß-Aufnahmen verwenden werde.

Das ist genau die Art derb-aussehender Kameras, die billig und leicht zu reparieren ist. Das hätte wirklich jeder hinbekommen können. Und obwohl die Kamera schon fünfzig Jahre alt ist, wird diese Kamera auch in Zukunft exzellente Bilder produzieren.

Bilder und Worte von Dan Arnold. Dan lebt, schreibt und sammelt Kameras in Vancouver (Washington) und arbeitet in Portland (Oregon). Lies weitere Artikel seiner Serie What It Takes.

geschrieben von dinospork, übersetzt von wolkers

Ein Kommentar

  1. dinospork

    dinospork

    Thanks for translating!

    vor mehr als 2 Jahre · Spam melden

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